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 Forgotten Children

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Roel Salem
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BeitragThema: Forgotten Children   Do Dez 19, 2013 8:49 pm

Okay, so... ich mach hier glaub mal die ersten Kapitel von meiner FF hoch, sodass Selli sie mal lesen kann. Ich glaub das hat sie nämlich noch nicht.

Thema: Harry Potter x Doctor Who Crossover, gleichzeitig ne FF über Roel.

Für Spoiler der späteren Geschichte, werde ich manche Kapitel noch nicht hochstellen. Sonst wär mein Plottwist ja weg. Der hat dann aber nichts mit DW zu tun, keine Angst XDD Viel spaß:




Erinnerung 1 – 1937 / Vortex

Metall gegen Metall. Ein Krachen. Funken sprühten vor seinem Gesicht nach oben, sodass der junge Mann zurück zucken musste und seine Hände schützend vor sein Gesicht warf. Es half ihm nicht. Er landete rücklings auf dem Boden der Tardis, spürte wie sein Kopf hart gegen einer der korallenartigen Säulen stieß. Ein schmerzender Blitz schoss ihm vor seine geschlossenen Augen. Er blinzelte heftig, während er sich wieder aufrichtete und sich reflexartig an der Konsole der Zeitmaschine festhielt. Seine Finger krallten sich in einen der nachträglich angebrachten Haltegriffe.
Alles um ihn herum war dumpf und leise. Als ob jemand den Ton runter gedreht hätte oder ihm ein Kissen gegen den Kopf hielt. Ein Kissen wäre jetzt nicht das schlechteste…
„JAQUE, hör gut zu, hörst du mich?!“
Das panische Gesicht des Doctors tauchte plötzlich in seinem Blickfeld auf. Jaque kniff noch einmal die Augen zusammen und nickte dann langsam. Alles drehte sich.
„Die Engel sind hinter mir her, sie fliehen vor dem Riss und haben schon beinah die Tardis ausgesaugt! JAQUE!“
Ihm wurde schwarz vor Augen. Schnell fasste er an seinen Kopf und spürte etwas Nasses. Blut.

Als Jaque wieder seine Augen öffnete war es dunkel. Dunkler als er es jemals zuvor in der Tardis erlebt hatte. Ihr Licht war gedämpft, nur ein leichter Orangeton durchflutete den Raum, wie ein Warnlicht, das in seinen Augen brannte. Die Tardis schien zu schlafen.
Er tastete kurz den Gitterboden entlang, erfühlte erkaltete Asche und kühles Metall, bis er etwas warmes bemerkte und eine Hand ergriff. Er konnte nicht sehen, zu wem sie gehörte, doch er hoffte, dass es der Doctor war. Er musste es sein.
Langsam hob er seinen Kopf, zuckte zusammen als der Schmerz in seinem Schädel zurückkehrte, zog leicht an der Hand. Keine Reaktion.
Er tastete seinen Weg weiter vor zu der auf dem Boden liegenden Gestalt, bis er sah, dass diese auf dem Bauch lag, den Kopf zur Seite gedreht, sodass er nur seinen wuschligen kleinen – was?
Er drehte den Doctor um, nur um in das Gesicht eines Teenagers zu sehen, der bewusstlos da lag. Wer war der Kerl?
Einen Moment lang dachte Jaque ernsthaft der Fremde wäre heimlich in die Tardis gelangt, als sie vor den Engeln geflohen waren, doch dann erkannte er ihn. Es war der Doctor.
Er war geschrumpft. Rückwärts gealtert und der Franzose erkannte ihn nur an seinen zwar immer noch markanten, doch jetzt so jungen Gesichtszügen. Sein perfekt sitzender Nadelstreifenanzug war ihm zu groß geworden, flatterte locker um seinen zierlichen Körper, der allerdings zu seiner Erleichterung leise atmete.
Seine Hand schnellte nach vorn, damit er sofort seinen Puls prüfen konnte, spürte allerdings nur zwei Schläge. Ein Herz. Hatte das andere aufgegeben?
Hilflos sah er sich um, Tränen in den Augen, als ob er einen Moment lang nach jemanden rufen wollte, doch er wusste nicht wen er zu Hilfe holen sollte. Er war schließlich allein mit dem Doctor gewesen.
Der Schmerz in seinem Kopf war nebensächlich geworden, viel mehr verkrampfte sich sein Magen. Ihm wurde bei dem Gedanken übel, dass der Doctor im Sterben lag. Wie starben überhaupt Time Lords? Sie waren Aliens, verdammte Kacke! Alterten sie irgendwie rückwärts, nur um dann zu sterben? Der junge Mann schnappte dabei nach Luft und zuckte zusammen.
Plötzlich summte die Tardis auf, einer der Monitore ging an und ließ mit seinem flimmernden Licht den Kontrollraum kurz aufleuchten, bevor das alte Gesicht des Doctors auftauchte. Im Hintergrund des Videos sprühten Funken, alles schwankte heftig, wie vor Jaques’ Zusammenbruch.
Der Doctor sah ernst in die Kamera, seine Lippen pressten sich kurz aufeinander, als ob er jetzt schon bereute, was er gleich sagen und tun würde. Seine dunklen Augen starrten beinah fast in die seines Freundes, der fassungslos auf den Monitor starrte. Was sollte das? Ein letzter Wille?
„Jaque. Ich konnte dir nicht mehr alles erklären, bevor du das Bewusstsein verloren hast. Die Engel sind hinter mir her. Sie wollen meine Zeitenergie, damit sie dem Riss entkommen können. Ich weiß noch nicht was das für Ding ist, dieser Riss, aber wir werden es heraus finden. Zuerst müssen wir aber die Engel loswerden. Und es tut mir Leid, so Leid, mein Freund. Ich werde den Chameleon Arch einsetzen.“
Die Augen des Blonden weiteten sich bei dem Namen. „Bist du irre?“, knurrte er dem Bildschirm entgegen, bevor er sich wieder zurück hielt und sich daran erinnerte, dass er ihn gar nicht hören konnte.
Der Doctor hatte ihm von dieser Vorrichtung erzählt. Wie er es damals zusammen mit Martha eingesetzt hatte. Bei dieser Geschichte war er danach immer verschwiegen gewesen, als ob durch die Augen des Doctors kurz John Smith blickte und seinen eigenen Tod betrauerte.
Ungläubig starrte er zurück auf den leblosen Körper des Jugendlichen unter ihm und dann wieder zum Doctor.
„Dieses Mal werde ich ihn stärker einstellen müssen“, er schnappte kurz nach Luft und sah ins Leere, als ob er diese Idee noch einmal überdenken müsste. „Die falsche Identität muss perfekt sein. Sonst finden sie uns. Die Tardis wird uns zum richtigen Ort bringen und dir zeigen, was zu tun ist. Lass mich als Mensch keine Dummheiten anstellen. Jaque, ich meins ernst. Keine historischen Ereignisse, keine Brutalitäten und vor allem KEINE Birnen!“ Der Doctor schmunzelte müde in die Kamera und schaltete dann das Video aus. Der Bildschirm flackerte jetzt nur noch, verwandelte das orange Licht in einen wilden rötlichen Schneesturm.

Jaque hob langsam den Oberkörper des nun jüngeren Doctors an, der leicht wimmerte. Er musste die Verletzungen spüren, die er von der Bruchlandung erlitten hatte. Seine Haare waren jetzt blonder als vorher, sicherlich eine Begleiterscheinung des Chameleon Arch, aber dennoch immer noch dunkler als die Jaques’. Dieser fasste sich schließlich an die Stirn und zog scharf die kühlte Luft der Tardis ein. Er machte sich so unendlich Sorgen um seinen Freund und ihn als 15 Jährigen zu sehen, half da nicht viel weiter. Was sollte er denn jetzt tun? Sehr nett vom Doctor ihn einfach so mit seinem hilflosen, menschlichen Körper allein zu lassen-
Leises Knarren rüttelte Jaque aus den wütenden Gedanken. Ein kleines Licht der Tardiskonsole blinkte, leuchtete kränklich auf und die Tür der Zeitmaschine öffnete sich.
Ein altes Stadthaus kam in Sicht, als Jaque den Doctor wieder vorsichtig hinlegte, seinen Kopf wieder auf das Metallgitter bettete und vorsichtig nach draußen ging. Kalte Luft strömte in die Tardis, während der junge Mann aus der Tür trat und in den strömenden Regen, schloss dabei die Tür hinter sich vorsichtshalber. Sein eh schon aufgelöster Pferdeschwanz fiel komplett auseinander und seine Haare klatschten ihm gegen die Stirn und in den Nacken. Gänsehaut bildete sich auf seinen Armen, während er einige Schritte weiter ging.
Ein Mann mittleren Alters stand ebenso nass wie Jaque auf den hohen, steinernen Treppen, die zur Eingangstür hinauf führte und rückte seine Melone mit seiner freien Hand zurecht, die andere hielt eine Aktentasche fest in der behandschuhten Faust, bevor er sich umdrehte und den Jüngeren bemerkte.
„Gardien“, grüßte er ihn ruppig und ging langsam die Treppenstufen hinunter und bevor Jaque auch nur fragen konnte, woher er seinen Namen kannte, schnauzte der Mann ihn unvermittelt an: „Was für eine Ehre! Wo ist mein Sohn? Wo steckt der Bengel?“
Jaque sah ihn mit geweiteten Augen an, die Verwirrtheit stand ihm ins Gesicht geschrieben. Ja super, da hatte die Tardis ihm aber richtig toll geholfen. Sie hatte ihn zu dem richtigen Ort gebracht, um angeschrien zu werden. Wer verdammt war der Typ und woher kannte seinen Namen?
Ehe er stotternd versuchte eine Antwort zu formen, die nicht wirklich die geforderten Informationen enthielt, hörte er Schritte hinter sich. Jaques Kopf zuckte nach hinten.
Der Doctor war aufgewacht, schwankte nach vorn, bis er im Türrahmen der Tardis stand. Seine Anzugjacke war ihm von den schmächtigen Schultern gerutscht und lag wohl im Inneren der Tardis. Er hielt sich seinen Kopf, kniff wie Jaque vor ihm die Augen schmerzverzerrt zusammen und ließ die blaue Klappe hinter sich zu schwingen, sodass man das Innere des Schiffes nicht wirklich erkennen konnte. Ob mit Absicht oder nur durch Zufall fiel die Tür sicher ins Schloss, sodass neugierige Blicke ferngehalten wurden.
Der fremde Mann packte den Doctor sofort am Oberarm und zog ihn zu sich, nur um ihn mit einer wütenden Grimasse anzustarren.
Sofort zuckte der Oberkörper des vormaligen Time Lords zusammen und sein bartloses Gesicht wandte sich von dem Fremden widerspenstig ab. Ein bockiges Kind, das sich jetzt auf die Standpauke gefasst machte, schoss es Jaque kurz durch den Kopf, ehe er auch dazwischen ging.
„HEY!“, Jaque wollte die Hand des Mannes weg schlagen, doch der Fremde schubste ihn mit seiner Aktentasche weg, schlug ihn regelrecht damit.
„Aus dem Weg, Gardien. Zurück auf die Straße mit dir! Und nun zu dir, JUNGE! Was hattest du in dieser Muggelvorrichtung zu tun?!“
Er brüllte den Doctor an, gestikulierte dabei gegen die Tardis, schüttelte den anderen hart, der nur verwirrt blinzelte, bevor er etwas erwiderte. „Ich weiß nicht, ich muss mir den Kopf gestoßen haben“, murmelte er eingeschüchtert. „Entschuldige, Vater…“
Als die beiden Jaque den Rücken zukehrten und die Treppen hinauf gingen, blieb Jaque zurück und starrte ihnen hilflos hinterher, während der regen weiter hart auf seinen kopf prasselte und das Blut seiner Wunde in sein Gesicht wusch.
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Roel Salem
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BeitragThema: Re: Forgotten Children   Do Dez 19, 2013 8:51 pm

Kapitel 0 – Frühling, 1996

Ihre Zunge strich langsam über den abgebrochenen Zahn. Einer der Eckzähne. Sie schmeckte das Blut, das erst durch ihren Mund kroch und dann über ihre Lippe schwappte, bevor sie es geräuschvoll auf das Porzellan vor ihr spuckte. In ihrem Kopf drehte sich alles, als ob sich die Schwerkraft gerade aufgehoben hätte. Einen Augenblick tanzten kleine Lichter vor ihrem Blickfeld.
Knöchel knackten, als sie sich fester in die Seiten des Waschbeckens krallte, bevor sie erleichtert aufatmete. Sie war zu Hause.
Ihre nackten Füße spürten den gewohnten kalten Fliesenboden unter ihren Zehen, über ihre Haut fuhr ein eisiger Schauer. Im Bad war es immer kalt, keine Heizung, sodass sie den Atem vor ihrem Gesicht sehen konnte, der langsam durch die Luft tanzte, bis er sich auf den Spiegel vor ihr absetzte.
Im Spiegel sah ihr eine zierliche junge Frau entgegen, blass mit einer aufgeschlagenen Lippe, die zu einem leicht geöffneten Mund gehörte. Weißblonde, kurze Haare umrahmten ihr Gesicht mit kurzen zerzausten Strähnen, die in alle Richtungen abstanden. Ihre grauen Augen blickten aufmerksam in ihr eigenes Gesicht, die Finger fuhren kurz über die Wunde, sie zuckte zusammen. Es brannte immer, wenn sie hinfasste, doch sie konnte es nicht lassen.
Langsam drehte sich Roel Salem um. Die grauweißen Kacheln der gegenüberliegenden Badewanne lächelten sie glitzernd an, während die Lampe über ihrem Kopf etwas flackerte, während sie die Rohre des alten Hauses hören konnte, die den Regen von draußen auffingen und ein prasselndes Geräusch erzeugten, was leise durch den Raum hallte. Sie seufzte und wischte sich den Mund mit ihrer Hand ab.
Nach so einem Tag wäre wohl jeder glücklich gewesen wieder zu Hause zu sein, obwohl in letzter Zeit jeder Tag diesem hier erstaunlich ähnelte.
Aufstehen, Leute ausquetschen, einen Spion finden, einige Greifer zu Recht biegen, Ins Bett gehen.
Immer das Gleiche, zumindest seit sie nicht mehr in Hogwarts war.
Ihr Abschluss vor drei Jahren hatte alles verändert, zumindest in ihrem Leben. Natürlich könnte man meinen, dass es sich zum Guten verändert hatte, dass sie sich eine Ausbildungsstelle gesucht hatte. Oder sogar anfangen würde die Kunst der Magie auf einem professionellen Niveau zu studieren. Sich zu spezialisieren. Dann irgendeine verstaubte Abteilung im Ministerium zu übernehmen und dann Tag für Tag Formulare abzustempeln. Denn ehrlich gesagt, wie viel anderes war denn da? Jetzt, wo der Krieg wieder in vollem Gange war?
Und da ein Ministeriumsjob sich nicht wirklich von dem unterschied, was sie momentan tat, wäre sie doch sowieso immer das gleiche. Eine Todesserin, die sich mit Greifertruppen herumschlagen musste.
Leute ausquetschen, einen Spion finden, einige Greifer zu Recht biegen.
Genau das war ihr Job. Professionelle Lügen. Sie hatte sich auf die Verschleierung der Wahrheit spezialisiert.
Kurz schmunzelte sie müde ihrem Spiegelbild zu, kniff noch einmal ihre Augen zusammen und blinzelte. Einen Moment lang hatte sie geglaubt etwas gesehen zu haben. Nur Einbildung.
Roel schüttelte ihren Kopf und nahm dann ihren Zauberstab, der neben dem Waschbecken auf dem Boden gelandet war, als sie ins Badezimmer hineingestürzt war. Den würde sie nicht verlieren, nicht schon wieder. Die letzte Woche ohne dieses nützliche kleine Werkzeug hätte sie fast ihr Leben gekostet. Wenn Scabior nicht dazwischen gegangen wäre, als diese Vollidioten sich gegen sie gewandt hatten…
Ihre Beine trugen sie erschöpft und geschwächt vom heutigen Tag hinüber zur Küche, wo sie die alte knarrende Tür aufschob, nur um in einen voll gerauchten Raum zu stolpern. Ihre Augen brauchte eine Sekunde um sich an die neuen Verhältnisse anzupassen, doch sie erkannte schnell, dass sie nicht alleine war.

Jaque stand in der Ecke und zog noch einmal an seinem Zigarillo, sah sie unter seinen grauen buschigen Augenbrauen kurz besorgt an, bevor er wieder schweigend aus dem Fenster sah. Er trug schon wieder diese alte Anzugjacke, die er schon hatte, seit sie denken konnte. Das verblichene Nadelstreifenmuster und der bläuliche Stoff spiegelten sich leicht im großen Fenster, an dass er sich lehnte. Die goldene Uhr, die er immer bei sich trug, lugte mitsamt der ebenfalls goldgelben Kette aus seiner Hosentasche. Kurz blitzte sie auf, als unten in der kleinen Straße ein Auto mit Scheinwerfern vorbei fuhr und den Regen geräuschvoll aufwühlte. Trotz der Dunkelheit im Raum konnte sie sein freundliches Gesicht gut erkennen, musste unweigerlich schmunzeln. Er lächelte sie schließlich herzlich an und winkte sie zu sich.
Roel war die meiste Zeit ziemlich froh, dass er sich in Schweigen hüllte, wenn sie von der Arbeit kam, vor allem was in letzter Zeit zwischen ihnen beiden passiert war. Die Beziehung der beiden hatte sich immer mehr verschlechtert, seit sie immer mehr in die Angelegenheiten der Todesser verwickelt wurde. Natürlich, Jaque war immerhin selbst ein Todesser, zu früheren Zeiten sogar einer ersten Grades, dennoch schien er es nicht gut zu heißen, wenn Roel mehr arbeitete, als sie eigentlich musste. Er kannte ihre Angst nicht. Die Angst, dass, falls sie versagen sollte, sie alles verlieren würden.
Kurz seufzte die Blonde und fuhr sich über ihre kurz geschnittenen Haare, blinzelte zu ihm hinüber, trat unsicher auf beiden Beinen herum, ehe sie schließlich in die Küche eintrat und die Tür hinter sich schloss. Immer noch schweigend strich er sich mittlerweile nachdenklich durch seinen Vollbart und musterte sie besorgt.
Auch Jaque atmete jetzt schwer aus, nachdem er noch einmal einen Zug von seiner kleinen Droge genommen hatte. Er sah nachdenklicher aus als sonst und das sollte etwas heißen. Immerhin hatte sie ihr Antiquariat nun endgültig verloren. Es war komplett in die Hände der Familie Yaxley gefallen, einer Todesserfamilie ersten Grades. Nicht einmal die Malfoys genossen ein so hohes Ansehen wie diese Reinblüter. Dass gerade diese mächtige Familie ihre Finger um die Hälse der beiden schlingen konnte und sie ausquetschen konnte, so viel sie wollten, stempelte Roel inzwischen als besonderen Unglücksfall ab. Sie hielt nicht viel von der Idee, dass das ganze eine persönliche Note hatte.
„Yaxley verlangt nach dir. Seine Tochter soll in unsere Reihen eingeführt werden“, Jaques Stimme klang trocken und beinah so, als ob er über das Wetter reden würde, das im Übrigens Momentan ziemlich scheußlich war. Durch das Fenster, an dem er stand konnte man die dunkle Gasse erkennen, an der ihre ganzen Fenster grenzten. Die kleinen Wohnungen hier waren alle dunkel und grau, vor allem jetzt durch den strömenden Regen, der draußen herrschte und die aufgehängte Wäsche von Mrs. Hampshire ruinierte. Die alte war wohl wieder bei ihren Gameshows eingeschlafen, denn in ihrem nur ca. drei Meter entfernten Fenster konnte Roel es hinter den Vorhängen bläulich flackern sehen.
„Und was will sie dort? Sich das dunkle Mal verpassen lassen, weil es gerade so gut zu ihren neuen Schuhen passt? Weil alle ihre dummen Freundinnen es auch haben?“ Ihre Stimme knirschte heiser. Das Verhör neben dieser verdammten Kneipe hatte heute im Regen geendet.
„Ich schätze ihr Vater möchte, dass sie jetzt wo der Lord das Ministerium übernimmt, ihre Stellung sichern. Ohne dunkles Mal am Sieg ihres Herrn teilzuhaben, sollte sich als eher schwierig gestalten.“
Roel nickte und trat einige Schritte auf ihn zu, ehe sie ihren Kopf auf seine Schulter legte. Er war etwas größer als sie und begann mit seiner freien, nicht rauchenden Hand, ihren Kopf zu tätscheln und ihre wilden Haare ohne Erfolg glatt zu streichen.
Roel hob etwas ihren Kopf, drehte ihn näher zu Jaque. Einen Moment lang dachte sie darüber nach ihn etwas zu fragen, doch sie lenkte diesen Gedanken um und bediente sich stattdessen der Frage, die ihr schon seit einigen Tagen auf der Zunge brannte. Die Frage, die sie ihm eigentlich hatte stellen wollen, wäre jetzt ohnehin nicht angebracht gewesen. Das war ein anderes Thema und würde noch seine Zeit brauchen.
„Jaque…“, sie hielt kurz inne und schüttelte leicht ihren Kopf. „Wir sind ihre Sklaven nicht wahr?“
Der Antiquariat sah auf sie hinunter, berührte ihre Schulter und drückte sie sanft, aber bestimmt etwas von sich weg, nur damit er ihr ins Gesicht sehen konnte. Seine sonst so freundlichen Züge hatten sich zu etwas ernsthaftem versteinert, etwas was auch Roel tief in sich spüren konnte. Erkenntnis. Allerdings hatte sie diese schon vor Jahren gehabt und ob das bei Jaque auch der Fall war, das wusste sie nicht.
„Nein“, begann er schließlich. „Wir haben noch nicht aufgegeben oder? Ich glaub mir, die Geschichte hat bald ein Ende. Bis jetzt hatte jede eines, wenn ich mich nicht täusche. Es hat immer irgendwann aufgehört.“
Einen Moment lang sah Roel ihren Vater an und musterte ihn verwirrt. Sprach er gerade von derselben Sache wie sie? Etwas in seinem Blick war fremdartig, dass sie nicht deuten konnte. So hatte sie ihn noch nie gesehen.
Bevor sie ihn allerdings fragen konnte, gab sie schließlich auf und nickte. Er würde schon seine Gründe haben. Immerhin, er war nicht der einzige der Geheimnisse vor ihr haben konnte. Sie hatte schließlich auch ihre eigenen.


Zuletzt von Roel Salem am Do Dez 19, 2013 9:43 pm bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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Roel Salem
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BeitragThema: Re: Forgotten Children   Do Dez 19, 2013 8:58 pm

Kapitel 2 - Frühling 1996

Den kalten Blick konnte sie die ganze Zeit über spüren. Es war als ob sie dort sitzen würde, so wie immer, mit ihren perfekten und geschmeidigen Beinen, die übereinander geschlagen waren und ihrer ewig knirschenden und magische Nagelfeile, die hastig über ihre langen Fingernägel sauste, während sie einfach ihre Finger in die Luft hielt und Roel die Pest an den Hals fluchte. Ihr Hass beruhte wirklich auf Gegenseitigkeit, der zwischen ihr und Amelia Cotterill. Daran hatte sich seit der Schule nichts geändert, nein, er war sogar noch größer geworden.
Während Amelia die Tochter von Yaxley war, einem der engsten Vertrauten Voldemorts und ehemaligen Politiker, war Roel nur die Tochter von Jaque. Heute war er in den Reihen der Todesser nur der Antiquariat, der verschuldete alte Tattergreis, dem man keine Geheimnisse mehr anvertrauen konnte. Dabei war er nicht einmal alt. Er war 50 verdammt. Und wurde behandelt wie ein Alzheimerpatient.
Während Roel sich noch einmal bückte und die Klamotten der jungen Cotterill aufsammelte, nur um sie fein säuberlich wieder auf ihr Bett zu legen und nach Farben zu sortieren, dachte sie daran wie es früher gewesen war, als sie noch jünger war. Damals hatten sie an rauschenden Festen teilgenommen und ihr Antiquariat hatte damals noch ein Café, sowie einen direkten Anschluss an die Winkelgasse beherbergt, über das Flonetzwerk versteht sich.
Es war nicht so als ob Roel unbedingt zu diesen reichen Schnöseln gehören wollte. Es war vielmehr der fehlende Respekt den sie misste.
„Mir gefällt das nicht wie du das machst, Salem. Lächeln würde schon mal helfen.“ Die hohe Stimme Amelias krächzte durch Roels Ohren. Oh Gott, die Tante hatte sie ja fast schon wieder vergessen.
Mit einem halbherzigen Lächeln richtete sie sich also wieder auf und drehte sich halb zu ihrer Chefin um, damit sie sie mit einem glücklichen Grinsen abspeisen konnte. „Tut mir Leid, Ms. Cotterill, ich hatte fast schon vergessen wie schön es ist ihre Seidenblusen zu sortieren. Ich denke nächstes Mal daran.“ Von der Süßlichkeit ihrer Stimme konnte einem schlecht werden. Inzwischen hatte sie sich angewohnt bei der jungen Frau zu schleimen was das Zeug hält. Die Bestrafungen, die sich Amelia und ihre Familie inzwischen für sie ausgedacht hatten, wären ihr eigentlich sogar relativ egal gewesen, denn ihre normale Arbeit war da weit aus schlimmer, doch die Dinge, die sie Jaque antun könnten. Nein. Sie hatten ihr Geschäft schon verloren, da wollte sie nicht auch noch ganz enteignet werden.
Amelia hatte sich inzwischen damit begnügt angeschleimt zu werden, beobachtete Roel aber immer noch während sie ihre Finger magisch maniküren ließ. Manchmal erschien es ihrer Bediensteten, dass die Blondine sie ganz ehrlich musterte, um heraus zu finden wie sie wirklich tickte. Aber vielleicht bildete sie sich das auch nur-
„Tat es weh?“
Die Stimme der Cotterill ließ Roel kurz zusammen zucken und sie wieder herumwirbeln. Mit ehrlich erschrockenen Augen und ohne die aufgesetzte Fröhlichkeit sah sie sie kurz fragend und verwirrt an, bevor sie dann das Top aus ihren Händen gab und auf das Bett gleiten ließ.
„Was?“
„Na, das Mal.“
Oh Gott, nein. Nein, nein, nein, nein. Dieses dämliche Püppchen meinte es also ernst. Bis jetzt hatte sie ehrlich gesagt noch mit einem dummen Scherz oder einer kurzweiligen Schnapsidee gehalten, aber dass sie das wirklich in Betracht zog.
„Mich würde eher interessieren wozu du das willst. Du stehst ziemlich weit oben in der Nahrungskette, du bräuchtest nicht mal eins“, hauchte Roel, vorsichtig, damit niemand mithörte. Amelia hatte das Thema schließlich angesprochen und würde sicherlich nichts verraten was hier ausgesprochen wurde, soweit kannte sie die andere immerhin schon.
„Du tust ja gerade so, als ob ich an dem ganzen hier nicht teilhaben würde“, merkte die Blondine schließlich herablassend an und ließ ihre Nagelfeile auf den Tisch schweben und stand von ihrem gemütlichen Sessel auf, strich ihr Kleid glatt und sah zu Roel hinauf, die um ein paar Zentimeter größer war als sie. „Ich möchte diese neue Welt aktiv mit gestalten. Auch wenn du nur niedere Arbeiten erledigst, du machst doch das gleiche. Du dienst dem Lord und genau das will ich auch. Nicht nur auf meinem Landsitz die Zeit vertrödeln und Partys feiern, du weißt zu gut, dass ich ehrgeiziger bin.“
Roels einziger Gedanke nach ihren Worten galt daran, wie sie vielleicht irgendwann in Askaban schmoren wurde. Das brauchte sie kurz zum Lächeln, das musste sie gestehen, doch dieses verschwand abrupt wieder als Amelia weiter sprach.
Dass sie Voldemort diente vergaß sie manchmal wirklich. Manchmal fühlte es sich eher an als ob sie den ganzen Tag an einer Supermarktkasse verbracht hatte, wenn sie abends nach hause kam. Auf diesen Gedanken schluckte sie hart.
„Ich glaub du weißt nicht was du willst“, war dann ihr einziger Kommentar, gefolgt von einer kurzen aber unnötigen Bemerkung. „Und ja es tut weh, aber ich glaube das weißt du selbst.“

Das Feuer knisterte, während Roel hungrig in den Spieß Fleisch biss, den sie gerade noch über den Flammen gegrillt hatte. Die Feuerstelle befand sich in den Ländereien hinter Malfoy Manor, in dem zur Zeit Voldemort gastierte. Sie hatten ein Lager aufgeschlagen und mitten in dem Zeltmeer ein Feuer gemacht. Es war Freitagabend, die Arbeit war bis jetzt zumindest erledigt und die meisten Aufträge würden sicherlich bis morgen warten.
Seit sie angefangen hatte mit den Greifern zusammen zu arbeiten, hatten sich daraus wirklich Freundschaften entwickelt, was sie zu ihrem Erstaunen feststellen musste. Bis vor ein paar Jahren hatte sie nämlich noch an die gängigen Vorurteile geglaubt. Greifer sind faul und wollen nur schnelles Geld machen, sie sind brutal und dumm und meistens zu nichts zu gebrauchen, doch das Gegenteil war der Fall.
Die meisten von ihnen waren einfach arm und hatten nichts bis auf ihre Kleider am Leib, andere waren hoch verschuldet wie sie selbst. Die meisten aber waren durch ihre Eltern hier her gekommen, Todesser, die gestorben waren und deren Kinder jetzt als Kanonenfutter missbraucht wurden in diesem dunklen Krieg oder sogar Eltern, die vor dem Sturz des Ministeriums auf der Seite des guten waren und sich jetzt panisch auf die Seite des dunklen Lords schlugen. Dabei mussten die lieben kleinen ja irgendwie untergebracht werden.

iele hatte es dann zu den Greifern verschlagen, weil sie einfach gute Strategen und Zauberer waren, die im Kampfeinsatz mehr taugten als zB in Malfoy Manor um dort als Arschkriecher die Zeit zu verbringen. Eigentlich waren sie die eigentlich Todesser, die Armee, die in diesem Krieg hinhalten mussten, nur damit einer seine Machtgelüste stillen konnte.
Scabior neben ihr hustete und nahm einen kräftigen Schluck aus seinem Horn. Der Met darin schmeckte sicherlich verdammt gut und ließ ihn erleichtert auflächeln, als ob er endlich bemerkt hätte, dass er sich entspannen konnte. Kurz danach reichte er das Gefäß an Roel weiter, die ebenfalls einen Schluck nahm. Der Alkohol brannte in ihrem Hals und wärmte ihr Inneres sofort.
„Ich war heute im Ministerium…“, seine krächzende Stimme verhieß nichts gutes, hörte sich eigentlich fast schon an als ob er bei der alten Kröte gewesen wäre.
„…Bei Umbridge…“ Ha, sie wusste es doch.
„Und?“, Roel sah ihn an und reichte ihm das Horn wieder, begrüßte kurz einige Neuankömmlinge mit einem Nicken, bevor sie wieder zu ihrem Freund sah.
„Sie hat veranlasst, dass ein alter Schulfreund von mir geküsst wurde. Hat gelacht, dabei war er nicht mal ein Muggel. Reinblüter und Hufflepuff, zu schade, dass sich seine Familie raushalten wollte.“
Roel verzog kurz ihr Gesicht zu einer wütenden Grimasse. Es war nicht einmal Umbridge die sie zum kochen brachte, nein, es war wie immer das Verhalten Scabiors. Er war selbst halbblütig und war in diesen Krieg unfreiwillig geraten, was diese Bemerkung jetzt schon wieder sollte, wusste sie auch nicht. Er hatte zurzeit wohl wieder zu viel mit diesen Kerlen zu tun, die aus Spaß Greifer geworden waren. Diese Idioten.
„Und weiter“, knurrte Roel schließlich, sah zum Feuer und musterte die anderen. Jemand stimmte seine Gitarre.
„Na ja… hat mich an damals vor 2 Jahren erinnert, als sie Barty gekriegt haben.“
Roels Gesicht verlor sofort den Ärger über Scabior und sah ihn stattdessen traurig und bleich an. Sie hatte den Todesser gekannt, sehr lange sogar. Als sie noch ein Kind gewesen war, war der junge Barty Crouch Jr. aufgetaucht, gerade mal 15 und schon daran interessiert Todesser zu werden.  Er war so anders gewesen, so vertraut mit dem Lord, wie sie es zuletzt bei ihrem Vater gesehen hatte. Die beiden waren damals das Duo gewesen, dass an der Seite Voldemorts gestanden hatten, seine engsten Vertrauten und manchmal, so kam es ihr vor, auch die einzigen beiden Menschen, die ihn damals noch im Zaum gehalten hatten. Dabei war er nur einige Jahre älter wie sie selbst.
„Noch da?“, fragte Scabior sie schließlich und sie erwachte wieder aus ihrem Tagtraum, bevor sie wieder daran erinnert wurde, worüber sie gerade gesprochen hatten.
Kurz schluckte die Blonde hart. Nach dem großen Ausbruch von Azkaban hatten sie Bartys noch lebenden Körper aus seiner Zelle geschleift und ihn dann nach Malfoy Manor gebracht. Seitdem verrottete er eben dort in irgendeinem Zimmer, auf den Wunsch des Lords. Keine Ahnung was er damit bezwecken wollte.
„Sein Puls war warm, aber er hat sich nicht bewegt. Für immer im Koma und ich darf ihn füttern. Super“, Scabiors Stimme wurde kurz zittrig, bis er sich schließlich eine Kippe anzündete und schnell anfing zu rauchen.
„Was denkst du wird der Lord mit ihm machen?“, begann Roel schließlich wieder nachdem sich ein unangenehmes Schwiegen über die beiden Freunde gelegt hatte.
„Keine Ahnung, es scheint als ob er auf etwas Warten würde, als ob irgendetwas passieren müsste, aber na ja…“ Er grinste kurz schwach in sich hinein. „Damit hab ich heute nichts mehr zu tun. Bellatrix findet ich bin zu ungeschickt.“ Mit einem breiteren Grinsen sah er zu Roel und knuffte sie in die Seite. „Jetzt muss wohl irgendein anderer armer Trottel sich um die lebende Leiche kümmern.“

In den Tagen danach war fast nichts mehr von der unheimlichen Stimmung am Lagerfeuer zu spüren, sie hatten die üblichen Jobs erledigt, gefolgt von immer mehr Kleinigkeiten, die sie für die Cotterills erledigen musste, was schließlich dazu führte, dass sie wohl für unbestimmte Zeit in Malfoy Manor bleiben musste, jetzt da die Cotterills aufgrund der zunehmenden Kriegsräte nun auch dort gastierten. Sie hatte sogar ihr einiges Zimmer bekommen, na ja eher Loch, aber sie konnte sich nicht über ein Bett und einen Schrank beklagen. Immerhin durfte sie nicht auf dem Boden schlafen.
Jaque hatte sie nur noch per Eule bescheid sagen können, natürlich in ihrem abgemachten Code, falls das Tier abgefangen werden sollte. Er hatte wohl verstanden, da einige Tage später eine Eule mit einer einzelnen blauen Schleife an ihrem Bein befestigt an das kleine Fenster von Roels „Apartment“ flog und dort verweilte bis Roel das Band an sich genommen hatte. Es roch nach alten Büchern und Tinte und stammte direkt von einem der Lesezeichen, die sie als Kind zu hunderten produziert und an nette Kunden verteilt hatte. Einfach zum Spaß.
Lächelnd setzte sie sich auf ihr Bett und sah hinaus in den grauen Wolkenhimmel, der sie Sonne nicht mehr ein wenig hindurch scheinen ließ. Inzwischen hatte sie schon eine Woche hier verbracht und hatte so ziemlich jeden Wunsch für Amelia erfüllen müssen. Sie hatte sogar ihre Kleidung ändern müssen, um den Ansprüchen der kleinen Prinzessin gerecht zu werden. Da sie sogar inzwischen abends mit ihr ausgehen musste, falls niemand anders zur Hand war und sie auch manchmal als Begleitschutz dabei sein musste, wenn sie Einkaufen ging, war es ihr nicht erspart geblieben sich ihren Ansprüchen zu unterwerfen. Immerhin wurde sie mit ihr gesehen und der Tagesprophet hatte die beiden sogar schon abgelichtet, mit der großen Frage wer denn wohl die neue mysteriöse Freundin an der Seite des magischen It-Girls sei.
Ja, Amelia war in der magischen Welt inzwischen so etwas wie eine kleine Paris Hilton geworden, aufgeblasen, dumm und unheimlich mediengeil.
Im Moment trug Roel eines der Kleider, die Amelia für sie ausgesucht hatte und die es wirklich so aussehen ließen, als ob Roel nicht Amelias angestellte sondern ihre Freundin war. Ein schwarzes samtenes langes Kleid, das einen schlichten Schnitt besaß, aber im Moment der absolute Trend bei den reichen und schönen jungen Zauberern war. Simpel war die neue Devise, wie es Roel erschien, als wollten sie sich von den traditionellen und auffallenden Roben ihrer Eltern verabschieden.
Auch Roels haare hatte Amelia angeordnet, sollten nicht mehr struppig von ihrem hübschen Kopf abstehen, die Blondine hatte jetzt den Auftrag sie immer schön und ordentlich hinzukämmen, wenn nicht sogar in eine Wasserwelle zu legen.
Roel fühlte sich so ungewohnt weiblich, dass es sie manchmal selbst erschreckte, wenn sie in den Spiegel sah, fast wie damals einem der Weihnächtsbälle, als sie ein altes Kleid von Jaques’- Kurz hielt sie inne. Sie hatte schon lange nicht mehr an die Geschichten von Jaque gedacht. Damals wie er immer von seiner Frau erzählt hatte…
Roel stand auf, sie war sowieso schon zu spät dran, die Gala würde bald beginnen und wenn sie da zu spät dran war, um Amelias Haare zu flechten, konnte sie eigentlich einpacken.

Das großzügige Esszimmer, nein was dachte sie da, der Speisesaal war randvoll mit Leuten, die meisten dunkel gekleidet in edlen Stoffen. Roel fühlte sich auf Anhieb unwohl. Obwohl sie dass sie einige Monate inzwischen mitmachen musste, war es für immer noch ziemlich unangenehm auf solche Galen zu gehen und dort ihr schönstes Lächeln aufzusetzen.
Sie und ihre Chefin, Amelia, hatten soeben zusammen mit deren Eltern die große Halle betreten und während Yaxley mit seiner Frau direkt hinüber zu einigen hohen Ministeriumstieren schritt, folgte Roel Amelia hinüber zu einem der Servierer, der – Oh… es war Scabior. Kurz musste Roel prusten, als sie ihn so sah, hübsch und sauber ohne das schwarze Greifer make up im Gesicht, ja man hätte ihn fast schon als Adonis bezeichnen können. Er hatte sich sogar rasiert.
Während Amelia an ihrem Drink schlürfte warf der Greifer Roel böse blicke zu während diese nur leise lachte und sich eine Träne wegwischte. Der Abend hatte sich wohl jetzt schon gelohnt.

Nach einigen Plänkeleien mit Scabior der sie bei jeder Möglichkeit irgendein etwas anderes zu murmelte wie, „Jetzt weiß ich warum man den Crutiatusfluch erfunden hat“ oder „Dafür hab ich nicht unterschrieben“, hatte der Abend beinah seinen Höhepunkt erreicht. Der Lord hatte sich bis jetzt nicht blicken lassen und würde wohl jetzt erst erscheinen. Amelia sah man an, dass sie aufgeregt war, allerdings schien sie die Lage nicht zu begreifen. Sie befanden sich im Krieg. Es war nicht so als ob der momentane wenn auch inoffizielle Herrscher der magischen Welt einfach in den Saal schreiten würde, Amelia ein Kompliment und dazu ein dunkles Mal überreichen würde, nein. Sie würde leiden, nur wusste sie das bis jetzt noch nicht.
Gerade hatte sie den Gedanken zu Ende geführt, da breitete sich auch schon schweigen aus, als die große Tür zum Saal sich öffnete. Lucius Malfoy und Bellatrix Lestrange gingen ihm voraus, ihrem dunklen Lord.

Voldemort trug einen Anzug, schlicht, jedoch hochwertig. Es erschien Roel so, als ob er nicht durch sein Äußeres, sondern durch seine Taten geachtet und gefürchtet werden sollte.
Kurz sah sie sich nach Scabior um. Er stand am anderen Ende des Saals und sah wieder so leichenblass aus wie vor einigen Wochen am Lagerfeuer. Roel konnte sich denken, dass sie wohl gerade genauso aussah.
Amelia sah sie im Augenwinkel kurz zu sich hinüber blicken und dann ungläubig den Kopf schütteln, bevor sie wieder mit einem lächeln zu ihrem zukünftigen Herrscher sah. Sie hatte wohl gerätselt warum Roel so blass drein blickte.
Die Luft im Saal war so dick wie Butter, kalt und totenstill, bis auf die Schritte, die von Voldemort und seinen engsten Todessern ausgingen. Roel konnte sich noch an einen Abend erinnern, an dem nicht Lucius sondern Jaque an der Seite der Lords gestanden war. Wie hatte das alles sich nur so schnell verändern können?
Inzwischen waren sie am Kopf des Saales angekommen, wo der Thron Voldemorts’ stand. Er setzte sich und seine beiden Vertrauten blieben neben ihm stehen, am Fuß des Thrones.
„Amelia Cotterill…“  
Seine Stimme ließ Roels Nackenhaare abstehen, ein kalter Rausch schien durch den ganzen Raum zu fahren.
Amelia nickte Roel zu und lief mit ihr zusammen in die erste Reihe, wo Roel sich nieder kniete und wartete bis Amelia das gleiche tat. Ihr Vater hatte Roel gleich zuanfang eingebleut, dass sie auch bei der Verleihung des dunklen Males bei ihrer Tochter stehen sollte, wohl damit sie sie auffangen konnte, falls sie vor schmerzen umkippen würde.
„Ah, Yaxley“, der Mann hinter Roel rührte sich, sie hatte gar nicht bemerkt wie die Cotterills ihnen gefolgt waren. „Ich sehe deine Tochter ist zu einer mächtigen Hexe herangereift.“ Roel hätte schwören können sie hätte Sarkasmus in seiner Stimme gehört, ein Stich auch in ihr eigenes Herz, denn als sie zuletzt diesen Tonfall gehört hatte, hatte sie das dunkle Mal erhalten.
Yaxley räusperte sich und schien aufgeregt, doch er versuchte es sich nicht anzumerken. Die Menge war Still, nur er sprach. „Ich habe mein bestes gegeben, um zu einer treuen Untergebenen eurerseits heranzuziehen my Lord.“ Was für ein Arschkriecher. Er hatte das doch alles seinen Hausmädchen überlassen.
„Ausgezeichnet, ausgezeichnet, Yaxley“, erwiderte der Lord müde, er schien wohl das gleiche zu denken wie Roel.  Amelia neben ihr zitterte merklich, vielleicht schien sie jetzt endlich die Lage zu verstehen.
„Und dennoch…“, Roel schluckte, Voldemorts Stimme hatte etwas Gefährliches in sich. „Sehe ich noch kein dunkles Mal auf ihr. Das werden ändern müssen. Ich sehe es nicht gerne, wenn ach so unterwürfige Zauberer und Hexen sich noch nicht mit meinem Zeichen schmücken. Es wird Zeit.“
Er bedeutete Amelia mit einer kleinen Bewegung seiner Hand an sich zu erheben und Roel war sich kurz nicht sicher, ob er sie durch Magie dazu gezwungen hatte aufzustehen, denn in der exakt gleichen Sekunde hatte sich Amelia schon wieder gänzlich aufgerichtet. Kurz konnte sie sie leise wimmern hören.
Voldemort stand auf, langsam und bedächtig ging er auf die junge Cotterill zu und packte sie ohne Vorwarnung mit einer oh so tot wirkenden Hand im Gesicht und drehte ihre hübsche Visage etwas hin und her. „Gelobst du mir treue?“ Seine Stimme war so scharf wie ein Messer, zerschnitt die Stille wie ein ohrenbetäubender Schrei, obwohl er fast flüsterte.
„J-Ja“, erwiderte die junge Frau, wimmernd und nun endlich genauso erfürchtig wie alle anderen, endlich verstand sie es. Es ging nicht um macht. Zumindest nicht für sie.
Wieder, plötzlich und schnell griff der Lord ihren linken Unterarm und verdrehte ihn sichtbar schmerzhaft, doch Amelia gab keinen Ton von sich.
„Von nun an, verlange ich nichts als Unterwerfung von dir. Von euch allen!“, nun hatte er wirklich geschrien, die Halle blieb dennoch weiterhin still, bevor er mit seinem Zauberstab hart und schmerzhaft gegen Amelias empfindliche Haut drückte, sodass Roel gleich befürchtete er würde den Zauberstab durch ihren Arm hindurch drücken. Doch das Bluten blieb aus. Stattdessen breitete sich die schwarze Farbe des dunklen Mals auf ihrer Haut aus und Amelia schrie.
Roels Arm brannte, als ob sie selbst das dunkle Mal erhalten hätte, ihr eigenes schien an ihrem Körper zu zerren, sodass ihr Tränen in die Augen schossen. Das Pochen, Klopfen wie aus der hintersten Ecke ihrer Gedanken, aber so dumpf und andauernd, dass es sie fast in den Wahnsinn trieb. Erinnerungen. Tod, ein grüner Blitz, lautes Metallisches Krachen, der Körper ihre Mutter auf ihr und das Küchenmesser in ihrer Schulter, roter Himmel über silbernen Blättern und endlose, endlose Trommeln-
„NEIN!“
Außer Amelias Wimmern war nach Roels Schrei für eine gefühlte ewigkeit nichts mehr zu hören. Ihr Körper zuckte, sie war in sich zusammen gesunken und hielt ihren pochenden, schmerzenden Arm, während ihre Hand und Muskeln zuckten. Ihr Herzschlag hämmerte gegen ihre Ohren.
„Nein?“ Der dunkle Lord stand vor ihr und hatte Amelia losgelassen. Die junge Frau blickte auf und sah ihren Herr über ihr stehen, er blickte mit einer Erhabenheit auf sie hinab, dennoch schien ein kurzer Lichtblitz durch seine Augen zu scheinen, als ob er etwas erkannt hatte.
„Roel Salem. Meine gute Roel Salem“, fing er an, trotz der Gefahr die sich im Saal spürbar ausgebreitet hatte, konnte Roel hinter sich einige erstaunte Stimmen hören, die aber gleich wieder verstummten.
Roel kniete inzwischen wieder und wagte es nicht im direkt in die Augen zusehen, geschweige denn sich aufzurichten, sie sah zu ihm hinauf, allerdings an ihm vorbei.
„My Lord“, entgegnete sie schließlich, immer noch schwer atmend von den Schmerzen.
„Es ist selten, dass einer meiner Untergebenen so heftig auf meinen Ruf reagiert“, fing er wieder an, untermalte seinen Satz mit einer kurzen Pause. „Als ob dein Mal viel tiefer in dir verankert wäre als in deiner Haut.“
Roel sagte nichts, sie zitterte am ganzen Leib, während sie hätte schwören können, dass ihr Arm gleich vor Schmerzen abfallen würde. Die anderen hingegen schienen inzwischen nicht mal mehr ein zwicken zu spüren und bemerkte die brennenden Blicke die in ihrem Nacken saßen.
„Sag mir, Roel Salem“, er betonte ihren Namen bedeutungsschwanger und das verwirrte sie, zeigte es allerdings nicht. „Kannst du dich daran erinnern wie du dein Mal erhalten hast?“
Wieder schwieg sie kurz schluckte und öffnete dann wieder ihrem Mund um ihm zu antworten: „Ich war noch ein Kind, mein Lord.“ Niemand sagte etwas. „Ich erhielt es gleich nachdem meine Mutter-„
„Nachdem ich deine Mutter getötet habe.“
Roel Brust schien sich zusammen zu schnüren, ihr Herz pochte immer härter dagegen.
„Ein wertloser Muggel, der die Frechheit hatte sich mir gegenüber zu stellen, MIR.“
Dieses Mal ging ein Raunen durch die Menge. Es war bis jetzt beinah unbekannt gewesen, dass Roel ein Halbblut war, ungewöhnlich für Todesser, sie hätte mit ihrer Abstammung höchstens einer der Greifer werden können.
„Nachdem mein Vater getötet worden war, brauchtet ihr Ersatz mein Lord“, entgegnete sie schließlich, brachte die Menge mit diesem Satz wieder zum Schweigen. Einen Moment lang erzitterte sie von ihren eigenen Worten. Das waren nicht ihre Gedanken gewesen.
Auch Voldemort schien kurz überrascht davon zu sein, dass ihr eine seiner achso niederen Todesser so selbstbewusst antwortete.
„Da magst du recht haben.“, fing er schließlich wieder an, er schien zu lächeln, ein leichtes schmunzeln, das Roel einen Schauer über den Rücken jagen und ihre Schmerzen intensivieren ließ. Kurz wimmerte sie, allerdings kaum hörbar.
„Und es hat sich gelohnt nicht war? Roel Salem, die Tochter von Jaque Gardien, die Spionin von Hogwarts. Ohne dich hätte ich vielleicht nicht die Macht, die ich heute habe.“
Niemand sagte etwas, Roel konnte Amelia sehen, die sich inzwischen wieder hingekniet hatte und sie ungläublig und geschockt ansah.
„Und doch verkümmern deine Talente als niedere Angestellte“, bemerkte er schließlich und wurde plötzlich laut. „Die Zeremonie ist vorbei. Belästigt mich nicht länger mit eurer Anwesenheit.“
Die Gäste erschraken kurz und gingen dann ohne Wiederworte, nur die engsten und mächtigsten Todesser waren zurück geblieben, darunter auch Yaxley, der seine Tochter gerade noch aus dem Saal schob und die Türe schloss.
Roel währenddessen kniete immer noch zitternd vor Voldemort, der nun langsam um sie herum schritt. Schweiß lief der jungen Frau über ihr Gesicht.
„Steh auf.“ Wieder schnitten seine Worte durch die Luft, Roel richtete sich augenblicklich auf, durch die Magie Voldemorts gelenkt. Eigentlich hätten ihre Füße sie wohl auch nicht mehr von allein tragen können, sodass sie eher halb in der Luft hing.
„Wo ist Gardien?“, zischte er hinüber zu Lucius Malfoy, der augenblicklich zusammen zuckte. Jetzt erst bemerkte Roel wie müde er aussah.
„Er darf das Gelände nicht betreten mein Lord, nachdem er vor einigen Jahren doch im Verdacht stand der Spion-„
„BRINGT IHN HER!“ Lucious verstummte und nickte nur kurz, ging dann nach draußen um zu apparieren und wie Roel stark vermutete, ihren Vater her zu bringen. Wenigstens das nahm ihr etwas Gewicht von ihren Schultern.
Während Stille herrschte sah sie aus den Augenwinkeln Bellatrix umher schleichen. Ihre stechenden Augen waren auf sie gerichtet, mit etwas darin Roel als Neid und Hass deutete.
„Das letzte Mal als ich so eine Verbindung gesehen habe, ist schon lange her. Einige Jahre würde ich sagen.“
Roel verstand nicht. Was meinte er?
„Du könntest uns von großem Nutzen sein, Roel Salem.“
Hatte sie denn nicht schon genug getan? Ihre Freunde verraten und Informationen weitergegeben? Snape hatte sie damals als Brieftaube und Informant benutzt, damit sein Einfluss als Spion noch tiefer in die Gefilde der Schule dringen konnte. Sie war nichts besonderes. Nur einer der vielen Slytherins, die das während den Anfängen des neuen Krieges getan hatten.
Die Tür öffnete sich wieder und Roel erkannte ihren Vater wieder, der kreidebleich und doch mit einer unbändigen Wut in den Augen auf seine Tochter zu schritt. Dennoch wagte er nicht sie anzufassen, sein Blick ruhte auf Voldemort.
„Mein Lord“, sagte ihr Vater schließlich respektvoll, sah ihm aber dennoch direkt in die Augen. Roel konnte die einstige Verbindung zwischen den beiden Männern spüren, eine engere Vertrautheit als Bellatrix oder Lucious es je erreichen konnten und die jetzt so gestört worden war. Dennoch glitzerte etwas in den Augen Jaques, die Roel nicht zu deuten wusste, fast so als er einen anderen Mann in Voldemort erwartet hätte.
„Deine Tochter… Ziehtochter, wenn ich mich korrigieren darf“, Voldemorts Stimme hatte etwas reizbares, wohl mit dem Ziel Jaque zu verhöhnen. „beherbergt etwas in sich, dass ich schon glaubte verloren zu haben.“
Jaque sage nichts, schwieg und sah seinen Lord mit finsterem Blick an. „Er ist tot, mein Lord. Seine Seele ist verschlungen worden und dass wisst ihr nur zu genau.“
Roel hörte fast gar nicht mehr zu, der Schmerz hatte sich über ihren Arm hoch zu ihrer Schulter und quer über ihre Brust ausgebreitet, dass sie jetzt schon glaubte, sterben zu müssen. Aber das war nicht mal das schlimmste. Das schlimmste war, dass es ihr gar nichts ausmachte.
„Wir werden sehen“, die Stimme des Lords hallte fern in Roels Kopf, obwohl er direkt neben ihr stand. Im nächsten Moment griff er nach ihrem Hals, nur um sie genau so zu begutachten wie vorhin Amelia, doch Roels Augen begannen schon sich langsam zu schließen, sie blinzelte schwach und konnte ihn noch schmunzeln sehen. Triumpfierend.
„Ab Morgen wird unsere kleine Roel hier nicht mehr im Dienst von Yaxley und seiner Familie stehen“, ordnete er schließlich an und drehte Roels Kopf hin und her. Ihre Augen waren nun schließlich auf die seinen gerichtet. Sie hatte kein Ahnung wer noch alles im Raum war, sie wusste nicht, ob Jaque inzwischen rausgebracht worden war oder ob er direkt hinter ihr stand, das einzige was sie wahrnahm waren diese kalten bösen Augen, bevor alles Dunkel wurde.
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Roel Salem
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BeitragThema: Re: Forgotten Children   Do Dez 19, 2013 10:09 pm

Vogelgezwitscher. Leiser Wind der zusammen mit Regentropfen gegen die Scheibe trommelte und sie so sanft weckte.
Roels Augen öffneten sich langsam, sie blinzelte und rang tief nach Luft, bevor sie endgültig erkennen konnte, wo sie sich befand. Es war ein kleiner Raum, ähnlich ihrem eigenen Zimmer und befand sich definitiv in Malfoy Manor.
Langsam hob sie ihren Kopf, richtete sich gemächlich auf und setzte sich seitlich auf das einfache Bett, auf das sie gelegt worden war. Ihr ganzer Körper schmerzte dabei.
Erst allmählich kamen die Erinnerungen an den gestrigen Abend zurück. Oder war es länger hergewesen? Sie wusste nicht wie lange sie geschlafen hatte-
Die junge Frau zuckte zusammen. Mit einem Schlag realisierte sie wo genau sie gebracht worden war. In der gegenüber liegenden Ecke saß jemand, besser gesagt war gegen die Wand gelehnt worden, direkt in den fahlen Lichtschein, der durch das Fenster drang.
Es war Barty.

Roel schnappte kurz nach Luft und schlug sich ihre Hand gegen den Mund, die dann ihren Hals hinunter rann und ihre Kleidung ertastete. Sie trug immer noch das edle Kleid das eigentlich für die Gala gedacht gewesen war.
Vorsichtig und bedächtig stand sie langsam auf und schritt hinüber zu der andern Person, deren Gesicht sie in so vielen Jahren nicht mehr gesehen hatte, nicht mehr wirklich. Direkt vor ihm ging sie auf die Knie und musterte zitternd sein Gesicht, berührte vorsichtig seine Schulter.
Sie wusste er würde nicht reagieren, dennoch musste sie es einfach wissen. Sie wollte nicht mit einem Toten in einen Raum gepfercht werden, mit einem Seelenlosen war schon genug.
Als ihre Fingerspitzen den dünnen Stoff berührten indem der andere Todesser gehüllt war, bemerkte sie als erstes eine unheimliche Hitze, die von ihm auszugehen schien.
Roel schluckte hart und zog ihre Hand wieder weg. Sein Gesicht war völlig entspannt, die Augen jedoch geöffnet und leer, obwohl sie sich in ihren Höhlen bewegten, als ob sie einer imaginären Fliegen folgen würden, die irgendwo hinter Roels Kopf zu fliegen schien.
Wieder hob sie ihre Hand und bewegte sie auf seinen Kopf zu. Eine kleine Träne bildete sich in ihren Augen, sie schnappte nach Luft und zog sie kurz zögernd zurück.
Schließlich schoss ihre Hand vor zu seinem Kinn, berührte es und eigentlich hatte sie seinen Kopf anheben wollen, nur um ihm in die Augen zu blicken, doch etwas anderes geschah.
Diese Augen starrten nicht mehr ins Leere. Sie starrten Roel an. Der Körper vor sich bewegte sich abrupt und seine Brust schien in die höhe zu schießen, sodass die junge Frau nach hinten zurück zuckte und ihn wieder los ließ. Im gleichen Moment erschlaffte sein Körper wieder und er viel wieder gegen die Wand.
Roels Atem war das einzige was man eine ganze Weile hören konnte, immer noch verwirrt von der ganzen Situation und unter Schock wegen des gerade passierten, kroch sie weiter nach hinten, um mehr Abstand zwischen sich und dem vermeintlich Seelenlosen zu bringen.
Was ging hier vor? Die Erinnerungen an die Gala waren verschwommen, Bilder von Angst und diesen kalten toten Augen Voldemorts ließen sie zusammen zucken und kurz aufwimmern. Die letzten Jahre hatte sie so einen starken Schutzschild um sich aufgebaut und diese paar Stunden waren alles, was es brauchte, um diese Mauern nieder zu reißen? Schluchzend vergrub sie zitternd ihr Gesicht in ihren Händen und zog die Knie näher an ihren Körper, versuchte sich wieder zu beruhigen.
Voldemort hatte gesagt sie hätte etwas Besonderes an sich. Hatte er sie deswegen zu Barty gesperrt-?
Mit diesem Gedanken sah sie auf, nur noch einige wenige Tränen in ihren Augen. War sie überhaupt eingesperrt?
Hastig stand sie auf, barfuß wie sie jetzt erst bemerkte und sah sich schnell im Raum um, wobei sie fast über den Saum ihres langen Kleides gestolpert wäre. Der Raum hatte keine Tür, nur das eine kleine Fenster, das mit Gittern versehen war und durch das sie ohne ihren Zauberstab niemals entkommen würde. Sie tastete vorsichtshalber ihren Körper entlang, fand nichts, sie hatten ihren Zauberstabhalter entfernt, dabei hatte sie den doch am Oberschenkel getragen. Roel erschauderte. Man hatte sie durchsucht und ihr alle Wertgegenstände abgenommen. Sie war nun eine Gefangene und keine Untergebene mehr.
Roel sank wieder in sich zusammen, saß wieder auf dem Boden und vergrub wieder ihr Gesicht in ihren Händen, ehe sie wieder zu Crouch sah. Er rührte sich immer noch nicht.
Sie hatte ihn berührt. Er hatte sich bewegt. Sie war zurück gezuckt und dann…? Reagierte er etwa auf Berührungen?
Roel blinzelte verwirrt. Neugierde keimte in ihr auf, auch wenn sie in dieser Situation eigentlich nur die ganze Zeit hätte weinen müssen.
Wieder kroch sie langsam auf Barty zu, verfolgte weiter den Gedanken. Falls dieser leblose Körper wirklich auf Berührungen reagieren würde, hätte Scabior ihr das schon längst berichtet. Der hatte den armen Kerl hier nämlich Monatelang füttern und waschen müssen, was also bedeutete das? Sie begann langsam ihren Kopf zu klären, blinzelte noch einmal und sah mit hochgezogenen Brauen auf ihre Hand. Reagierte er etwa auf sie?
Roels Atem zitterte. Oh... das war wohl das besondere an ihr. Voldemort hatte etwas in ihr gesehen, dass er glaubte nützlich für seinen treusten Diener einsetzen zu können. Was genau verstand die junge Salem nicht, dennoch vielleicht sollte sie versuchen ihn nicht zu enttäuschen. Ihre Hand bewegte sich wieder vor, dieses Mal berührte sie Bartys Hand und nahm diese fest in ihre eigene, achtete darauf, dass sie auch wirklich seine Haut berührte und nicht den Stoff seiner Kleidung.

Crouch’ Körper zuckte wieder, seine Hand packte Roels fest und der Todesser schnappte nach Luft, während sich seine Augen in Schock weiteten.
„-auf Raxacofallapatrious, zu der Zeit als die Schattenproklamation natürlich noch nicht unterschrieben wurde, aber das würde die Engel auch nicht interessieren-KOSCHEI„ Er schnappte wieder nach Luft und brach mitten im Satz ab. Der sowieso schon unvollständig angefangene Satz hätte Roel fast schon wieder zurück zucken lassen, doch sie zwang sich ihn weiter zu mustern und auf keinen Fall ihre Hand wegzunehmen.
Barty starrte sie an, er atmete schwer, als ob er in seinem ganzen Leben noch nie geatmet hätte und musterte sie verwirrt. Er blickte sie an, als ob einen Moment lang etwas in ihr erkannt hatte, legte dann aber erstaunt seinen Kopf zur Seite und runzelte die Stirn.
Seine Augen zuckten in den Höhlen hin und her, starrten sie eindringlich an, ehe er nach Luft schnappte und sie fragend, aber ernst ansah.
„Wo ist Jaque?“
Roel blinzelte und sah ihn unverständlich an. „Ich weiß nicht, Barty, verdammte scheiße!“ Sie schlug sich mit ihrer anderen Hand wieder vor ihren Mund und wimmerte kurz auf. Tränen schlichen sich ihre Wangen hinunter zu ihrem Kinn. „Du solltest tot sein. Du warst tot und jetzt-„ Sie hielt inne und sah ihn wütend an. „Ich könnte dir deine Seele gerade wieder aus dem Körper reißen, weißt du das?!“ Sie brüllte ihn regelrecht an. Ihre Stimme hatte plötzlich wieder einen tieferen Ton angenommen, brummte in ihrer Brust. „Warum lebst du noch?“
Der Ältere sah sie kurz sprachlos an, doch mit einem Verständnis in seinen Augen, als ob er gerade etwas realisiert hätte. „Es tut mir so Leid. So unendlich Leid, aber ich bin nicht Barty.“
Er presste seine Lippe kurz schmerzlich aufeinander, sah sie mit einem entschuldigenden Blick an, dass es ihr fast das Herz brach.
Roel verstand dennoch nicht. Er war nicht Barty? Dieser wunderliche, verrückte Kerl hatte endgültig seinen Verstand verloren. Darauf hatte sie eigentlich schon Ewigkeiten gewartet, aber dass es so kam.
„Was? Nein, nein, nein, nein du bist verwirrt, du bist Bartemius Crouch Jr, du bist der Kerl, der sich meinen besten Freund schimpft und mir jetzt so einen Schrecken einjagt. Hör auf, verstanden?!“, antwortete sie ihm mit Nachdruck, presste ihre Hand etwas fester gegen seine Haut. „Du bist der einzige, der mich in den letzten Jahren bei Verstand gehalten hat und schau was ohne dich passiert. Ich bin in einer Zelle mit deinem toten Körper, weil ich nicht meine Klappe halten konnte.“ Sie wischte sich mit ihrer anderen Hand schnell über ihre Augen und wischte Tränen und Make-up weg, presste ihre Lippen und Zähne fest aufeinander.
„Ich weiß. Und ich weiß auch, was er dir bedeutet hat und was du ihm bedeutet hast, aber ich bin nicht er. Ich bin der Doctor und glaub mir, ich verspreche dir, wenn du mich nur erklären lässt, kann ich dir helfen-„

„Spar dir deine scheiß Erklärungen! Was soll der Mist?“ Sie zitterte vor Wut und sah ihn verwirrt an, sprach durch ihre zusammen gebissenen Zähne. „Du wurdest geküsst… du müsstest tot sein…“, hauchte sie wieder verzweifelt und sah dann eher ins Leere als auf ihn, lächelte fast schon so als ob das ganze ein Scherz wäre, dachte nach.
Der selbsternannte Doctor hingegen sah sie mit warmen Augen an, so wie sie es sonst immer von ihrem alten Freund gewohnt gewesen war. Und das tat verdammt weh.
„Und wieso bewegst du dich nur, wenn ich dich berühre, huh?!“ Die junge Salem hatte ihre Stimme wieder gefunden und sah ihn gespannt an. „Na los, wenn du schon erklären willst, dann das!“
Kurz schwieg Barty wieder und nickte dann langsam. „Wie sag ich das jetzt am besten… Meine genetische Signatur, sowie meine Erinnerungen sind in deiner biochemischen Substanz gespeichert- nein zu kompliziert, aaah, meine Erinnerungen an mein richtiges Selbst sind in dir drin…?“ Er sah sie an, gerade so als ob er feststellen wollte, ob sie verstanden hätte und sie nickte nur langsam.
„Allerdings ist der Prozess, der das ganze wieder auf mich übertragen würde nicht abgeschlossen, kann es auch gar nicht, weil wir die Uhr nicht haben. Irgendetwas muss schief gegangen sein bei ihrer Aufbewahrung, wenn du plötzlich alle Erinnerungen in dir hast.“ Er hob leicht seine Hand, man sah dass es ihm schwer fiel, doch er ließ es sich nicht nehmen und gestikulierte zu ihr hinüber.
„Na gut“, fing Roel wieder an, zögerlich und musterte ihn misstrauisch. „Nehmen wir mal an, ich glaub dir… was willst du von Jaque?“
„Er … Wir waren unterwegs, zusammen in der Tardis, ähm, meinem Raumschiff, lange Geschichte und wir mussten vor etwas flüchten und so hab ich meinen genetischen Code umgeschrieben, um menschlich zu werden. Er sollte auf mich aufpassen und die Tardis sicher verstauen, bis ich wieder meine Erinnerungen und meine Genetik wieder bekommen konnte. Also wo ist er? Meine Erinnerungen sind etwas verwischt, ich weiß wer du bist, ungefähr und grob wer ich sein soll, aber was den Rest angeht. Was für ein Jahr ist heute?“
In Roels Gesicht war eine Mischung aus Verwirrung, Schock und Belustigung zu sehen, wohl ziemlich bescheuert ausgesehen haben musste, doch trotz ihrem Widerstreben ihm zu glauben, antwortete sie rasch: „1997.“
„Okay, die Tardis muss meine Koordinaten geändert haben, ich hatte eher an die 1970er gedacht…“, murmelte er in sich hinein und schien einen Moment Roel ganz vergessen zu haben. „Gut, gut… kommen wir hier raus?“ Mit einem Blick an das einzige Fenster und die türlosen Wände, quittierte er diese Frage gleich selbst mit einem „Nope.“
Roel sah ihm dabei zu und meldete sich dann schließlich wieder zu Wort, aber immer noch zögerlich, mit leicht zittriger Stimme. „Wo ist Barty?“
Der Doctor fokussierte sich dann wieder auf ihn und holte nach Luft, vor seiner Antwort. „Ich weiß es nicht.“
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