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 Was bisher geschah *drama-button*

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Roel Salem
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BeitragThema: Was bisher geschah *drama-button*   Mo Sep 23, 2013 12:31 am

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Ihre Zunge fuhr langsam über die aufgerissenen Stellen auf ihren Lippen, die trocken waren und spannten, kurz bevor sie dann anfingen wie Feuer zu brennen. Warum war das so? Warum war überhaupt alles so? Graue Augen schauten nach unten in den Sand, ihre Lackschühchen waren neu, aber jetzt schon von ihm so zerkratzt und dreckig, dass sie sicherlich Ärger bekommen würde. Keine kleine Standpauke, immerhin war ja Mum wichtig, dass die Nachbarn sie nicht so sahen. Ganz verstehen konnte sie das immer noch nicht. Roel schwang noch etwas ihre Beine, die Schaukel auf der sie saß fing an sich zu bewegen und hin und her zu pendeln, sodass sie immer höher flog und den Platz von oben betrachten konnte. Von hier aus sah alles besser aus. Der Spielplatz war eingezäunt, mit hohen Drahtgerippen, die wie Skelette vor den Plattenbauten am Horizont in den Himmel ragten. Direkt neben der Tür im Zaun war eine große rote Rutsche, ein Sandkasten, der jetzt matschig war und vom aufkommenden Nieselregen noch schlammiger wurde. Daneben war ein Karussell und dann kam ihre Schaukel. Und sie, sie war allein. Hier her kamen sowieso fast nie Kinder, nur komische Jungs und Mädchen, die hier verbotene Sachen machten…
 
Es war ungewohnt, dass seine Schritte die einzigen waren, die von den leerstehenden Garagen widerhallten. Normalerweise war Jack immer mit seinem kleinen Bruder nach draußen gegangen, aber dieser hatte heute zum ersten Mal Mittagsschule und Jack hatte es daheim nicht mehr ausgehalten. Mum und Dad schrien wieder. Stritten darum, wer wessen Leben zerstört hatte und warum. Das Wetter schien sich Jacks Stimmung anzupassen. Regen kam auf. Seine Füße trugen ihn wie von selbst zu dem alten Spielplatz, den er einmal gefunden hatte, als daheim mal wieder nichts in Ordnung war. So wie heute. Er sah schon von weitem, dass er nicht alleine war. Ein Mädchen, etwa in seinem Alter saß auf der Schaukel. Sie schien ebenso allein zu sein, zumindest konnte Jack niemanden entdecken, der bei ihr war. Er schämte sich ein bisschen, ihrer Kleidung nach schien sie aus einer, wie sein Vater es nannte 'Spießerfamilie' zu sein. Seine dünne Jacke, die auch schon ein paar Löcher vorzuweisen hatte und die ausgewaschene Jeans konnten da nicht mithalten. Jack blieb vor dem Spielplatz stehen und während die ersten Tropfen vom Himmel fielen überlegte er sich, ob er nicht einfach wieder gehen sollte.
 
Spießig waren ihre Klamotten das konnte man ruhig so ausdrücken. Die kaputten Schuhe paarten sich mit einer weißen Strumpfhose, die ebenfalls mit Sand beschmutzt war und einem schwarzen Samtkleidchen, das einen weißen Hemdkragen besaß. Ihre Haare waren zu einem Pferdeschwanz nach hinten gezogen worden, den sie sich wohl selbst zusammen gebunden hatte, so wie die Strähnchen aus dem Knoten wieder heraus fielen. Ihre ruhigen Augen wanderten vom Himmel wieder nach unten, sie ließ die Schaukel auspendeln. Ein Junge. Etwas hob sie die Brauen, sah ihn fragend an, während sie sich mit ihren Füßen im Sand ausbremste und diesen nach überall hin verspritzte, auch auf ihr Kleid.* „Hallo“, *sagte sie laut und sah ihn mit zusammen gepressten Lippen genauestens an. Sie war eigentlich schüchtern, doch zu neugierig, um den einfach wieder gehen zu lassen.* „Wie heißt du?“
 
 
Das Mädchen starrte ihn an. Jack fragte sich, ob ihr die Grasflecken auf seinen Knien aufgefallen waren. Sie lächelte nicht. Ob sie ihn wohl ärgern wollte. Oder womöglich schlagen. Doch sehr stark sah sie nicht aus. Immerhin war sie ein Mädchen. Jack entschied sich dazu zu antworten. "Jack. Und du?" Sein Blick war herausfordernd. Fast feindselig. Angriff war immernoch die beste Verteidigung.
 
 
Ein kleines freches Lächeln formte sich aus ihren immer noch zusammen gekniffenen Lippen und ihre von dunklen Ringen umrandeten Augen lächelten. „Jack ist ein lustiger Name“, sagte sie und stand auf, hüpfte in den Sand und ging auf ihn zu, langsam und musterte ihn unverschämt lange, ging um ihn herum und sah sich alles an. „Ich bin Carolyne“, sagte sie dann und schien verdammt stolz auf ihren Namen zu sein, so wie sie dann grinste und eine Zahnlücke preisgab, die wohl nicht von einem heraus gefallenen Milchzahn stammte. Sie war noch blutig.
 
Jack fühlte sich bei ihrer Inspektion seiner alten Kleidung nicht sehr wohl. Doch sie schien nett zu sein. Zumindest hatte sie bis jetzt noch keine Anzeichen von Feindseligkeit gezeigt. "Jack ist weniger lustig als Carolyne." Er bemerkte ihre blutige Zahnlücke. Entweder sie hatte sich geprügelt, oder ihr Elternhaus war in etwa so freundlich wie seines. Aber im Moment war ihm das ziemlich egal. Er hatte selten Spießer gesehen die freiwillig mit ihm redeten. Und normalerweise war ihm das auch ganz recht so. Aber es regnete und er wollte nicht nach Hause. Vielleicht konnte er ein wenig Zeit mit ihr totschlagen. Aber eines musste er trotzdem wissen. "Bist du ein Spießer? Daddy sagt, die sind gemein."
 
„Ich bin ein Miststück, sagt meine Mum, aber Spießer… weiß ich gar nicht was das ist…“ Sie schien ehrlich betroffen zu sein, dass er so etwas fragte und blieb kurz ruhig und trat von einem Fuß auf den anderen hin und her. „Ich denke ich bin keiner. Ich bin nicht gemein.“
 
"Ich weiß selber nicht genau was ein Spießer ist. Aber Daddy sagt, die sind gemein, weil sie unser Geld stehlen. Aber ich hab eh keins. Also ist es eigentlich egal." Jack zuckte die Achseln. Ihm war langweilig. Er verlor langsam das Interesse an dem möglicherweise Spießertum des Mädchens. "Was machst du hier eigentlich so ganz allein?"
 
„Oh ok…“ Sie schien wieder versöhnlich, aber etwas schien sie dennoch zu betrüben, gedankenverloren strich sie mit der Zunge über die blutige Stelle, wo einmal ihr Zahn gewesen war, erst nach einigen Momenten antwortete sie ich. „ich will nicht nach hause…“
 
Jack hatte beobachtet, wie sie mit der Zunge über die Zahnlücke strich und er wusste, dass ihr zu Hause war wie seins. Er lächelte sie an. Sie war ihm symphatisch. "Das ist nicht schlimm. Ich will auch nicht nach Hause. Wir können ja zusammen nicht nach Hause gehen. Dann haben wir schon was zu tun."
 
„Au ja“, sie lächelte wieder. Blut rann über ihre Lippe, die Wunde war wieder aufgegangen als sie mit der Zunge daran rumgepopelt hatte, aber es schien sie nicht weiter zu stören.
 
"Wart mal, du hast da was." Jack zog seine Jacke aus und krempelte die Ärmel des übergroßen Pullis den er darunter trug nach unten. Er machte ein sehr konzentriertes Gesicht als er ihr das Blut mit besagtem Ärmel von den Lippen und dem Kinn rubbelte. Als er fertig war, grinste er sie an. "Viel besser."




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Roel Salem
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BeitragThema: Re: Was bisher geschah *drama-button*   Mo Sep 23, 2013 12:32 am

Noch vor ein paar Jahren hätte sie es nicht geglaubt, wenn ihr jemand gesagt hätte, dass sie einmal in so eine Situation kommen würde. Noch vor ein paar Jahren hätte sie die Situation auch gar nicht verstanden. Auch wenn sie sie jetzt auch noch nicht ganz verstand. Ihre aufgerissenen Augen hingen auf dem feuchten Gras auf dem sie stand und sahen langsam auf. Der warme Sonnenschein, der dann auf ihr Gesicht traf, wollte einfach nicht passen. Sie blinzelte und sah sich um. Ein schwarz gekleideter Mann stand einige Meter hinter ihr, machte einige Schritte um eine Parkbank herum und sah sich um. Seine Hände waren in den tiefen Manteltaschen verborgen. Man, der soll sich beeilen… Wo war Jack nur? Normalerweise war er doch immer mittags da, wenn sie sich hier trafen und manchmal kam es ihr so vor als hätte er die Wiese gar nicht verlassen, wo früher einmal ihr Spielplatz gestanden hatte, und hätte dort übernachtet, wenn er nicht nach seinem kleinen Bruder hätte sehen müssen… Sie würde die zwei echt vermissen…
 
Jacks Wange brannte und er spürte wie sich ein dünnes Rinnsal Blut den Weg über sein Kinn bahnte. Gott sei Dank war Sammy noch in der Schule und hatte das nicht schon wieder mitansehen müssen. Warum musste die verdammte Bierflasche auch so nahe am Tischrand stehen? Außerdem kam er auch noch zu spät zu Carolyne. Er war froh wenn er sie endlich sehen würde. Dann wäre er nicht mehr alleine.
Er sah sie schon von weitem. Doch irgendetwas stimmte nicht mit ihr. Sie schien fast schon panisch. Immerwieder sah sie zu einem Mann hinter sich den Jack noch nie gesehen hatte. Seine Wange war vergessen. Er rannte auf das Mädchen zu. Kurz vor ihr bremste er ab. Sie sah furchtbar aus. "Was ist passiert? Ist deine Mutter wieder durchgedreht?"
 
„Jaah“, sagte sie und holte Luft, sah ihn erst nicht an, starrte ins Leere, erst nach einigen Momenten sah sie auf und sah Jack an. Eigentlich wusste sie nicht ob sie heulen oder ihm lachend um den Hals fallen sollte. Eigentlich wusste sie ja gar nichts. Alles war so seltsam. Sie drehte sich wieder um, der braunhaarigen Mann um, dessen Augen kurz aufblitzten. Sie wirkten kühl, doch Carolyne schien ihn gar nicht seltsam zu finden. In ihrem starrenden Blick lag eine Mischung aus Dankbarkeit und Furcht. Dann sah sie wieder zu Jack. „Er hat mir geholfen. Es ist jetzt vorbei.“ Ihre Stimme klang trocken, sie räusperte sich und ballte ihre Fäuste zusammen, die in ihren Manteltaschen steckten. „Ich muss mit ihm gehen, hat er gesagt, weil die mich sonst von hier wegbringen und mir weh tun.“
 
Jacks Augen weiteten sich im Schock. Er hoffte er hatte sie nicht richtig verstanden. Doch ihre Worte ließen keine andere Erklärung zu. Sie würde weggehen. Womöglich weit weg. "Du kannst mich doch nicht alleine lassen. Was soll ich denn hier machen. Und wer will dir weh tun. Ich... ich kann auf dich aufpassen... ich lass mir was einfallen. Aber bitte bleib da."
Jack drehte sich zu dem Fremden um. "Lass sie hier. Bitte, lass sie hier bei mir."
 
Unschlüssig nagte sie an ihrer Unterlippe, umarmte ihn dann plötzlich und eher ruckartig als vorsichtig. Sie krallte sich in seine alte Jacke und schluchzte. Ihre Augen gaben aber keine Tränen ab, ihr Körper zitterte. Schock pulsierte durch ihre Adern. Der Mann hielt sich im Hintergrund, obwohl er näher kam. Seine Haut war fahl und wirkte ungesund, die Augen schienen ebenfalls nicht ganz lebendig zu sein, das einzige war da durchschien war Kälte, wie er auf Jack hinunter sah. Nur kurz blitzte so etwas wie Verständnis durch, bevor er sich wieder abwandte und Carol mit einem Wink zu verstehen gab, dass sie sich beeilen sollte. Diese ließ Jack los, sah ihn an und umarmte ihn noch einmal schnell, fuhr ihm durch die unordentlichen Haare ehe sie von ihm abließ und ging dann schnell zu dem Fremden hinüber, rannte und drehte sich nicht um.
 
Jack blieb ruhig bei ihrer Umarmung. Er bewegte sich nicht. Sein Schock war viel zu groß. Seine einzige Freundin würde ihn alleine lassen. Vielleicht würde er sie nie wieder sehen. Und er wusste nicht einmal was passiert war. Er sah ihr und dem Fremden hinterher, bis sie verschwunden waren, regungslos, still. Die Stille erdrückte ihn fast. Erst als er sie nicht mehr sehen konnte kam Bewegung in seinen Körper. Ein Beben befiel ihn und es schien ihm als könnte er sich nicht mehr auf den Beinen halten. Also ließ er sich einfach fallen und sank in die Wiese. Weinen konnte er nicht. Wollte er auch nicht. Trotz regte sich in ihm und er fing an in rasender Wut das Gras um ihn herum auszureissen. Die Einsamkeit war zurückgekehrt und mit ihr die Wut.
 
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Roel Salem
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BeitragThema: Re: Was bisher geschah *drama-button*   Mo Sep 23, 2013 12:33 am

Ihre Augen schlugen sich nieder. Sie hörte die Menschen um sich herum wie sie herum wuselten und nach dem richtigen Gleis suchten. Muggel, die sich gegenseitig zur Eile drängten, Zauberer, die auf ihre Kinder einschwatzten ohne dass die Muggel auch nur bemerkten, dass es dabei um Glückwünsche und Ermahnung ging, die sie für die Reise nach Hogwarts vorbereiten sollten. Man konnte sie durch die magischen Wände hören, die sie von Gleis 9 und 10 trennten und den Hogwartsexpress unsichtbar machten. Draco schnatterte neben ihr auf seinen Vater ein. Unnützes Zeugs über seinen neuen Besen und Lucious erwiderte das ganze nur mit einem kühlen Scherz über die Weasleys, die hastig an ihnen vorbei liefen. Roel sagte nichts, bekam zum Abschied einen kühlen Blick von den Malfoys, ein kleines Nicken, bevor sie mit ihrem alten Koffer hinüber zum ersten Waggon ging und dessen Tür öffnete, ehe sie eintrat. Wieso hatte Jaque sie auch nicht begleiten können…?
 
"Und wehe, du versuchst dich wieder vor dieser Schule zu drücken. Ich will bis Weihnachten nichts von dir hören.", waren die letzten Worte bevor Jack mitsamt seinem Koffer aus dem Auto geschubst wurde. Er stolperte ein paar Mal. Als er wieder fest auf beiden Beinen stand sah er sich um. Er war noch nie am Bahnhof gewesen. Ehrlich gesagt war er noch nie aus seinem Viertel herausgekommen. Bestimmt zum hundertsten Mal starrte er auf die Fahrkarte, die eine Eule ihm gebracht hatte. Gleis 9 3/4. Er ging zum Gleis 9 und sah, dass eine Menge Menschen vor der Absperrung standen. Ein Mädchen rannte los und war weg. Einfach weg. Es stimmte also doch. Diese Menschen konnen tatsächlich zaubern.
Aber was kümmerte ihn das, Sammy saß zu Hause. Alleine. Doch Jack nahm sich zusammen. Er konnte nichts daran ändern. Bis Weihnachten musste Sammy alleine klarkommen. Jack nahm all seinen Mut zusammen und rannte hinter einem Jungen mit einer Eule durch die Absperrung. Alles war voll mit schreienden Menschen. Überall wurde gedrängelt und geschubst. Man konnte durch den Rauch und die Menschen kaum den roten Zug erkennen, der ihn wohl zu seiner Schule bringen sollte.
Jack bemerkte auf einmal dass er angestarrt wurde. Ein kleines Mädchen zeigte auf ihn. Er fragte sich kurz warum, als ihm einfiel, dass er mit seinem winzigen Koffer, in dem kaum ein paar Bücher und seine Schuluniform Platz fanden und dem blauen Auge, dass sein Vater ihm netterweise noch verpasst hatte wohl etwas auffallen musste. Auf einmal bemerkte er einen schwarzen Haarschopf und ein bekanntes Gesicht. Jack blieb wie angewurzelt stehen. Das konnte nicht sein. Doch das Mädchen hatte ihn nicht gesehen. Sie stieg in den Zug. Jack rannte ihr hinterher, mehrere Menschen versperrten ihm den Weg und einmal wäre er fast über eine Katze gestolpert, doch endlich erreichte er sie. Völlig außer Atem keuchte er: "Carolyne?"
 
Roel sah aus wie eine Leiche. Ihr blasses Gesicht sah müde und entnervt drein, sie schlurfte durch den schmalen Gang des Waggons hindurch, sah durch die Glastüren der Abteile hindurch, nur um dahinter schreiende Erstklässler und ebenso müde Schüler zu sehen, die älter waren als sie und sicherlich die letzte Nacht ihrer Ferien feucht fröhlich begangen hatten. Sie seufzte und ging rasch weiter bis zur letzten Tür und öffnete sie, als sie dahinter keine Schüler entdeckte. Gerade wollte sie hindurch treten und sich endlich niederlassen, als jemand sie stoppte. Carolyne. Jemand kannte ihren Namen und obwohl sie im ersten Moment gedacht hätte es wäre Malfoy dieser kleine Versager, war es nicht seine Stimme – sondern eine fremde. Wer zur Hölle war das der ihren Namen kannte? Erschrocken wandte sie sich um und starrte in das Gesicht des Jungen, der sie gerufen hatte. Das konnte nicht sein… wieso er und wieso jetzt und überhaupt- Sie war verwirrt und obwohl ihre weit aufgerissenen Augen ihn anstarrten, presste sie die Lippen aufeinander, schüttelte sie den Kopf und schlüpfte rasch durch die Tür ins Abteil. Wie sollte sie auch reagieren?
 
Jack stand ratlos und vollkommen verwirrt vor dem geschlossenen Zugabteil. Doch dieser Zustand dauerte nur ein paar Sekunden. Dann öffnete er ohne groß darüber nachzudenken das Abteil. Warum auch nicht? Carolyne und er kannten sich schon ewig und er fand, sie war ihm ein paar Erklärungen schuldig. Ohne sie genauer anzusehen fing er einfach an hastig und "Warum haust du einfach die Türe vor meiner Nase zu? Freust du dich nicht mich zu sehen? Ich bin ein halbes Jahr nachdem du weg warst immernoch jeden Mittag auf der blöden Wiese gestanden und hab auf dich gewartet. Ich habe die Nachrichten geguckt um zu hören ob ein totes Mädchen gefunden wird. Ich dachte die Mafia oder sonstwer hätte dich entführt und konnte nächtelang nicht schlafen und du rennst einfach vor mir weg? Was soll die Scheiße?" Selbst ein bisschen überrascht über seinen Ausbruch sah er sie halb herausfordernd und halb flehend an. Er vermisste sie und hatte verdammte Angst vor einer Zurückweisung.ungeordnet zu versuchen sich ihr mitzuteilen und wurde mit jedem Satz wütender.
 
Man, der war echt zäh. Natürlich, wie sollte es auch anders sein, sie kannte ihn ja. Sie kaute nachdenklich und etwas verbissen auf ihrer Unterlippe rum, bis diese rot anlief und sie lieber aufhörte. Es tat schon weh. Langsam stellte sie endlich ihren Koffer ab, direkt auf die Sitzbank und sah zu wie das weiche braune Leder unter seinem Gewicht etwas einsank und sprach dann endlich, sah aber Jack dabei nicht an. „Ich bin nicht entführt worden, ich bin freiwillig mitgegangen.“ Ihre Stimme klang etwas heiser, sie räusperte sich etwas und wartete dann noch einen Moment ab. Was sollte sie ihm noch sagen? Sie konnte ihm schlecht die ganze Wahrheit erzählen. „Wir sind weit weg gezogen und ich konnte nicht mehr zurück, tut mir Leid – wie geht’s deinem Bruder?“ Lieber schnell das Thema wechseln, bevor er noch auf weitere Fragen kam, fiel ihr rasch ein und sie drehte sich schließlich um. Ihre dunklen Augenringe zeugten von Schlafmangel und ihr blasses Gesicht wirkte noch heller unter den zerzausten schwarzen Strähnen, zwischen denen sie hervor lugte.
 
Während Jack ihr zuhörte durchfuhr ein erneuter Adrenalinschub seinen Körper und er wollte sie nur noch schütteln. War das die Erklärung für 2 verdammte Jahre? Doch als er sie gerade anschreien wollte sah er in ihr Gesicht. Sie sah blass aus. Ungesund. Seine Wut verflog. Er entschied sich, ihren Versuch, das Thema zu wechseln anzunehmen. Er konnte später mit ihr darüber reden.
"Naja, er sitzt allein zu Hause und du kennst meine Eltern. Weihnachten bin ich wieder daheim. Mal sehen, wie er alleine zurecht kommt. Wenigstens lässt Vater normalerweise  seine Wut nicht an ihm aus. Und wie gehts dir?" Jack sah zu ihr hoch und hoffte, er würde vielleicht eine etwas ausführlichere Antwort bekommen als 'gut'. Doch irgendwie bezweifelte er es.
 
Sie wich seinem Blick aus und strich sich ihre Haare zurück, kramte nach einem Haargummi aber sie fand keinen. Er hatte es bemerkt, es ging ihr nicht gut und das sah man wohl doch stärker als sie anfangs angenommen hatte. Sie war müde und ihre Glieder schmerzten und eigentlich war das auch verständlich nachdem wo sie die letzten Wochen überall gewesen war. Langsam seufzte sie und setzte ihr bestes falsches Lächeln auf und ließ ihre Haare wieder ins Gesicht fallen. „Hatte nur ne lange Reise, alles ok. Und Malfoy dieser Idiot hat mich nicht schlafen lassen.“ Sie verdrehte ihre Augen. „’Uuuh Roel, guck mal mein Daddy hat mir einen Besen geschenkt und oh mein Gott, guck mal, ich bin so reich und toll und in Hogwarts werde ich bestimmt total beliebt sein, blah blah blah’“, äffte sie ihn nach und lächelte dann, setzte sich neben ihren Koffer und seufzte. Hoffentlich würde das ihn zufrieden stellen, dass sie im Wald übernachtet hatte, würde sie ihm auf keinen Fall auf die Nase binden.
 
Er bemerkte, dass das nicht alles sein konnte. Doch sie war nicht mehr das Mädchen von früher, das ihm alles erzählt hatte. Sehr oft hatte er darüber nachgedacht, was wohl wäre, wenn sie sich wiedersehen sollten. Doch in seiner Vorstellung war sie nicht abweisend gewesen. Alles war dort wie früher auf der Wiese. Jack war erst zwölf, doch er bemerkte, dass Menschen sich mit der Zeit veränderten und Carolyne war das passiert. Sein Gesichtsausdruch verlor etwas von der vorherigen Mischung aus Freude, Wut und Erwartung. Er verschloss sich. Wenn sie ihm nichts erzählen würde, würde er eben mitspielen. "Warum nennt dich dieser Malfoy Roel?" Ungefragt setzte er sich. Auch wenn er gerade ein bockiges Kind war, er würde sie sicher nicht so einfach in Ruhe lassen. Endlich hatte er sie wiedergefunden und er würde sie mit Sicherheit nicht schon wieder gehen lassen. Nur, weil sie das wollte.
 
„So nennen mich alle… du bist der einzige- einer der wenigen die mich noch Carolyne nennen.“ Ihre Stimme schwankte zwischen ehrlicher Leichtigkeit und dem Missmut ihm etwas zu viel gesagt zu haben. „Nun eigentlich nennt er mich immer ‚Salem’, aber ich mag das nicht sonderlich gerne… ich verdränge es sonst immer.“ Dann schwieg sie wieder. Es war seltsam wieder mit ihm zu reden und obwohl sie in ihrem jungen Leben erst selten so etwas wie ein großes Wiedersehen erlebt hatte, kam es ihr doch anders vor, als sie es sich vorgestellt hatte. „Du hast echt immer auf mich gewartet?“, fragte sie schließlich zögerlich und sah ihn mit gesenktem Kopf von unten herab an. Sie fühlte sich schuldig, aber eigentlich konnte sie ja nichts dafür, sie musste ja weg…
 
"Natürlich habe ich auf dich gewartet. Jeden verdammten Tag und als dann der erste von diesen komischen Briefen auftauchte, dachte ich schon er wäre von dir. Aber nein, ich muss auf irgendso eine Schule von der noch keiner was gehört hat und soll zaubern lernen." Man sah Jacks Gesicht an, dass er nicht gerade Lust dazu hatte. "Und jetzt bin ich auch noch ein Jahr älter als alle andern und muss trotzdem hin. Aber wenigstens bist du auch da. Ich hätte nicht gedacht, dass ich hier jemanden treffe, den ich kenne." Er lächelte sie an.
 
„Jaa… ich auch nicht.“ Ihre Antwort klang alles andere als begeistert, doch sie zwang sich zu einem Lächeln. Eigentlich freute sie sich ihn zu sehen, aber das ganze wurde einfach von den letzten 2 Jahren so überschattet, dass sie nur noch nackte Angst verspürte. Es würde niemals alles so werden wie früher, niemals, egal wie stark sie es versuchen würden. „Der Mann, der mich damals mitgenommen hat, ist ein Zauberer…“, sagte sie schließlich. „Daher war ich nicht wirklich überrascht, als der Brief kam.“
 
Jack schien auf einmal interessiert. "Er ist ein Zauberer? Weißt du dann etwas über die blöde Schule? Ich hab nämlich nicht die geringste Ahnung. Hab' nur ein paar gebrauchte Bücher zugeschickt gekriegt und 'nen ziemlich zerfetzten Umhang und das wars." Der Junge bemerkte auf einmal, dass ihm die Schule doch nicht so egal war, wie er dachte. Irgendwo tief in seinem inneren freute er sich, von zu Hause weg zu kommen. Doch er schämte sich sofort für diesen Gedanken. Schließlich ließ er seinen Bruder gerade im Stich.
 
„Naja diese Schule, sie ist nicht blöd… auch wenn ich mich auch nicht so darauf freue…“ Sie lächelte etwas und schien dann kurz bedrückt, dachte nach und redete dann hastig weiter, um die kurze Pause wieder aufzuholen: „Jaque hat mir erzählt- naja der Kerl, der mich abgeholt hat – er hat gesagt, dass man da in verschiedene Häuser eingeteilt wird… so ne Art Klasse, je nachdem was man für einen Charakter hat.“
 
Der Junge horchte auf. Das hörte sich interessant an. "Und was gibt es da für verschiedene... äh.. Häuser? Macht es da einen großen Unterschied in welchem Haus man ist oder eher nicht so? Und gibt es eins, das besser oder schlechter ist als die anderen?" Jack konnte sich im Fragen kaum zurückhalten. Endlich wusste jemand irgendetwas über die Welt, in die er sich nun begeben sollte und wenn man ihm schon einen Anhaltspunkt zum fragen gab, würde er diesen auch ausnutzen.
 
„Naja ich finde ja das beste Haus ist Slytherin.“ Sie schmunzelte und dieses Mal ehrlich, ihr Blick nahm einen seltsam wissenden und freudigen Ausdruck an, schwieg kurz und ließ die Worte wirken. „Mein Vater war dort. Hat man mir gesagt. Aber alle behaupten, dass da nur böse Menschen hinkommen – glaub ich aber nicht.“ Sie sah wieder etwas auf, Licht von draußen schien in ihr blasses Gesicht und jetzt bemerkte sie erst, dass sie schon eine Weile fahren mussten, so wie die Landschaft aussah. Dunkelgrüne grasige Hügel erstreckten sich zwischen einigen kleinen Seen bis zum Horizont, der bewölkt war und leichter Nieselregen trommelte gegen das Fenster. „Ich will das unbedingt hin.“ Sie lächelte noch kurz, dann sah sie ihn wieder an. „Außerdem gibt’s noch Hufflepuff, Ravenclaw und Gryffindor… aber von denen halt ich nich so viel, nachdem was man mir erzählt hat.“
 
Der Junge überlegte kurz. Doch er vertraute Carolyne, oder Roel, wie sie sich jetzt nannte immernoch. "Gut, dann will ich auch nach Slytherin. Dann sind wir in einer Klasse. Das wäre bestimmt lustig." Er sah in die Gänge und bemerkte, dass viele der Schüler schon ihre Umhänge anhatten. Doch diese waren fast alle neu und nicht so alt und verbraucht wie seiner. Na klasse, er würde wieder einmal auffallen. Zu Roel gewandt, fügte er hinzu: "Ich gehe mich mal kurz umziehen." Zehn Minuten später betrat er das Abteil wieder und sah missmutig auf seinen Umhang, dem ein halber Ärmel fehlte. Dann zuckte er die Achseln. "Naja, die Leute da können ja zaubern. Vielleicht reparieren sie mir den ja..."
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Roel Salem
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BeitragThema: Re: Was bisher geschah *drama-button*   Mo Sep 23, 2013 12:34 am

Jack war in der Bibliothek angekommen. Er wollte nicht angesprochen werden und setzte sich weit in eine dunkle Ecke hinein. Sein Kater war auf dem Weg durch das überfüllte Schloss wieder zu voller Größe angewachsen und sein Kopf dröhnte. Zwar hatte er gerade eine geraucht, doch die Entzugserscheinungen traten schon wieder bei ihm auf. Er brauchte Nikotin. Doch er hielt sich zurück. Wenn er hier rauchen würde, würde er wohl schneller rausfliegen als er "Scheiße" sagen konnte. Doch Madame Pince konnte ihn hier nicht sehen und so machte er sich einen Spaß daraus Sid, seine Ratte über die alten, wertvollen Bücher laufen zu lassen und ihm zuzusehen, wie er sich ein Nest aus 'Die Geschichte von Hogwarts' baute. Jack grinste. Das war viel besser, als lernen.
 
Ruhe, sie brauchte unbedingt Ruhe – dieser ganze Lärm, verursacht von schnatternden Schülern und lauthals schimpfenden Lehrern, machte sie noch wahnsinnig. Nicht einmal im Slytherin Gemeinschaftsraum, wo doch normalerweise eine wenigstens etwas angenehme Atmosphäre herrschte, hatte sie es lang ausgehalten und war so bis jetzt durchs Schloss gestreift, um nach einem geeignetem Plätzchen zu suchen, wo sie sich einfach nur hinsetzen und einen Moment lang nur für sich sein konnte.
Aber das war ihr wohl nicht mal in der Bibliothek vergönnt. Es war zwar fast menschenleer, dennoch störte sie sich unweigerlich daran und war gerade wieder dabei zu gehen, als sie aus dem Augenwinkel etwas bemerkte.
Jack. Er saß alleine da, nun ja zumindest fast alleine, seine Ratte wankte verbotener Weise über eines der Bücher und schien dieses gerade zu zerstören.
Kurz überlegte sie, schien hin und her gerissen und biss auf ihrer Unterlippe herum bis diese leicht anfing zu schmerzen. Sie hatte Jack schon ewig nicht mehr gesprochen… und eigentlich hatte sie sich vorgenommen das bis ans Ende ihrer Schulzeit auch dabei zu belassen, aber aus irgendeinem Grund konnte sie das nicht. Roel seufzte und setzte eine unzufriedene Miene auf, ging dann rasch zu ihm hinüber und setzte sich ungefragt einfach auf den gegenüberliegenden Stuhl.
 
Jack bemerkte aus dem Augenwinkel, dass sich jemand zu ihm gesetzt hatte. Als er den Kopf hob um sein Gegenüber zu mustern sah er das es Roel war. Er hatte ewig nicht mehr mit ihr gesprochen und wenn sie sich in den Gängen von Hogwarts begegnet waren ignorierte sie ihn geflissentlich. Er war dementsprechend überrascht, dass sie sich zu ihm setzte. Ein dunkler Schatten huschte über sein Gesicht. Roel hatte ihm zu verstehen gegeben, dass sie nichts mit ihm zu tun haben wollte und er hatte eigentlich vorgehabt diese Entscheidung zu respektieren.
"Was willst du?" , murmelte er. Anscheinend bin ich dir doch nicht mehr gut genug, fügte er in seinen Gedanken hinzu und wandte seinen Kopf zurück Richtung Sid, als würde es ihn nicht interessieren, dass sie da war. Doch seine Augen, die immerwieder zu ihr aufblickten verrieten ihn.
 
„Ich… ich weißt ehrlich gesagt nicht, was ich will“, antwortete sie schnell. Verdammt. Jack war der einzige zu dem sie so ehrlich sein musste, alle anderen konnte sie in wohlige Lügen hüllen und sie wie Marionetten tanzen lassen, aber ihn nicht. Er war fast wie ein wandelndes Veritaserum.
Roels helle Augen, die im Moment dennoch ziemlich finster drein schauten, huschten über sein Gesicht und weiteten sich kurz als sich ihre Blicke trafen. Rasch sah sie weg auf einen anderen Punkt im Raum, hielt dann aber nicht lange daran fest und starrte ihn wieder an. Sie musste wohl gerade wie das bockige Kind wirken, das sie gewesen war, als sie sich kennen gelernt hatten.
„Weißt du eigentlich wie schwer das für mich ist?“, es platzte aus ihr heraus und sie sah ihn entrüstet an, als ob er derjenige gewesen wäre, der ihre Freundschaft vor vielen Jahren beendet hatte. Dabei war es doch sie gewesen, auch wenn sie gute Gründ gehabt hatte… Sie presste ihre Lippen aufeinander und legte schließlich ihren Kopf auf die Tischplatte. Nach den vielen Jahren des Schweigens plötzlich so eine Nummer? Wie dumm war sie eigentlich?
 
Jack hatte die ganze Zeit versucht, beherrscht zu wirken. Doch Roels letzter Satz ließ ihn auffahren. "Ach für dich ist es schwer gewesen? Du haust einfach ab, lässt mich in der Scheiße zurück und als wir uns nach 3 verdammten Jahren wiedersehen lässt du mich völlig links liegen und gibst mir nicht einmal den Hauch einer Erklärung, einfach weil ich nach Gryffindor gekommen bin. Und jetzt, nach 7 weiteren Jahren in denen du mich einfach ignoriert hast, egal wie oft ich dich angesprochen habe sagst du mir, für dich wäre es schwierig." Jack starrte sie fuchsteufelswild an und steckte Sid beiläufig wieder in die Tasche, der von dem Ausrasten seines Herrchens erschreckt, fast davongelaufen wäre. Das schlimmste an der Sache war, dass er sie mochte. Wäre sie ihm egal, könnte er einfach stillschweigend dabei zusehen wie sie sich immer tiefer in die Scheiße schaufelte. Er wusste zwar nicht was sie tat, doch dass es nichts gutes war, ahnte er schon in der ersten Klasse.
 
Roel verzog ihre Miene. Es wirkte schmerzverzerrt und obwohl sie ihr Gesicht noch zur Tischplatte gewandt hatte und sie ihn nur gehört hatte, konnte sie sich vorstellen wie er sie gerade ansah. Sein vorwurfsvoller Blick bohrte sich wohl gerade in ihren Haarschopf. Roel schnaufte, so als ob sie lächeln würde, aber eigentlich war das nicht zum Lachen. Es war verdammt traurig. Aber diese ganze Situation und das Dilemma, in dem sie steckte war so grotesk, dass sie nicht anders konnte.
"Es liegt nicht daran, dass du in Gryffindor bist", antwortete sie wie aus der Pistole geschossen, als er mit seiner Arie fertig war und verfluchte sich im selben Moment. Dumme, dumme, dumme Roel! Erzähl ihm nicht zu viel!
"Ich hatte oder ... hab meine Gründe." Langsam hob sie ihren Kopf, ihr blondes Pony verdeckte kurz ihren Blick, bis sie sich aus den Augen strich. Wäre sie doch lieber wieder in den Gemeinschaftsraum gegangen...
 
Jack wunderte sich. Was sollte sie denn für Gründe haben? Er war immer davon überzeugt gewesen, dass ihr Hauptproblem darin bestand, mit einem Gryffindor gesehen zu werden. Naja, vielleicht sollte er es anderst angehen, wenn sie endlich mal wieder mit ihm sprach. Er versuchte, seine jahrelang angestaute Wut zu ignorieren und sah sie mit einem gequälten Gesichtsausdruck an.
"Weißt du, du läufst teilweise wie so ein verdammter Zombie durch die Schule. Keiner weiß, was in dir vorgeht. Keiner weiß, was du so treibst wenn man dich tagelang nicht sieht und du wieder auf krank machst. Außerdem läufst du mit Menschen wie Malfoy rum. Ich weiß langsam nicht mehr was ich glauben soll. Du verschließt dich vor allem und jedem. Wenn du schon nicht mit mir reden willst, ok. Aber such dir doch wenigstens andere Leute denen du vertraust und die nicht totale Vollspasten sind."
Jack hoffte, er hatte seinen Standpunkt klar gemacht. Er seufzte. Warum musste sie auch dann wieder mit ihm reden, wenn sein Schädel kurz davor war, in 1000 Teile zu zerspringen. Er konnte sich einfach nicht konzentrieren.
 
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Roel Salem
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BeitragThema: Re: Was bisher geschah *drama-button*   Mo Sep 23, 2013 12:34 am

Es war nach langer Zeit tatsächlich mal wieder ein warmer Tag in Hogwarts. Doch Jack konnte dem warmen Wetter nicht viel mehr abgewinnen, als die Tatsache, dass er sich zum Rauchen mal wieder nach draußen setzen konnte. Diese Bank zwischen ein paar Büschen gut versteckt, war immer schon der Ideale Platz dafür gewesen. Vor allem nervte ihn niemand und er konnte einfach mal ein bisschen abschalten. Während er seinen mittlerweile schon ziemlich krümeligen Tabak aus der Tasche fummelte und sich gedankenverloren eine Zigarette drehte, dachte er über die letzten Wochen nach. Er war wieder hier und trotzdem wurde es nicht besser. Sein Hass schwelte nur kurz unter der Oberfläche und jede Kleinigkeit konnte diese dünne Schicht darüber zum aufreisen bringen. Auf Dauer würde es wahrscheinlich nichts nützen, sich an dieser Slytherinschlampe abzureagieren.
Er war mittlerweile fertig mit drehen und zündete sich seine Kippe an um einen tiefen Zug zu nehmen und den Rauch wieder langsam auszuatmen. Er sah dem Rauch zu, wie dieser sich langsam seinen Weg zum Blätterdach bahnte und dachte darüber nach, wann er zum letzten Mal hier gesessen war. Damals hatte er Roels Mal entdeckt, als er sie beobachtet hatte. Ein leichtes Grinsen zog sich über sein Gesicht, als er über seine Reaktion nachdachte. Damals war er wirklich ein Weichei gewesen.

 
Die warmen Strahlen der Sonne ließen das nasse Gras am Ufer des Sees glitzernd aufzucken. Das Wasser selbst schwappte geräuschvoll immer wieder leicht über den mit Kieselsteinen übersähten Strand, strahlte in der Sonne zusammen mit der restlichen Umgebung um die Wette. Roels Mitschüler hätten diesen Anblick wohl als "mega schön" und "boah hammer geil, voll Frühling jetzt" kommentiert, aber ihre Antwort war ein stummes Statement, nämlich eine Sonnenbrille, die das lästige helle Licht abschirmte. Heute konnte sie so einen Frühlingstag allerdings auch am wenigsten gebrauchen. Nach der schlaflosen Nacht, die mit Gedanken an ihr Zuhause gefüllt gewesen war und ihrem eh schon kränklichen Aussehen nun noch zusätzlich zwei dicke Ringe unter ihren Augen verpasst hatte, brauchte sie nur noch Ruhe. Ein schattiges Plätzchen ohne nervige Mitschüler und vor allem ohne Erstklässler. Die Kleinen hatte sie ohne hin schon gefressen.
"Irgendwo", jammerte sie in sich selbst hinein, drückte sich beim Anblick der saftigen Wiesen und der fröhlichen Mitschüler die Sonnenbrille nur noch tiefer auf ihre Nase und wanderte schließlich noch weiter weg vom See, direkt hinter einige Büsche. Bevor sie sich aber auch nur daran erinnern konnte, dass dieser Platz schon früher öfters von jemand anderem belegt worden war, hatte sie denjenigen auch schon im Blickfeld. Wow, den gab’s ja auch noch.
"Jack?", sie hob ihre Brauen und schob etwas ihre Brille hinunter, sodass sie ihn über die abgedunkelten Gläser hinweg ansehen konnte. "Äh-", Roel hatte schon wieder anfangen wollen weiter zu sprechen, doch es verschlug ihr die Sprache. Okay, was sagte man zu jemanden, den man schon so lange nicht mehr gesehen oder besser gesagt, ignoriert hatte?
Eine Entschuldigung? Nein, er hatte sie schließlich genauso ignoriert wie sie ihn. Vielleicht sogar noch stärker als sie es früher mit ihm getan hatte. Vielleicht einen Witz für den Anfang? Nein, das hier war kein verdammtes Essay in Geschichte der Zauberei, sie musste aber irgendetwas sagen. Nervös tänzelte sie von einem Bein auf das andere, wippte hin und her, bevor sie endlich wieder ihren Mund aufmachte.
"Schöner Tag, nicht?" Sie grinste ihn nervös an und nahm schließlich ganz ihre Brille ab. Darunter kamen die roten Augenringe zum Vorschein, die sie eigentlich vor den anderen auch ein Stück weit hatte verstecken wollen. Ihre blassen Lippen formten sich zu einem breiten Grinsen. "Und wie gehts so?"
 
Jack wurde von dem Ausspruch seines Namens aus seinen Gedanken geholt. Er drehte sich um. Hinter ihm stand Roel und tat als ob nichts wäre. Er sah ihr an, dass es ihr unangenehm war, nach so langer Zeit wieder mit ihm zu reden. Sie versuchte mit dummen Floskeln runter zu spielen, aber es war einfach offensichtlich.
Außerdem schien es ihr, dem blassen Gesicht und den Augenringen nach nicht sonderlich gut zu gehen. Jacks Mitleid hielt sich in Grenzen.
Ein kurzes Grinsen zuckte über seine Lippen. Sie hatte wohl nicht einmal bemerkt, dass er weg gewesen war. Aber was hatte er erwartet? Sie war immer schon ein egoistisches, intrigantes Biest gewesen. Wenn er darüber nachdachte, war es ihm schleierhaft, warum er so lange für sie eingestanden war. Schließlich gehörte sie auch nur zu diesem menschlichen Abschaum, der sich den dunklen Künsten verschrieben hatte und wenn sie das selbst nicht einsah, war sie nicht mehr Wert, als ein Insekt, dass man unter seinem Fuß zerquetschen konnte.
Trotzdem stand er auf, ging auf sie zu und setzte ein ebenso künstliches Lächeln auf: "Hey, was tust du hier? Lange nicht mehr gesehen."
Mit zuckersüßer Stimme fuhr er fort: "Aber naja, war ja auch recht schwierig. Schließlich bin ich die letzten paar Monate zu Hause in London gesessen und habe Sammy beerdigt, den deine liebenswerten Todesserfreunde so weit getrieben haben, dass er sich vor den Zug geworfen hat."
Er stand nun direkt vor ihr. Seine aufgesetzte Fröhlichkeit war verschwunden. Nur der leichte Nachgeschmack eines Grinsens, das eher wie eine Grimasse aussah war geblieben als er fortfuhr: "Und während sie seinen zerfetzten Körper von den Gleisen gekratzt haben, warst du hier und hast die schönen Tage genossen. Ja, mir geht's gut. Danke der Nachfrage. Die bessere Frage wäre, wie geht es dir?"

 
Okay, dass sie kurz überrascht war von seiner so außerordentlich wütenden und doch so süßen Ansprache, das musste sie zugeben. Dass sie auch nicht damit gerechnet hätte, dass er gleich so aggressiv werden würde, auch. Und dass sie vielleicht das Ableben des kleinen Sammys die letzten paar Wochen verdrängt hätte, ja gut, hatte sie einfach vergessen. Aber dachte Jack jetzt wirklich sie würde gleich klein beigeben? Roel sah ihn mit hochgezogenen Brauen an, kein Lächeln, nur ein relativ überraschtes Gesicht, dass ihm aufmerksam zuhörte und hin und wieder entspannt blinzelte.
Er hatte sie schon lange nicht mehr gesehen. Er wusste nicht, dass sie inzwischen weit aus Schlimmeres gewohnt war, was er sich vielleicht nicht einmal vorstellen konnte. Er war kein Todesser und vielleicht würde er auch nie verstehen, dass das was Sam getan hatte, für ihn zumindest der einzige Ausweg gewesen war. Aber gut. Sie musste ihm das wohl einfach nur mal in Ruhe erklären.
Ihre Lippen formten sich nach seiner Ansprache schließlich zu einem breiten Grinsen, als ob sie amüsiert davon wäre, was er ihr gerade erzählt hatte. Mal sehen wie er da drauf reagieren würde...
"Der kleine Sammy, huh? Jaa, da war doch was...", murmelte sie schließlich und wuschelte sich nachdenklich durch ihre kurzen Haare. Einen Moment lang zogen Bilder vor ihrem inneren Auge vorbei, Sam Donahue wie er plötzlich im Lager der Greifer stand; Sam Donahue wie er von einem ihrer Kollegen am Kragen gepackt und gegen einen Baum geworfen wurde; Sam Donahue wie er darum bettelte, den Lord sehen zu dürfen. Dabei kam nicht mal Roel so einfach an ihn ran, nicht mal über ihren Vater, obwohl der doch früher mal so dicke mit ihrem dunklen Herrscher gewesen war.
"Ja genau, den kleinen den sie immer gefoltert haben, weil er ein Schlammblut war. Genau. Weil ihn seine Eltern so in den Muggelhass gedrängt haben. Jack, ich glaub du kanntest deinen Bruder gar nicht", sie sah ihn ohne das breite Grinsen an, kalte Augen, die seine trafen und Lippen, die sich aufeinander pressten, vor Wut oder vor Furcht konnte man nicht erkennen. "Dein Bruder war so verzweifelt." Sie stieß die einzelnen Worte aus als ob sie an ihnen zu ersticken drohte. "So VERDAMMT verzweifelt. Er dachte wirklich der Lord wäre der einzige, der ihn aus seiner Lage befreien konnte. Weil er dachte, es würde ihm dann so wie mir ergehen. Dass er seine Eltern für ihn töten würde, wie er es bei mir getan hat." Ihr letzter Satz hatte sie eigentlich gar nicht aussprechen wollen.
Den letzten Satz... das hatte sie Jacky doch all die Jahre verschwiegen oder? Eigentlich war das auch der Grund gewesen, dass sie ihn so von sich fern gehalten hatte... Und jetzt war der raus. Einfach so?
 
Jacks Hände waren zu Fäusten geballt. Er zitterte vor unterdrückter Wut. Das Grinsen war nun komplett von seinem Gesicht verschwunden. Er hatte ihr einfach nur zugehört, obwohl er eigentlich nur wollte, dass sie die Fresse hielt. Ja, es stimmte. Er hatte es nicht gewusst. Wusste nicht, dass er so tief drin steckte. Wusste nicht, dass sie ihn gefoltert hatten. Eigentlich hatte er gar nichts gewusst. Oder wollte es nicht wissen. Er hatte die Gedanken immer unterdrückt. Die Gedanken darüber, was die Todesser seinem kleinen Bruder angetan haben mussten, dass dieser so weit ging, sich das Leben zu nehmen. Er hatte sich eingeredet, der Kleine wäre einfach enttäuscht gewesen, dass er nicht dazugehören durfte. Alles weitere, über das er nicht nachdenken wollte, übertönte er mit Alkohol, Drogen und Sex.
Doch nun war es raus. Und diese kleine Barriere, die er sich über die Monate aufgebaut hatte in denen er seinen alten Charakter, sein altes Leben und eigentlich alles, dass ihm jemals wichtig war weggesprengt hatte, diese Barriere war nun offen.
Die Fragen, die er sich stellen würde, die Selbstvorwürfe, warum alles so weit gekommen war... all das würde später kommen. Doch nun sah er nur diese Todesserin vor sich. Diese verdammte Mörderin. Und er zog seinen Zauberstab. Seine gebündelte Wut machte es ihm leicht und ohne darüber nachzudenken murmelte er: "Crucio!"
Und es gefiel ihm. Es nahm ihm etwas von seinem Schmerz, den ihren zu sehen. Er weidete sich an ihren Schreien. Fast hätte er den Zeitpunkt verpasst, den Zauber aufzuheben. Es wäre ihm sogar egal gewesen. Doch er musste dieses Jahr noch auf dieser Schule bleiben. Schließlich musste er lernen, wie man Todesser aufhalten konnte. Also lies er seinen Zauberstab sinken.
Er sah sie eine Zeitlang nur an. Das Zittern seiner Arme hatte etwas nachgelassen. Dann sagte er leise: "Ich hoffe, dass dir klar ist, dass das nicht alles war. Ich werde etwas finden, dass dir wichtig ist. Und ich werde es genauso zerstören, wie du meins zerstört hast. Es interessiert mich nicht ob du unmittelbar daran beteiligt warst. Aber du hättest etwas tun können. Und wenn du nur mit mir darüber geredet hättest. Aber das hast du nicht. Und damit bist du für mich genauso Sammys Mörder wie ihr alle. Und zumindest bei dir wird es mir leicht fallen, mich zu rächen."

 
Das letzte was sie sah, bevor Roel hart auf dem Boden aufschlug, waren seine Augen. Seine so vor Wut verzerrten Augen. Bei diesem Anblick hatte sie einfach gewusst, was als nächstes kommen würde. Seine ganzen Emotionen würden sie treffen, Wut, Zerstörungslust, einfach alles. Vielleicht sogar eine Prise Rache. Die Blonde schloss die Augen und ließ es auf sich zu kommen.
Der rote Strahl des Fluchs traf sie mitten in der Brust, den ersten Augenblick spürte sie sogar zu ihrer Überraschung gar nichts. Bis der Schmerz einsetzte. Die glühend heiße und gleichzeitig kalte Welle der Folter griff jede Zelle ihres Körpers an, ließ ihre Muskeln zucken und ihre Knochen knacken, während sie einfach nur schrie. Ihre Ohren waren taub, sie hörte ihre eigenen Schreie nicht, hörte nicht ob Jack ihr währenddessen etwas sagte, sondern sah nur mit aufgerissenen Augen sein Gesicht. Seine eiskalten Augen. Die Augen, die sie an die schlimmsten Tage erinnerten.
Obwohl der Schmerz danach abflaute und langsam ihren Körper verließ, starrte sie ihn immer noch schwer atmend an. Hörte zu und spürte wie eine Träne ihre Wange hinunter glitt. War es soweit? Hatte Jack, ihr Jacky, den Verstand verloren? Denn der junge Mann, den sie vor sich hatte, war nicht mehr ihr Freund. Er war etwas anderes. Etwas weitaus schlimmeres. Und das macht ihr so Angst, dass sie wirklich hoffte, dass sie hier einfach sterben würde. Jemand, von dem sie einen Augenblick lang glaubte, wirklich inständig glaubte, sie habe den dunklen Lord vor sich. Seine Augen. Seine kalte Stimme.
Und in diesem Moment konnte sie nicht mehr. Sie weinte nicht, sondern lachte. Lachte verzweifelt, weil die ganze Situation einfach so surreal war. Sie konnte nicht wahr sein. Sie durfte das nicht.
 
Jack hatte ihre Träne gesehen. Kurz flammten alte Erinnerungen auf. Der Geruch nach Regen, ein Spielplatz, ein weinendes Mädchen, das nicht nach Hause wollte... Doch er wischte sie mit einem kurzen Kopfschütteln weg. Egal was sie einmal gewesen war. Heute war sie nichts weiter als eine Mörderin von vielen.
.........Dann lachte sie. Es brachte ihn aus dem Konzept und er fragte sich, ob er seinen Zauberstab doch zu spät hatte sinken lassen. Hatte er sie in den Wahnsinn getrieben? Wieder kam kurz ein Gefühl des Bedauerns. Reste seines alten Ichs, die versuchten, sich an die Oberfläche zu kämpfen. Doch er drückte sie nach unten. Sammys Bild schob sich vor die ganze Szenerie und er war wieder der, der vor ein paar Minuten seinen ersten Unverzeihlichen Fluch benutzt hatte.
Und auf einmal wusste er, was sein nächster Schritt war. Er musste so schnell wie möglich nach London zurück. Schließlich hatte es einen Grund gehabt, dass Sammy gestorben war. Und da er diesen nun wusste, konnte er den letzten Wunsch seines Bruders nun ausführen. Noch ein letztes Mal klingelten die Alarmglocken seines alten Ichs, doch er ignorierte sie und ohne Roel noch eines letzten Blickes zu würdigen ging er in Richtung der Grenzen von Hogwarts. Er hatte sich entschieden, dass er nach seinem nächsten Schritt genug wusste um alles aufzuhalten, was ihm im Weg stand. Und wenn er einen Unverzeihlichen ausgesprochen hatte, würden zwei weitere auch nicht ins Gewicht fallen.
.........Er hatte die Grenzen von Hogwarts überschritten und disapparierte. Als er wieder auftauchte zierte ein Grinsen sein Gesicht. „Hallo Mum und Dad.“
Ein alter Mann der draußen vorbei lief sah nur zwei schnell aufeinander folgende Grüne Blitze aus einer Wohnung im zweiten Stock. Doch er dachte sich nichts dabei und ging weiter seines Weges.
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Roel Salem
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BeitragThema: Re: Was bisher geschah *drama-button*   Mo Sep 23, 2013 12:35 am

Noch Tage danach brannten die letzten Bilder in ihrem Kopf, die sie von Jack gesehen hatte. Die kalten Augen, die gefühllos auf die ihren hinab starrten und wie er einfach davon schritt. Danach hatte sie einfach nur dagelegen und gewartet, ob etwas passieren würde. Ob jemand vorbei käme, ob sie die nervigen Erstklässler hören konnte, die in der Ferne am Ufer des Sees Steine über dessen Oberfläche schossen. Aber sie hörte nichts. Nur ihre eigenen Atemzüge und der Wind der über die Ländereien fegte.
Ab diesen Zeitpunkt hatte sie gewusst, dass sie Hogwarts verlassen musste. Dort war es nicht mehr sicher, niemand war mehr sicher, wenn sich eine Todesserin in diesen alten Hallen aufhielt, geschweige denn von Jack Donahue. Er war nicht mehr ihr Jacky. Er war etwas fremdartiges, böses geworden, von dem sie sich fernhalten musste.
So kam es dass sie einfach ihre Sachen gepackt hatte und in der Nacht aus den alten Gemäuern verschwunden war. Kein Zettel, kein Abschiedbrief an ihre sogenannten „Freunde“, die sie in ihrem eigenen Haus gehabt hatte, nur ein kleiner Hinweis für Amelia Cotterill, die Tochter Yaxleys, bei der sie immerhin noch Schulden abzuarbeiten hatte, dass sie nicht mehr in Hogwarts erreichbar sein würde. Ihre Familie sollte sich an sie wenden, falls sie gebraucht werden sollte. Auch Dumbledore erhielt von ihr nur eine kurze Anmerkung auf ein altes Pergament geschmiert, dass sie die Schule abbrechen würde. Mehr würde nicht gebraucht werden.
Das war jetzt einige Wochen her und während sie so darüber nachdachte und währenddessen in die Flammen des Feuers vor ihr sah, kam es ihr vor als ob es eigentlich noch länger her wäre. Jahre. Jahrzehnte. Ihre Finger verkrampften sich kurz, als ein kalter nächtlicher Wind zwischen Stühle und Rauchschwaden hindurch fegte, als jemand die Tür des Pubs öffnete. Kurz wandte sie sich um und sah nach. Niemand den sie kannte. Ihr Blick wandte sich wieder ab, direkt auf das mit Erde verschmierte Gesicht Scabiors’. Er wischte sich gerade die Spuren des letzten Kampfes aus dem Gesicht, spuckte immer wieder Erde und Blätter aus, sodass Roel kurz lachen musste und ihm auf die Schulter klopfte. Der Kerl konnte wirklich theatralisch sein.
Sie saßen direkt vor dem Kamin auf einem zersessenen Sofa der alten Kneipe, die sich gemütlich in den dunklen Gassen Londons eingebettet hatte, genauer gesagt im magischen Teil der Stadt. Die Nokturn Gasse draußen war nicht sonderlich belebt mit Menschen, nur ab und zu huschten draußen dunkle Gestalten vor den schmutzigen Fensterscheiben hin und her.
 
Jack war in den letzten Wochen viel herumgekommen. Schon allein deshalb, weil er erst einmal dachte, dass sie ihn des Mordes verdächtigten. Doch dem war nicht so. Das Ministerium hatte wie über so vieles dass in letzter Zeit geschah stillschweigen über den Vorfall bewahrt. Doch bis er das mit Sicherheit wusste, war Jack erst einmal untergetaucht. Hatte mit ziemlich heruntergekommenen Geschöpfen Geschäfte gemacht. Er erledigte Dinge für sie und dafür bekam er die Informationen, die er brauchte. Nach ein paar Wochen hatte er schon recht viel zusammengesammelt, was man im Untergrund über die Todesser zu reden hatte. Doch es reichte ihm noch nicht. Über Sammy war kaum etwas bekannt. Er war zu unwichtig gewesen, als dass man über ihn etwas zu erzählen hätte. Aber er musste wissen, wer die Drahtzieher des ganzen waren. Und das führte ihn nun in die Nocturngasse. Hier, in der kleinen verrauchten Kneipe waren immer schon geheime Informationen von Ohr zu Ohr gereicht worden.
Er hatte sich, wie fast immer in letzter Zeit, die Kapuze eines alten Umhangs bis tief ins Gesicht gezogen, damit ihn niemand erkennen konnte. Als er die Tür öffnete, schlug ihm erst einmal ein Schwall Rauch entgegen. Doch er gewöhnte sich schnell daran. Er sah sich um. Denn auch wenn andere sein Gesicht nicht sehen konnten, so war der Umhang so verzaubert, dass er von innen durch die Kapuze ein großes Sichtfeld hatte.
 Er sah die üblichen, teils ebenso vermummten Gestalten. Doch als er seinen Blick weiter durch den Raum schweifen lies, sah er auch ein bekanntes Gesicht. Roel, wie sie mit Scabiour, einem Greifer, wie er mittlerweile wusste, redete. Gut, demnach hatte er sie doch nicht in den Wahnsinn gefoltert.
Wenn er sich nicht komplett täuschte, war Sammy oft bei den Greifern gewesen. Um näheres herauszufinden würde er den beiden erst einmal zuhören. Er setzte sich etwas abseits von ihnen und tat so, als würde er in einer Ausgabe des Tagespropheten lesen. Doch eigentlich lauschte er auf alles, was seine alte Freundin mit diesem Idioten besprechen würde.
 
Roel nahm einen kräftigen Schluck ihres Bieres, bevor sie sich wieder ihrem Kollegen widmete. Der andere war inzwischen fertig damit sich die Erde aus den Körperöffnungen zu pulen und wandte sich wieder ihr zu, mit einem glücklichen Grinsen wie dem eines Kindes nahm er das Glas voll dunklen Gerstensaft von ihr entgegen und trank ebenfalls.
Die beiden trugen ähnliche Kleidung, dunkel und zerschlissen, viel Leder und grobe Wolle, Materialien, die robust genug waren, um so einen Auftrag wie heute zu überleben. Im nassen und kalten Wald.
Heute war einer dieser Tage an dem alles schrecklich gewesen war. Schon nach dem Aufstehen war alles schief gegangen. Jaque hatte das Antiquariat in Dublin an Yaxley verloren, sogar ihre Wohnung war in dessen Besitz übergegangen, sodass sie nun nur noch dort wohnten, weil der guter Herr Todesser wohl nicht wollte, dass die Leibeigene seiner Tochter nicht bei ihnen wohnen musste. Lächerlich. Und das zu toppen hatten sie im Wald vorhin noch einige abtrünnige Greifer gejagt, die wirklich geglaubt hatten, sie könnten einfach aussteigen. Manchmal fragte sich Roel ob die wirklich so dumm waren oder ob sie nur so taten.
Aus ihren Gedanken wurde sie erst gerissen, als Scabiour ihr ein gefaltetes Pergament in die Hand drückte, das sie schweigend öffnete und dann die Brauen hob. „Ludo Bagman? Der schon wieder? Ich dachte der hatte seit seiner Gerichtsverhandlung damals die Schnauze voll von uns.“ Sie grinste kurz und warf den Zettel ins Feuer. Nichts war neugierige Blicke interessieren durfte.
Nach einem raschen Kopfschütteln, erwiderte er mit seiner kratzigen Stimme schnell: „Scheint so als ob er doch daran gefallen gefunden hat sich etwas dazu zu verdienen. Dachte auch zu erst er hätte sich damals abschrecken lassen, wie ihn der alte Crouch fast nach Askaban geschickt hatte.“ Mit einem kurzen, aber geräuschvollen Überschwappen des Biers stellte der Greifer das Glas wieder auf den Tisch vor ihnen ab, sah zu Roel hinüber, ließ über deren Schulter seinen Blick durch den Pub schweifen, bevor er fortfuhr: „Er hat Informationen, Roel. Ziemlich gute sogar und weil ich so nett bin, darfst du sie auch überbringen.“ Scabiour lächelte, tätschelte die Schulter der Blonden, die ihn ungläubig und etwas angefressen anstarrte. „Bist du bescheuert? Wer sagt mir denn, dass ihm das auch gefällt, was Bagman da in die Welt setzt? Glaubst du wirklich ich wag mich da noch mal freiwillig rein, nein danke.“
Mit einer abwinkenden Handbewegung wischte sie auch seine Hand von ihrer Schulter und wollte noch einen drauf setzen, doch wurde von dem anderen unterbrochen.
„Und was wenn ich dir sage, dass es etwas mit Dumbledore zu tun hat?“
Roels Augen weiteten sich und sie packte den anderen am Kragen seiner Lederjacke, der das ganze nur mit einem Lachen quittierte. „Bist du eigentlich bescheuert?! Leiser verdammt!“, knurrte sie ihn an, während ihr Blick noch einmal nach hinten huschte. Niemand schien ihnen zu zuhören.
Die Blonde seufzte und ließ ihn abermals grob los, dass der Greifer leicht nach hinten fiel, immer noch dabei lachte. „Gut, weiter“, murmelte sie schließlich und wartete bis er weiter erzählen würde.
„Ich weiß nichts genaues, nur dass Bagman mitgehört haben will, wie Dumbledore in den Erinnerungen anderer rumwühlt und das ziemlich aggressiv. Er sucht nach Hinweisen, die er gegen den Lord einsetzten kann. Und heute will der Tattergreis sogar Bagman angehauen haben, damit er ihm seine Erinnerungen an die Spionagearbeit überträgt, die er vor 14 Jahren angeblich „ausversehen“ durchgeführt hat. Ja, klar, ausversehen. Der wusste ganz genau für wen Malfoy arbeitet.“ Wieder lachte Scabiour und schüttelte den Kopf. „Und? Ich glaube das würde ihm gefallen und dir auch, wenn du mal wieder etwas bei ihm punkten kannst, nicht wahr?“
Roel schaubte nur verächtlich. „Als ob ich bei dem punkten wollte…“
 
Jack hatte genug gehört. Roel wusste um einiges mehr, als dass, was sie ihm in Hogwarts mitgeteilt hatte. Er musste nun schnell handeln. Er packte sie blitzschnell am Arm und disapparierte mit ihr um sie danach mit einem Stupor – Zauber lahmzulegen.
Dann trug er sie in sein Versteck. Eine Höhle, irgendwo in der irischen Einöde. Nur ein Stuhl, ein Tisch, ein Bett und eine geschlossene Truhe standen darin. Das wichtige an ihr war nicht ihre Ausstattung sondern dass er sie  mit einem anti – apparier – Zauber ausgestattet hatte. Nachdem er sie gefesselt hatte, musste er nurnoch warten bis sie aufwachte. Als er bemerkte, wie sie langsam die Augen öffnete, stellte er sich vor sie hin und nun schon zum zweiten Mal belegte er sie mit dem Cruciatus – Fluch. Doch diesmal ein paar Sekunden länger. Als ihre Schreie verebbten sagte er: „So, wie du siehst habe ich diesen Fluch nicht verlernt. Und ich werde ihn weiter einsetzen, wenn du mir nicht sagst, was ich wissen will. Wer war an Sammys Tod beteiligt? Wer hat ihn gefoltert? Ich will Namen. Und ich will auch sonst alles wissen, was mir gegen euch widerliches Pack weiterhilft.“
Er grinste sie herablassend an: „Und falls du auf die Idee kommen solltest, mich anzulügen, wirst du es bereuen. Wir können das hier schnell erledigen, oder es zieht sich. Mir ist das egal. Ich hab' Zeit.“
Damit setzte er sich auf den Stuhl, und sah sie aufmerksam an. „Also Roel, schieß los!“
 
Als Roel den Druck an ihrem Arm spürte, hatte sie gar keine Zeit mehr sich loszureißen, Scabiours empörte Miene war das letzte das sie zu Gesicht bekam, bevor ihr Schwarz vor Augen wurde und sie den nassen Boden unter ihr spürte.
Es kam ihr vor wie eine Ewigkeit bis dämmriges Licht zwischen ihre Lider drang und ihre Augen erreichte. Obwohl es so dunkel war, brannte das Licht in ihren Augen und sie musste kurz heftig blinzeln. Mit einem Mal erkannte sie die Situation und riss ihre Augen auf, zog mit ihren Händen an den magischen Seilen, die sie gefesselt hielten, ließ ihren Blick panisch durch den Raum huschen. Sie war in einer Höhle. Provisorisch eingerichtet und vor ihr … Donahue. Da hatte sie einen Moment nicht aufgepasst und schon tauchte er schon wieder auf. Und nahm sie gefangen.
Gut, bis jetzt hatte sie auch nicht mehr damit gerechnet Jack so schnell wieder zu sehen, nicht nachdem was in Hogwarts passiert war. Eine ganze Weile hatte sie sogar geglaubt, dass er sich das Leben genommen hätte, doch da hatte sie sich wohl geirrt. Und zwar gewaltig.
Seine immer noch eisigen Augen starrten sie an während er sprach. Seine Worte kratzten an ihrem Bewusstsein, fast schon so heftig wie der Crutiatusfluch der danach folgte und sie dann genauso schnell wieder verließ. Wimmernd schnappte sie nach Luft und spürte wie sich ihr Brustkorb verkrampfte.
Jetzt fühlte es sich genauso an. Genauso wie bei Voldemort. Bis jetzt war Jacky doch immer ihre Erholung gewesen. Die kleinen Streitigkeiten, die sich schnell wieder auflösten, alles nur Plänkeleien… Nichts Wichtiges.
Schließlich sah Roel wieder auf. Sie hatte ihm zu gehört, nicht sonderlich aufmerksam, wie sich wohl von allein verstand, da sie immerhin gerade noch gefoltert worden war. Ihr zittriger Blick traf sein Gesicht und sie schnappte kurz nach Luft, ehe sie antwortete. Langsam und bedächtig öffnete sie ihren Mund.
„Jack.“ Sie keuchte. „Du hast deinen Verstand verloren. Komplett.“
Wieder schnappte sie nach Luft, hob ihren Oberkörper an, der bis jetzt schlaff an den Seilen gehangen war und lehnte sich schwach gegen die Lehne hinter sich. „Was soll ich denn mit Sammy zu tun gehabt haben? Ich weiß nur, dass irgendwelche Greifer ihn verprügelt und dann gefoltert haben, aber dann…“, sie sprach schnell und sah ihn fast schon verzweifelt an. „VERDAMMT, Jack!“, ihre Stimme erhob sich und hallte an den Höhlenwänden wieder. „Die meisten von denen sind schon tot, weil sie selbst dem Lord nicht viel wert waren! Was soll ich dir noch sagen, ich weiß nichts!“
 
Jack sah sie kurz einfach nur an und überlegte. Was, wenn sie wirklich nichts wusste? Nein! Das war unmöglich. Es musste unmöglich sein. Sonst würde er durchdrehen.
Sein Gesicht verzog sich wieder zu dem überheblichen Grinsen, dass mittlerweile schon fast sein normaler Gesichtsausdruck war... zumindest wenn er nicht gerade Nachts aus Alpträumen hochschreckte.
Er fing an im Kreis um Roel herumzugehen. „Naja, vielleicht hast du Recht. Vielleicht habe ich den Verstand verloren. Umso schlimmer für dich. Schließlich hält mich dann nichts mehr auf.“ Er lies ein leises Lachen hören. „Und deine Geschichte, dass du keine Ahnung hast, kann ich dir nicht abnehmen. Schließlich bist du doch die kleine Lieblingsschlampe von deinem Meister, oder etwa nicht? Muss ich dein Gedächtnis wirklich noch einmal auffrischen? Aber naja, Sturheit ist man von euch ja gewohnt. Crucio!“ Sein Gesicht blieb wie versteinert in der Überheblichkeit. Kein einziges verdächtiges Zucken verriet auch nur die geringste innere Unruhe als er seine frühere beste Freundin folterte. Als er den Zauberstab sinken lies, gab er ihr ein paar Augenblicke um wieder ganz bei sich zu sein bis er weiter redete: „Es ist eigentlich schon lustig, wenn man so drüber nachdenkt. Früher hätte ich so ziemlich alles getan um dich zu beschützen. Ich war ein ziemlich dummes Weichei, findest du nicht? Und jetzt sind wir hier. Und wenn du so weitermachst wirst du mich heute noch anflehen, dich zu töten. Amüsant, wie das Schicksal so spielt.“
Er blieb nun endlich vor ihr stehen und bückte sich zu ihr herunter, bis er ihren Atem auf seinen Lippen spüren konnte. „Und jetzt erzähl mir endlich, was du weißt!“
 
Mit zitterndem Blick verfolgte Roel ihren Peiniger, wie er langsam um sie herum schritt. Das erste was ihr dabei in den Sinn kam, war dass er sie anstarrte, als ob er sie gleich verspeisen wollte. Ein hungriger Löwe der auf sein Mittagessen hinunter blickte, kurz bevor er es erlegen würde. Sie würde in dieser Höhle sterben. Wenn nicht bald ein Ausweg aus dieser Situation sichtbar würde, könnte sie hier verrecken.
Für einen schrecklichen Augenblick lang, dachte Roel darüber nach, ob es nicht sogar die einfachere Lösung wäre. Kein Voldemort mehr, kein Krieg mehr. Sie müsste nicht mehr Jacky zusehen wie er immer weiter seinen Verstand verlor. Seine Stimme, seine Blicke und allein schon wie er sich inzwischen bewegte erinnerte sie nur noch schwach an den Trottel, der früher ihr Freund gewesen war.
Gerade hatte sie ihm antworten wollen, ihm etwas gegen den Kopf werfen wollen, was ihn vielleicht wieder zur Vernunft brachte, als sie wieder aufschrie. Eine kleine Träne formte sich wieder in ihren Augen, aber eher wegen des weiteren Fluches, der durch ihren Körper schoss und ihr Herz hart gegen ihren Brustkorb schlagen ließ. Ihr Atem ging schwer und zitternd, ihr bebender Körper konnte ein weiteres Schluchzen nicht unterdrücken, dass sie wegen der Schmerzen aus ihrer Kehle presste und ihn dann wieder anstarrte, nachdem sie ihre Augenlider aufeinander gepresst hatte, um den Crutiatus besser zu überstehen.
Er war ihr so nah, dass Roel instinktiv nach hinten zuckte, obwohl der Stuhl, an den sie gefesselt war ihr kaum Platz dafür bot. Sein Atem auf ihrem Gesicht ließ ein Schaudern über ihren Rücken jagen.
„Ich bin nicht seine Schlampe“, knurrte sie ihm entgegen. Die Flammen in ihren Augen zeugten wieder von der Widerspenstigkeit, die sie ihm jetzt wieder entgegenbrachte. Vielleicht hätte sie ohne seine Beleidigung sogar klein beigegeben, aber nicht so. „Wenn du Informationen willst, hast du die Falsche eingefangen Jacky“, knirschte sie weiter zwischen ihren Zähnen hervor und sah ihn scharf an. „Ich bin zwar eine Todesserin, aber hast du dir mal angesehen mit wem ich arbeite? Mit GREIFERN. Ich gehöre zum Abschaum, ich habe keine Ahnung was der Lord plant oder ob jemand es geplant hat Sam umzubringen. Ich weiß nichts. Ich bekomme von Tag zu Tag neue Aufträge, nichts wird im Voraus geplant. Und da soll ich dir Informationen geben? Dein Plan geht nicht wirklich auf oder?“
 
Trotz Roels Ausbruch blieb Jacks Miene unverändert. „Ja, genau. Du arbeitest mit Greifern zusammen. Genau diese Bastarde, die Sam in den Tod getrieben haben. Ich bin kein Idiot Roel. Es ist mir klar, dass es ziemlich unwahrscheinlich ist, dass du alles weißt. Aber ein paar Einzelheiten müssten dir schon zu entlocken sein. Wen muss ich fragen, wenn ich Antworten will, zum Beispiel? Wo sind diese Leute? Und mir ist klar, dass ich nicht einfach in Du – weißt – schon – wers Hauptquartier hereinspazieren kann. Aber auch du musst ein paar einflussreiche Leute kennen. Oder zumindest ihre Namen. Also spucks endlich aus.“
Nach einer kurzen Pause fügte er hinzu: „Außerdem bist du ein leichtes Opfer. Denn selbst wenn du die Falsche bist, wer wird dich vermissen? Du hast keine Familie, außer deinem verdammten Bruder und selbst der scheint sich ja lieber um mich zu kümmern als um seine kleine Todesserschwester. Oder hat er sich in der ganzen Zeit jemals wirklich um dich geschert? Und dass, obwohl er fast ein halbes Jahr andauernd in Hogwarts war. Sieh's ein Roel, für den ersten Versuch bist du genau die Richtige. Denn du bist vollkommen allein.“
Jack musste kurz amüsiert auflachen. „Und ganz davon abgesehen bist du mir die Liebste, um meine Methoden auszutesten. Jahrelang hast du mich immer nur wie ein Stück Dreck behandelt und jetzt musst du eben den Preis zahlen. Du hast mich einfach viel zu oft enttäuscht, weißt du? Du hattest deinen festen Platz in dem kleinen Kreis der Leute, die mir nicht am Arsch vorbei gingen. Und nachdem meine Eltern schon ins Gras gebissen haben, bist du nun an der Reihe. Wenn ich den ganzen alten Ballast endlich von mir weggeschoben habe, steht mir wirklich nichts mehr im Weg. Dann kann mir keiner mehr irgendwelche Vorhaltungen machen, was ich tun und lassen soll. Und das wichtigste von allem, danach bin ich zu allem fähig.“
Jack sah kurz gedankenverloren in Richtung Decke. Ja, er hatte bemerkt, dass es immer noch Dinge gab, die ihn bremsten. Aber bald würde damit Schluss sein. Wenn Roel tot war, blieb nur Rowan. Und der ließ sich sowieso nicht blicken.
Er sah wieder zu Roel. „Und wenn ich dich sowieso töte, warum dann nicht auch noch ein paar Informationen aus dir herauspressen? Wenn ich du wäre, würde ich reden. Denn glaub mir, es gibt Schlimmeres als den Tod.“
 
Aha. Ein kurzes Schmunzeln huschte über ihre Lippen, fast so als ob sie gerade mit dem abgeschlossen hätte, was Jack gerade gesagt hatte. Etwas Trauriges lag darin, dennoch schien es sie eher zu amüsieren. Vielleicht war in ihr wirklich etwas kaputt gegangen, nachdem er sie so oft gefoltert hatte. Immer noch ging ihr Atem schnell, während sie ihn mit einem scharfen Blick anstarrte, fast schon so als ob sie ihn damit durchstechen wollte. So leicht würde er sie nicht brechen nein-
„…Und dass, obwohl er fast ein halbes Jahr andauernd in Hogwarts war…“
Ihre Miene verlor mit einem Mal die Stärke, die sie versucht hatte aufrecht zu erhalten. Ihr Körper fing wieder an zu zittern und ihr Blick ging ins Leere.
Was? Ihr Bruder? Rowan war die ganze Zeit über in Hogwarts gewesen? Jeder ihrer Atemzüge wurde schneller und bebender, als ob ihr Körper gleich den Geist aufgeben würde, doch sie dachte nicht daran. Das einzige was jetzt ihre Gedanken beherrschte war Rowan.
Das letzte Stück echte Familie hatte sie im Stich gelassen und sie hatte es nicht einmal gewusst. Nachdem sie so viele Jahre lang auf ihn gewartet hatte, dass er zurück kam, hatte er sich nicht einmal bei ihr gemeldet, sondern bei Jack.
„Lügner“, hauchte sie mit zitternder Stimme, sah ihn aber nicht an, sondern zur Seite. „Du lügst. Rowan ist tot. Schon seit Jahren. Und wenn er zurück gekommen wäre, hätte er mich…“ Sie brach wieder ab und schwieg. Was nutzte es jetzt auch? Natürlich log er nicht. Sie war ihrem Bruder egal.
Während Jack dann weiter sprach hörte sie nur mit halbem Ohr zu. Roel fühlte sich zu schwach um ihm die Aufmerksamkeit zu geben, die sie vielleicht benötigt hätte, um einen Ausweg zu finden. Sie konnte sich nicht mehr auf seine Bewegungen konzentrieren, um vielleicht die nötige Unachtsamkeit zu finden, die sie gebraucht hätte, um vielleicht zu fliehen, ihm gegen die Knie mit ihren Beinen zu schlagen, dass er vielleicht hinfiel, um sich am Kopf zu verletzen, eine Unachtsamkeit in seiner Wortwahl, die sie ihm vielleicht im Hals herum drehen konnte, damit er wieder zu sinnen kam. Sie hatte keine Kraft mehr dafür.
Erst als er seine kleine Rede beinah beendet hatte sah sie zu ihm auf und sah ihn unendlich müde an, als ob sie ihn anflehen würde sie einfach zu töten, ehe sie abgelenkt wurde.
„Expelliarmus!“
Ein roter Blitz erhellte die Höhle schlagartig. Der Zauberspruch schoss auf Jack zu und blendete Roel kurzzeitig, sodass sie nicht sehen konnte, ob er erfolgreich gewesen war oder nicht.
Indes sah sich die junge Frau zum Eingang des Unterschlupfs um, in der ein Mann stand. Er hatte immer noch den Zauberstab auf Jack gerichtet und sah ihn finster unter grauen Augenbrauen an, die ebenfalls gräulichen kurzen Haare fielen ihm nur leicht in die Stirn und sein Anzug wies Spuren eines schon vorausgegangen Kampfes auf. Roel konnte sehen wie er seine Zähne wütend unter seinem Vollbart bleckte, ehe er etwas sagte. „Weg von meiner Tochter, Donahue.“
 
Jack wusste, dass sie ihm glaubte. Er wusste, dass er gewonnen hatte. Auf einmal wurde ihm sein Zauberstab entrissen. Er drehte sich ruckartig um und sah einen Mann hinter sich stehen, den er schon einmal irgendwo gesehen hatte.
Ihm war klar, dass sich das Blatt gerade ziemlich gewendet hatte. Doch Jack blieb nach außen hin weiter ruhig. . „Hey, reg dich nicht auf. Wir haben hier nur ein bisschen Spaß, nicht wahr Roel?“ Mit einem Blick zu ihr fügte er hinzu: „Ich dachte, dein Dad wäre irgendwie verschollen, oder sowas? Naja, da hab' ich mich wohl geirrt.“
Er suchte aus den Augenwinkeln heraus irgend etwas mit dem er sich wehren konnte. Auch wenn ihm klar war, dass es ihm kaum etwas nützen würde. Schließlich hatte der Kerl einen Zauberstab. Trotzdem musste es einen Ausweg geben. Jack konnte sich hier nicht einfach geschlagen geben. Denn was auch immer dieser Kerl vorhatte, Jack war sich ziemlich sicher, dass er danach nicht mehr in der Lage sein würde sich an irgendwem zu rächen.
Gut, wenn er die Leute gefunden hatte, die schuldig waren, dann durften sie ihn gerne haben. Was dann war, war ihm mittlerweile vollkommen egal. Normal weiterleben konnte er nicht. Das hatte er lange genug versucht. Selbst ohne das Wissen um die Folter war es fast nicht möglich gewesen, auch nur einen Tag normal zu überstehen. Seit Monaten hatte er nicht mehr richtig geschlafen. Geschweige denn gelacht. Von ihm selbst war so gut wie nichts mehr übrig, dass ihn gereut hätte aufzugeben. Doch er hatte noch etwas zu tun. Koste es, was es wolle.
Also wagte er einen, wie er selbst wusste, ausweglosen Fluchtversuch. Er öffnete blitzschnell die Truhe neben ihm, zog ein kurzes Messer heraus und warf.
Natürlich traf es nur den Unterschenkel des Mannes. Doch Jack hoffte, es würde ihm reichen. Auch wenn er kaum eine Chance sah. Er rannte los.
 
 
„Jaque!“, ihre Stimme zerriss die Stille, die sich nach Jacks Beschwichtigungsversuch über den Unterschlupf gelegt hatte. Roel hatte bemerkt wie ihr Peiniger sich der Truhe genähert hatte und hatte ihren Ziehvater schon warnen wollen, ehe dieser aber schon angriff. Das schwache Glitzern des Messers blitzte noch an ihr vorbei, ehe es das Bein des anderen Zauberers traf. Jaque knickte mit einem Bein reflexartig ein, behielt Jack dennoch im Auge und war nur so weit abgelenkt, dass es ihm gelang an ihm vorbei zu rennen. Sofort nahm er die Verfolgung auf, obwohl ihm die Schmerzen ins Gesicht geschrieben waren. Die Wut darüber was er Roel angetan hatte, schien allerdings größer zu sein.
„Locomotor mortis!“ Der Beinklammerfluch schoss aus dem Zauberstab Jaques, zischte geräuschvoll über den Moos bewachsenen Waldboden, verfolgte Jacks Schritte zielsicher, umklammerte der Lichtstrahl die Beine des jungen Mannes und warf ihn schließlich zu Boden. Ob sie mittlerweile außerhalb des Apparierschutzes waren, hatte er nicht abschätzen können, hoffte aber dass der Kleine ihm nicht gleich wieder entwischen würde. Er hatte immerhin ein paar Worte mit ihm zu wechseln.
Humpelnd kam Jaque ihm hinterher, stützte sein Verletztes Bein auf den Rücken des Jüngeren. Er atmete schwer, sah mit kaltem Blick auf ihn hinab, während er mit magischen Fesseln die Arme Jacks zusammenzurrte, damit dieser auch keine Dummheiten mehr anstellen konnte. „Ich hätte mehr erwartet, ehrlich gesagt. Einige vom Orden, vielleicht sogar Kingsley Shaklebolt, aber nicht dich. Nein, dich nicht“, die Stimme des Mannes klang rau, dennoch erschien sein Ton nicht aggressiv oder gar bedrohlich. Er schien eher über das Wetter zu reden statt einer Entführung. Nur seine Augen sprachen von der Gefahr in der junge Donahue jetzt wohl steckte. „Etwas zu deiner Verteidigung zu sagen? Hat dir niemand erzählt, dass man meine Tochter nicht entführt?“ Beherzt trat er dem Jungen in die Seite und beugte sich dann ächzend etwas zu ihm hinunter, drehte ihn auf seinen Rücken, damit er ihm ins Gesicht sehen konnte. „Und vor allem eine Todesserin? Wie blöd bist du, Junge?“ Er richtete sich wieder etwas auf, trat wieder mit seinem Bein auf den Bauch des anderen. Gemütlich krempelte er die Ärmel seines Nadelstreifenanzugs hoch, sodass sein dunkles Mal gut erkennbar darunter hervor lugte.
 
Jack starrte den Mann wütend an. Er bemerkte nun auch, wo er ihn schon einmal gesehen hatte. Zwei Mal sogar. Das erste Mal in der Nacht, in der sie Roel weggeholt hatten, das zweite Mal im verbotenen Wald, als er bemerkte, was sie war. Nicht unbedingt seine schönsten Erinnerungen.
Als er versuchte, sich aufzusetzen, gab er sofort wieder auf. Was auch immer der Bastard mit seinem Tritt getroffen hatte, es tat höllisch weh. Somit konnte er nun nicht einmal mehr versuchen, durch bloße Körperkraft zu entkommen. Auch wenn die Chancen dahingehend sowieso nie besonders gut standen. Auch hätte er nie gedacht, dass sein Anti – Apparier – Zauber ihn einmal selbst in ernsthafte Gefahr bringen würde. Ja, wahrscheinlich war er geliefert. Klein beigeben würde er trotzdem nicht. „Wenn ich deine Tochter nicht entführen soll, dann hättest du ihr vielleicht beibringen sollen, dass man Kindern nicht dabei zusieht, wie sie in ihren eigenen Tod rennen.“, zischte er.
Auf die Frage ob er dumm sei, schnaubte Jack nur kurz. Doch dann krempelte der Mann seinen Ärmel nach oben. Jack schluckte. Damit war es wohl gelaufen. Nicht nur, dass seine Eltern Muggel waren, er hatte eine Todesserin entführt und der Kerl da schien Roel auch noch zu mögen. Auch wenn Jack bezweifelte, dass er wirklich ihr Vater war. Schließlich war der doch tot, oder irgendwas. Aber egal wer er war, für ihn war Jack nichts. Nur eine unerledigte Aufgabe und der Junge fragte sich nur noch, wie lange es dauern würde, bis er sie erledigte.  Er schloss die Augen. Gut, er hatte es versucht. Vielleicht war es gut, wenn er nun gehen durfte. Dann musste er schon niemanden mehr töten. Er fragte sich, ob das nicht sogar der eigentliche Sinn der Sache war. Mitnehmen, was er bekommen konnte um dann selbst dabei drauf zu gehen. Auch wenn er nicht dachte, dass es so schnell gehen würde. Kurz zuckte etwas, wie ein Lächeln über sein Gesicht. „Wir wissen beide, was du vorhast. Bring es zu Ende.“
 
Jaque sah auf den Jungen hinunter. Er war verdammt jung, viel zu jung als dass er sich mit Todessern auseinander setzen sollte. Auf der anderen Seite war Roel gleich alt wie er, also galt diese Ausrede wohl nicht mehr. Mit so etwas wie einer Doppelmoral wollte er doch nichts mehr zu tun haben.
Kurz verzog er sein Gesicht, Reue schien in seinen Augen aufzublitzen, ehe er aber wieder seinen Zauberstab näher an das Gesicht des anderen hielt, sich neben ihn kniete und ihn scharf ansah. Der Kerl hatte wirklich nerven, das musste er zugeben. Sich in eine der zwielichtigsten Bars der Nocturngasse zu schleichen, Todesser zu belauschen und dann, um noch einen drauf zu setzen, eine von ihnen entführen? Zum Glück hatte Scabior, diese glückliche Trottel, sofort einen Fluch hinterher geschickt, der die Koordinaten der beiden erfassen konnte. Sonst hätte er Roel wohl nie gefunden.
„Arbeitest du für den Orden? Hat dich jemand geschickt? Wohl kaum, wenn du dich hier im Wald verstecken musst…“, knurrte er ihm entgegen, deutete mit seiner Hand nach hinten zur Höhle. Ob Roel sich inzwischen befreien konnte, wusste er nicht, aber sie war dort wohl gerade ziemlich gut aufgehoben. Dass da noch andere waren bezweifelte der Todesser nämlich stark.
„Du kannst froh sein, dass ich allein hier bin“, fing er wieder an nachdem er die Antwort des anderen abgewartet hatte und er packte Jacks Gesicht mit seiner freien Hand und drehte es etwas hin und her, um ihn zu mustern, runzelte kurz fragend die Stirn und ließ ihn dann wieder los. „Wir wollten schon einen Suchtrupp losschicken. Todesser, die leider nicht so nett sind wie ich…“ Er tätschelte noch kurz grob seine Wange, ehe er aufstand und ihn finster ansah. Die Beinklammern lösten sich mit einem Schwung seines Zauberstabs, den er danach allerdings immer noch auf Jacks Herz gerichtet hatte. „Steh auf und renn. Renn als ob dein kleines Leben davon abhinge, Donahue. Denn wenn du noch einmal meiner Tochter etwas antust, dann werden wir dich jagen, verstanden? Wir alle.“
 
Jack hatte die Fragen des anderen einfach ignoriert. Es war klar, dass der Mann die Antworten sowieso kannte. Also starrte er nur auf einen Fleck hinter ihm in der Luft. Als er sich noch fragte wie lange er es noch hinauszögern wollte wurde auf einmal der Fluch gelöst. Er konnte sich bewegen. Er hörte zu, was der andere ihm sagte und wusste nicht, ob er wirklich froh darüber sein sollte. Doch dann schüttelte er diese schwachen Gefühle ab. Er hatte eine zweite Chance bekommen. Seine Rache war doch nicht aussichtslos. Auch wenn er in nächster Zeit einen kleinen Bogen um die Schlampe und ihren Beschützer machen würde. Sie würde schon noch früh genug für das bezahlen müssen, was sie getan hatte.
Er stand auf, etwas langsam, weil seine Seite sich anfühlte, als wäre eine Rippe gebrochen und rannte so schnell er konnte bis er schließlich disapparierte.
Als er in einer Kleinstadt bei London ankam, keuchte er vor Schmerzen. Seine ganze Seite brannte wie Feuer.
Er sah auf. Vor ihm stand ein großer Mann, der sein Gesicht hinter der Kapuze seines schwarzen Umhangs versteckte. Jack hörte, wie der Mann leise einen Zauber murmelte und seine Schmerzen waren verschwunden. „Ich habe dich beobachtet, Donahue. Du hast zwar die richtige Einstellung, um etwas gegen dieses Todesserpack zu unternehmen, aber dir fehlen die Mittel und das Wissen. Ich kann dir beides geben, wenn du willst.“
Jack nickte und sah den Fremden begierig an. Wenn es einen Weg gab, wie er besser werden konnte, wie er eine Chance haben konnte, diese Meute den Schmerz spüren zu lassen, den Sammy gefühlt haben musste, dann würde er diesen Weg nehmen.
Der Mann nahm die Kapuze ab. „Mein Name ist Pius Thicknesse und ich arbeite für das Ministerium. Wir suchen Leute wie dich, Jack. Leute, denen wir beibringen können, was sie wissen um es gegen sie zu verwenden. Doch wenn du das wirklich willst, musst du auch für uns arbeiten und das tun, was wir für richtig halten? Kannst du das?“ Thicknesse streckte seine Hand aus und Jack schlug ein.
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Roel Salem
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BeitragThema: Re: Was bisher geschah *drama-button*   Mo Sep 23, 2013 12:40 am

Roel würgte. Der Griff des anderen um ihre Kehle war alles andere als angenehm und schnürte ihr immer mehr die Luft zum Atmen ab. Der Kerl hatte auch Wirklich nerven, griff sie auf ihrem Weg in den Feierabend an, in einer dunklen Gasse mitten im Regen. Unhöflich war das.
Sie waren allein in der Gasse, die Todesserin und ein vermummter Fremder, ein Mann, wahrscheinlich ebenfalls so jung wie sie, der sie gegen die Steinmauer des angrenzenden Hauses gedrückt hatte und ihr seinen Ellenbogen gegen die Kehle presste, die andere Hand an ihrem Arm mit der Hand gedrückt, in der sie immer noch ihren Zauberstab hielt. Ihr Körper zitterte, als sie sich gegen ihn stemmte und ihm in die hasserfüllten Augen sah.
Es war wieder einer von denen. Vermummte Gestalten die Jagd machten. Männer und Frauen, die Todesser aus heiterem Himmel angriffen, vermutlich weil sie Rache für ihre Verstorbenen wollten. Verständlich, niedlich, aber dumm. Sehr dumm. Anfangs waren die meisten von ihnen getötet worden, so naiv wie sie in den Kampf gerannt waren, doch neuerdings…
Roel schluckte, als der Vermummte seinen Griff intensivierte. Noch ein wenig und sie würde keine Luft mehr bekommen.
Diese Kerle waren in letzter Zeit viel organisierter unterwegs. Viel zu geordnet, sodass bald Stimmen laut wurden, die forderten sie zu schnappen, ihren Anführer zu finden. Vermutungen besagten, dass Dumbledore jetzt so aggressiv vorgehen würde. Sie und einige der Greifer hatten von Anfang an gewusst, dass es nicht der Orden war. Die meisten der Angreifer passten nicht in das Bild des Widerstands, denn es waren alte Menschen und sogar Kinder, die sich in den Kampf warfen. Nein, der Orden würde das nicht zulassen. Dennoch hatte sich der Begriff „Phönixe“ bald schnell unter den Todessern verbreitet. Anscheinend hatte es an Bezeichnungen gemangelt, sodass den meisten wohl diese am geeignetsten erschien.
Genervt verdrehte Roel ihre Augen, als der Fremde sie anfing auszufragen. Das Übliche. Wer bist du, zu wem hast du Kontakt, wo versteckt sich dieser, jener, bla bla bla. Es war nicht so, als ob das heute ihr erster Überfall wäre. Sie war schon sehr oft angegriffen worden, allerdings noch nie von so einem Hünen von Kerl. Da musste sie sich schon was Neues einfallen lassen.
„Sonnenschein, du hast da was im Auge“, knurrte sie schließlich. Sie spuckte ihm ins Gesicht, worauf der Mann verwirrt seinen Griff lockerte, nach hinten taumelte und Roel ihm kräftig in die Eier treten konnte, sodass er zu Boden fiel. „Expelliarmus.“
Mit einer kleinen Handbewegung war ihr Zauberstab auf die Kehle des anderen gerichtet. „Und jetzt drehen wir das ganze mal um. Wer schickt dich?“
Aus dem dunklen Ende der eh schon düsteren Gasse erhallten Schritte. Scabior hatte aus einiger Entfernung mitgehört und trat an die Seite Roels, allerdings hielt er seinen Zauberstab noch unten. „Dachtest du wirklich wir wären nach den ganzen Übergriffen noch allein unterwegs?“
 
Jack hörte heraus, dass Max verloren hatte und dass er einspringen musste. Etwas anderes hätte Jack von seinem neuen Partner auch nicht erwartet. Er war zwar groß und hatte ein breites Kreuz, aber er war trotz allem noch ein Kind. Jack wusste nicht genau, wie alt er war, aber er wusste, dass Todesser seine gesamte Familie zum Spaß abgeschlachtet hatten. Er fand sie, als er aus Hogwarts kam. So überlebte er.
Als Pius ihn fand, war er wild entschlossen Bellatrix Lestrange selbst zu töten. Jack musste bei dieser Vorstellung immer noch Grinsen. Aber wie auch immer. Dann war er Jack als Partner zugeteilt worden, der nun auf ihn aufpassen durfte. So wie heute.
„Expelliarmus!“ Er stand auf einem Balkon im zweiten Stock. Er hatte sich hinter dem Geländer versteckt gehalten, als sie den Beiden aufgelauert hatten. Mit einer schnellen Handbewegung fing er die beiden Zauberstäbe auf und sprang auf den Boden um auf beiden Beinen zu landen. Er hatte in den letzten Monaten viel gelernt. Zu dem männlichen Todesser sagte er: „Dachtest du, das wüssten wir nicht?“ Da bemerkte er, wen er vor sich hatte. Er seufzte kurz. Er wollte Roel eigentlich nie wieder sehen. Die ganzen Morde, die er in letzter Zeit begangen hatte, ob nun an Todessern oder sonstigen Leuten, die dem Ministerium im Weg standen, hatten seinen Kopf wieder etwas abkühlen lassen. Anders gesagt, jeder Mord hatte ein paar Gefühle mehr in ihm abgetötet, bis er nur noch eine wandelnde Marionette war. Er wollte sie eigentlich nicht auch noch in einem grünen Lichtblitz zu Boden sinken sehen. Das sollten andere erledigen. Er wusste mittlerweile genug, um sicher zu sein, dass sie mit Sammys Tod nichts zu tun hatte und er ahnte selbst, dass er nach dem Tod seines Bruders und vor allem nach Roels Eröffnung am See, ziemlich die Nerven verloren hatte. Auch wenn er  nicht oft darüber nachdachte. Er hatte anderes zu tun und es war sowieso sinnlos. Denn so einfach kam man auch aus dieser Seite eh nicht mehr heraus. Für diejenigen, die es versuchten, wartete Askaban, in dem sie ihre Morde absitzen mussten. Also machte Jack eben weiter.
Während er sich eine Zigarette anzündete sagte er tonlos:„Hey Roel, so sieht man sich wieder.“ Er richtete seinen Zauberstab auf beide und gab Max seinen eigenen zurück. „Du bist da wohl in eine Sache verstrickt, die für uns von Interesse ist. Zumindest sollst du etwas darüber wissen. Die Geschichte mit dem Imperius. Mit Spionen im Ministerium. Weißt du etwas darüber? Oder dein Kumpel hier vielleicht?“ Jack hoffte, sie würde antworten. Er hoffte, er würde bald wieder in seinem Zimmer liegen und der Tag wäre vorbei.
 
Roel zuckte zusammen, als ihr der Zauberstab aus der Hand gerissen wurde und wirbelte herum, nur um Jack zu sehen, wie er elegant vor ihnen auftauchte. Seit ihrer letzten Begegnung schien er sich wieder etwas beruhigt zu haben. Zumindest sein bisheriges Auftreten war ein anderes wie damals in der Höhle, auch wenn sie immer noch bei seinen Blicken an jemand anderen denken musste. Man liebsten wäre sie wohl seinen Blicken komplett ausgewichen, doch in dieser Situation musste sie wieder Stärke zeigen, Stärke die sie vielleicht gar nicht mehr hatte.
„Dein kleiner Freund schon wieder? Ich dachte Gardien hätte sich um den gekümmert“, auch wenn Scabior inzwischen, genauso wie Roel, seine Hände erhoben hatte und sich unbewaffnet zeigte, schien seine große Klappe nicht verschwunden zu sein. „Haben dir deine Eltern keine Manieren beigebracht, Donahue-?“ „Halt deine Klappe, Scabior“, knurrte Roel dazwischen und sah hinüber zu ihrem ehemals besten Freund. Musternd fuhr ihr Blick kurz über ihn, quittierte das mit einem abfälligen Schnauben.
„Wie ich sehe bist du einer der Phönixe? Und du nennst mich Mörder? Wirklich, Jack? Sieh dich doch an. Tu machst inzwischen genau Dasselbe wie ich. Kleine gemeine Auftragsmorde.“ Ihr Blick haftete an seinem, hob während sie sprach nur leicht ihre Brauen. Scabior schmunzelte leicht, doch Roel war überhaupt nicht zu lachen zu mute. In Jacks Gegenwart konnte sie an überhaupt nichts mehr Gutes denken. Nicht nachdem er sie so oft gefoltert hatte. „Wir lassen dich laufen und das ist der Dank? Und wer ist das?“ Sie nickte hinüber zu ihrem Angreifer, der immer noch ziemlich benommen in der Ecke stand und seine Hände im Schritt hatte. Vielleicht hatte sie doch stärker zugetreten als sie wollte. Hoppla.
„Er’s zwar kräftig aber scheint nicht wirklich Kampferfahrung zu haben, wenn ich ihn überwältigen konnte. Wie alt ist er, 16?“
 
Jack bemerkte schnell, dass nichts mehr von ihrer alten Freundschaft da war. Aber gut, was war denn überhaupt noch wie früher?
Der Regen rann ihm über die Wangen und sammelte sich an seinem Kinn, als er ihn gedankenverloren wegwischte. Dann besah er sich seine alte Freundin genauer. Auch sie schien sich verändert zu haben. Nicht nur, dass sie ihn ansah, wie ein gefährliches Tier, dass jeden Moment zuschlagen könnte. Dass hatte er schließlich nicht anders erwartet. Immerhin war er nicht gerade zimperlich mit ihr umgegangen. Aber auch sonst schien sie nicht auf der Höhe zu sein. Er zog erneut an seiner Zigarette. Wie auch immer. Roels Gefühlswelt war schon lange nicht mehr sein Problem.
Er sah kurz zu Max. Der schien immer noch mit seinem Schritt beschäftigt zu sein. Gut. Dann hielt er wenigstens die Klappe. Scabiour schenkte er nur ein müdes Lächeln. „Naja, wenn sie mir bessere Manieren beigebracht hätten, hätte ich sie vielleicht am Leben gelassen.“ Dann wandte er sich wieder zu Roel. Auf den kleinen Versuch ihn fertig zu machen reagierte er mit einem Grinsen, wobei seine Augen aber weiter den leeren Ausdruck behielten, der für sie mittlerweile normal war. „Ich weiß Roel. Aber lass uns jetzt nicht streiten. Ich brauche nur die Informationen über den Imperius. Gib sie mir, dann können wir alle nach Hause. Oder hast du Lust hier noch ewig im Regen rumzustehen? Und ehrlich gesagt habe ich keine Lust hier irgendwelche Druckmittel einzusetzen. Aber ich werde es tun, wenn ich muss.“ Er seufzte. Warum musste gerade sie hier um die Ecke kommen?
Als sie ihre Bemerkung über Max loslies, sah Jack aus dem Augenwinkel eine hastige Bewegung. Sofort zeigte die Spitze seines Zauberstabs auf seinen Partner. „Max, lass den Mist!“, zischte er. Der Junge war drauf und dran einen Fluch auf Roel zu hetzen. „Aber Jack, die kleine Schlampe hat's verdient. Was soll die Scheiße hier überhaupt? Kennst du die?“ Jack nickte. „Von Früher. Ich kannte sie mal. Aber darum geht’s nicht. Wenn du die beiden verfluchst, kommen wir auch nicht an die Infos, klar?“ Wieder an Roels Kommentar denkend fragte er: „Gott, Junge, wie alt bist du eigentlich?“ Max sah beleidigt drein: „15!“ Jack schloss kurz die Augen. Ein Kind. War ja klar. Wieder zu Roel gewandt fügte er hinzu: „Also, hier hast du deine Antwort, jetzt gib mir meine.“
 
Der Regen prasselte immer härter auf ihren Kopf, sie hörte über sich ein entferntes Donnern, nachdem der Himmel gleißend Hell aufblitzte und vor ihren Augen einen Moment lang Sternchen tanzen ließ. Rasch hob sie ihren Kopf und sah sie nach oben.
Dunkle Schatten zischen zwischen den Wolken hindurch und schienen diese kurz in zwei zu teilen, ehe sich die nebligen Massen wieder aneinander schoben und wieder eine undurchdringliche Wand wurden. Ob es sich um Todesser oder um normale Schatten handelte konnte sie nicht erkennen, hilfreich würde wohl beides nicht sein. Die meisten Todesser scherten sich nicht sonderlich viel um ihre Kollegen. Da würde wohl nicht so schnell einer zu Hilfe kommen.
Ihr Blick wanderte wieder zu Jack, musterte ihn abermals eindringlich, bemerkte wie Scabior wohl ein Lachen zu unterdrücken versuchte. „15. Ihr seid um einiges schlimmer, Donahue. Wir schicken keine kleinen Kinder in den Kampf“, knurrte er nach einem anfänglichen Prusten, hielt sich dann aber bedeckt, als er Roels ernsten Blick bemerkte. Er hatte noch nie wirklich mit Jack zu tun gehabt. Wie auch. Er hatte ihn nicht so kennen gelernt wie sie es hatte dürfen.
Roel kniff kurz ihre Augen zusammen und seufzte dann. „Na gut. Du willst was über den Imperius wissen? Dann sag ich dir eins.“ Sie sah ihn mit zu Schlitzen verengten Augen an, spuckte ihm vor die Füße. „Leck mich an meinem kleinen blassen Hintern, Jack Donahue. Ich wird dir sicherlich nichts verraten.“ Kurz zierte ein leichtes Schmunzeln ihre Lippen, ehe sie diese dann aber wieder teilte und schnell weiter sprach: „Du hast keine Ahnung Jack, so keine Ahnung.“ Sie presste kurz ihre Lippen aufeinander, ihre Gedanken hingen kurz woanders, an den letzten Wochen. „Es gibt weit aus schlimmere Dinge zu befürchten als ein paar Politiker, die vom Imperius kontrolliert werden.“
 
Jack war selbst klar, dass das Ministerium wahrscheinlich genauso Scheiße war, wie Roels kleiner Verein. Aber im Moment sah er keine andere Chance. Er steckte jetzt schon zu tief drin. Und selbst wenn er es irgendwie schaffen sollte, sich aus dieser Maschinerie zu befreien, wohin sollte er gehen? Er hatte sich mittlerweile damit abgefunden, dass er allein war. Und das schon länger, als er es selbst wahrhaben wollte.
Jack starrte auf eine kleine Ader an Roels Hals, die heftig zuckte. Blut durch ihren Körper beförderte. Und er fragte sich, ob sie das in ein paar Stunden immer noch tun würde.
„Es ist mir scheißegal, ob es schlimmeres gibt als den Imperius. Ich habe nur den Auftrag, darüber etwas herauszufinden. Also behindere mich nicht, klar? Ein Schlenker meines Zauberstabes und du und dein kleiner Kumpel hier liegen Tod am Boden. Ich will das zwar nicht tun, aber ein Mord mehr oder weniger fallen hier auch nicht mehr ins Gewicht. Also sag mir endlich, was ich wissen will.“ Dann wandte er sich an diesen anderen heruntergekommenen Zauberer neben ihr. „Bist du vielleicht intelligent genug, endlich die Klappe aufzumachen?“
Max sah nur still zwischen den beiden Parteien hin und her. Er war noch nicht lange dabei und das hier war erst sein zweiter Auftrag. Irgendwie bewunderte er es, wie ruhig sie alle blieben. Ihm selbst brannte es in den Fingern, diesen Abschaum genauso abzuschlachten, wie sie es mit seiner Familie getan hatten, doch er wusste, dass Jack das nicht zulassen würde. Also hielt er sich im Hintergrund, während Jack vor den Beiden auf und ab ging.
„Wir haben jetzt zwei Möglichkeiten. Entweder ihr redet und geht, oder ihr bleibt stur und das hier wird euer letzter Ausflug. Also ich würde es mir überlegen, ob ich wirklich in so einer stinkenden Gasse verrecken möchte. Eure Entscheidung.“
 
Gut, in erster Linie hatte Roel genau so eine Antwort erwartet, dass er vielleicht weiter nachhaken würde, war nur ein schwacher Strohhalm gewesen, an den sie sich festgekrallt hatte und der war nun abgeknickt. Das sie hier heute Nacht sterben würde, war nicht sicher, natürlich, allerdings hatte sie auch nicht vor, es direkt darauf anzulegen. Sie musste etwas unternehmen. Ihr Blick galt wieder kurz ihrem Begleiter, musterte Scabior und beobachtete ihn wie er auch wohl nach einer Möglichkeit suchte. Auf ihn konnte sie sich wohl eher nicht verlassen. Bis jetzt hatten seine Pläne immer nicht so gut geklappt, wie sie es sich vielleicht gewünscht hatte.
Mit einem weiteren Blick musterte sie Jacks Partner. Der Kleine Kerl war Jacks offensichtlichste Schwachstelle. Wenn sie ihn zu Fall brachte war er allein und vielleicht, aber diese Chance war schwindend gering, würde sich Jack sogar etwas um den Jüngeren Sorgen und ihn verteidigen. Immerhin, er hätte ihn ja an seinen kleinen Bruder erinnern können-
Aus ihren Gedanken gerissen, sah sie wieder zu Jack und musste kurz auflachen. „Scabior und intelligent?“ Sie kicherte noch kurz in sich hinein, ignorierte das laute „HEY!“ des Greifers und schenkte ihm nur einen kurzen freundschaftlichen Blick. Der verstand schon. Ihren schwarzen Humor in den aussichtlosesten Situationen sollte er inzwischen gewohnt sein.
„Gut, Jack ich glaube du weißt, dass wir nicht in dieser stinkenden Gasse verrecken wollen, aber ich kenn da jemanden den du genauso gern hättest wie die Informationen...“ Roel grinste immer noch nachdem sie aufgehört hatte zu lachen. „Erinnerst du dich noch an meinen Bruder? Rowan Salem?“ Einen Augenblick sah sie noch einmal nach oben. Wieder diese dunklen Schatten. Was suchten die Kerle alle hier? Waren noch mehr Phönixe unterwegs? Ohne sich ihre Verwunderung anmerken zu lassen, sah sie nach einem Bruchteil einer Sekunde wieder zu Jack. „Ich weiß doch, dass ihr zwei euch so gern hattet. Und rate mal wer genauso auf deiner Abschussliste steht? Er. Woher ich das weiß? Er hats mir gesagt.“
 
Seine Augen verengten sich zu Schlitzen. Rowan. Er war sich nicht einmal sicher, ob der Kerl noch lebte. Aber anscheinend doch. Wie Blitze zuckten Erinnerungen durch seine Gedanken. Der Wald, die drei Besen, … er schüttelte den Kopf. Was auch immer Rowan für Gründe gehabt hatte, schlussendlich hatte auch er ihn allein gelassen. Er hatte mit diesem Typen abgeschlossen. Und trotzdem... trotzdem... Jack zischte: „Wo ist er?“ Als er Roel in die Augen sah, bemerkte er selbst, dass ein wenig Leben zurückgekehrt war. Verdammt! Sein Blick wanderte in Richtung Boden. Er hatte damit gerechnet, dass die Möglichkeit bestand, dass er Roel würde töten müssen, ja. Damit wäre er klar gekommen. Doch diese Geschichte war zu viel. Er wollte sich umdrehen und gehen. Einfach abhauen und nie wieder darüber nachdenken. Aber er musste es einfach wissen. Musste wissen warum er nicht mehr aufgetaucht war. Warum er ihn hatte hängen lassen. Warum er es zugelassen hatte, dass dieses Monster aus ihm geworden war.
Er sah sie wieder an. „Sag mir wo er ist und ich lasse euch laufen.“ Er hörte wie Max Luft holte und irgendetwas sagen wollte. „Halt dich da raus!“ Noch einmal setzte Max zu irgendeinem dummen Gelaber an. „Halt deine Klappe, hab' ich gesagt!“
Er drehte sich wieder zu Roel und er wusste, dass seine Maske Risse aufwies und vor allem wusste er, dass sie es sehen würde. Und er hasste sich dafür.
 
 
Roel grinste kurz und legte ihre Hand vorsichtig auf die Schulter Scabiors, um ihn näher an sich heran zu ziehen. „Ich sag dir alles, aber du lässt uns beide gehen. Keine krummen Tricks. Ich schwör dir auch hoch und heilig, dass ich auch nicht versuchen werd’, dich übers Kreuz zu legen.“ Zumindest jetzt noch nicht. Ihr kleiner Gedanke fügte sich natlos an ihren eigenen Satz heran, während sie schließlich den Greifer los ließ, der sie schmunzelnd von der Seite betrachtete. Man merkte vielleicht sogar, dass die zwei schmuddeligen Todesser, dort wie sie im Regen standen, mehr gemeinsam hatten, als man vielleicht anfangs vermuten würde. Immerhin brauchte Roel einen Freund, genauso wie Scabior, sodass der junge Mann neben ihr wohl schließlich den Platz eingenommen hatte, den Jack so viele Jahre inne gehabt hatte. Auch Todesser hatten Freundschaft nötig, um nicht endgültig in diesem verrückten Krieg wahnsinnig zu werden.
Ob Jack allerdings das ganze bemerkte oder nicht, wusste Roel nicht. Ihr kam allerdings auch nicht in den Sinn, dass es ihn stören könnte. Letzten Endes waren sie keine Freunde mehr, sondern nur noch Feinde.
Roel seufzte kurz und sah dann eindringlich ihren ehemals besten Freund an, musterte ihn kurz und las in seinem Gesicht die rohen Emotionen, die Rowans Name ausgelöst hatte. Vielleicht war bei Jack doch noch nicht alles verloren…
„Gut. Er befindet sich in einem Versteck, dass nur mir und wenigen anderen bekannt ist. Wenn du Scabior laufen lässt bringe ich dich hin-„
„Roel, ich lass dich nicht mit diesen zwei Irren allein!“ Scabiors Protest brachte sie kurz aus der Fassung, überging diesen aber und fuhr rasch fort, ihre Stimme zitterte nicht, sie redete allerdings schnell, sodass man merkte, dass sie etwas aus dem Konzept gebracht worden war.
„Du lässt ihn gehen. Er wird uns nicht aufhalten und auch keine Hilfe holen.“ Ihr Blick traf wieder den Greifer und wandte sich dann wieder, mit einem kurzen Blick, den sie über Max streifen ließ, zurück zu Jack. „Und du bekommst was du willst.“ 
 
Jack ignorierte Scabiours Protest und nickte nur. Dann sah dem Mann direkt ins Gesicht. Nur ein Verdacht, dass dieser sie betrügen würde und Jack würde ihn töten. „Gut, du kannst gehen. Komm in einer viertel Stunde zurück. Dein Zauberstab wird hier sein.
Dann drehte er sich zu Max um. „Du gehst Heim!“ Max wollte protestieren, doch Jacks Blick lies ihn verstummen und er disapparierte. „Gut.“ Jack schloss kurz die Augen. Er musste sich sammeln. Natürlich wusste er, dass er nun eigentlich das Signal zum Aufbruch geben sollte. Doch was würde ihn erwarten? Er hatte nun seit über einem Jahr nicht mehr mit Rowan geredet und wenn er ehrlich war hatte er Angst. Nicht davor, dass Rowan nun vielleicht Todesser war und das ganze nur ein abgekartetes Spiel, sondern davor, was Rowan ihm erzählen könnte. Warum war er nicht aufgetaucht? Und noch viel schlimmer: Wie würde er auf das reagieren, was aus Jack geworden war? Er dachte nicht mehr über sich nach, aber ihm war klar, dass Rowan ihn dazu zwingen konnte. Und das musste er um jeden Preis vermeiden, wenn er nicht wahnsinnig werden wollte.
Kurz überlegte er sogar ob er das ganze einfach abbrechen sollte. Einfach disapparieren. Weglaufen wie ein feiges, kleines Kind.
Doch irgendetwas in ihm zwang ihn dazu wieder aufzublicken und Roel zuzunicken. „Gut, zeig mir wo er ist.“
 
Roel sah Scabior zu, wie er umgeben von Rauchschwaden davon zischte und sich den Schatten über ihnen in den Wolken anschloss. Er hatte auf sie gehört. Gut. Wenn er jetzt auch noch Ärger gemacht hätte, wäre das ganze wohl wirklich aus dem Ruder gelaufen.
Sie hoffte dennoch inständig, dass er jetzt nicht so unsagbar dumm sein würde und irgendwelche Greifer hier her schleppen würde, nur weil er sich Sorgen machte. Um sie brauchte man sich keine Sorgen zu machen, immerhin wusste sie ja genau was sie tat oder?
Langsam nickte die Blondine bedächtig und sah Jack eindringlich an. „Verhalte dich ruhig und zieh deine Kapuze über deinen Kopf. Wir werden zwar apparieren, aber ich weiß nicht, wer sich alles an unserem Ziel aufhält… und wir wollen doch nicht gleich einen Todesfluch um die Ohren bekommen oder?“ Sie grinste kurz, fast schon so wie in alten Zeiten, als sie noch in Hogwarts waren und sich mal wieder zankten. Für einen Moment hatte es sich sogar so angefühlt.
„Nimm meine Hand“, fuhr sie fort und hielt ihm ihre blasse linke hin, an deren Handgelenk leicht das dunkle Mal hervor schimmerte, das allerdings größtenteils von ihrem Umhang verdeckt war.
Sobald Jack ihr seine Hand gegeben hatte, apparierte sie und ließ die dunkle nasse Gasse hinter sich.
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Roel Salem
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BeitragThema: Re: Was bisher geschah *drama-button*   Mo Sep 23, 2013 12:41 am

Es regnete nicht, dort wo sie schließlich ankamen. Sie landeten auf einer ebenfalls unbelebten Straße, die genauso dunkel dalag wie die letzte, auf der sie sich aufgehalten hatten, doch jetzt konnte man klar und deutlich den Sternenhimmel über ihren Köpfen erkennen. Im Hintergrund ertönten immer wieder Sirenen und Hupen fahrender Autos.
Roel nickte Jack kurz zu und deutete ihm mit einer Handbewegung an, dass er ihr folgen sollte, ließ ihn bei dieser Gelegenheit auch los, nur um dann schon einige Meter vor zu gehen.
Je weiter sie liefen, desto offenkundiger wurde es wo sie sich befanden. Dublin. Roels jetzige Heimatstadt, die seltsamerweise ruhig und fast schlafend dalag. Normalerweise war um diese Uhrzeit die Hölle auf den Straßen los. Vielleicht hatte aber auch hier der Krieg seine Spuren hinterlassen und Angst und Schrecken unter den Muggeln verbreitet.
Nachdem Roel einige hundert Meter gelaufen war, blieb sie vor einem alten Stadthaus stehen, in dem im obersten Geschoss ein Licht brannte. Hinter den zugezogenen Vorhängen huschte eine dunkle Gestalt vorbei, ehe das Licht ausging und weiter unten wieder anfing zu brennen. Sie schienen erwartet zu werden.
„Keine Sorge. Die warten sicherlich schon den ganzen Abend auf mich… es ist keine Falle, versprochen“, murmelte sie Jack zu und kletterte hastig die Treppenstufen hinauf, die zur höher gelegenen Eingangstür führten. Als Jack neben ihr stand öffnete sie die Tür mit einem alten halbverrosteten Schlüssel und ließ den anderen Zauberer zuerst eintreten. Hinter sich selbst schloss sie fest die Tür und belegte sie noch mit einem Schutzzauber, ehe sie sich wieder zu Jack umdrehte.
Sie befanden sich in einem dunklen Gang, der nur von einigen alten elektrischen Kerzenleuchtern an den Wänden beleuchtet wurde, die immer wieder schwach zitterten und das Licht flackern ließen. Eine große Kommode stand in dem sowieso schon engen Gang, die wohl allerlei Krimskrams beherbergte. Über dieser hingen einige Bilder, unter anderem welche von Roel als sie klein gewesen war. Ein relativ großes magisches Foto hing direkt auf Jacks Sichthöhe. Es zeigte eine kleine Gruppe von Erwachsenen, die lachend in die Kamera sahen und dabei Weingläser in der Hand hielten. Sie alle trugen edle Kleidung, als ob sie von einem Empfang kommen würden, außer dass die beiden Frauen auf dem Bild keine Schuhe mehr trugen und ihre hochhakigen Treter in der Hand hielten. Einer der drei Männer, die dort abgebildet waren, war Jaque, die anderen zwei zum einen ein dunkelhaariger ziemlich belustigt aussehender Mann, der immer wieder in Lachen ausbrach und dabei seine Freundin neben sich auf die Wange küsste und zum anderen Barty Crouch Jr, der nur mit einem dünnen Schmunzeln in die Kamera lächelte.
„Rowan ist oben“, sagte Roel schließlich nachdem sie ihren Umhang abgelegt hatte und ihn an einen Ständer direkt neben der Kommode hing. „Geh allein hoch. Ich warte hier unten und werde sehen, dass niemand mitbekommt, dass du hier bist. Sei leise.“
 
Jack lief es eisig den Rücken hinunter, als er sah wie Roel ihn angrinste. Es erinnerte ihn an Zeiten, in denen noch alles in Ordnung war. Und daran, dass diese vorbei waren. Er nahm ihre Hand und spürte den Sog als sie apparierten. Er verkrampfte sich kurz. Doch als er die Augen öffnete sah er, dass sie auf einer Straße standen. Gut, er hatte noch etwas Zeit um sich vorzubereiten. Die Stadt, durch die Roel ihn nun führte war ziemlich groß, aber seine quasi nicht vorhandene Erdkunde – Kenntnis lies ihn auch diesmal im Stich. Er hatte keine Ahnung wo sie waren. Doch es musste weit Weg sein von London. Dort hatte es schließlich nur so geschüttet und hier war eine äußert klare Nacht.
Jack wusste dass er sich eigentlich genauer umsehen sollte. Schließlich konnte das hier immer noch eine Falle sein. Doch er konnte sich einfach nicht konzentrieren. In seinem Kopf tobten alle möglichen Gedanken wild durcheinander. Also beschränkte er sich darauf, immer wieder einmal über seine Schulter zu sehen um wenigstens den Anschein zu machen, dass das hier nur ein ganz normaler Auftrag war. Auch wenn er nicht wusste, ob er wirklich Roel oder nicht eher sich selbst überzeugen wollte.
Auf einmal blieben sie stehen. Jack war zu tief in seinen Gedanken versunken um zu bemerken, dass dort oben jemand war. Er bemerkte es erst, als Roel ihm zu verstehen gab, dass dies keine Falle war. Trotzdem, er musste jetzt bei der Sache sein und nicht dauernd wie ein verträumtes Schulmädchen durch die Gegend trotteln. Er riss sich zusammen und sobald Roel die Tür öffnete sah er sich seine Umgebung etwas genauer an. Er bemerkte einige Bilder von Roel an der Wand. Manche davon schienen aus der Zeit zu sein, in der sie sich kennengelernt hatten. Jack sah zur Seite. Er wollte dieses kleine Mädchen nicht sehen, dass ihm damals so wichtig gewesen war. Doch dann blieb sein Blick auf einem anderen Bild hängen, weil er erst dachte, er hätte Rowan erkannt. Doch das konnte nicht sein. Jaque war auch darauf zu sehen. Doch er war um einiges jünger als er damals im Wald gewirkt hatte. Jack wurde klar, dass er gerade vor einem Bild von Roels Vater stand. Dieser schien eigentlich nett zu sein, doch seine Gesellschaft ließ auf etwas anderes schließen. Jack schnaubte. Ein Todesser, warum war er nicht selbst darauf gekommen?
Roel riss ihn aus seinen Gedanken. Und ihr nächster Satz lies ihm das Blut in den Adern gefrieren. Jetzt war es also so weit. Er schluckte und ging Stufe für Stufe die Treppe nach oben bis er vor einer Tür stand aus deren Schlüsselloch ein kleiner Streifen dämmriges Licht fiel. Er kniff die Augen zusammen. Doch dann schüttelte er den Kopf. Er musste endlich diese alte Memme abstreifen, von der er eigentlich gedacht hatte, dass sie schon lange verschwunden war. Er legte seine Hand auf die Klinke und öffnete entschlossen die Tür.
 
Rowan Salem war tief in Gedanken versunken. Er saß an einem schweren Schreibtisch, der aus dunklem Holz gefertigt war und hielt seinen Zauberstab gegen seine Schläfe. Kurz mag es ausgesehen haben, als ob er schlafen würde, doch dann bewegte sich der junge Zauberer plötzlich. Seine Hand mit der er seinen Stab hielt, glitt langsam seine Schläfe hinunter, während er seinen Arm immer weiter weg zog. Dabei blieb ein silbriger Faden an der Spitze des Zauberstabs hängen. Eine Erinnerung, die er langsam in kleines Denkarium fallen ließ.
Er hatte lange nicht bemerkt, dass Jack in den Raum getreten war, erst als er seine Schritte hörte, wirbelte er herum und stand erschrocken auf.
Von dem Moment an, als er Jack sah, erstarrte er und ließ seinen noch gerade eben erhobenen Zauberstab sinken. Er musterte seinen ehemaligen Geliebten lange und aufmerksam, wagte es aber nicht einen Schritt näher zu treten, fast schon so als ob er Angst hätte, dass Jack dann wie ein Traum verpuffen würde.
„Jack“, murmelte er schließlich und schluckte hart. Er hatte gewusst, dass der Zeitpunkt irgendwann einmal eintreffen würde, dass er ihn wieder sehen würde. Allerdings hatte er ehrlicher Weise in letzter Zeit eher damit gerechnet, dass er irgendwann einmal tot aufgefunden werden würde. Entweder von Phoenixen oder Todessern ermordet.
„Was tust du hier?“, wie aus alten Erinnerungen gerissen sah er ihn ernst an und hob wieder etwas seinen Zauberstab. Von dem quirligen und selbstbewussten jungen Mann war nicht mehr viel übrig, zumindest im Moment. Dunkle Schatten zierten seine Augen, sein Äußeres war nicht mehr so perfekt wie früher, hatte eher den Anschein, als ob er nicht einmal mehr richtig Zeit hätte sich seine Haare zu kämmen, die im Moment in alle Richtungen abstanden.
Zudem trug er insgesamt nur dunkle Kleidung, abgewetzte lederne Stiefel gepaart mit schwarzer Hose und Pullover, der allerdings so lose war, dass er halb von seiner Schulter hing und diese entblößte.
„Nein, nein“, fing er plötzlich an, wurde lauter, richtete seinen Zauberstab zielgenau auf Jacks Herz. Seine Miene nahm etwas Finsteres an und er schnaubte kurz verachtend. „Wie bist du hier rein gekommen? Wen hast du getötet, um hier her zu gelangen – ANTWORTE!“
 
Jack starrte den Mann an, den er so lange nicht mehr gesehen hatte und bemerkte nicht einmal, dass dieser sich verändert hatte. Er sah nur diese Augen und die Zahnlücke, die für ihn immer das charakteristischste an Rowans Gesicht gewesen war. Und zum ersten Mal seit Sammys Tod legte er diese ganzen Zweifel beiseite, den Hass und alles, was ihn sonst kaputt machte. Er war einfach wieder Jack und der Ansatz eines Lächelns stahl sich auf sein Gesicht.
Er wollte gerade auf Rowan zulaufen, als dieser aufblickte. Jack blieb stehen, während Rowan leise seinen Namen sagte. Rowans Blick wurde ernst und Jacks Lächeln verschwand.
Auf einmal fing Rowan an zu schreien. Sein Zauberstab richtete sich auf Jacks Herz und als er den vernichtenden Blick sah, den Rowan ihm zuwarf wusste er endgültig, dass es zu spät war. Dass er nichts mehr zu verlieren hatte. Es war genau das eingetreten, vor dem er die meiste Angst hatte. Seine letzte Hoffnung war dahin.
Eine einzelne Träne lief seine Wange herab, bevor er sie aufhalten konnte. Er wischte sie weg und sah dann wieder zu Rowan. „Roel hat mich hergebracht. Und nein, ich habe niemanden getötet.“, sagte er müde. „Wenn du mir nicht glaubst, nur zu. Ein kleiner Spruch und ich bin Geschichte.“ Ein Grinsen zierte sein Gesicht, dass nur bedingt überspielte, dass der Junge gebrochen war. Fast hoffte er, Rowan würde es tun. Ein grüner Blitz und alles wäre vorbei. Vielleicht hätte er dann endlich seinen Frieden.
 
Rowan starrte den anderen noch einige Momente lang an und dachte über seine Worte nach. Dass Roel ihn rein gelassen hatte, konnte er zuerst gar nicht glauben, musterte deswegen kurz verwirrt die nun wieder geschlossene Tür und nickte dann langsam. Natürlich. Dass seine Schwester ihn reingelassen hatte, war zumindest im Moment das einzig Logische, was ihm dazu einfiel. Die Schutzzauber um das kleine Stadthaus waren so stark errichtet, dass ein junger Kerl wie Jack niemals dagegen ankommen könnte. Außer wenn er Verstärkung dabei hätte.
„Ist sonst noch jemand bei dir?“, fragte er rasch und hob dann aber erstaunt die Brauen als Jack ihn aufforderte ihn zu töten, falls er ihm nicht glauben würde. Sein Zauberstab senkte sich nicht, dennoch schienen seine Züge weicher zu werden.
Rowan musterte den anderen genau, fuhr mit seinem Blick langsam über die gebrochene Miene und ließ schließlich seinen Zauberstab fallen. Mit einem hölzernen Klackern fließ der Stab auf den alten Holzboden und rollte einige Zentimeter weiter, bevor er am Bein des großen Ohrensessels hängen blieb, der neben Jack stand.
„Was ist passiert?“, murmelte er schließlich. „Wieso hat sich Roel mitgebracht. Sie kann dir wohl kaum verziehen haben, nachdem wie du sie behandelt hast.“ Seine Stimme klang ebenfalls schwach und sackte an einigen Stellen ab. Er war heiser und schien geschwächt zu sein. Dass er schon seit einigen Monaten Aufträge für die Todesser erledigte wusste Jack nicht, doch man sah ihm an, dass er irgendeiner schmutzigen Arbeit nachging.
„Erzähl mir alles, Jack. Ich bin nicht mehr bewaffnet. Also kannst du ganz in Ruhe anfangen, hm?“, er schmunzelte wieder leicht. Sein Blick hing immer nach an dem Gesicht des Jüngeren. Wie er ihn vermisst hatte. Seine reine Anwesenheit füllte ihn wieder mit kuschlig warmen Gefühlen, die er eigentlich hatte unterbinden wollen. Doch jetzt waren sie wieder da und das obwohl dieser Kerl seine Schwester entführt hatte. Obwohl er gedroht hatte sie umzubringen und sie gefoltert hatte, bis sie fast ihren Verstand zu verlieren drohte. Was für ein Bruder war er eigentlich?
 
Jack schüttelte auf Rowans Frage den Kopf. „Ich bin allein.“ Er sah zu Boden und wartete darauf, was Rowan als nächstes tun würde. Bis er ein leises Knallen hörte. Rowans Zauberstab rollte in sein Sichtfeld und Jack sah erstaunt auf. Er hatte ja viel erwartet. Aber das? Nein. Nun bemerkte er auch die Veränderungen im Auftreten des Anderen. Rowan war genauso wenig derselbe wie er. Augenringe und eine Müdigkeit, die nichts mit dem Körper zu tun hatte, zeichneten ihn. Als er anfing zu reden war Jack geschockt. Das konnte doch nicht Rowan sein. Der Kerl, der immer gut drauf war und bei dem man immer das Gefühl hatte, dass ihn nichts aus den Latschen kippen ließ. Aber was auch immer mit ihm los war, er forderte Jack auf zu reden. Er schmunzelte sogar. Vielleicht war ja doch nicht alles verloren. Trotzdem war Jack vorsichtig. Er hatte genug von falschen Hoffnungen.
Er fragte sich, wie er erklären sollte, warum er hier war. Darüber hatte er sich bisher noch keine Gedanken gemacht. Schließlich konnte er schlecht sagen: 'Weil ich dich sehen wollte.' Auch wenn ihn etwas dazu drängte genau das zu tun.
Trotzdem entschloss er sich dazu, stattdessen das auszusprechen, was ihn nun schon seit Ewigkeiten beschäftigte. Auch wenn er damit eine Schwäche preisgab. War das jetzt noch wichtig? „Warum warst du auf einmal weg?“ Jack stellte diese Frage als ginge es ums Wetter. Jegliche Gefühle waren daraus verbannt. Trotzdem sah er Rowan erwartungsvoll an.
Er fragte sich, ob er die Antwort wissen wollte. Denn wenn er sich den jungen Mann so ansah, war er nicht weit von Roels Gewerbe entfernt. Womöglich war er nun selber einer dieser Verdammten Maskenträger.
Doch wie auch immer seine Antwort lauten würde, Jack war bereit.
 
Dass gleich so eine Frage kommen würde, damit hätte er ehrlich gesagt nicht gerechnet. Hätte er wohl aber sollen. Es war immerhin ziemlich offensichtlich, dass Jack eine Antwort erwartete, warum sein Freund einfach aus der Beziehung geflüchtet war, als ob es keine Morgen mehr gäbe. Dabei war alles einfach so schief gelaufen. Er hatte Jack nicht zurück lassen wollen. Nie im Leben. Nicht nachdem er doch der erste war, dem er Wirklich vertrauen hatte können. Und jetzt?
Er musterte den Jungen vor sich und schluckte hart. Aus ihnen beiden waren Soldaten geworden. Sie kämpfen in einem schmutzigen Krieg, jeweils auf der anderen Seite und doch mit den gleichen Zielen. Doch das wusste Jack nicht. Und ob Rowan ihm das anvertrauen konnte, war bis jetzt noch unklar. Es stand zu viel auf dem Spiel, als dass er jetzt alles ausplaudern konnte und dem Jüngeren die Chance gab sich für alles zu rächen. Er wünschte sich so sehr, dass er ihm einfach blind vertrauen könnte, doch das war nicht möglich.
„Jack, ich würde dir am liebsten alles erklären. Aber ich weiß nicht, ob ich dir vertrauen kann“, fing der junge Salem schließlich an, ließ sich auf den Stuhl hinter sich fallen, auf dem er vorhin noch gesessen hatte, sah dabei immer noch Jack an.
Er hatte ihn nicht verflucht, als sein Zauberstab zu Boden gefallen war. Er hätte es tun können, auch wenn Roel unten sicherlich aufpasste, dass nichts passierte, dennoch…
Rowan blinzelte kurz. „Du hast mich nicht getötet. Du hast Roel nicht getötet als sie dich her gebracht hat“, murmelte er eher zu sich selbst als zu Jack und schnaubte auf. Es war einfach zu lächerlich wie sie in diese Situation gekommen waren.
„Wenn ich dir alles erzähle, kann ich dich nicht gehen lassen, Jack.“ Seine Stimme klang kratzig und brüchig. Ehe er weiter fortfuhr, holte er deshalb noch einmal tief Luft: „Menschen könnten sterben, wenn etwas nach außen dringt. Und ich denke nicht, dass du das willst.“ Er stand wieder auf und trat langsam auf den jungen Mann zu, dieses Mal näher als vorhin, dass er fast schon seinen Atem spüren konnte, als er schließlich anhielt und auf ihn hinab sah.
„Versprich mir, dass du hier bleibst und uns vertraust, wenn ich dir alles erzählen soll.“
 
Als Rowan auf ihn zukam breitete sich eine Gänsehaut auf Jacks Körper aus. Er bemerkte wie sehr er ihn vermisst hatte und musste den Drang bekämpfen, einfach auf die Zehenspitzen zu stehen und... Nein! Er drückte diese Gedanken herunter und sah zu Rowan auf um abzulehnen. Denn wie sollte das Möglich sein? Und was sollte es bringen? Nur für eine Antwort hier bleiben. In einem Haus mit Roel, die ihn hasste, Rowan, der ihn hängen gelassen hatte und womöglich noch anderen Todessern, die ein und ausspazierten und sich nichts schöneres vorstellen konnten als eine kleine Schlammblut – Foltersession. Andererseits war da Rowan. Auch wenn alles dagegensprach war da diese Stimme in seinem Kopf die hierbleiben wollte. Die eine Pause brauchte. Die zurück wollte in dieses alte Leben, dass ihm heute so nahe schien.
Aber es ging nicht. Jack sagte: „Jetzt sag mir eins. Du vertraust mir nicht. Gut, das verstehe ich. Aber warum denkst du, ich sollte dir vertrauen? Du hast mich hängen lassen und ganz davon abgesehen sieht es hier nicht gerade sicher aus für Leute wie mich. Ich weiß ja nicht, wer hier alles ein und aus geht, aber ich denke die sind alle nicht gerade begeistert wenn ich hier bin. Meine Eltern waren Muggel, weißt du noch?“
Trotzdem brachte Jack es nicht über sich, komplett abzulehnen. Er wusste, dass er es tun musste, aber erst wollte er Rowan noch einmal die Chance geben etwas zu sagen.
Und er wollte sich verabschieden. Denn ihm war klar, dass er wohl kaum wieder die Möglichkeit haben würde, ihn zu sehen.
 
Rowan spürte die Ablehnung in Jacks Stimme. Natürlich traf ihn das, aber gleichzeitig hatte er doch gewusst, dass er wohl zuerst ablehnen würde.
Allerdings hatte Rowan auch nicht vergessen, dass Jack neugierig war, vor allem in jeglichen Angelegenheiten, die ihn und den Salem selbst betrafen. Es war damals schon schwierig genug gewesen die meisten Dinge aus seiner unangenehmen Vergangenheit vor dem Jüngeren geheim zu halten, doch jetzt… Es war zu spät, um jetzt noch so wichtige Dinge vor ihm zu verbergen. Vielleicht war es Zeit.
Rowan seufzte lang und ausgiebig, bis fast jedes bisschen Luft aus seiner Lunge entwichen schien und er schließlich wieder kräftig danach verlangte. Er sah Jack aus müden Augen an, allerdings mit Verständnis für das was er ihm gerade gesagt hatte. Wie konnte er ihm auch vertrauen? Es wohnte in dem Haus eines Todessers. Seine Schwester war eine Anhängerin Voldemorts, sowie es ihr Vater gewesen war. Verdammt, unten hingen sogar Fotos von Todessern, die mit der Familie befreundet waren. Wenn man den Zusammenhang misste, war es natürlich schwer das ganze zu verstehen. Jack musste ihn abgrundtief hassen.
„Ich weiß. Ich kann verstehen, dass du mich hasst, dass hier lebe. Ich kann verstehen, dass du denkst ich in ein Diener des dunklen Lords und ich kann verstehen, dass du mir genauso wenig Vertrauen schenken kannst, wie ich dir, aber vielleicht kann dir helfen.“
Er wandte Jack seinen Rücken zu und ging langsam auf den Schreibtisch zu, öffnete eine der obersten Schubladen und holte eine kleine Phiole heraus, zeigte diese dann mit einem leichten Grinsen dem anderen.
„Ich kann dir das zeigen. Es ist nicht all zu vertraulich, aber vielleicht siehst du dann alles ein wenig klarer. Bist du dabei?“ Sein Grinsen wurde breiter und entleerte währenddessen das Denkarium, das immer noch auf dem Schreibtisch stand und leise vor sich hin plätscherte. Diese Erinnerung war zu geheim, als dass Jack sie jetzt sehen konnte, also verwahrte Rowan sie in ein anderes Gläschen und schüttete die andere in die kleine Vorrichtung.
Er hob Jack seine Hand hin und sah ihn fast schon bettelnd an.
 
 
Jack kaute gedankenverloren auf seiner Unterlippe herum. Er wusste nicht, was er tun sollte. Alles sprach dafür, einfach wieder zu gehen. Schließlich hatte er jetzt mit eigenen Augen gesehen, was aus Rowan geworden war. Nichts weiter, als ein verdammter Todesser. Genau das, was er normalerweise jagte. Aber irgendwo tief in ihm drin, wollte er sehen, warum es so weit gekommen war. Und, auch wenn er es nicht zugeben wollte, er wollte hier nicht weg. Er hatte Rowan wohl doch nur so lange vergessen können, wie er nicht vor ihm stand.
Er raufte sich die Haare und sah Rowan an. Sein Gesicht sprach für sich. Was auch immer er hier tat, er tat es wohl nicht gerne.
Im Gegensatz zu Jack, der einfach nur dünner und blasser geworden war, sah man es bei Rowan an den tiefen Furchen unter seinen Augen. So hatte man auch schon bei Roel sehen können, wenn es ihr nicht gut ging. Also eigentlich immer.
Das Ticken einer Uhr an der Wand schien mit jeder Sekunde lauter zu werden, so drückend war die Stille. Was sollte er tun?
„Ach, was solls!“,murmelte er, immernoch nicht sicher ob das, was er getan hatte, das Richtige war, und nahm Rowans Hand. Den Größeren anfunkelnd fügte er hinzu: „Aber ich sag's dir, verarsch mich nicht!“
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Roel Salem
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BeitragThema: Re: Was bisher geschah *drama-button*   Mo Sep 23, 2013 1:10 am

Als Jack ihm seine Hand endlich reichte, entfloh ihm kurz ein glückliches Lächeln, fast schon wie früher, als sie noch zusammen gewesen waren. Auch das Verhalten des Jüngeren hatte ihn kurz an alte Zeiten erinnert, die er eigentlich tief in seinem Gedächtnis vergraben hatte. Jetzt keimte das ganze einfach wieder auf.
Rowan schluckte kurz hart, ehe sein Lächeln verblasste und er zusammen mit Jacky hinunter zum Denkarium beugte, um mit seinem Kopf dort einzutauchen und dann gänzlich darin zu verschwinden.
Schwarzer Rauch quoll die ersten Momente nur um die beiden herum, wirr und undurchdringlich, sodass sie erst nicht erkennen konnten, dann lichtete sich alles allmählich und der Rauch bildete langsam Formen und Gestalten.
Sie befanden sich auf einem Friedhof. Einsame Grabsteine, die niemand mehr beachtete und die überwuchert waren von wilden Pflanzen säumten den Weg auf dem sie standen. Der Himmel über ihnen war strahlend hell, die Sonne schien und wie gedämpft konnte man im Hintergrund Vögel singen hören. Es war alles so idyllisch, dass man fast vergaß, dass man sich auf einem Friedhof befand.
Einige Meter vor ihnen standen nur drei Personen vor einem reichlich, fast schon üppig geschmückten Grab, dessen Blumen leicht im Sommerwind wippten, zusammen mit den langen nach hinten gebundenen Haaren des Jungen, der zusammen mit einer alten Frau und dem Pfarrer davor stand.
Kurz wandte er sein Gesicht um und sah hinüber zu Rowan und Jack, als ob er sie gesehen hätte, doch dann sah er wieder auf das Grab hinunter und schluckte hart. Einige Tränen rollten stumm über sein Gesicht, ehe die Frau ihre Hand auf seine Schulter legte und ihm etwas Beruhigendes zu sprach.
„Das ist Jaque, vor dem Grab seines Zwillingsbruders“, murmelte Rowan schließlich zu Jack und sah ihn kurz an, musterte seine Reaktion, ehe er wieder hinüber zum Schauspiel sah.
„Seine Eltern sind nicht da, weil sie geschäftlich etwas zu tun haben. Sie beide sind Angestellte im Ministerium, gut befreundet mit der Familie Crouch.“
 
ARGH TEXT VON KATTI FEHLT D:
 
„Hab geduld. Wenn es einfach zu erklären wäre, hätte ich dich wohl kaum hier her gebracht oder?“, Rowan lächelte kurz schwach, sodass man seine Zahnlücke einen Moment lang aufblitzen sehen konnte, bevor er wieder seinen Mund schloss und zusah wie sich die Umgebung wieder in Rauch auflöste und sich veränderte.
Der Friedhof war verschwunden. Anders als zuvor, war es nun ziemlich dunkel, sodass sich Rowans Augen zuerst an das dämmrige Licht Zimmers gewöhnen mussten, in dem alle Vorhänge zugezogen waren und nur ein alter Kronleuchter an der decke flackernd den Raum mit Helligkeit versorgte.
Darunter befand sich ein großer Schreibtisch, an dem jemand saß. Albus Dumbledore. Neben dem alten Zauberer befanden sich noch andere Hexen und Magier, die allerdings eher mit sich selbst beschäftigt waren, als mit Jaque, der nun vor Dumbledore stand.
„Sie haben meinen Bruder getötet“, ertönte die Stimme des jungen Mannes. Er klang bitter und um Jahre gealtert, obwohl die Szene vielleicht nur ein paar Stunden nach der Beerdigung stattfand, die sie gerade gesehen hatten. Er trug noch den schwarzen Anzug von vorhin.
„Mr. Gardien“, fing Dumbledore langsam an und sah ihn dabei mit stechenden Augen an, die allerdings nicht mit Wut oder Zorn erfüllt waren, sondern mit tiefer Geduld. „Ich weiß, dass sie sich Rache wünschen für das, was die Todesser ihrem Bruder angetan haben, doch sie sind erst 16. Sie können nicht dem Orden des Phönix beitreten. Dieser Krieg…“, er seufzte kurz und rang nach Worten. Dass Dumbledore jemals sprachlos war, hatten wohl noch nicht so viele Leute gesehen, denn ein älterer Zauberer hinter ihm blinzelte kurz verwirrt und legte seine Hand auf die Schulter des Professors.
„Albus, alles in Ordnung?“ Seine raue Stimme klang trotz seiner groben Bewegungen und des harschen Gesichtsausdrucks sanft und besorgt, sodass Dumbledore ihn kurz anlächelte und nickte.
„Alles in Ordnung, Alastor, vielen Dank… nun was ich sagen wollte… Dieser Krieg ist nichts für Kinder, Mr. Gardien. Ich denke sie werden sich damit abfinden müssen. Es ist zu ihrem eigenen Wohl.“
Jaque schwieg, doch seine Hände zitterten, als er sie zu Fäusten ballte und seine Lippen vor Wut aufeinander presste. Er sah Dumbledore mit einem bettelnden Blick an von dem sogar Rowan kurz zurück schreckte. So hatte er Jaque noch nie erlebt und auch wenn er die Erinnerung schon kannte, packte ihn sein Gesichtsausdruck immer wieder.
 
Gut, dann würde Jack ihm eben noch Zeit lassen. Er war gespannt, was nun kommen würde. Als sich auf einmal wieder alles in dunkle Schatten hüllte und eine neue Szenerie entstand. Sie waren in einem recht dunklen Raum und diesmal stand Jaque vor Dumbledore. Als die beiden redeten, viel Jack fast die Kinnlade herunter. Der Todesser wollte eigentlich dem Orden beitreten? Gut, dass hatte er nicht erwartet. Aber wie konnte einer, dessen Bruder von Todessern getötet worden war, selbst einer werden? Jack wusste wovon er redete und deshalb machte ihn das ganze ziemlich neugierig, wenn er ehrlich war.
Auch empfand er soetwas wie Mitleid für den jungen Jaque, wie er da stand und Dumbledore regelrecht anbettelte, ihn aufzunehmen. Auch Jack hätte lieber zum Orden gehört, doch er wusste, dass das kaum möglich war, nachdem er zwei Menschen getötet hatte.
Der alte Mann, der sich als Roels Vater aufspielte, schien ihm ähnlicher zu sein, als er dachte. Doch nein, Jack schüttelte den Kopf. Er war ihm nicht ähnlich. Schlussendlich war er der Organisation beigetreten, die seinen eigenen Bruder getötet hatte. Soetwas hätte Jack nie getan und Jaque war vielleicht früher in Ordnung gewesen, aber jetzt.... jetzt war er genauso heruntergekommen, wie der Rest dieser Reinblüter – Gesellschaft.
Auf einmal spürte Jack ein Zucken, das von Rowan ausging und er sah zu ihm. Anscheinend schien es den Größeren ziemlich mitzunehmen, was sie gerade zu sehen bekamen. War er nun auch diesem Todesser – Arsch verfallen? Eine leichte Wut kochte in Jack hoch. Jaque hatte ihm damals Roel weggenommen und sie in Abschaum verwandelt. Vielleicht war es bei Rowan mittlerweile auch schon so weit. Schließlich war Rowan das letzte Mal als sie über Jaque geredet hatten, noch nicht gerade begeistert gewesen und hatte er nicht sogar erwähnt, dass Jaque ihn mehrere Male mit dem Cruciatus belegt hätte? Jack saufzte. Vielleicht waren sie jetzt auch alle verrückt geworden.
 
Rowan schloss langsam die Augen und atmete langsam, kontrolliert aus. Er musste sich beruhigen. Diese ganzen Erinnerungen und Jack an seiner Seite, das war im Moment ziemlich viel für ihn. Nach Monaten der Einsamkeit, nach Monaten von dunklen Gedanken und schrecklichen Taten.
Sein Herz pochte hart gegen seine Brust und er hielt Jacks Hand einen Moment lang fester, drückte diese ganz leicht, als ein junger Mann ins den Raum getreten kam, der Rowan fast zum verwechseln ähnlich sah. Frank Salem. Er trug eine runde Brille, die etwas schmutzig war und auf einem Glas einen Fleck Blut kleben hatte, den er jetzt versuchte mit dem Zipfel seines Umhangs wegzuwischen, während er sich vor Jaque stellte und zu Dumbledore sah.
Er warf ihm etwas hin, eine Pergamentrolle wie es schien und nickte dann nur kurz schweigend, bevor Dumbledore ihn aufhielt: „Frank, bring doch bitte Mr. Gardien zurück ins Ministerium, wo wir ihn aufgegabelt haben. Er wäre besser für ihn, wenn er nicht selbst aus dem Orden finden würde und dann wüsste, wo er sich gerade aufhält.“ Das gewohnt gütige Lächeln des Zauberers strahlte kurz auf, ehe dieser dann ebenfalls aufstand und schon hinaus gehen wollte, gefolgt von einigen anderen der Anwesenden, bevor etwas auf dem Boden zerschellte.
Vor Jaques Füßen lag eine kaputte Vase, die der Junge wohl in Rage umgeworfen hatte. Er starrte wütend hinüber zu Dumbledore und quetschte sich an Frank vorbei, den er nur kurz beachtete und schrie den Professor voller Zorn an.
„Ich kann kämpfen! Sie verstehen nicht, was sie mir genommen haben!“, er atmete schwer und schluckte dann, er schien mit den Tränen zu kämpfen. „Er war mein ZWILLING verdammt!“ Wieder eine kurze Pause, Jaques Miene wurde weicher und fast ausdruckslos. „Es ist so als ob sie einen Teil von mir ebenfalls getötet hätten. Ich will dem Orden helfen-„
„Geh nach Hause, Kleiner… komm ich bring dich raus“, Frank hatte Jaque noch nicht einmal ausreden lassen, ehe er dessen Kragen packte und mit ihm disapparierte.
Danach wurde wieder alles in Rauch getaucht. Dumbledore und die anderen Ordensmitglieder verschwanden und ließen einen Moment lang nur Rowan und Jack zurück, die darauf warteten, dass sich der Rauch in neue Formen zwang.
 
Jack sah aus dem Augenwinkel, dass es Rowan wirklich mitnahm. Dann, als alles wieder schärfer wurde und der Mann hereinkam, den Jack vorhin schon als Roels und Rowans Vater identifiziert hatte, drückte er auf einmal seine Hand. Und Jack bemerkte, dass es für ihn wohl auch nicht einfach war seinen Vater zu sehen, der wahrscheinlich schon lange tot war. Wie aus Reflex drückte Jack Rowans Hand nun selbst fester. Denn er hatte gerade bemerkt, dass er nicht der einzige hier war, der sich einsam fühlte.
Jack konnte nicht umhin zu bemerken, wie ähnlich sich Vater und Sohn waren. Hier, wenn beide so vor einem standen war es noch viel auffälliger.
Als der Mann Jaque aus dem Raum ziehen wollte, bekam dieser einen regelrechten Ausbruch und Jack konnte ihn verstehen. Er bemerkte, wie seine eigene Trauer um Sammy wieder hochkam. Denn auch wenn er die letzte Zeit alles darangesetzt hatte, diese zu unterdrücken, sie war nicht weg. Wahrscheinlich würde sie das nie sein. Er ballte seine freie Hand zu einer Faust. Genauso war es. Es fühlte sich an, als ob ein Teil von ihm gestorben war. Mit geweiteten Augen betrachtete er dieses Schauspiel, das genau das darstellte, was er selbst im Augenblick fühlte. Und erst, als der Vorhang sich schloss und es wieder ruhig um sie wurde, bemerkte er, dass er Rowans Hand viel zu fest drückte und Tränen in seinen Augen standen.
 
Der Qualm rauschte um die beiden herum, zwischen ihnen hindurch und über sie hinweg, ehe er wieder eine andere Gestalt annahm.
Dieses Mal war es ein großzügiger sehr grüner Garten, der sich hinter einer herrschaftlich großen Villa befand. Das Haus schien alt und war in dunklen Tönen gestrichen, sodass es zwar luxuriös, aber ungemütlich aussah und einen bedrückenden Schatten auf den wunderschönen Garten warf, der voller Blumen war, auf die die Sonne hinunter schien.
Die Wiese, auf der sie standen war voller Menschen, alle in teurer Kleidung am Körper und jeweils einem Glas Champagner in der Hand.
Es schien gerade eine Gartenparty statt zu finden, mit den höchsten Tieren, die das Ministerium zu bieten hatte. Ein junger Cornelius Fudge, der mit seinem Vorgesetzten plauderte. Der alte Premierminister und Armando Dippet, ein ehemaliger Schulleiter von Hogwarts. Es waren so viele bekannte Gesichter anwesend, dass auch Rowan kurz nicht wusste, wo er zuerst hinsehen sollte.
Indes bemerkte er, dass seine Hand immer noch von der Jackys umklammert wurde und lächelte diesen dafür nur leicht an. Er wollte ihn jetzt nicht abschütteln, nicht nachdem was er ihm angetan hatte. Auch wenn Jack Donahue inzwischen ein Verbrecher in seinen Augen war, konnte er sich ihm einfach nicht entziehen. Nur jetzt wollte er wenigstens seine Berührung spüren, bevor die Erinnerung endete und er im Haus wieder auf eine rein geschäftliche Beziehung bestehen musste. Immerhin war es auch viel sicherer, wenn sie sich an den Händen hielten, dann könnte Jack nicht umkippen oder so… Rowan war mit seinen eigenen Gedanken nicht wirklich zufrieden, also sah er sich wieder die Umgebung an, in der sie gelandet waren.
In dem Moment, wo er wieder aufsah, kam auch schon Frank ihnen entgegen und wanderte direkt durch sie hindurch, als ob sie nur Geister wären. Natürlich waren sie in dieser Erinnerung nicht real, dennoch war es ein seltsames und verstörendes Gefühl.
Rowan wandte sich um und folgte zusammen mit Jack seinem Vater, ehe sie am Rand der Party wieder auf ihn stießen, wie er sein Glas fallen ließ und auf zwei Gestalten starrte.
Barty Crouch Jr. stand zusammen mit Jaque Gardien in einer verborgenen Ecke des Gartens, direkt hinter einer großgewachsenen Hecke, die die Ereignisse vor den anderen Gästen verbarg. Crouch, selbst wohl erst so alt wie Jaque, hatte gerade den Ärmel seines linken Armes hinauf gekrempelt und hielt Jaque schweigend sein dunkles Mal entgegen.
Er wandte sich um und nickte Frank grinsend zu, ehe er anfing zu sprechen. Seine Stimme klang freundlich und weich, dennoch schien etwas Glattes darin zu liegen, sodass einem sein schottischer Akzent einem Gänsehaut bereitete.
„Wir haben einen neuen Anwärter, Frank. Er möchte einer von uns werden.“ Der junge Mann zog den Stoff wieder über seinen Arm, ehe er dann jenen über Jaques Schulter legte, der Frank nur mit einem kühlen Blick ansah, so als ob sie sich noch in im Leben begegnet wären. „Ihr kennt euch noch nicht oder?“, sagte Barty schließlich noch einmal und ließ von Jaque ab, zündete sich gemütlich eine Zigarette an, wedelte danach das Streichholz aus, das er benutzt hatte und warf es weg, sodass es direkt durch Jackys Brust durchflog.
„Nein, noch nie gesehen. Woher kennst du ihn?“, log Frank und hob fragend seine Brauen. Er hatte inzwischen sein Glas wieder aufgehoben und sah noch leicht verärgert zu dem verschütteten Wein, der langsam im Erdreich versank, ehe er wieder aufsah.
„Barty und ich sind Freunde. Schon seit wir denken können“, antwortete Jaque stattdessen und schmunzelte leicht. Man sah ihm einen Augenblick lang an, dass eine Bitterkeit in seinen Worten steckte, die der junge Crouch allerdings nicht zu bemerken schien.
 
Während der Rauch sie wieder umhüllte, nutzte Jack die Gelegenheit und wischte sich über die Augen. Er musste sich beruhigen. Dies hier war kein Ort um im Selbstmitleid zu versinken.
Wo zur Hölle war die Mauer, die er so lange aufgebaut hatte? Nur weil Rowan wieder da war hieß das nicht, dass er wieder dieses Weichei werden musste. Er sollte langsam gelernt haben, sich zusammen zu reißen. Schließlich hatten sie es ihm lange genug eingebläut.
Der Rauch verzog sich und Jack sah sich um. Lauter mehr oder weniger bekannte Leute standen um ihn herum. Bei ein paar von ihnen wusste er, dass es Todesser waren. Und bei ein paar dass sie Voldemorts Rückkehr leugneten.
Auch Pius konnte er im Gedränge erkennen. Er war wohl immer schon arrogant und gefühlskalt gewesen. Mistkerl!
Sein Blick streifte Rowan, der ihn kurz anlächelte. Jack erwiderte sein Lächeln nicht. Er musste sich abgewöhnen, auf ihre Maschen hereinzufallen. Schließlich konnte er es sich eigentlich nicht erlauben, ihn zu mögen. Auch wenn er es vielleicht lieber anders gehabt hätte.
So langsam fragte er sich schon, was er hier tat, als Rowans Vater durch ihn hindurch rannte und sie ihm folgten. Endlich tauchten ein paar Todesser auf. Auch wenn er sich mittlerweile recht sicher war, dass das hier nicht viel an der Situation ändern würde, sah er zu. Schließlich würde er Pius später davon berichten können. Und vielleicht konnte er mit dieser Information Sel freikaufen, wo auch immer sie sie hingesteckt hatten.
Jack grinste kurz. Jetzt war der Alte doch den Todessern beigetreten. Daran konnte man schon sehen, dass er keinen Charakter hatte. Jack hatte Recht gehabt. Sie waren doch nur Mörder.
 
„Jap, Sandkastenfreunde. Ich meine, damals konnte es sich ja Vater nicht entgehen lassen sich mit dem Minister des französischen Ministeriums anzufreunden. Dachte wohl der ganze Glanz und der Ruhm färbt auf ihn ab“, kurz lachte der junge Todesser kehlig, ehe er wieder an seiner Zigarette zog. Barty war jung, wohl ebenfalls erst um die 17, doch man sah ihm an, dass er weitaus mehr Lebenserfahrung hatte, als die meisten in seinem Alter. Das hatte allerdings wohl der Krieg zu verschulden, der schon so lange im Gange war.
Jaque hingegen schien inzwischen etwas verloren, sah immer wieder Frank mit einem scharfen Blick an, als ob er ihn gleich aufspießen würde, ballte seine Hände abermals zu Fäusten, ehe er sich zu Barty wandte, der ihm zuzwinkerte, ehe er sich dann wieder in Richtung Party zu begeben schien.
„Ich wünsch euch noch viel Spaß, ihr zwei Turteltäubchen… aber ich denke es wird mal wieder Zeit, dem Zaubereiminister auf die Nerven zu gehen. Wer weiß wozu ich die Beziehungen hier noch gebrauchen kann, was?“ Schmunzelnd schritt er weg, nachdem er Frank mit einem kurzen Nicken verabschiedet hatte und verschwand hinter der Hecke wieder aus dem Sichtfeld.
Rowan sah zu wie sein Vater langsam auf Jaque zuging, aber schwieg, bis er sich sicher war, dass Crouch nicht mehr in Hörweite sein konnte. Erst als von einigen hundert Metern weg sein kehliges Lachen zu hören war, öffnete er seinen Mund.
„Was suchst du hier, Gardien-„
„Ach das gleiche könnte ich dich fragen! Was bist du? Ein Spion? Oder treibst du einfach nur ein doppeltes Spiel?“, zischte Jaque und starrte Frank wütend an. In seinem Blick lag auch etwas Ekel, wie er ihn musterte, als ob er den schrecklichsten Menschen auf der Welt vor sich hatte.
Rowan hingegen schnaubte kurz und schmunzelte dann belustigt. „Wenn der wüsste“, murmelte er nur und dachte dabei an die alten Fotos, die bei ihnen im Gang hingen. Frank und Jaque bei der Hochzeit seiner Eltern, Frank und Jaque bei Roels Geburt, bei einem seiner Geburtstage als er noch ein Kind war. Die beiden Männer waren die besten Freunde. Nur das wussten sie jetzt noch nicht.
„Okay, ich... ha – wie sag ich das jetzt? Du hast mich bei Dumbledore gesehen? Ich kam gerade von einem Auftrag für den Orden. Ich bin ein Ordensmitglied und nichts anderes. Wir schicken schon seit Anfang dieses bescheuerten Krieges immer wieder Spione in die Reihen von Du-weißt-schon-wem.“ Frank sah den Jüngeren scharf an und grinste dann sarkastisch, wobei eine markante Zahnlücke entblößt wurde, die Rowan jetzt sein eigen nannte. Kurz fuhr der junge Zauberer neben Jack mit der Zunge über seine Schneidezähne und hob die Brauen, bevor er sich wieder dem Geschehen widmete.
„Und das soll ich dir glauben?“ Jaque hatte sicherlich berechtigte Zweifel und dennoch wirkte er nach der Erklärung von Rowans Vater wesentlich gelassener.
„Ich sehe schon, was du hier treibst. Du willst dich einschleichen, um den Todesser zu finden, der deinen Bruder auf dem Gewissen hat, nicht wahr?“
Jaque nickte auf die Frage Franks hin und sah ihn dabei aber immer noch misstrauisch an.
„Gut. In Ordnung. Wenn du schön deinen Mund hältst und deinem kleinen Kumpel hier nichts von der ganzen Spionsache erzählst“, er nickte hinüber in die Richtung, in die er Barty vermutete. „Dann kann ich dir versprechen dich in den Orden zu bringen. Als Spion.“ 
 
Jetzt war Jack verwirrt. Sie waren im Orden? Aber warum war Jaque dann noch dabei? Hatte er den Kerl nicht gefunden? Oder war er einfach ein Spion geblieben? Vielleicht war er schlussendlich doch eingeknickt. Jack war sich nicht sicher. Aber er würde es wohl bald erfahren. Einfach nur abwarten.
Langsam sehnte er sich nach einer Zigarette. Es war heute doch etwas viel gewesen. Und wenn er Sel noch helfen wollte, sollte er jetzt bald einmal etwas erfahren, dass sich nicht um Ordensmitglieder drehte, sondern um einfache Todesser. Vielleicht Spione im Ministerium. Was auch immer Pius interessierte. Da war er ja nicht gerade spezifisch gewesen.
Jack seufzte. Vor allem aufgrund der Tatsache, dass ihm schon der Gedanke an Rowans Zahlücke wohlige Schauer über den Rücken laufen lies. Wie zur Hölle war er nur in so eine vertrackte Situation gekommen? Bis vor kurzem war doch noch alles recht in Ordnung gewesen. Gut, ziemlich beschissen, aber er wusste was er zu tun hatte.
Und diese Menschen hier, die er verraten sollte, waren ihm einmal sehr wichtig gewesen. Gut, für Sel würde er das auf sich nehmen, aber eigentlich war er einfach nur müde.
 
Einen Moment lang konnten sie die zwei jetzigen Rivalen betrachten, wie sie sich gegenseitig misstrauische Blicke zuwarfen, ehe die Szenerie sich wieder veränderte und Rowan die Chance hatte sich auf Jack zu konzentrieren.
Wie es ihm wohl dabei ging, diese ganzen Dinge zu beobachten? Als er selbst die Erinnerungen zum ersten Mal gesehen hatte, war niemand dabei gewesen. Er war in Jaques Büro eingebrochen, in der Hoffnung irgendetwas Brauchbares zu finden, dass er hätte verkaufen können. Ans Ministerium oder sogar an den Orden, wer wusste das schon… Eigentlich war Rowan vor dem abermaligen Zusammentreffen mit Jaque und Roel nur ein kleiner Tagelöhner gewesen, nicht viel mehr als ein neutraler Greifer. Ob die Situation sich jetzt verbessert hatte seitdem er mit seiner Schwester zusammen arbeitete, wusste er im Moment noch nicht, doch Jack war bei ihm. War das nicht schon eine Verbesserung?
Er betrachtete den Jüngeren genau und musterte ihn Aufmerksam. So viel Hass in seinen Augen, wenn er die beiden vermeintlichen Todessern ansah, das brachte Rowan zum Nachdenken. Was war aus seinem kleinen Jacky geworden? Dem Energiebündel, dass sich immer so gerne mit jedem zoffte? Dem, dem er niemals zugetraut hätte einer der Phönixe zu werden.
Rowan wandte sich wieder ab und ließ Jacks Hand schließlich los. Vielleicht war es besser so, immerhin ging es hier nicht um ihre Beziehung. Es ging um Krieg. Menschen könnten sterben, wenn er Jack nicht dazu brachte, bei ihm zu bleiben, dass er ein Auge auf ihn hatte. Es stand so vieles auf dem Spiel, von dem er gar nichts wusste.
Seufzend widmete er sich schließlich wieder dem Geschehen, dass sich nun abbildete.
Sie hatten den Ort abermals gewechselt. Sie waren im Hauptquartier des Ordens, der sich nun im Haus der Black eingerichtet hatte. Dunkle enge Gänge waren eingetaucht in gedämmtes Licht, das vom Staub verschluckt wurde, der durch die Luft segelte.
Der Raum, in dem sie sich befanden war die Bibliothek des Hauses, an der Frank auf einem Sessel saß und sein Gesicht in seinen Händen vergraben hatte. Er schien zu weinen.
In der Ecke legte gerade ein junger Snape einen um einige Jahre gealterten Jaque auf ein nahes Sofa, um ihn zu verarzten. An Jaques Arm fehlten Stücke der Haut. Schnittwunden zogen sich über seine Arme und sein Brust, sowie eine große über sein Gesicht. Sie schienen aus einem heftigen Kampf zurück gekommen zu sein und sowie Snape immer wieder hinüber zu Frank starrte, schien es seine Schuld gewesen zu sein.
Schließlich keuchte Frank noch einmal, bevor er seine Hände an seinem Kinn hinunter gleiten und in seinen Schoß fallen ließ, wo sie nutzlos herum baumelten.
„Wir wären fast aufgeflogen, Salem“, zischte der schwarzhaarige Zauberer, während er den geschwächten Jaque mit seinem Zauberstab pflegte und seine Wunden heilen ließ. „Weil du deine Klappe nicht halten konntest und Crouch eine reinhauen-„
„WAS HÄTTEST DU GETAN?! Er hätte fast heraus gefunden, wo das Hauptquartier ist, verdammt!“ Frank war aufgestanden und trat einmal kräftig gegen eine nahe Kommode, die heftig wackelte und aussah, als ob sie gleich auseinander brechen würde. „Er wusste von Rose und meinen Kindern, Severus! Wie konnte er? Sie sind versteckt, verfickte Scheiße!“, zischte er weiterhin zu ihm zurück und ging auf ihn zu.
Snape schluckte kurz, hüllte sich dann in eisiges Schweigen, während er schließlich aufstand, als der Zauberer vor ihm geheilt zu sein schien. Jaque stöhnte indes kurz auf und versuchte sich aufzusetzen, was ihm aber nicht wirklich gelang.
„Raus. Ich verbanne dich des Ordens“, knurrte Snape schließlich und sah Frank mit einem kalten Ausdruck in den Augen an, den so manchen zum rennen gebracht hätte.
Frank sah ihn kurz fassungslos an, ehe er dann seinen Mund öffnete um Widerworte zu geben.
„Mich rausschmeißen? Warum? Du bist nicht Dumbledore, Snape!“
„Jedes Ordensmitglied hat das Recht einen Verräter zu verbannen.“
Wieder fehlten Frank die Worte.
„Verräter? Was-“
„Woher sollte Crouch sonst wissen, dass die Auroren ihm eine Falle stellen wollten?“
 
Jack bemerkte erst, dass Rowan ihn angesehen hatte, als der seine Hand losließ. Es versetzte ihm einen kleinen Stich, aber es war besser so. Er durfte nicht irgendwelche überschüssigen Hormone vor Sels Schicksal stellen. Also steckte er seine Hand in die Tasche, damit niemand mehr nach ihr greifen konnte.
Die Erinnerung führte sie nun in ein recht abgedunkeltes Haus. Der ziemlich übel zugerichtete Jaque gab Jack ein wenig Genugtuung. Egal was sie mit seinem Bruder gemacht hatten, er hatte ihm trotzdem Roel weggenommen. Und wer wusste schon, wie es gelaufen wäre, wenn dieser eine Punkt anders gelaufen wäre. Vielleicht wäre Sam noch am Leben und vielleicht hätte er mittlerweile einen Abschluss und würde im Orden kämpfen. Und es würde nicht das Blut von so vielen Menschen an seinen Händen kleben, dass ihn selbst im Traum die glanzlosen Augen verfolgten. Nein, wenn Jaque litt, hielt sich Jacks Mitleid in Grenzen.
Er betrachtete das ganze nun genauer. Snape schien immer wieder vorwurfsvoll zu Frank zu blicken. Anscheinend hatte dieser es vermasselt. Ja gut, wenn er Rowans Vater war, konnte er sich das vorstellen. Wenn man immer alles zu leicht nahm, konnte natürlich viel schief gehen. Der nächste Satz brachte Jack kurz aus der Fassung. Sie befanden sich im Hauptquartier des Ordens? Er sah sich um.
Hier also arbeiteten diese Leute, die tatsächlich einmal etwas erreicht hatten. Die sich nicht irgendeinem machthungrigen Sklaventreiber unterworfen hatten, weil man ihnen falsche Versprechungen gemacht hatte. Nein, hier ging es wirklich um den Sturz von Voldemort. Aber wie auch immer, Jack würde wahrscheinlich niemals hier arbeiten. Das hatte er sich gründlich versaut.
Er hörte den beiden weiter zu und musste zu seinem erstaunen sogar Frank recht geben. Wenn er die Entscheidung hätte, ob er auffliegen oder das Hauptquartier preisgeben wollte, dann hätte er sich auch fürs auffliegen entschieden.
Und auch der nächste Satz brachte ihn etwas durcheinander. Er wusste von seinen Kindern? So also hatte Voldemort von Roel erfahren. Jack sah schnell zu Rowan. Der schien einfach nur der Szene zu folgen, doch Jack schockte das. Sie waren versteckt gewesen. Darum war Roels Mutter so durchgedreht. Sie wusste nichts davon, dass ihr Mann ein Zauberer war. Und das alles war nicht passiert um den Kindern zu schaden, sondern nur um sie zu beschützen. Wer ging auch schon davon aus, dass die eigene Mutter, ihren Kindern soetwas antun würde? Naja, außer man kannte es nicht anders. Jack war Frank nun beinahe sympathisch. Auch wenn er sich das ganze immer noch recht kalt von außen betrachtete, schien er den Mann doch vollkommen falsch eingeschätzt zu haben. Vielleicht war wenigstens er kein Untreuer Kindesentführer wie Jaque geworden.
Gerade in diesem Moment, als Jack alles umwarf, was er über Frank gedacht hatte, kam Snape zu Wort und nun war Jack wieder aus dem Konzept gebracht. Frank war also doch ein Verräter. Jacks Augen verengten sich zu Schlitzen. War ja klar. Jack lies ein abfälliges Schnauben hören und bevor er darüber nachdachte, wer da neben ihm stand, murmelte er verächtlich: „Toll gemacht, Verräter! Wärst du bei der richtigen Seite geblieben, wäre deine Frau vielleicht auch keine verrückte Furie geblieben.“
 
In diesem Moment sah Rowan rot. Seine Hände hatten sich schon während des Gesprächs der beiden Zauberer vor ihnen zu Fäusten geballt, doch jetzt packte er Jack mit seiner rechten Hand am Kragen und zog ihn bedrohlich zu sich her. Jedem anderen hätte er wohl eine reingehauen, doch ihm nicht, nein … das konnte er nicht.
„Sprich niemals mehr so von meinem Vater und meiner Mutter, verstanden?“, zischte er ihn an und sah ihn mit Wut erfüllten Augen an, ehe er ihn wieder losließ und dabei noch kurz musterte. „Du hast keine Ahnung, Jack Donahue. Meine Mutter ist nicht verrückt geworden wegen meinem Vater…“ Rowan fuhr nicht fort, was er angefangen hatte und verfiel in schweigen. In seinem Gesicht konnte man ablesen, dass ihn das was Jack gesagt hatte tief getroffen hatte, sodass er sich schweigend wieder der Szenerie zuwandte.
Frank wurde inzwischen von Madeye Moody und Snape hinaus getragen, Jaque stolperte ihnen hinterher und protestierte mit heiserer, mitgenommener Stimme, doch sie hörten nicht auf ihn, sodass er allein in der Bibliothek stehen blieb, bis sich der Rauch wieder begann aufzuwirbeln.
Immer noch schwieg Rowan und sah dann aus den Augenwinkeln zu Jack. „Du bist von Hass verfressen, Jack“, murmelte er, bevor er bemerkte wo sie waren. Die alte Wohnung. In dem alten Häuserblock am Rande Londons. Dort, wo seine Mutter gestorben war, als er nicht da sein konnte. Als sie ihn schon weggeschickt hatte und Roel hatte leiden müssen. Dort, wo sie auch Jack kennen gelernt hatte.
 
Jack sah sich Rowans Reaktion mit einem Grinsen an. Pfft, sollte der Kerl doch glauben was er wollte. Er selbst war sich bewusst geworden, dass seine Eltern es nicht einmal verdient hatten, zu leben. Wenn Rowan nicht stark genug war, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen, war das sein Problem. „Wenn du meinst...“, fügte er nur belustigt hinzu.
Er beobachtete den jungen Zauberer weiter aus dem Augenwinkel und er merkte, dass er ihn verletzt hatte. Und irgendetwas wollte ihn dazu zwingen, sich zu entschuldigen. Doch soetwas durfte er nicht aufkommen lassen. Er war weg von diesem Pack. Spätestens, als sie nicht einmal mehr vor Sammy halt gemacht hatten. Auch wenn sie nicht direkt involviert waren... Sonst hätte er sie wahrscheinlich ohne mit der Wimper zu zucken getötet. So konnte er sie wenigstens als sehr dumme Menschen akzeptieren.
Jack dachte schon, Rowan wäre fertig und sah zurück zu Jaque, Frank und Snape als dieser doch nochmal etwas sagte. Er drehte sich zu Rowan und sagte eisig: „Wenn jemand Roel in den Tod treiben und du ihre Überreste von den Schienen kratzen dürftest, wärst du es nicht?“
Als er sich umsah, wusste er sofort wo sie waren und es schauderte ihn. Die alte Wohnung in der Roel allein hatte so viel erleiden müssen. Hier war der erste Schritt getan worden, um sie zu dem zu machen, was sie heute war. Und mit dem vollen Wissen, wie sehr er sein Gegenüber treffen würde fügte er voll Hass hinzu: „Ach stimmt, ich hab's fast vergessen. Roel war dir die meiste Zeit ihres Lebens ja scheißegal!“
 
Rowans Faust landete direkt auf Jacks rechte Wange, fast schon präzise hatte er sein Ziel erfasst, nachdem Jack seinen letzten Satz ausgespuckt hatte. Er warf den Jüngeren zu Boden, direkt auf das dunkle Holz, das von Blut von Staub verunreinigt worden war und packte ihm am Kragen, zwang ihn mit Gewalt dort hin, wo er ihn haben wollte. Mit nur wenigen großen Schritten waren sie in der Wohnung angekommen, in der schon einige Leute standen.
„Sieh es dir an, Donahue oder ich schwöre dir ich foltere dich solange wie die Todesser es mit meiner Mutter getan haben!“ Seine Stimme wurde laut, er packte Jacks Kinn und drehte seinen Kopf grob in die Richtung des großen Mannes, der direkt in der Mitte des Raumes vor
der Leiche von Rosemary Salem stand. Voldemort.
Es war der Voldemort vor dem Zwischenfall in Godrics Hollow. Er hatte schwarzes Haar, das ihm kräftig und voll in die Stirn fiel, seine Gesichtszüge waren noch nicht von seiner Rückkehr vor ein paar Jahren zerstört worden und er wirkte fast schon wie ein normaler Mensch. Abgesehen von seinem Blick. Kalte rote Augen lagen auf dem wimmernden Mädchen, dass am Fuße des dunklen Lords saß, mit dem großen Küchenmesser in der Hand, mit der ihre Mutter sie vorhin noch hatte umbringen wollen.
„Sie hatte wieder einer ihrer Anfälle. Es war Zufall gewesen, dass die Todesser auf der Suche nach Frank auf sie gestoßen sind…“, murmelte Rowan, selbst gebannt von dem Geschehen.
Todesser hatten sich um Roel und Voldemort versammelt, die meisten trugen ihre Masken auf den Gesichtern, sicherlich zu feige, um zu zugeben, dass sie nicht erkannt werden wollten, doch viele waren auch unmaskiert.
Jaque Gardien war einer von ihnen, ihm gegenüber stand Crouch, der amüsiert grinsend hinüber zu seinem Lord sah, die Augen dabei allerdings unter dessen eiskalten Blick, wohl aus Ehrfurcht und Angst. Jaque hingegen sah den Lord direkt an. Er hatte seine Hände vor seinem Körper zusammen genommen, fast schon so als ob er an einem Grab stehen würde und sah dann auf Roel hinab. Rowan bemerkte, dass Jaques Hand, in der sein Zauberstab lag, leicht zitterte. Wenn er sich nicht beherrschen würde, würde er noch versuchen alle in der kleinen Wohnung zu verfluchen.
Endlich sprach Voldemort mit einem eiskalten Lächeln, als er sich langsam zu Roel hinunter beugte, die ihn mit Tränen in den Augen ansah.
„Wo ist dein Vater?“ Die Stimme veranlasste Rowans Nackenhaare sich aufzurichten und jagte ihm einen kalten Schauer durch Mark und Bein. Dieser Mann war gefährlich, ungeachtet dessen ob das äußere eines gutaussehenden Mannes etwas anderes vermuten ließen.
„… ich- Ich weiß nicht, aber aber…“, Roel schluchzte und warf das Messer weiter von sich weg, als ob es sie gebissen hätte. „Hört sie jetzt auf mir weh zu tun?“
Der dunkle Lord nickte. „Wo ist Frank Salem?“
Roel antwortete nicht, sah ihn nur ängstlich an. Einer der maskierten Todesser gab dem Mädchen eine Backpfeife. Das musste Wurmschwanz sein, wenn er nicht seinen Zauberstab benutzte.
„Bartemius?“ Seine Stimme klang wohlwollend und der Todesser nickte leicht schmunzelnd.
„Töte das kleine Miststück-„
„NEIN!“
Es war Jaque der dazwischen gegangen war und sich nun vor seinen Lord und dem kleinen Mädchen stellte. 
 
Gut damit hätte er rechnen müssen. Trotzdem kam der Schlag für Jack unerwartet. Seine ganze Ausbildung hatte hier nichts gebracht. Außerdem war da immer noch diese Stimme, die ihm einredete, dass er es verdient hatte. Er lag am Boden und sah neben sich die Blutflecken. Blutflecken... Vogelgezwitscher... ein Schrei...eine Faust.... der Boden.... Sammy! Wo war Sammy? Jack sah seinen Vater hasserfüllt an, bis er bemerkte, dass es nicht sein Vater war, der ihn niederdrückte, sondern Rowan. Er beruhigte sich. Auch wenn sein Puls wohl immernoch kurz unterm Kollaps lag. Noch bevor Jack auch nur halbwegs zu Atem kam, wurde er wieder hochgezerrt und weitergeschoben.
Sie kamen in der Wohnung an und Rowans wütende Worte brachten ihn dazu, diesmal in vollem Bewusstsein wer vor ihm stand, nur noch Hass zu empfinden. Und sein Blick drückte das wohl nur zu deutlich aus. Doch Rowan drückte einfach seinen Kopf weg. Und Jack sah ihn. Voldemort. Voldemort und die Tote Frau am Boden, die wohl Roels Mutter war. Jack hatte sie sich immer größer vorgestellt. Größer und bedrohlicher.
Vor Voldemort saß Roel. Die Roel, die damals gegangen war. Und sie hatte ein Messer in der Hand. Jacks gesamter Hass, der sich bis gerade eben noch auf Rowan konzentriert hatte, verdoppelte sich und bezog sich nun auf alles, was diesem kleinen Mädchen jemals wehgetan hatte. Ihre kleine, jämmerliche Stimme erfüllte den Raum und er hasste sie alle. Seine Hände ballten sich zu Fäusten und er hatte, obwohl er wusste, dass er in einer Erinnerung steckte, das starke Bedürfnis, seinen Zauberstab zu ziehen und die Kleine da rauszuholen.
Er starrte nur das Mädchen an, dass ihm damals alles bedeutet hatte und blendete den Rest völlig aus. Bis das Klatschen der Backpfeife ihn aus seiner Starre riss. Er hörte die Worte die darauf folgten. Diesen kleinen Satz. Ein Todesurteil.
Und nur einen Moment später, verzieh er Jaque alles, was dieser getan hatte.
Er drehte sich zu Rowan um und merkte, dass ihm einzelne Tränen die Wangen herabliefen. Endlich wusste er was in dieser Nacht geschehen war. Aber eines verstand er nicht. Es kam nur ein Flüstern aus seiner Kehle, aber es drückte die ganze Fassungslosigkeit aus, die er verspürte: „Wo warst du? Wo bist du gewesen, als das passiert ist? Wie konntest du das zulassen? Wie konntest du das all die Jahre zulassen? Warum hast du sie allein gelassen?“ Er spuckte ihm die Worte regelrecht entgegen. Und er wusste, dass seine Fassade zum wiederholten Male an diesem Tag Risse bekommen hatte. Aber das war zu viel. Es war einfach zu viel. Er holte aus, als wollte er auf Rowan einschlagen, doch dann lies er seine Faust sinken. „Nein, ich glaube, du bist gestraft genug.“
 
„Ihr könntet sie noch gebrauchen mein Herr“, den Satz hatte sich Jaque wohl gerade aus dem Hut gezaubert, um sich und Roel da irgendwie rauszubekommen. Es war die Tochter seines besten Freundes. Die Tochter seiner besten Freundin, die jetzt tot auf dem Boden lag, am Ende ihrer Krankheit, von der nicht mal er etwas gewusst hatte.
Sie waren verloren gegangen. Nachdem Frank den Orden verlassen hätte müssen, war er verschwunden gewesen und so wie Jaque ihn kannte, war er auf der Suche nach seiner Familie. Aber er würde zu spät kommen. Voldemort war schneller da gewesen.
„Wie kommst du darauf, Jaque?“ Die kalte Stimme Voldemorts zischte wieder durch den Raum und holte Rowan aus seiner Schockstarre heraus.
Er hatte Jack einfach nur angesehen, als ob dieser gar nicht da wäre. Ins Leere hatte er sicherlich für einige Momente gestarrt, ehe er nach Luft schnappte und die Augen für einen Augenblick schloss.
„Meine Mutter hatte mich in einem klaren Moment weggeschickt. Nach Deutschland. In eine besondere Schule. Sie wusste, dass es eine Schule für Zauberei war, doch es war ihr an diesem einen Tag egal. An dem Tag, war sie wieder wie früher, bevor sie gefoltert worden war und nicht davon besessen, dass wir nicht ihre Kinder waren, sondern Dämonen.“
Er holte wieder Luft und seine Stimme zitterte dieses Mal. „Roel sollte mitgehen, aber sie wollte bleiben. Sie einfach zu klein. Ich war 10. Sie war 7. Sie wollte uns beide in den Zug setzen, doch Roel hat nicht aufgehört sich an ihrer Mutter festzuhalten. Sie wollte nicht gehen, sie wollte einfach nicht. Und dann fuhr der Zug und ich hab gesehen, dass die Klarheit meiner Mutter vorbei war.“
Er pausierte kurz und sah hinüber zu Jaque, der vor dem dunklen Lord kniete. Seine Zähne waren fest aufeinander verbissen, seine Augen waren geöffnet, doch kalter Schweiß rann seine Schläfe hinunter. Voldemort hatte ihn sicherlich gefoltert, um zu sehen, ob er sich wirklich für das Mädchen verbürgen würde.
Schließlich fing der dunkle Lord an zulachen. Kalt und leise. Niemand wagte etwas zu sagen, Jaque schwieg, Roel wimmerte nicht einmal hinter ihm und alles löste sich wieder in Rauch auf.
„Ich konnte nicht zurück bis ich 18 war. Man ließ mich nicht“, fuhr Rowan dann noch fort und sah zu Jack hinunter. „Ich hasse mich selbst dafür, dass ich es nicht trotzdem geschafft habe zu ihr zu kommen.“
Rowan sah auf das Häufchen Elend hinab, dass einmal Jack Donahue gewesen war. Dessen Kopf an seiner Brust, ließ sein Herz höher schlagen, ob aus Aufregung, Trauer oder Wut, er wusste es nicht. Er spürte nur wie der Muskel in seiner Brust immer wieder hart gegen seine Rippen schlug und ihn leicht zittern ließ, dennoch blieb er standhaft und setzte sich nicht oder schubste Jack weg. Seine Worte kamen ihm so ehrlich vor und Ehrlichkeit war gerade das einzige was er wollte.
Die beiden Zauberer waren inzwischen wieder in dem kleinen Zimmer von Rowan angekommen, dieser blickte noch kurz hinüber zum Denkarium, indem immer noch schwarze rauchige Fäden hin und her schwebten, ehe er seine Hand vorsichtig auf den Hinterkopf von Jack legte. Er fühlte wie die weichen Haare des jungen Mannes sich zwischen seine Finger stahlen und ihn fast schon einzufangen versuchten.
Mit einem müden Gesichtsausdruck sah er schließlich zu Jack hinunter. Er lächelte nicht, er weinte nicht, er war einfach müde.
„Hast du jetzt verstanden? Warum wir Todesser sind?“ Seine Stimme brach ab und er löste sich schließlich von Jack, ging einige Schritte von ihm weg und sah kurz raus aus dem Fenster, eher er den Vorhang davor zog. Neugierige Blicke konnte er nie gebrauchen, auch wenn er sich im ersten Stock befand und es schwer werden würde, von der Straße aus etwas zu sehen. Doch man wusste ja nie…
„Der Orden hat sich schon so lange gegen uns gestellt. Kurz nachdem er Roel aufgenommen hatte, haben auch sie ihn verstoßen und ihm alle relevanten Erinnerungen genommen, sodass er nichts ausplaudern konnte. Wir… Jaque hat angefangen Leute um sich zu sammeln, die von Innen Voldemorts Herrschaft beenden wollen.“
Rowan sah wieder zu Jack und setzte sich dann schließlich auf das Bett, das einsam in der Ecke stand, direkt neben der Tür, zu der Jack vor einiger Zeit eingetreten war und seinen kompletten Alltag wieder auf den Kopf gestellt hatte.
„Und deswegen… kann ich dich nicht gehen lassen, Jack. Das heißt… ich kann, aber ich will es nicht. Du musst endlich verstehen.“
 
Wider aller Erwartungen spürte Jack Rowans Hand, wie sie über seinen Kopf fuhr und er  konnte fühlen, wie seine Gedanken, die gerade noch so verzweigt waren, dass es fast schmerzte, einfach aufhörten zu sein. Er schaltete ab. Endlich schaltete er einmal ab.
Doch der Moment ging viel zu kurz. Rowan brachte wieder Abstand zwischen sie und Jack konnte nicht anders als kurz zu seufzen, als all die Wucht die heute auf ihn eingeschlagen hatte, zurückkehrte. Er sah auf und nickte. Ja, er hatte es verstanden. Und er wusste, dass man eine Entscheidung von ihm verlangte. Die Entscheidung ob er hier blieb. Auch wenn er sich nicht vorstellen konnte, was es nützen sollte, wenn er da war. Schließlich konnte er sich nicht so einfach bei den Todessern reinschleichen. Sie kannten ihn und sie wussten nicht nur, was er war, sondern auch, dass er Roel gefoltert hatte. Und nicht nur sie.
Kurz keimte eine leichte Wut in ihm auf. Er hätte gern früher verstanden, aber es hatte ja niemand das Vertrauen gehabt, ihm etwas zu erzählen. Doch die Wut verebbte, wie sie gekommen war. Er konnte sich ein anderes Mal damit befassen. Für heute hatte er genug. Er fragte heiser: „Wo kann ich schlafen?“
Als er sein Zimmer erreichte, schloss er ab und lies sich aufs Bett fallen.Ihm war speiübel. Aber er dachte nicht einmal mehr über den vergangenen Tag nach. Er schlief einfach sofort ein. Das Nachdenken sollte erst über die nächsten Tage kommen. Die Tage, in denen er die Tür geschlossen ließ.
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Roel Salem
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BeitragThema: Re: Was bisher geschah *drama-button*   Mo Sep 23, 2013 1:44 am

Rowan war in den folgenden Tagen mit Jack auf Abstand gegangen. Natürlich, das gestaltete sich ja auch nicht sonderlich schwer, nachdem sich der junge Zauberer seit ihrer Reise im Denkarium in dem Zimmer eingeschlossen hatte, das er ihm gezeigt hatte.
Auch wenn er vor einigen Tagen noch nicht gewusst und auch nie geahnt hatte, dass Jack Donahue nun bei ihnen wohnen würde, war schon seit Wochen wieder dieses Gästezimmer frei. Normalerweise wurden dort Flüchtlinge untergebracht, egal ob sie vor Todessern oder den Phönixen untergetaucht waren, Jaque nahm die meisten von ihnen auf, wenn er ein Plätzchen zu erübrigen hatte. Die Gutmütigkeit des Älteren erstaunte Rowan oftmals immer wieder aufs Neue, doch verstand er ihn. Er hatte schließlich dieses Zimmer frei.
Es lag am anderen Ende des Ganges im ersten Stock und direkt gegenüber von Rowans Zimmer, sodass er nur den langen engen Gang entlang gehen musste, um direkt vor seiner Tür zu stehen.
Genauso wie jetzt. Rowans Hand lag schon fast auf dem alten angelaufenen Knauf, ehe er diese wieder zurück zog und kurz nur gegen das dunkle Holz der Tür starrte.
Er hatte Jack gerade ein Tablett mit Essen hingestellt, Frühstück um genau zu sein, wie er es die letzten Tage jeden Morgen getan hatte. Wenn er nach ein paar Stunden wieder nach oben kam, war das Tablett zwar verschwunden oder fein säuberlich geleert worden, aber ob das jetzt sein Gast oder Roels vermaledeite Katze gewesen war, konnte er natürlich nicht abschätzen.
Laut seufzte er auf und drehte sich dann auf seinen Absätzen um, ging dann rasch die morsche Treppe hinunter, die bei jedem seiner hüpfenden Schritte aufheulte, bis er schließlich unten im Gang einen Schlenker nach rechts machte und in eine großzügige Wohnküche kam, in der Roel am Küchentisch saß und seinem Blick auswich.
Seit der Sekunde, als er wieder nach unten gekommen war und seiner Schwester eröffnet hatte, dass Jack wohl nun einige Wochen bei ihnen bleiben würde, waren sie im Streit. Roel hatte offensichtlich vorgehabt Jack irgendeine Falle zu stellen, als Rache für die Folter, die sie hatte erleiden müssen.
Sie hatte geweint und immer wieder gegen seine Brust geschlagen, wie er nur dieses Monster beherbergen konnte, bis sie einfach aufgegeben und aus dem Haus verschwunden war.
Das war jetzt 3 Tage her und nun war sie wieder da.
„Wo warst du?“, fragte Rowan ruhig und ging hinüber zum Herd, um dort den pfeifenden Teekessel vom Feuer zu nehmen, der schon vehement protestierte. Dabei verbrühte er sich kurz eine Stelle seines Zeigefingers, den er dann ungeschickt in seinen Mund steckte und seine Schwester dann mit hochgezogenen Brauen ansah, bevor er wieder seine Hände sinken ließ und weiter sprach: „Ich bin dir nicht böse.“
„Ach ich dir aber“, knurrte sie schließlich und stand auf. Sie hatte gerade noch etwas Müsli gegessen und pfefferte dann die Plastikschüssel ins Spülbecken. „Ist er noch da oben?“
„Ja, aber er rührt sich nicht-„
„Vielleicht ist er tot. Mal daran gedacht? Sich umgebracht oder so, könnte ich mir gut vorstellen“, murmelte sie kühl und sah ihn kurz scharf an, ehe sie dann aus der Küche verschwand und sich draußen im Gang kurz umdrehte, um ihm noch mal anzuschauen. Wahrscheinlich wollte sie ihm noch etwas an den Kopf werfen, doch sie ließ es und ging hinüber in das eigentliche Wohnzimmer, sodass sie aus Rowans Sichtfeld verschwand.
 
Er starrte auf die angegilbte Tapete vor sich, ohne sie wirklich wahrzunehmen, wie er das schon seit Tagen tat. Seine Augen waren blutunterlaufen und die Ringe darunter zeugten von schlaflosen Nächten. Immer wieder zupfte er an seinem dunkelgrauen Pulli, aus dem schon überall die Fäden heraushingen, doch er bemerkte es nicht. Wenn er über die letzten Tage nachdachte, wusste er kaum noch etwas. Schleierhafte Erinnerungen davon, ein paar Mal etwas gegessen zu haben und der Gang zur Dusche. Das war alles.
Seine Gedanken hingen erst nur an den Erlebnissen im Denkarium. Doch dann wanderten sie weiter. Weiter zu den Dingen, die er getan hatte. Zu Roel. Zu Roel, die schrie. Zu Roel, der Tränen aus den Augenwinkeln liefen. Und warum? Weil er nicht zuhören wollte. Weil er nicht vertrauen konnte. Weil er einfach alles falsch gemacht hatte.
Und er wusste nicht, was er nun tun sollte. Warum sie ihn überhaupt hier bleiben ließen. Ein paar Mal, als er Schritte vor seinem Zimmer hörte, hoffte er sogar, sie würde hereinstürmen und sich rächen. Doch niemand kam.
Und dann war da noch Sel. Selbst wenn er aus irgendwelchen hirnrissigen Gründen wieder alles hinbiegen sollte, er konnte nicht wieder zurück. Er musste sie verraten. Auch wenn er nicht die geringste Ahnung hatte, wie er das jetzt noch tun sollte.
Er konnte nicht sagen, der wievielte Tag es war, doch er stand auf und lief zur Tür. Gerade hatte wieder jemand Essen für ihn davor gestellt, doch er beachtete es nicht. Wie im Traum ging er zu den Treppen und lief langsam hinunter. Er hörte Stimmen. Rowan und Roel. Sie schienen zu streiten. Über ihn. Natürlich. Dann Schritte. Stille.
Jack nahm die letzten paar Stufen und sah Rowans Rücken vor sich. Es war schwer, nach so vielen Tagen des Schweigens zu sprechen und er räusperte sich. Trotzdem hörte er sich heiser an. „Sie hat Recht. Ich sollte nicht hier sein. Ich gehe besser.“
Er wusste zwar nicht, wo er hin sollte, aber alles war besser, als in diesem Haus zu sein. Vielleicht würde er Sel noch anders da herausbekommen. Aber er musste hier weg. Er konnte nicht mehr. Er wollte nicht mehr darüber nachdenken, was er getan hatte. Wenn Sel nicht wäre, hätte er Roels Vorschlag dankend angenommen. Denn egal wie man es drehte und wendete, der einzige wirklich böse Mensch in diesem Haus war er.
 
Gerade hatte Rowan eigentlich damit gerechnet alleine an den Küchentisch zu sitzen und grummelnd seinen viel zu heißen Tee zu trinken, als er zusammen zuckte und die Milch fast quer über den Küchenboden schüttete. Jacks Stimme hatte ihn überrascht, sodass er fahrig herum fuhr und die Milchtüte wieder auf den Tisch stellte, ehe er ihn überrascht ansah.
Obwohl er immer noch daran dachte, was Jack seiner Familie angetan hatte, konnte Rowan nicht anders als leicht zu schmunzeln. Er freute sich, dass er wieder aufgestanden war und sogar mit ihm redete, denn noch vor nicht so kurzer Zeit hatte er noch gedacht, dass Roel vielleicht recht gehabt hatte und der junge Mann sich oben in seinem Zimmer etwas angetan haben konnte. Schon seit Tagen widerstand er dem Bedürfnis Jacks Tür aufzutreten und nachzusehen, ob er nur schlief oder ob er gestorben war.
„Du bist wieder ansprechbar?“, fragte er statt dem zu antworten was Jack gerade gesagt hatte und ging mit schnellen Schritten auf ihn zu, stand dann zwischen ihm und der Haustür, sodass er an dem größeren Zauberer hätte vorbei müssen, um einfach abzuhauen. Nein, das würde Rowan sicherlich nicht zulassen.
Schließlich hielt er aber doch nicht aus und es platzte eine hastig Antwort aus ihm heraus, die er schon im nächsten Moment bereute.
„Nein, du bleibst hier- Roel ist einfach nur durch den Wind, das ist alles. Ist ja auch verständlich, nachdem-„ Er stockte und redete dann schnell weiter, lenkte das Thema auf etwas, das ihn sowieso ebenfalls beschäftigt hatte. „Du musst hier bleiben, Jack. Was gibt es denn sonst für dich da draußen? Die Phönixe? Ich denke nicht, dass du zu denen noch mal zurückkehren solltest.“
Nach diesem Satz verfiel Rowan in ein tiefes Schweigen und sah Jack direkt in seine schönen Augen. Wieso hatte alles so kommen müssen? Wieso war einfach alles schief gegangen, was schief gehen konnte? Hatte er sich damals nicht geschworen dieses Mal wieder auf ihn aufzupassen? Damals als sie im Wald gewesen waren und er sich einfach für immer in diesen kleinen Trottel verliebt hatte?
 
 
Jack sah den Größeren aus unglaublich müden Augen an. Kurz blitzte in ihm der Gedanke auf, wie alles hätte sein können. Doch es war sinnlos darüber nachzudenken. Die Zeiten als er Rowan in den Schlafsaal geschmuggelt hatte waren lange vorbei. Und niemand konnte sie zurückholen.
Er schloss die Augen, als Rowan seinen Satz abbrach. Schließlich wusste er, dass Roels Verhalten verständlich war. Doch Rowan redete weiter.
„Ich weiß, dass ich nicht zu ihnen zurück kann. Aber ich kann auch nicht hier bleiben. Und das weißt du. Die Zeiten von damals sind vorbei.“ Jack sah ihm in die Augen und biss sich auf die Unterlippe. „Und daran können wir nichts ändern.“
Er konnte sich denken, dass Rowan das nicht reichen würde und seufzte. Er musste wohl mit einem Teil der Wahrheit herausrücken. „Und außerdem habe ich jemandem etwas versprochen. Und dieses Versprechen muss ich versuchen, einzulösen. Also bitte, halte mich nicht auf.“
Nun stand er da und wartete auf Rowans Antwort. Hoffte, dass dieser die richtige Entscheidung traf. Denn lange würde er diese Präsenz der Vergangenheit nicht mehr aushalten. Den Anblick dessen, was er zerstört hatte. Was er hätte haben und sein können, wenn... ja, wenn so vieles anders gelaufen wäre. Aber egal was war, heute musste er die Vergangenheit hinter sich lassen. Sonst wäre er bald nicht mehr fähig dazu, das war ihm klar.
 
Rowan hörte Jack aufmerksam zu, musterte ihn während er sprach und versuchte etwas aus seinem Blick heraus zu lesen, doch er sah nur eine solche Leere in den Augen des anderen, wie er sie nie hatte sehen wollen. Es war die Leere, die einen erwartete, nachdem man etwas Schreckliches gesehen hatte, erlebt hatte oder nun verarbeiten konnte. Der junge Salem wollte sich gar nicht ausmalen, was Jack Donahue in den letzten Monaten so hatte aushalten und wen er alles hatte töten müssen. Ob er es freiwillig oder aus Zwang getan hatte, das zählte für ihn momentan nicht, er wollte nur heraus finden, was mit ihm los war. Es konnte schließlich nicht nur wegen der Offenbarung so am Ende sein, die er ihm vor einigen Tagen geschenkt hatte. Da war etwas anderes…
Als Jack schließlich seinen Mund wieder aufmachte und genau das andeutete, was Rowan gerade vermutet hatte, klappte schließlich ihm selbst kurz der Mund auf und er brauchte einige Momente, ehe er diesen wieder schließen konnte.
Was wollte er damit sagen? Wem hatte er etwas versprochen?
„Hast du jemand anderen?“, fragte er schließlich und hob nur leicht seine Brauen, versuchte nicht zu zeigen, wie verletzt er war. Für ihn hörte es sich eher so an, als ob Jack eine neue Liebe bei den Phönixen gefunden hatte.
Kurz seufzte Rowan und sah zu Boden, schluckte hart. „Oder was ist es sonst? Wem hast du etwas versprochen, Jack?“ Seine Stimme klang nicht hart, sondern weich und einfach nur ehrlich. Er wollte es nur wissen und auf keinen Fall Jacky vergraulen oder fortscheuchen, sodass er ihn mit einem entspannten Gesicht ansah.
Und obwohl er so bemüht versuchte seine Gedanken für sich zu behalten, brach ein wenig Kälte und Eifersucht aus den Augen des Älteren hervor, als er ihn so betrachtete.
Nach Rowans Frage war es einen Moment lang still.
So still, dass es Roel drüben im anderen Zimmer, an dessen Tür sie standen atmen hören konnte. Auch sie schien zugehört zu haben, hielt sich aber bedeckt und wagte es nicht einen Laut von sich zu geben.
 
Obwohl diese Situation gerade alles andere als lustig war konnte Jack ein schmunzeln nicht unterdrücken. Das so etwas jetzt noch wichtig war... „Nein, ich habe keinen Anderen.“, antwortete er mit einem leisen Kichern. Er sah Rowan in die Augen und bemerkte dessen Eifersucht. Er war wohl doch noch Jemandem wichtig. Irgendwie ein schönes Gefühl. Er schüttelte den Kopf. „Wirklich nicht.“ Anscheinend war doch noch etwas von dem alten Rowan übrig. Besitzergreifender Idiot...
Doch dann wurde sein Gesichtsausdruck wieder ernst. Er verschloss sich und dachte nach. Was sollte er sagen? Die Wahrheit? Damit würde er das alles hier wieder zerstören und wahrscheinlich würden sie ihn nicht gehen lassen womit Sel so gut wie tot war. Und das konnte er nicht zulassen. Schließlich war er Schuld an diesem ganzen Scheiß. Er konnte nichts sagen.
Mit den Augen auf den Boden gerichtet aber bestimmt antwortete er: „Das kann ich dir nicht sagen. Es hängt das Leben einer Person davon ab, die mir wichtig ist und ich kann sie nicht hängen lassen.“ auch wenn ich euch dabei vielleicht verraten muss..., fügte er in Gedanken hinzu und fühlte sich elend. Am liebsten wäre er einfach auf Rowan zugelaufen und hätte ihm alles erzählt. Angefangen mit der Festnahme von dieser kleinen Greiferin bis zu Sels verschwinden und der Zauberer hätte den absoluten Plan, Sel da rauszuholen. Aber er wusste, dass es Wunschdenken war. Hier musste er alleine durch.
Er sah Rowan nicht mehr an. Das konnte er einfach nicht. Nicht nach dem, was er vielleicht tun musste. Zumindest dann, wenn er nicht noch irgendwo ein paar Todesser aufgabelte, die ihm eine bessere Geschichte erzählten, als die eines Hauses, in das selbst hochrangige Todesser ein und aus gingen. Doch auch wenn er sie verraten musste, er würde alles daran setzen, sie wieder da rauszuholen. Ein Mensch, der nichts mehr zu verlieren hat, ist immer eine gute Waffe.
 
Wieder stille. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals hoch, sodass in seinen Ohren nur das ständige Trommeln seinen Herzens zu hören war, bevor er antwortete und langsam und bedächtig sprach, als ob er sich gerade selbst über das im Klaren wurde, was er nun sagte.
„Es ist mir klar, dass du deine Prioritäten setzen musst, Jack“, fing er an und hob dann langsam wieder seinen Blick, sah ihn bedeutungsvoll an und lächelte schließlich leicht. Er hatte sich wohl mit etwas abgefunden. „Dennoch kannst du nicht gehen. Wenn du nicht freiwillig bleibst, dann als Gefangener. So sind die Regeln.“
Auch wenn es ihm schwer zu fallen schien, den letzten Part auszusprechen, tat er es und schloss dann noch einmal einen Moment seine Augen, atmete tief ein und aus, um dann weiter seine Gedanken auszuführen. Er versuchte dabei seine Gefühle abzuschalten, doch es ging nicht wirklich. Seine Stimme zitterte jetzt schon. Verdammt.
„Wenn du mir nur sagen würdest, um was es geht Jack, könnte ich helfen. Du glaubst doch nicht wirklich du könntest nach all dem, was vor 3 Tagen passiert ist, dass du einfach aus dieser Tür spazieren könntest? Mir ist klar, dass du nur durch ein Wort uns alle töten könntest… auch wenn du wahrscheinlich nicht mal weißt, wo genau wir uns befinden.“
Er deutete mit einem nicken kurz zu der Tür hinter sich und lehnte sich schließlich gegen diese, verschränkte seine Arme dabei.
Im anderen Zimmer herrschte ebenfalls stille, doch er kannte seine Schwester gut genug, dass er wusste, wie sie mit gedämpftem Atem auf dem Sofa saß und ihnen von dem dunklen Raum aus zuhörte. Wenn man genau hin hörte, konnte man sogar hören wie sie immer wieder versuchte die Hauskatze ruhig zu halten, die schon seit einigen Monaten hier lebte. Das Mistvieh hatte man hier einfach abgeladen, besser gesagt, Scabior hatte sie einfach da gelassen. Wohl als Geschenk für Roel. Oh Gott, wie Rowan diesen Kerl hasste-
Doch er schweifte in Gedanken schon wieder ab. Vielleicht war es die angespannte Situation, die ihn dazu brachte seine Gedanken auf weniger unangenehme Themen zu bringen, als diese hier, dennoch durfte er sich nicht ablenken lassen.
Rowans Blick lag immer noch auf dem Jacks und schien sich jede Sekunde zu intensivieren. „Du weißt, dass wir unsere Gründe haben, Todesser zu sein und das wir beide eigentlich das gleiche Ziel verfolgen, also warum stellst du dich so quer? Wen willst du retten?“
 
Jack hoffte, dass Rowan es einsah. Auch wenn er wusste, wie klein diese Hoffnung war. Er hörte, wie Rowans Stimme zitterte und wusste, dass er ihm nur helfen wollte. Er wusste es ja. Aber er konnte nicht. Und das musste er einsehen.
Jack hätte alles darum gegeben, wenn Rowan ihn hassen würde. Warum konnte er nicht verstehen, dass es das Beste war, wenn er ging?
Sein Blick ruhte nun direkt auf dem Mann, für den er immer noch so viel empfand. Den er doch eigentlich beschützen wollte. Warum musste es so weit kommen? Tränen sammelten sich in seinen Augen, doch er bemerkte sie nicht.
Jacks Atem ging schneller. Sein Blick wurde kalt. Warum konnte Rowan ihn nicht einfach gehen lassen? Warum musste er es hinauszögern? Warum zwang er ihn dazu? Er hörte Roel im Nebenzimmer und wusste, dass sie zuhörte. Der Versuch sich zu beruhigen Schlug fehl.
Seine nächsten Worte waren voll unterdrückter Wut. „Zwing mich nicht dazu, dass ich aufhöre zu verdrängen, dass ich zu wenig über euch weiß. Lass mich hier raus. Sie haben sie dazu gezwungen einen unbrechbaren Schwur zu leisten, mich bei euch einzuschleusen und alles was ich dabei erfahre an sie weiterzugeben.“ Er atmete noch einmal tief ein. „Lass mich los! Vergiss mich endlich! Denn wenn du es nicht tust, werde ich euch alle verraten.“
 
Rowans Herz fühlte sich an, als ob es gerade aufgegeben hätte. Erst als ein weiterer schwacher Schlag, wie ein Hilferuf gegen seine Brust drückte, wusste er, dass er nicht sterben musste. Ob ihm das allerdings nicht lieber war, darüber dachte er gar nicht mehr nach.
Er hörte nichts mehr. Nur immer wieder Jacks Worte, die durch seine Ohren hallten.
So bemerkte er nicht, das Aufheulen der Katze, die wohl von ihrem an gestammten Platz geflogen war und die lauten Schritte, die Roel ankündigten, wie sie dann mit erhobenem Zauberstab im Rahmen der Wohnzimmertür stand, die Spitze direkt auf Jacks Herz gerichtet und ihre Augen voller Tränen
„Ich wusste es“, hauchte sie nur, bevor ihr Gesicht einen noch zornigeren Ausdruck annahm, der es fast schon in eine wütende Gerimasse verwandelte. Die erste Träne rollte ihre rotglühende Wange hinunter, ehe sie mit einem leichten und bitteren Schmunzeln weiter sprach: „Dass du uns verraten würdest… ich habs gewusst. Ich hätte dich töten sollen, als ich die Chance dazu hatte, Jack Donahue“, knurrte sie schließlich, ihre Stimme schwoll während der letzten Worte fast schon zu einem Schreien an, sodass Rowan endlich aus seiner Trance erwachte.
„Roel nein-!“ Bevor er sich versah hielt er auch schon seinen Zauberstab gegen seine eigene Schwester gerichtet. Was tat er hier? Kurz blinzelte er, schien die ganze Situation erst erfassen zu müssen.
Er warf sich gerade vor den Mann, der seine Schwester gefoltert hatte. Er beschützte ihn, weil er ihn liebte, obwohl er so viele schwer wiegende Taten vollbracht hatte. Wenn er die ganzen Dinge aufzählen sollte, die er Jack zu verdanken hatte, dann würde ihm schlecht werden. Dennoch wusste er, dass er ihn beschützen musste. Er hatte sich verändert. Eine Marionette des Ministeriums ja, aber es hatte es gesehen. Er war immer noch sein Jacky.
„Nichts nein!“, Roels Stimme bebte vor Wut, während ihr Griff um ihren Zauberstab immer kräftiger wurde. „Er wird uns alle töten, Rowan und dir ist das egal? Willst du wirklich, dass er uns alle ausliefert? Wenn wir ihn jetzt gehen lassen, hat Voldemort gewonnen, das ist dir klar oder?“ Sie sah ihn fast schon fassungslos an. „Bitte, Rowan…“, das Betteln in ihrer Stimme war unüberhörbar. „Sei bitte einmal für mich da…“
 
Es passierte alles so schnell, dass Jack einfach nur dastand und beobachtete, wie er die Szenen im Denkarium beobachtet hatte. Es kam ihm irreal vor, wie Roel auf ihn zustürmte und Rowan sich dazwischen stellte. Der Kerl liebte ihn nach alldem immer noch. Er musste wahnsinnig sein.
Jack zog nicht einmal seinen Zauberstab. Er machte es vom Schicksal abhängig, was nun passierte. Sein Leben war ihm sowieso nicht mehr sonderlich viel wert. Wenn Roel es schaffen sollte, ihn zu töten, konnte er sie nur beglückwünschen.
Trotzdem konnte er nicht den Mut zusammenkratzen, Rowan wegzuschieben und sich direkt vor ihren Zauberstab zu stellen. Nach ihren letzten Worten war ihm klar, dass Rowan nichts anderes übrig bleiben würde, als zur Seite zu treten. Und vielleicht wollte er sich in seinen letzten Sekunden  einfach einmal dem Gefühl hingeben, beschützt zu werden und nicht immer derjenige sein zu müssen, der beschützte. Es war so viel einfacher, dem Tod ins Gesicht zu sehen, wenn man mit dem Gefühl sterben konnte, dass es nicht egal war, wenn man ging. Dass es wenigstens eine Person geben würde, die einen vermisste. Auch wenn das sehr egoistisch klang.
Er flüsterte: „Lass sie! Sie hat jedes Recht dazu.“
Und in diesem Moment drückte er Rowan beiseite und stand Auge in Auge mit Roel. Leise sagte er: „Tu es! Doch vorher möchte ich dir noch sagen, wie Leid mir das alles tut.“ Er schloss die Augen. „Und jetzt los!“ Ohne die geringste Verteidingung stand er vor ihr und hieß seinen Tod willkommen.
 
Obwohl Rowan von Jack beiseite gedrückt wurde, hielt er sich immer noch nah an dem jungen Mann, auf sodass Roel zitternd dabei zu sah, wie ihr Bruder nicht von der Seite des Kerls wich, der sie so misshandelt hatte. Dieser Kerl war das einzige was sie noch davon trennte von irgendwelchen Phönixen in ihrem eigenen Haus umgelegt zu werden oder noch viel schlimmer, nach Askaban verfrachtet zu werden.
Sie war dem ganzen müde. Obwohl sie das ganze Theater jahrelang ohne Murren mitgemacht hatte, wurde sie auf einmal unendlich müde und wollte nicht mehr. Wenn sie Jack jetzt einfach mit einem grünen Blitz zu Boden sinken lassen könnte, wäre alles vorbei.
Etwas in ihrer Brust hinderte sie allerdings daran, sodass sie noch zögerte. Ein schwaches Ziehen, das sich hartnäckig ihren Hals hinauf schlich und ihr auf einmal wieder die alten Bilder des kleinen Jungen mit aufgeschürften Knien und dem blauen Auge vors Gesicht führten, wie er dort jeden Tag auf sie gewartet hatte. Auf ihrem Spielplatz.
Roel schluckte, doch ihre wütende Grimasse lockerte sich nicht auf, gerade als sie ihren Mund öffnete um Jack Donahue einen Fluch auf den Hals zu jagen, öffnete Rowan die Tür und sah hinüber zu eben diesem.
Was sollte das?
„Geh. Von mir aus erzähl ihnen, was wir tun. Erzähl ihnen alles. Vielleicht wissen sie es schon, vielleicht auch nicht. Tu was du musst, aber versprich mir eins: Stirb dabei nicht.“
Es hörte sich alles verschwommen und unwirklich an, wie in einem ihrer dummen Träume. Das konnte nicht Rowans Ernst sein. Er ließ ihn einfach gehen. Und das wohl nur, weil er mit diesem Kerl einmal gevögelt hatte.
Sie konnte nicht einmal etwas dazu sagen, nur hilflos zusehen, denn so wie ihr jetzt die Kräfte schwanden, wollte sie noch nicht einmal mehr den Zauberstab auf Jack gerichtet halten. Ihre Hand sank langsam und schwach hinunter, auf ihrer Gesicht nur pure Enttäuschung.
 
Jack wartete. Doch es passierte nichts. Er spürte Rowans Schulter an seiner eigenen. Und er spürte, wie sie sich bewegte. Jack sah zu ihm. Und was er sah, widersprach jeglichem gesunden Menschenverstand. Er starrte Rowan an und er wusste nicht mehr, was er denken sollte. Er wusste nicht einmal mehr was er tun sollte. Der Kerl wollte alles aufs Spiel setzen wofür seine Familie ein Leben lang gearbeitet hatte. Und das nur um einem Menschen zu helfen, der dieser Familie wahrscheinlich mehr angetan hatte, als irgendjemand sonst.
Jack ging auf Rowan zu und sagte leise: „Wenn diese ganze Scheiße vorbei ist, sehen wir uns wieder. Pass auf dich auf!“ Dann rannte er hinaus in die düsteren Straßen Dublins.
Erst als er einige Häuserblocks entfernt war, kam das zittern. Das Zittern und diese verdammten Tränen. Wo war er da hineingeraten?
Während er sich weiter schleppte, überlegte er noch einmal, was er wusste. Und was davon man gegen sie verwenden konnte.
Plötzlich hörte er einen lauten Knall und drehte sich panisch um. Pius stand vor ihm. Jack wischte sich schnell über die Augen, aber ihm war klar, dass er sein verheultes Gesicht nicht so leicht verstecken konnte.
„Donahue“, fing der ältere Zauberer an. „Du warst lange weg. Ich habe mir schon überlegt, ob du vielleicht die Seiten gewechselt hast und ich deiner kleinen Freundin den Hals umdrehen sollte.“ Pius lächelte bei der Vorstellung. „Aber wie ich sehe, weilst du ja doch noch unter uns.
Vielleicht fragst du dich, warum ich so schnell aufgetaucht bin. Naja, du wurdest überwacht. Nur leider wurde das Häuschen deiner kleinen Freunde von ein paar ziemlich starken Zaubern geschützt. Aber sobald du wieder aufgetaucht bist, musste ich natürlich sehen, was für nette, kleine Geschichten du mir bringen würdest. Außerdem wollen wir Selinda ja nicht für immer warten lassen. Die Dementoren tun ihr wirklich nicht gut, weißt du.“
Jack nickte nur während ihm ein Schauer über den Rücken lief. Sie hatten sie also doch in Askaban versteckt.
Pius packte ihn unvermittelt und sie disapparierten in sein Büro. Er setzte sich an seinen Schreibtisch aus poliertem Mahagoni und sagte freundlich: „Also leg los!“
Und Jack erzählte. Er erzählte alles, was für Pius wichtig sein könnte. Doch der schien nicht zufrieden. „Du verschweigst mir etwas. Wie bist du vor ihnen geflohen? Sie werden dich wohl kaum einfach gehen gelassen haben.“
Jack antwortete: „Doch, das haben sie.“, und seine Gedanken wanderten unwillkürlich zu Rowan. Pius verschrenkte die Arme. „Du weißt was ich wissen will, Junge!“ Und Jack nickte.
Es tat einen lauten Schlag, als die Eingangstür von Jaques Haus berstete. Pius stand mit erhobenem Zauberstab in der Tür. Mit der anderen Hand hielt er Jack an den Haaren gepackt, der sich panisch umsah. Hoffentlich waren sie weg. Hoffentlich hatten sie ihm nicht vertraut oder wenigstens weiter gedacht, als er selbst. Hinter ihnen liefen einige der Phönixe und sogar zwei Auroren in den Raum.
Pius konnte sein Glück kaum fassen. Er hatte die perfekte Möglichkeit gefunden einen Todesser zu stellen. Und wenn sie diesem naiven Wurm noch so oft erzählt hatten, sie wären die Guten. Gute Todesser gab es nicht.
Er verstärkte seine Stimme auf eine Lautstärke, die im ganzen Haus zu hören war und sagte: „Wir haben den Jungen. Wenn ihr nicht wollt, dass ich ihn langsam in den Wahnsinn foltere, kommt gefälligst raus und ergebt euch!“
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Roel Salem
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BeitragThema: Re: Was bisher geschah *drama-button*   Mo Sep 23, 2013 1:45 am

Das Haus lag in einer tiefen Stille gehüllt, die nicht einmal von Roels Katze unterbrochen wurde. Der Wind wehte draußen heulend um die alten Dielen, die Glasvitrine im Wohnzimmer knarrte kurz, sowie das restliche alte morsche Holz des Hauses, das eben in die Jahre gekommen war. Die Bilder an den Wänden waren verschwunden. Es schien alles ziemlich hastig zusammen gepackt worden zu sein, allerdings nur wertvolle Dinge, emotional sowie weltlich.
Die Küche war wie leer gefegt, nur der Kessel auf dem Herd schien vor sich hin zu blubbern, als ob noch jemand kurz vor der Abreise einen Tee für den Besuch hinterlassen hätte, zu dem fast schon provozierend ein Kuchen auf den Tisch gestellt worden war.
Einen Moment hätte man wirklich glauben können, dass die Salems es geschafft hatten zu fliehen. Jaque war sowieso nie in Gefahr gewesen, so oft wie er derzeit bei den Malfoys verweilte, hatte er nicht die Absicht gehabt, die nächsten Wochen in seinem eigenen Haus wieder aufzutauchen, sodass Rowan ihm nur die verschlüsselte Warnung geschickt hatte, die sie miteinander vereinbart hatten. Eine Eule mit einem roten Band am Bein, die jetzt irgendwo über Malfoy Manor herum segeln musste.
Die letzten beiden lebenden Gestalten, die sich jetzt im Haus aufhielten, waren Rowan und der Hausschwamm, zudem sich der Zauberer im Moment eher zugehörig fühlte als den Leuten, die unten in seinem Zuhause standen.
Gerade hatte er Roel mit dem halb zerstörten Verschwindekabinett nach Flourisch and Bourkes geschickt, wo schon Scabior auf sie wartete und sie in Sicherheit bringen würde und blickte nun auf die zerfallene Bretterbude, die gerade eben noch seine Schwester zur Flucht verholfen hatte.
Er hatte gewusst, dass das alte Ding nur noch eine Reise aushalten würde und jetzt war es zu spät. Zwar waren die meisten Schutzzauber gebrochen, die das Haus umgaben, doch der Apparierschutz schien noch intakt zu sein. Rowan hatte in den letzten 10 Minuten, in denen er allein gewesen war, immer wieder versucht zu fliehen, doch es hatte nicht geklappt.
So saß er jetzt an der obersten Stufe der geschwungenen Treppe und horchte einer Stimme zu, die er schon fast zu oft gehört hatte. Pius. Ob er erwartete, dass der Kopfgeldjäger, den er vor einigen Monaten auf seine Schwester angesetzt hatte, jetzt hier saß und auf sein Schicksal wartete? Wahrscheinlich nicht, denn damals hatte Rowan alles andere den Eindruck gemacht, als ob er mit den Todessern sympathisieren würde.
Mit einem sarkastischen Lächeln quittierte er diesen Gedanken und stand schließlich langsam auf, um dann gemütlich die gewundene Treppe nach unten zu schlendern und dabei leicht die Arme zu heben. Er hatte Roel seinen Zauberstab mitgegeben. Sie würde ihn sicher verwaren und vor neugierigen Blicken der Auroren schützen, denn was dort noch für Zauber drauf gespeichert waren… Rowan lief bei dem Gedanken kurz ein Schauder über den Rücken.
Sein Zimmer war ebenfalls fast komplett leer geräumt, alles magisch in eine kleine Tasche gesteckt, die seine Schwester jetzt auf dem Rücken trug und unter anderem auch das Denkarium beherbergte.
Kurz seufzte er und fing dann an zu grinsen, als er schließlich ins Blickfeld der anderen Zauberer kam. „Wir kaufen nichts, danke“, sagte er ihnen mit einem viel zu freundlichen Lächeln, dass seine Zahnlücke offenbarte und hob dann weiter seine Arme, bis die Ärmel seines Umhangs nach hinten rutschten und das dunkle Mal offenbarten.
 
Jack starrte auf die Gestalt, die die Treppe herunterlief und ballte seine Hände zu Fäusten. Das durfte nicht sein. Das Haus hatte leer ausgesehen. Warum war er noch da? Warum zur Hölle war er noch da?
Auch Pius schien überrascht zu sein, doch er versteckte seine Gefühle wie immer hinter einer Wand aus Herablassung. „Du bist es also tatsächlich. Ich hätte nicht gedacht, dass du dich der Seite deiner Schwester anschließt. Aber anscheinend sind alle Salems ein wenig zurückgeblieben. Was soll's. Nehmt ihn fest!“ Bei seinem letzten Satz kamen die Auroren und Phönixe in Bewegung und ihre Zauberstäbe zeigten auf Rowans Herz. Doch bevor einer von ihnen einen Zauber aussprechen konnte, fing Pius lauthals an zu fluchen. „Du verdammter Mistkerl!“
Jack hatte ihm in den Oberarm gebissen und auch wenn seine Hände magisch aneinander gefesselt waren, seine Füße waren es nicht. Er riss sich los und stellte sich vor Rowan. „Renn! Verdammt nochmal, HAU ENDLICH AB!“
Pius sah wütend aus. Er zischte: „Denkst du wirklich das hilft etwas, Kleiner? Aber mit dir befasse ich mich später.“ Dann richtete er seinen Zauberstab auf ihn und sagte: „Stupor!“, und Jack sackte Ohnmächtig in sich zusammen.
Pius ging weiter auf Rowan zu. „Und jetzt zu dir.“ Mit einem kurzen Zucken seines Zauberstabes beschwor er Seile, die sich um Rowans Körper wanden. „Du scheinst den Kleinen ja wirklich zu mögen, wenn du dich nicht einmal verteidigst.“ Pius lachte. „Aber das wird euch Beiden jetzt nicht mehr viel nützen.“
Damit packte er sie und sie disapparierten in einen Raum weit in den Kellern des Ministeriums. Es war dunkel und modrig. In der Mitte stand ein Stuhl mit Ketten an den Armstützen.
Es war einer der Verhörsäle, die damals, bei Du – weißt – schon – wers erstem Aufstieg häufig in Gebrauch waren.
Zwei der Phönixe gingen zu Rowan und zwangen ihn auf den Stuhl, dessen Ketten sich sofort um seine Handgelenke legten, während die Seile verschwanden.
Pius sah aus, als wäre gerade Weihnachten. „Und jetzt sag mir was du weißt, denn dein kleiner Freund hier wird nicht immer ohnmächtig bleiben und wenn er wach wird, gibt es viele Möglichkeiten die ihn dazu bringen, dass er sich wünscht niemals geboren worden zu sein.“
 
Rowan hatte bei seiner Gefangennahme keine Miene verzogen, sondern trug immer noch sein leicht amüsiertes Lächeln auf den Lippen, dass er auch dann nicht verlor, als ihm die Ketten angelegt wurden und er Pius direkt ins Gesicht sah.
„Der Tag hatte so schön angefangen. Weißt du Thicknesse, ich hatte diesen guten chinesischen Schwarztee, auf den zurzeit diese ganzen Muggel stehen – herrlich mit genau richtig viel Zucker und Milch.“ Kurz seufzte er künstlich und lächelte dabei provozierend ausgeglichen.
Immerhin, er hatte momentan nur eine Sache zu befürchten - und das war wenig im Vergleich zu den letzten Monaten – nämlich nur, dass Jack etwas zustoßen könnte. Der Kleine lag gerade in der Ecke an die Wand gelehnt, direkt hinter den groß gewachsenen Männern, die sich als Auroren auswiesen und die sie alle hergebracht hatten.
Gut, Jack war jetzt gerade eher am Rand der Gefahrenzone, sodass er seine Möglichkeiten wohl etwas erweitern konnte. Noch während Rowans Gedanken rasten, sah er hinauf zu Thicknesse und sprach langsam weiter, hob dabei leicht seine zusammen geschnürten Arme, auch wenn die Ketten noch so schwer waren, er ließ es sich nicht nehmen etwas mit ihnen zu gestikulieren, während er sprach.
„Also mal sehen, was weiß ich denn alles? Wenn ich so drübert nachdenke, ne ganze Menge, aber wo soll ich anfangen?“, er schüttelte verzweifelt den Kopf. „Viel zu viel. Ich denke du musst dich etwas spezifischer ausdrücken, mein Guter. Vielleicht wo sich Voldemort aufhält? Hm, nein eher nicht, das weiß ich nämlich nicht. Der hat so seine Angewohnheit oft umzuziehen, da weiß man nie wo man seine Eule hinschicken muss, ärgerlich so was…“
Kurz machte er eine Pause und sah ihn mit einem sarkastischen Grinsen an, das wohl jeden zur Weißglut gebracht hätte.
„Nein, wie dumm“, fuhr er dann schnell fort. „Da hat man mich doch bei der Flucht zurück gelassen und ich bin der einzige der keine Ahnung von Voldemorts aktuellen Plänen hat, geschweige denn viele Todesser kennt. Ich bin der Neue, weißt du…“
 
Pius hörte diesem arroganten, kleinen Todesser zu und sein Grinsen wurde breiter. Salem war immer schon nervig gewesen. Oh ja, daran erinnerte er sich. Schon als die Beiden sich das erste Mal gesehen hatten hätte er ihn am liebsten mit einem Fluch zum Schweigen gebracht. Doch damals brauchte er ihn.
Jetzt war es viel einfacher. Die Obrigkeit hatte die Rechte für Todesser fast komplett ausgeklammert und gab ihm somit freie Hand. Und mit seinen kleinen Phönixen konnte er sowieso machen, was er wollte. Schließlich waren sie auch nur Verbrecher, die man genauso gut in Askaban verrotten lassen konnte.
Das einzige, was ihn störte, war die durchgehende Erwähnung dieses Namens. Jedes Mal zuckte er zusammen. Und wahrscheinlich würde es dieses arrogante Schwein sehen. Aber wie auch immer. Er würde ihm schon noch Respekt beibringen.
In dem Moment rührte sich in den dunklen Ecken des Kerkers etwas. Jack öffnete langsam die Augen. Er murmelte fragend: „Rowan?“ Wo zur Hölle war er? Gerade eben waren sie doch noch in Dublin gewesen. Er sah sich um und riss die Augen auf. Nein! Diesen Raum kannte er. Er war oft hier gewesen, wenn sie wieder vermeintlichen Todessern den Garaus gemacht hatten. Und jetzt saß Rowan auf dem Stuhl, auf dem er selbst schon so manchen getötet und einige mehr gefoltert hatte. Pius drehte sich zu ihm um. „Ach, du bist genau zur richtigen Zeit aufgewacht.“ An Rowan gewandt fügte er lächelnd hinzu: „Du weißt genau was ich wissen will. Und genau das wirst du mir sagen. Ansonsten darfst du dir gerne aussuchen, wer von euch beiden den Crucio abbekommt. Ich warte.“
 
Rowans Gesichtsausdruck blieb immer noch der gleiche, auch wenn sein Lächeln einen Moment absackte, als Jack sich wieder rührte. Damit hatte er eigentlich nicht gerechnet und das brachte auch ehrlich gesagt seinen Plan etwas durcheinander. Doch was soll’s.
Er hatte vorgehabt, irgendwie durch geschickt gewählte Worte diese Trottel von Phönixen zu überzeugen, dass ihr Chef in Wirklichkeit derjenige sein sollte, der auf dem Stuhl Platz nehmen durfte, der gerade von Rowans kleinem Hintern gewärmt wurde. Doch Jacks Erwachen hatte das ein klein wenig verhindert.
Ein falsches Wort von Jack und das ganze würde wieder auffliegen und das vertrauen zu den großgewachsenen Wachen war dahin. Nein, er musste sich etwas anderes einfallen lassen, etwas dass ihm vielleicht einen Überraschungsmoment besorgen könnte.
Mit leicht gerunzelter Stirn dachte Rowan kurz nach und fing dann noch weiter an zu grinsen. Natürlich, es gab einige Informationen in seinem hübschen Schädel, den er gegen den Politiker einsetzen konnte und die waren äußerst pikant. Wie er darauf reagieren würde, wäre einfach zu köstlich.
Wieder Lächelnd sah er zu Thicknesse und musterte diesen eindringlich. Der Kerl war wirklich eine harte Nuss, von Macht zerfressen und unglaublich gewieft. Dass Rowan ihn aber irgendwie knacken konnte, wusste er und so lehnte er sich lächelnd zurück und wartete kurz ab, ehe er seinen Mund wieder aufmachte.
„Weißt du, dass du unter dem Imperius stehst, Thicknesse?“
Seine Stimme hatte etwas Gelassenes und Ruhiges, fast schon so als ob er einem Kind erklären würde, dass man seinem Lieblingsspielzeug nicht den Kopf abreißt. Er sah ihn mit ehrlichen Augen an und minimierte sein Lächeln auf das Nötigste, damit er ehrlicher wirken konnte.
Es war ja nicht so, als ob er ihm gerade eine Lüge aufgetischt hätte. Yaxley dieser faule Sack hatte schon seit Wochen Politiker, die ungefähr in seiner Ranghöhe arbeiteten bearbeitet und mit Hilfe dieses unverzeilichen Fluchs manipuliert, dass er wenn auch als unerkannter Todesser Informationen über das Ministerium abrufen konnte wann er wollte. Er würde sich wohl nur noch um Wochen handeln ehe das Ministerium fallen würde. Doch das schien hier niemand zu ahnen, nein im Gegenteil, diese ganzen Trottel dachten wohl auch noch dass sie jetzt gesiegt hatten, wo sie ihn doch jetzt gefangen hielten.
 
Jack starrte sprachlos auf Rowan. Warum sagte er sowas? Und hatte er damit Recht? Was wenn ja? War Rowan eigentlich klar, wie Thicknesse darauf reagieren würde? Wenn das so weiterging wären sie beide bis heute Abend nur noch ein brabbelnder Haufen, bereit für St. Mungo, wenn sie überhaupt noch lebten. Er wollte aufstehen, doch dank ein paar Flüchen der Auroren konnte er nur in dieser verdammten Ecke sitzen und darauf warten was als nächstes passierte.
Auch Pius schien nicht gerade amüsiert zu sein. Ein paar Momente war er einfach nur geschockt. Dann hob er seinen Zauberstab und murmelte: „Crucio!“
Im selben Moment hörte man aus der Ecke hinter ihm ein langgezogenes „Nein!“, doch er ignorierte es. Es tat ihm gut, den Todesser leiden zu sehen. Erst nach einer gefährlich langen Zeit ließ er seinen Stab sinken. „So und jetzt hör mir zu, wenn du weiter irgendwelche Märchen erzählen willst, dann werde ich dafür sorgen, dass du sie bald den Dementoren erzählen kannst. Hast du mich verstanden? Ich will die Wahrheit hören. Wer ist es wirklich? Wer steht unter dem Imperius, du kleines Stück Dreck?“
Er war wütend. Verdammt wütend. Hinter ihm scharrten die Auroren mit den Füßen. Er drehte sich um und flüsterte bedrohlich: „Glaubt ihr diesem Verräter etwa? Er hatte sich dem Ministerium verschrieben und seht, wo er geendet ist. Wollt ihr so jemandem wirklich Glauben schenken?“ Die Auroren schüttelten die Köpfe. Doch Pius war sich nicht sicher, ob sie wirklich überzeugt waren und es machte ihn rasend. In seinem Blickfeld saß Jack und sah wütend zu ihm auf. Ein weiterer Cruciatus – Fluch wischte die Wut von seinem Gesicht. Pius ging es besser. „Und du sieh mich nicht so an. Du bist selbst schuld, dass du Salem verraten hast.“
Jack biss sich auf die Lippen und vergrub seinen Kopf in seinen Händen während der Schmerz langsam verebbte.
Dann drehte Pius sich wieder zu seinem Gefangenen um. Sein altes, aufgesetztes Lächeln war fast wiederhergestellt. „Also und jetzt erzähl mir, wer wirklich besessen ist.“
 
„Na du“, obwohl die Schmerzen immer noch leicht in seinen Knochen steckten, setzte Rowan, nach dem ausspucken von etwas Blut auf den Tisch vor sich, wieder ein schmunzeln auf, das einfach zu triumphierend für Thicknesse’ Geschmack aussehen musste.
Er war sich im Klaren gewesen, dass er gefoltert werden würde, doch dieses Risiko hatte er eingehen müssen, um erste Zweifel unter den Untergebenen des Zauberers zu sähen. Und dazu hatte er nicht einmal lügen müssen…
Rowan hing nur halb auf seinem Stuhl und richtete sich ächzend wieder auf, damit er Thicknesse in die Augen sehen konnte. Den Dreckskerl würde er noch kriegen, er musste jetzt nur Geduld haben. Mit leicht gehobenen Brauen, die allerdings leicht seine Stirn runzeln ließen, sodass man ihm ansah, dass der Fluch doch etwas harsch gewesen war, sah er den anderen erst eine Weile an ehe fortfuhr.
„Wir haben einen Spezialisten… für den Imperius, sagen wirs so… Er hat sich darauf spezialisiert seine Opfer daran zu hindern sich an die Dinge zu erinnern, die sie unter dem Fluch bereit waren zu tun. Haben wir des Öfteren Gedächtnislücken, Pius?“
Dass Rowan zum Vornamen des Zauberers gewechselt war, war ihm durchaus bewusst. Er wollte nun damit beginnen ihn mit den nötigen Informationen zu füttern, die ihn vielleicht in den Wahnsinn treiben könnten.
„Wachen wir zur Zeit öfters auf, daheim in unserem Bettchen, wenn wir doch gerade eben noch auf dem Weg zur Arbeit waren?“, fragte er noch einmal rasch, ehe er einen Moment breiter lächelte und seine Zähne bleckte, zwischen denen sich Blut angesammelt hatte.
„Oder begrüßen uns plötzlich Leute, die wir eigentlich gar nicht kennen? Komm schon, Pius… irgendwas muss da sein. Ich bilde mir das doch nicht ein.“ Er grinste noch einmal breit, ehe er kurz von einer Bewegung aus der Ecke ablenkt wurde.
Ein Zauberer, der schon von Anfang an mit im Raum gewesen war, hatte sich geräuspert, wohl für die anderen nur nebensächlich und uninteressant, doch Rowan musterte ihn nur für wenige Augenblicke von der Seite, ehe er bemerkte, wen er da vor sich hatte.
Es war Yaxley. Na wunderbar, da konnte die Party ja beginnen.
 
Pius fühlte sich eingekesselt. Ja, der Junge hatte Recht. Es passierte ihm öfter, dass er sich an nichts mehr erinnerte. Und ja, er wachte manchmal plötzlich in seinem Bett auf. Aber es konnte doch nicht sein, dass er, der das Böse bekämpfte ein Teil davon war. Seine normalerweise so geordneten Gesichtszüge entgleisten ihm und er starrte wütend auf den Salem.
„Du hast doch keine Ahnung wovon du redest! Ich stehe nicht unter dem Imperius. Sonst würden sie mich nicht weiter tun lassen, was ich tue. Hast du vielleicht irgendwelche Beweise? Hm?“
Pius hatte Angst. Wenn er ehrlich war, hatte er panische Angst vor dem, was dieser Junge gleich sagen könnte.
Jack starrte weiter nur auf Rowan. Wie konnte der weiter so reden? Wusste er denn nicht, wen er verdammt nochmal vor sich hatte? Dieser Trottel würde sie noch beide umbringen.
Gut, es schien so, als hätte er Recht, aber egal wer diesen Körper lenkte, er war gefährlich. Jeder der Phönixe konnte das bestätigen.
Wenn er wütend war, war er unberechenbar und schon so mancher von ihnen war einfach tot umgefallen, nur weil er Thicknesse an einem schlechten Tag erwischt hatte.
Jack sah zu Rowan und sagte leise: „Rowan, sei ruhig. Sei einfach ruhig!“ Wenn er jetzt auch noch für den Tod von diesem Idioten verantwortlich sein würde, würde er dieses ganze Gebäude in die Luft jagen.
 
Rowan sah Thicknesse eine ganze Weile nur ruhig an, viel zu ruhig für einen angeblichen Lügner und blinzelte langsam und gelassen, ehe er wieder anfing zu lächeln. Schien ja alles nach Plan zu laufen.
„Hab ich da etwa einen wunden Punkt getroffen?“ So süß wie er es sagte, so kalt war sein Blick danach, den er ihm zuwarf. „Was bist du nur für ein Politiker, Pius. Lässt dich einfach so manipulieren und merkst es nicht einmal- Oh nein, du scheinst ja dann doch perfekt zu den Job zu sein.“
Langsam gingen Rowan dennoch die Ideen aus. Auch wenn er es nicht zugeben mochte, er war immerhin ohne jegliche Vorbereitung in diese miserable Lage hinein gefallen und musste sich jetzt alles aus den Fingern saugen. Der nächste Schritt sollte bedacht sein und sollte den sowieso schon aufgewühlten Thicknesse nicht soweit bringen einfach Jack umzunieten, bevor Rowan auch nur den Hauch einer Chance hatte sie beide da lebend rauszubringen.
Mit einem kurzen Seitenblick zu Yaxley, runzelte er schließlich nachdenklich seine Stirn. War es vielleicht sogar heute soweit? Er hatte damit gerechnet, dass das Ministeriums bald fallen würde, aber jetzt… Aber was für eine andere Erklärung gab es dafür, dass Yaxley höchst persönlich einmal an seinem Arbeitsplatz auftauchte und nicht Thicknesse oder einer seiner Bediensteten vorschickte? Sicherlich war er auf Geheiß seines Lords hier und so wie er scharf Rowan betrachtete, schien der junge Zauberer gerade zwei Drahtseilakte zu vollführen.
Einmal den tollkühnen Akt Thicknesse von seinem hohen Ross zu stoßen und zum anderen seine Maske des treuen Todessers zu bewahren, die er sich in den letzten Monaten aufgebaut hatte. Er war zwar rasch aufgestiegen, doch den Schein des Neuen hatte er noch nicht abgelegt, als dass er sich so weit aus dem Fenster lehnen konnte wie er es jetzt tat.
Yaxley indes schien schrittweise näher zu kommen. Mit Raubtier artigen Schritten ging er langsam und abwartend um den Tisch herum, der für Rowan reserviert war und beobachtete die ganze Szene aus dem Hintergrund, doch es würde nicht mehr lange dauern, bis sich der Todesser einmischen würde. Vielleicht tat er es ja schon jetzt…
Rowan bemerkte wie Yaxley nur leicht seinen Zauberstab hob, den er in seiner rechten Hand hielt und den man unter den langen Ärmeln seiner edlen Robe gar nicht ganz sehen konnte.
Silberne Fäden fingen an sich aus seiner Spitze zu ziehen und krochen langsam auf Thicknesse zu.
Rowan fing, ohne sich weiter ablenken zu lassen, wieder an zu reden und betrachtete dann den Zauberer vor sich mit solcher Neugier, wie man es wohl kaum bei einem Todesser sah.
„Wie sich das wohl anfühlt? So eine plötzliche Lebens verändernde Erkenntnis?“
 
Pius bemerkte, dass er an Glaubwürdigkeit verlor. Die Auroren hinter ihm sahen schon recht misstrauisch drein. Plötzlich bemerkte er einen Neuen im Raum. Er war erleichtert. Yaxley hatte ihm schon oft genug aus der Patsche geholfen (hust hust). „Hallo. Willst du diesen Abschaum eine Weile über-“ Doch er brach seinen Satz ab. Ein Gefühl der Leichtigkeit durchfuhr seinen Körper. Und in diesem Moment war ihm klar, dass der Junge Recht hatte.
Doch nur diesen einen Moment. Dann stand er einfach nur still und glücklich lächelnd da. War eine Schachfigur, die darauf wartete, am Zug zu sein.
Jack starrte verwirrt auf das Geschehen. Thicknesse schien tatsächlich unter dem Imperius zu stehen. Und so wie es aussah war Yaxley derjenige, der ihn ausführte. Jack lief es kalt den Rücken herunter. Er hatte immer gedacht, Yaxley wäre einer von den Guten. So konnte man sich täuschen. Das änderte die Sache natürlich. Yaxley würde ihn kaum laufen lassen, wenn er sein Geheimnis kannte und auch die Auroren machten nicht den Eindruck, als würden sie gegen ihre Anweisungen verstoßen. Und wenn ihr Vorgesetzter drei Mal unter dem Imperius stand.
Doch sie schienen abgelenkt. Jack versuchte sich zu bewegen und ja, der Fluch war von ihm abgefallen. Er fühlte sich zwar etwas matt und ein wenig Blut tropfte seine Wange herunter, aber wenigstens war er frei von ihren unsichtbaren Fesseln.
Hier war seine Ausbildung Gold wert. Ohne das geringste Geräusch zu verursachen stand er langsam auf und packte sich den Zauberstab der Aurorin, die links von ihm stand. Sie schien die ganze Zeit etwas angewidert und abwesend gewesen zu sein und auch jetzt war es kaum ein Problem ihr den kleinen  Stab abzunehmen. Bevor sie reagieren konnte murmelte Jack: „Expelliarmus!“ und auch der Zauberstab des anderen Aurors flog ihm zu. Die beiden wollten protestieren, aber Jack richtete ihre eigenen Zauberstäbe auf sie. Die Frau mit den rosa Haaren links von ihm biss sich auf die Lippen und auch der Auror ließ seine Hände sinken, die er wie um sich zu prügeln erhoben hatte.
Jack hoffte, mit diesem kleinen Kunststück ein wenig Eindruck zu schinden, sodass man ihn ohne nach seiner Herkunft und seinem Namen zu fragen gehen lassen würde. Er sah fragend zu Rowan. „Können wir jetzt gehen?“
 
Es war alles so schnell passiert, dass Rowan erst einmal gedanklich gar nicht folgen konnte. Er war immer noch dabei gewesen sich gerade einen Fluchtplan auszudenken, als plötzlich Yaxley herum wirbelte, um den Verursacher des laut ausgerufenen Zaubers auszumachen, der ihn hatte zusammen zucken lassen.
Der junge Mann indes bemerkte wie sich die magischen Fesseln an seinen Handgelenken lösten und er diese wieder frei bewegen konnte. Mit einer kurzen fließenden Bewegung zog er seine Arme aus den schweren Ketten, die nun vom Tisch langsam hinunter auf den Boden rutschten und gerade noch Rowans Füße verfehlten, als dieser aufstand und hinüber zu Yaxley ging und ihm einen Moment einen vielsagenden Blick zuwarf.
„Jack lass deinen Stab sinken“, fing er langsam an, seine Stimme klang einen Moment heiser, das Zeichen von der Schwäche und Angst, das er so lange unterdrückt gehalten hatte. So kannte er sich normalerweise nicht einmal selbst.
„Ich habe alles unter Kontrolle, keine Angst“, fügte er hinzu und wandte sich dann zu Thicknesse, der ihm unter dem Fluch stehend einfach seinen Zauberstab wieder aushändigte, den er lose in seiner Umhangstasche aufgewahrt hatte.
Dieser Trottel. Wenn Jack jetzt nicht gehandelt hätte, wäre er oder Rowan sicherlich irgendwann auf die Idee gekommen diesen zu stehlen. Er hatte wohl in seiner ganzen Aufregung nicht mehr daran gedacht ihn sicher zu verwahren.
Einen Moment lang abgelenkt räusperte sich nun Yaxley in der aufgekeimten und unangenehmen Stille, die die Luft dick wie Butter hatte werden lassen. Die Anspannung in dem kleinen Kerker konnte man fast schon schmecken, als der Todesser endlich seinen Mund öffnete, nachdem er sein bestes arrogantes Lächeln aufgesetzt hatte.
„Es ist soweit“, sagte er zu Rowan hinüber gewandt und sein Schmunzeln verbreitete sich, sodass man seine weißpolierten Zähne sehen konnte. „In Gefangenschaft konnte der Lord dich sicherlich nicht erreichen, aber ja… es ist soweit. Und es hat wohl schon angefangen. Hörst du es?“
Seine Stimme war glatt und kalt, sodass es dem Salem einen Schauer über den Rücken jagte, was er allerdings nicht zeigte. Vor anderen Todessern war es dringlichst zu vermeiden Schwäche zu zeigen, auch wenn es nur ein kurzes Zucken war. Also lächelte er und da er eigentlich schon immer ein guter Schauspieler gewesen war, schien es sogar echt zu sein.
„Natürlich. Die gedämpften Schreie? Ich denke der Kampf dort oben wird jetzt schon einige Minuten dauern. Aber ich frag mich nur, was machen wir mit ihnen?“ Er nickte hinüber zu den beiden Auroren.
„Tonks und Kingsley?“
„Jaa, Tonks und Kingsley, danke mein Guter“, grinste Rowan als antwort sich hinein und tätschelte fast schon liebevoll auf Yaxleys Schulter, womit er sich nur einen spöttischen Blick des anderen einfing. Er überging diesen gekonnt und sprach sofort weiter: „Allerdings möchte ich davon abraten dem Kleinen hier was zu tun. Er arbeitet derzeit mit mir zusammen und Thicknesse scheint den Braten gerochen zu haben, sonst wären wir ja wohl nicht hier, was?“
 
Jack sah erleichtert, dass die Fesseln des Stuhls nachgaben und Rowan wieder frei ließen. Dieser ging langsam auf ihn zu und hielt ihn an seinen Zauberstab sinken zu lassen was Jack hastig tat.  Er hatte an Rowans Stimme gehört, dass dieser nicht halb so ruhig war, wie er die ganze Zeit vorgegeben hatte.
„Okay...“, murmelte er als Antwort auf den zweiten Satz. Auch er hielt es im Moment für besser, sich im Hintergrund zu halten. Schließlich hatte er hier nicht gerade die besten Voraussetzungen. Allein seine Herkunft gab Yaxley einen guten Grund ihn zu hassen. Aber da er auch noch wusste, was Jack alles getan hatte... er fragte sich, wie Rowan ihn hier herausboxen sollte. Wenn er das überhaupt noch wollte. Schließlich war er wegen ihm hier. Sie hatten ihn wegen Jack gefoltert. Alles nur, weil er ihn verraten hatte. Verraten musste...
Er wandte sich zu dem Todesser um, als dieser sich räusperte. Seine Worte ließen ihn aufhorchen. Ja, auch er konnte Schreie hören. Er fragte sich, was dort oben passierte. Natürlich konnte er sich zusammenreimen, dass ein Kampf ausgebrochen war. Und wenn er mal darüber nachdachte... Yaxley war im Ministerium. Wer sagte eigentlich, dass nicht noch mehr Todesser als Spione eingesetzt waren?
Er biss wie immer, wenn er aufgeregt war, auf seiner Unterlippe herum. Was, wenn das alles schon ewig geplant war? Was, wenn dort oben gerade das Ministerium fiel? Da konnte nichts Gutes dabei herauskommen. Er musste so schnell wie möglich hier weg. Wenn die Todesser hier wirklich die Macht ergreifen sollten, hatte er sonst kaum eine Chance.
Aus den Augenwinkeln suchte er nach einem Fluchtweg. Da hörte er Rowan wieder sprechen und er hätte kotzen können. Natürlich war es die einzige Möglichkeit, aber diese dumme Schleimerei ging ihm trotzdem auf die Nerven.
Dann sprach Rowan weiter und sein nächster Satz ließ Jack nun wirklich aufhorchen. Gut, Rowan versuchte es auf die Tour. Vielleicht konnten sie fliehen, bevor Yaxley wusste wer und was er war. Wenn ihm das nicht von vorneherein klar war, was Jack befürchtete. Er sah nur Yaxley an und hoffte einfach auf eine positive Antwort. Er konnte hier nicht sterben. Nicht, wenn Sel noch in Askaban saß. Schließlich war er der Einzige, den es interessierte. Er war der Einzige, der sie dort herausholen konnte. Er umklammerte den Zauberstab fester. Nein, heute würde er mit Sicherheit nicht draufgehen.
 
Yaxley nickte schließlich und schien mit sich selbst außerordentlich zufrieden zu sein, während er seinen eigenen Zauberstab hob und ihn auf Tonks und Kingsley richtete. Rowan stand eher unbeteiligt daneben ehe er ebenfalls seinen Zauberstab etwas hob, allerdings damit auf die Tür zielte und diese öffnete.
Die beiden Auroren standen immer noch mit erhobenen Armen in der Mitte des Zimmers und hielten sich bedeckt, ob aus Angst oder Weisheit, wusste er nicht, doch er konnte ahnen was es war. Die zwei wussten, was hier auf dem Spiel stand und nach Tonks Blick zu urteilen würde sie jetzt wohl am liebsten nach oben in das Gedränge stürzen und für ihre Überzeugung kämpfen.
Das traurigste aber war, dass Rowan das auch liebend gern zugelassen hätte, doch dann wäre seiner Tarnung aufgeflogen und er konnte niemandem mehr helfen. Es war einfach noch nicht an der Zeit.
So musterte er ebenfalls einen Moment die beiden Zauberer und trat einen Schritt näher, ehe er dann matt lächelte und seine Stimme erhob.
„Mach dir keine Sorgen, Yaxley – Ich erledige das… Du willst dir doch nicht die Hände schmutzig machen“, sagte er so abfällig wie er nur konnte und musterte die beiden dabei von oben bis unten, bis er sich schließlich wieder zu Jack wandte und ihm mit einem Blick weiterhin gebot Ruhe zu bewahren, bis diese ganze Situation ausgestanden war.
„Auf Geheiß des Lords soll ich mit Hilfe seiner Informationen die restlichen Phönixe finden und ausmerzen und was dich angeht… er ruft dich doch sicherlich?“
Yaxleys plötzlich wieder kühler Blick traf Rowan unvorbereitet und ließ ihn kurz zusammen zucken, was den älteren Todesser allerdings gar nicht aufzufallen schien. Im Gegenteil er sah den jungen Mann durchdringend an und fing dann wieder an zu schmunzeln.
„Ich kann dich nicht leiden Salem, aber deine Schwester ist einfach eine zu gute Angestellte. Wenn du dich auch endlich einmal so respektvoll verhalten würdest, wärt ihr vielleicht einige eurer Sorgen los.“
„Später, nicht jetzt, du verstehst? Und jetzt gehen wir lieber, ja?“, Rowan lächelte ihn freundlich an und sprach zwar in einem höflichen Ton mit ihm, doch das Glitzern in seinem Blick verriet einen Moment seine Abneigung gegen den Todesser, sodass dieser nur verärgert die Stirn runzelte und dann während dem Hinausstürmen, Rowan noch etwas zuzischte.
„Mach dich auf unsere nächste Begegnung gefasst, Salem. Und wehe du erledigst deine Arbeit nicht gründlich.“
Erst als die Kerkertür schließlich ins Schloss fiel, schien der junge Mann sichtlich erleichtert zu sein. Bevor er allerdings irgendetwas tat, fing er an Thicknesse zu untersuchen, der immer noch in einer benebelten Trance zu sein schien. Sicherlich hatte Yaxley ihn als Wache da gelassen, doch so ein einfacher Gedächtniszauber, sollte da schon Abhilfe verschaffen oder?
Ohne ein Wort zu sagen, wandte er sich schließlich um und schockte ihn Vorwarnung die beiden Auroren, sodass sie bewusstlos zu Boden fielen.
Direkt nachdem er sich dann um Yaxley gekümmert hatte und ihm einen kräftigen Gedächtniszauber verpasst hatte, hielt er Jack die Hand hin und nickte grinsend zur Tür.
„Jetzt ist es Zeit zu gehen.“
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Roel Salem
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BeitragThema: Re: Was bisher geschah *drama-button*   Mo Sep 23, 2013 1:46 am

Es war nicht so, als hätte Rhydian Spaß daran, im Ministerium zu sein. Nicht heute und schon gar nicht jetzt.
Die immer wiederkehrenden Schreie waren mal positiv aufzufassen, mal nicht. Der Versuch, sie zuzuordnen, scheiterte kläglich und ihm hätte von Anfang an klar sein müssen, dass diese Situation ihn überfordern würde. Die Beamten des Ministeriums auf der einen Seite, die Todesser auf der anderen. Es war zum verrückt werden.
Er hatte sich dazu bereit erklärt, aber zu kurzfristig gedacht. Er bereute es. Weniger, weil er zwischen den Fronten stand, sondern mehr, weil er die Überlegung der Konsequenzen nicht bedacht hatte. Er sollte sich schämen und dessen war er sich bewusst.
Sein Vater hätte ihm gesagt, dass er zu unaufmerksam war. Dem konnte er nur zustimmen, war es doch nur seine Unachtsamkeit gewesen, die ihn in diese Bredouille gebracht hatte.
Außerdem hätte sein Vater gesagt, dass er sich aus diesem Schlamassel leicht befreien könnte. Er müsse doch nur abwägen, welche Option die beste war.
Rhydian duckte sich unter einem Fluch weg und schleuderte einen Tarantallegra zurück. Er traf einen Todesser; mit etwas Glück hätte er Crabbe erwischt; ein dümmlicher Zeitgenosse, bei dem Rhydian sich sicher war, dass die intelligenteste Entscheidung in seinem Leben das Dunkle Mal gewesen war.
Der Todesser tanzte und gab nicht zu identifizierende Geräusche von sich, was Rhydian dazu veranlasste, sich umzudrehen und sich mit schnellen Schritten aus der Gefahrenzone zu begeben.
Aber er war nicht ohne Grund hier, hatte er doch seine eigenen Befehle erhalten.
Die Gefangenen... zu Verhörenden, wie er sie selbst gern nannte, warteten unten auf ihn; nicht ganz freiwillig, wie er zugeben musste, aber das spielte keine Rolle, wenn es darum ging, dass Rhydian seine Pflichten erfüllen sollte.
Er beschleunigte seine Schritte noch einmal und warf kaum einen Blick nach links und rechts, denn er wusste, dass er sich vom Geschehen wegbewegte. Keiner wagte es, sich in diesen Teil zu begeben, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.
Die Schreie wurden leiser, aber verhallten nicht. Kein gutes Zeichen, dachte Rhydian sich.
Als er nur noch einen Gang vom Verhörraum entfernt war, schien es ihm, als würden ihm Stimmen entgegenkommen.
Noch einen Schritt, dann noch einen. Dann war ihm klar, woher die Stimmen kamen.
 
Als kälter, glatt polierter Stein den dunklen staubigen Böden der Kerker wich, wusste er, dass sie es bald geschafft haben würden. Ihre Schritte hallten nun bei jedem Schritt durch die Gänge, anders als vorhin, als sie vom Schmutz der Kellerräume erstickt worden waren und sie niemand hatte hören können.
Jetzt, so schoss es Rowan kurz durch seinen hübschen Kopf, schien es unwahrscheinlich, dass sie nicht entdeckt werden würden, doch bei den immer näher rückenden Schreien und Kampfgeräuschen betrachtete er dies als von eher zweitrangiger Natur.
Viel wichtiger war, dass sie hier so schnell wie möglich raus kommen würden, hinaus ins Freie, wo sie apparieren und aus der Gefahrenzone entkommen konnten. Im Anbetracht der jetzigen Lage schien das zwar schwer, doch der junge Mann redete sich immer wieder ein, dass sie es schaffen mussten. Schließlich hatte nicht nur Jacky ein Versprechen gegeben.
Da war ja noch immerhin Roel, die auf ihn wartete. Er würde sie nicht hängen lassen, nein, nicht schon wieder.
Die letzten Monate waren schon schwierig gewesen. Allein die erneute Begegnung mit seiner Schwester, die ihn für so lange für verschollen gehalten hatte, hatte unter keinem guten Stern gestanden. Sie hatte ihn erwischt, als er bei ihrem Ziehvater eingebrochen war, um genauer zu sein in sein Büro. Damals hatte er eigentlich vorgehabt einige Unterlagen zu stehlen, um sie dann ans Ministerium zu verkaufen, da er wie immer unter Geldsorgen litt, aber ihr Anblick hatte seine Meinung geändert. Seitdem war er eigentlich für sie dagewesen. Oder hatte es zumindest versucht. Immerhin war er ihr das nach all den Jahren einfach schuldig und so konnte er heute Nacht hier nicht sterben. Sie würden es schaffen.
Während er also die Katakomben des Ministeriums durchschritt und diesen Gedanken nachhing, drückte er Jacks Hand etwas, fast schon als ob er sich selbst damit beruhigen wollte. Seine Miene sprach allerdings von etwas anderem.
Seine Augen waren zielstrebig auf den Weg vor ihnen gerichtet. Sein Mund war geschlossen und gelassen, er presste seine Lippen nicht wie sonst aufeinander, wenn er nervös war, nein er schien relativ gefasst. Vielleicht gerade weil er Jack bei sich hatte.
Schließlich öffnete er seinen Mund, als sie schon einige Minuten gelaufen waren und ließ die Hand des Jüngeren los, um sich dann beim Gehen etwas zu ihm zu wenden.
„Die Kämpfe müssen nicht mehr weit sein, ich kann die Flüche schon ziemlich deutlich hören… Komm, schneller“, murmelte er ihm zu, beschleunigte seine Schritte und sah bei Vorrübergehen immer wieder in die angrenzenden dunklen Gänge, die sich aber meistens als unbelebt entpuppten.
„Kennst du dich hier unten auch sicher aus? Ich meine, das hier ist ein einziges Labyrinth… Oh Scheiße-„
Gerade als er seinen Satz hatte beenden wollen, blieb er abrupt und fluchend stehen. Er hörte Schritte und die waren ziemlich nah, viel zu nah.
Einen Augenblick weiteten sich seine Augen erschrocken, ehe er reflexartig die Kapuze seines dunklen Umhangs über seinen Kopf zog und nach wenigen Sekunden erkannte wer da um die Ecke kam.
Ein junger Mann, der ziemlich gestresst auf Rowan wirkte, steuerte direkt auf sie zu. Er kannte ihn nicht, aber so wie er aussah schien er auf jeden Fall etwas mit dem Ministerium zu tun zu haben, sodass er mit einer kurzen Bewegung seines Kopfes Jack einen bedeutungsvollen Blick zuwarf.
 
Sie liefen immer weiter durch die dunklen Korridore. Jack dachte nur daran, hier heraus zu kommen. Er musste einfach. Sel zählte auf ihn. Gut, wahrscheinlich verfluchte sie ihn im Moment, aber trotzdem musste er sie da so schnell wie möglich herausholen. Und wenn er tot war, war das ziemlich schwierig. Er fragte sich sowieso wie das nun möglich sein sollte. Schließlich war der einzige, bei dem er wusste, dass er die Macht dazu hatte Thicknesse. Und der war wohl nach dieser ganzen Aktion nicht gerade gut auf ihn zu sprechen. Aber er würde schon einen Weg finden. Und wenn er verdammt nochmal das ganze Gebäude in die Luft sprengen würde.
Jack bemerkte, dass Rowan seine Hand fest gedrückt hielt und er drückte leicht zurück. Doch seine Aufregung war wie weggeblasen. Er war nun in seinem Element.
Durch diese Gänge war er schon hunderte von Malen gegangen und nie hatte etwas Erfreuliches auf ihn gewartet. Gefühle wie Angst waren tief in ihm vergraben und er handelte wie eine Maschine. Als Rowan anfing zu reden nickte er nur. Ja, sie konnten nicht mehr weit davon entfernt sein. Zielstrebig lief er weiter. Trotzdem schien Rowan etwas nervös zu sein. Er fragte gerade nach, ob Jack sich wirklich hier auskannte, als auf einmal ganz in der Nähe Schritte zu hören waren. Jack blieb stehen und sah aus dem Augenwinkel, wie Rowan sich eine Kapuze über den Kopf warf. Gut! Somit konnte niemand erkennen, wer er war.
In diesem Moment bog ein junger Zauberer um die Ecke, den Jack vom sehen her kannte. Nur an seinen Namen konnte er sich beim besten Willen nicht erinnern. Er bemerkte, das Rowan ihm einen Blick zuwarf und er wusste, dass er nun an der Reihe war.
Er setzte einen alltäglichen Gesichtsausdruck auf und fragte: „Was ist da oben los? Wir haben gerade einen Gefangenen verhört und durch die Decke hörte man Schreie.“
Er war sich ziemlich sicher, das Thicknesse nicht die Zeit gehabt hatte um ihn anzuschwärzen. Außerdem war er nur ein kleines Licht hier. Wer hätte gedacht, dass es jemals wichtig sein könnte, dass andere wussten, dass er verdächtig viel mit Todessern zu schaffen hatte.
 
Ein Vermummter und ein … Rhydian war sich nicht sicher, wie er ihn beschreiben sollte. Wahrscheinlich sollte er sich gar keine Gedanken darum machen, schließlich hatte er wichtiges zu tun. Der zu Verhörende... der Gefangene, der Todesser.
Neutralblick, wichtig bei der Kommunikation mit Beamten des Ministeriums; vor allem bei Phönixen, die viel zu leicht zu reizen und damit auch viel zu leicht zu überrumpeln waren. Rhydian hatte es zur Genüge mitbekommen.
Er verschränkt die Arme vor der Brust, versuchte nicht auf das verborgene Gesicht des Vermummten zu achten, in der Hoffnung, einen Blick darauf zu erhaschen. Er musste sich korrekt verhalten.
„Das Ministerium wird angegriffen“, sagte er und beobachtete den, den er schon als Phönix identifiziert hatte. „Todesser sind eingefallen und kämpfen mit den Phönixen. Ein paar Beamte befinden sich mittendrin.“
Er machte eine kleine Pause, in der er sich unauffällig vergewisserte, dass sein Zauberstab noch in seinem Ärmel und somit in Reichweite war.
„Ich habe die Aufgabe, Thicknesse abzulösen und den Gefangenen zu verhören“, fuhr er fort. „Angesichts der Lage wäre es allerdings von Vorteil, ihn zu holen und ihn in Sicherheit zu bringen, bevor wir ihn weiter verhören. Ein toter Gefangener ist schlechter als gar kein Gefangener.“
Es kam nie gut, in einem Bericht zuzugeben, dass man den zu Verhörenden hatte sterben lassen. Es wirkte sich auch nicht sonderlich positiv auf die Karriere aus, vor allem, wenn es um Informationen wie diese ging.
Der Todesser musste befreit werden, bevor die Beamten oder die Phönixe in den Keller vordringen würden. Wahrscheinlich war es sogar schlecht, wenn die Todesser nach unten kamen. Für den Gefangenen schien es nicht gut zu stehen. In dieser Zeit war jeder misstrauisch und die Todesser würden einen der Ihren wohl lieber tot sehen, als die Gefahr einzugehen, dass Informationen von ihnen nach außen gesickert waren.
'Rowan' hieß der Gefangene und es war nötig, ihn zu holen.
Etwas anderes blieb Rhydian nicht übrig.
 
Rowan hatte eigentlich vor gehabt sich im Laufe des Gesprächs mit dem Fremden nicht einzumischen, doch irgendetwas an diesem jungen Mann störte ihn sichtlich, sodass er seinen Griff um den Zauberstab in seiner Hand zwar verdeckt von den langen Ärmeln seines Umhangs festigte. Unter seiner dunklen Kapuze runzelte er die Stirn und musterte den anderen ausgiebig, ehe er einen kurzen Seitenblick zu Jack hinüber warf.
Wer war dieser Kerl? Sicherlich, er musste zum Ministerium gehören, doch etwas an seinem Verhalten sagte ihm, dass die beiden lieber vorsichtig sein sollten. Schließlich war es Yaxley nun auch über Jahre gelungen nicht als Todesser aufzufallen und den Zauberern und Hexen um ihn herum glaubhaft darzustellen, dass er eigentlich gegen seinesgleichen kämpfte und die dunklen Künste verabscheute. So war es also mit reinen Äußerlichkeiten nicht getan.
Immerhin wusste Rowan eins sicher. Der Mann vor ihnen verhielt sich verdächtig ruhig und besonnen, andere hätten in seiner Situation sicherlich Panik bekommen oder wären wesentlich hektischer hinunter in die Kerker gerannt und vielleicht sogar einfach an ihnen zwei vorbei.
Mit einem leicht bitteren Schmunzeln auf seinen Lippen öffnete er schließlich seinen Mund und Rowan fixierte währenddessen den Fremden mit seinem Blick.
„Thicknesse befindet sich noch unten, doch Yaxley hat den Gefangenen bereits in Sicherheit gebracht. Hat er das nicht erwähnt?“, er hielt seine Stimme ruhig, ließ einen leicht hektischen Unterton heraushören, sodass man ihm vielleicht anmerkte, dass sie womöglich gerade aus einem Kampf mit ein paar Todessern kamen. Ob der andere diesen Köder schlucken würde, wusste er natürlich nicht, doch er hoffte es innständig.
„Vielleicht solltest du allerdings nach Thicknesse sehen. Er und die anderen Auroren scheinen noch nicht geflohen zu sein – nicht dass etwas passiert ist.“
 
Jack sah zu Rowan und versuchte, sich zu beherrschen. Warum mischte der sich jetzt ein? Gut, er hatte sie nicht verraten, aber es war zu gefährlich. Dieser andere Typ konnte schließlich auch einer der Todesser sein, so wie er sich verhielt und somit konnte er Rowan vielleicht erkennen.
Doch diese Gedanken verflogen sofort, als er hinter sich die Geräusche von Schritten hörte. War Thicknesse doch noch aufgewacht? Jack wirbelte herum und ihm fiel im wahrsten Sinne des Wortes die Kinnlade herunter. Vor ihm stand Sel. Eine ziemlich ramponierte Sel ja, aber definitiv Sel.
Sie wischte sich mit dem Handrücken ein wenig Blut aus dem Gesicht, das aus ihrem Mundwinkel lief und sagte: „Guck nicht so blöd, Kleiner! Was dachtest du denn, wie lange mich diese verdammten Arschlöcher noch da drin festhalten würden?“ Dann bemerkte sie die anderen Beiden und fügte hinzu: „Ach, du hast hier schon wieder neue Freunde gefunden. Guten Tag, mein Name ist Sel. Ich bin gerade aus dem Sicherheitstrakt geflohen und ich habe definitiv vor hier so schnell wie möglich zu verschwinden. Demnach, arrividerci!“ Damit rannte sie an ihnen vorbei in Richtung Ausgang. Über ihre Schulter fügte sie noch hinzu: „Du weißt ja, wo du mich findest, Kleiner!“
Jack starrte ihr nur weiter mit offenem Mund nach und fragte sich im gleichen Augenblick, warum sie große Auftritte so sehr liebte.
Langsam sickerte die Nachricht auch in sein Großhirn vor. Sel war frei. Und gleichzeitig hatte sie sie in eine ziemlich beschissene Situation gebracht. Er schob den Gedanken an Sel zur Seite und stellte sich eine viel wichtigere Frage.Wie zur Hölle sollte er das hier gerade erklären? Er sah kurz hilfesuchend zu Rowan, dann zu dem Zauberer vor ihm und er wusste, dass er wahrscheinlich keine andere Wahl hatte. Er hob seinen Zauberstab und murmelte: „Expelliarmus!“ Dann hielt er den Zauberstab des anderen Zauberers in der Hand. Er drehte sich zu Rowan während sein eigener Stab immer noch auf den Ministeriumsangestellten zeigte. „Was soll'n wir mit dem machen? Wir können ihn schlecht unbewaffnet hier stehen lassen! Die bringen ihn doch um.“
Er hoffte, Rowan würde etwas vernünftiges einfallen. Er persönlich wusste, dass sie ihn entweder mitnehmen konnten oder ihn seinem Schicksal überlassen. Beides schien ihm nicht sehr prickelnd.
 
Gerade hatte Rowan wieder etwas sagen wollen, hatte seinen Blick auch schon in Jack Richtung gewandt, hielt er abrupt inne und schien kurz zu erstarren. Mit einem kurzen Zucken wirbelte der junge Zauberer herum und musterte die Fremde, die gerade angerannt gekommen war und dann auch so schnell wieder verschwand, wie sie ihren Standort erreicht hatte. Dass jemand anderes nun die Szene betreten würde, hätte er ehrlich gesagt nicht erwartet und auch wenn Jack diese Frau zu kennen schien, ließ Rowan das Geschehen zuerst unkommentiert und richtete dann auch seinen Zauberstab auf den vermeintlichen Ministeriumsangestellten, behielt den Stab auch noch oben als Jack ihn entwaffnete und behielt ihn so im Auge.
Erst nach einigen Momenten zog er dann langsam seine Kapuze von seinem Kopf und offenbarte so nicht nur sein Gesicht, sondern auch einen ziemlich zersausten Schopf aus dunkelblonden Haaren. Kurz schmunzelte er während er langsam auf den anderen zuschritt und ihn von oben bis unten betrachtete.
„Ich kenne ihn… von den Todessern“, murmelte er schließlich und packte den anderen grob am Kragen. „Wie ist dein Name?“
 
Rhydian war nicht ganz klar, auf was er zuerst reagieren sollte. Auf den Entwaffnungsspruch, auf das herstürmende Mädchen, das sogleich wieder verschwunden war, oder auf den Todesser, der sich ihm so eben offenbart hatte.
Er schwieg und begann abzuwägen, ob er sich ihnen offenbaren sollte oder ob es besser wäre, etwas vorzugeben, das nicht war, um alles zu vereinfachen.
„Rhydian Rookwood“, beantwortete er die Frage, noch immer unschlüssig, was er tun sollte.
Die Finger seiner linken Hand zuckten, als er in einer Art Reflex nach seinem Zauberstab griff, den er normalerweise im Ärmel hatte, der aber nun in der Hand des Einen lag. Wäre er allein gewesen, hätte er über seine eigene irrationale Verhaltensweise den Kopf geschüttelt. Doch das war er nicht, weswegen er einfach nur seine Fingerspitzen aneinander tippte und darauf hoffte, dass einer der beiden ihm wohlgesonnen war.
„Du kommst mir bekannt vor“, wandte er sich dann an den, der ihn nach seinem Namen gefragt hatte. Dann drehte er sich zu dem, der ihm den Zauberstab unter die Nase hielt und sagte ruhig: „Würdest du das Ding bitte runternehmen.“
Er drehte sich wieder zu dem Ersteren und versuchte ihn in dem spärlichen Licht zu erkennen. Blonde Haare, markantes Gesicht. Er kam ihm bekannt vor, aber er wüsste nicht woher. Vielleicht war er ihm irgendwann einmal über den Weg gelaufen; im Ministerium … oder: bei einem Todessertreffen!
Sie verdeckten ihre Gesichter bei ihren Treffen mit Masken, doch seine Stimme und die Art, wie er sich bewegte, kam Rhydian bekannt vor.
Wenn er sich doch nur darauf besinnen könnte, woher genau er ihn kannte. Dann könnte er sich einen Plan zurechtlegen. Doch so ganz ohne Strategie würde er es hier nicht rausschaffen. Oben tobte der Kampf, hier unten waren nicht zu identifizierende Menschen, denen er sich wohl notgedrungen anschließen würde.
 
„Rhydian Rookwood, huh?“, das zuerst misstrauisch dreinblickende Gesicht wandelte sich in eine entspanntere Miene ehe er seinen Zauberstab etwas sinken ließ, ihn allerdings immer noch leicht auf den anderen gerichtet hatte. Seine Stimme hallte leicht gegen die steinernen Wände wieder, die glänzend das Licht seines Zauberstabs wieder spiegelte, als er damit ein kleines Licht entfacht hatte, um das Gesicht des Fremden besser betrachten zu können. Dabei wurde auch seines heller ausgeleuchtet und man konnte seine Augen kurz aufblitzen sehen, während er schließlich anfing zu lächeln.
„Rowan Salem. Wir kennen uns aus Malfoy Manor und wahrscheinlich auch aus Yaxleys Anwesen“, fing er schließlich an und schmunzelte noch etwas breiter während er sprach.
Was Jack davon halten würde, wie er mit dem anderen Todesser umging, kümmerte ihn im Moment nicht. Schließlich wusste sein Freund, dass er die Maske des treuen Dieners aufrecht erhalten musste, egal zu welchem Preis.
Mit einem kurzen Seitenblick vergewisserte sich Rowan kurz nach Jack, bevor er sich wieder dem anderen widmete, dem er abermals mit einem freundlichen Lächeln begegnete.
„Du verstehst, dass wir vorsichtig sein müssen? Dich zu entwaffnen, war wohl die einzig logische Idee, nicht wahr?“ Kurz hielt er inne und dachte einen Augenblick über seinen nächsten Schachzug nach. Er musste jetzt vorsichtig sein und wenn es ihm gelang Rhydians Vertrauen zu gewinnen, würden sie vielleicht sogar mit ihm hier hinaus kommen. Wenn aber nicht… Darüber wollte er ehrlich gesagt gerade nicht einmal nachdenken, dennoch legte er sich schnell einen Plan B zurecht, ehe er rasch fortfuhr zu sprechen.
„Also fangen wir von vorne an und zwar schnell, bevor wir noch mehr Besuch bekommen…“ Kurz nickte er hinter Rookwood. „Wer schickt dich? Ich denke kaum, dass mich der Lord höchst persönlich aus den Kerkern holen wollte. War es Gardien? Oder meine Schwester, Roel Salem?“
Er runzelte kurz bei diesem Gedanken die Stirn. Jaque Gardien würde ihn zwar aus den Fängen des Ministeriums befreien, doch eher ungern. Noch immer schien er ihm eher ein Dorn im Auge zu sein, als der Sohn seines toten besten Freundes.
Mit einem Zucken seines Kopfes schüttelte er das Ganze ab und widmete sich wieder seinem Gegenüber. Hatte er Rhydian vielleicht sogar jetzt schon zu viel erzählt?
Dass Jaque zwar nicht von den Todessern, allerdings vom Ministerium gesucht wurde, wusste er, doch wie viel hatte Jack verraten? Waren sie etwa komplett als Spione aufgeflogen?
 
Ok, die Nachricht, dass der Typ ein Todesser war kam nicht gerade überraschend. Trotzdem musste Jack schlucken. Wie vielen von diesen Trotteln würden sie heute noch begegnen? Rowan schien die Sache einigermaßen im Griff zu haben, auch wenn Jack sich über das schauspielerische Talent seines Freundes wundern musste. Er schaffte es wirklich, selbst Jack davon zu überzeugen, dass er auf Rhydians Seite stand. Aber das war ja auch gut so. Schließlich musste der Kerl überzeugt werden, damit er sie nicht beide ausknockte, sobald er eine Gelegenheit dazu hatte.
Er versuchte Rowan mit Blicken klar zu machen, dass er keine Ahnung hatte, was sie nun tun sollten. Er war nur darauf geschult worden, Todesser zu töten, nicht darauf, so zu tun, als wäre er selbst einer von ihnen.
Aber da Rhydian Rowans Geschichte zu schlucken schien, ließ er auf dessen Bitte hin seinen Zauberstab sinken.
Wieder hörte man die Schritte einer Person und als Jack aufblickte, bemerkte er wieder, dass es Sel war. Konnte sie sich eigentlich einmal entscheiden, was sie tat?
„Hey Leute, da vorne ist alles am Kämpfen und glaubt mir, ihr wollt da nicht mitmischen. Die Avadas fliegen einem nur so um die Ohren. Hab' gerade zwei -“, sie überlegte kurz „Nein, drei Leute umgenietet, aber da kommen immer mehr. Ist echt nicht lustig.“
Sie kam näher an die drei heran und betrachtete die zwei für sie Unbekannten. Ein Lächeln umspielte ihre vollen Lippen. „Hey Jacky, willst du mir deine netten Kumpels da nicht mal vorstellen?“
Jack schloss kurz die Augen, als wollte er Gott um Geduld anflehen. Konnte sie selbst in dieser Situation an nichts anderes denken?
„Sel, halt einfach die Klappe, okay?“, murmelte er. Doch sie hörte nicht auf ihn. Natürlich nicht.
Sie sah fast schon wütend aus. „Also erstens, hast du mir gar nichts zu sagen und zweitens solltest du mir dankbar sein, dass ich zurückgekommen bin. Schließlich wollte ich dich nur warnen. Was tust du eigentlich hier?“
Jack antwortete nur: „Mitbekommen, das Thicknesse unter einem Imperius von Yaxley steht und das Ministerium fallen sehen...“
Sels Blick wurde auf einmal ernst. „Ist Yaxley hier irgendwo?“ Auf sein Nicken schluckte sie nur. Das ganze Getue, dass sie immer aufsetzte, wenn es um Kämpfe oder Sex ging, war wie weggeblasen.
Sie krallte sich an ihrem Zauberstab fest und sagte: „Gut, dann pack deine Freunde, wir müssen sofort hier raus! Und wenn ich sage, sofort, dann meine ich sofort.“
Sie ging voraus durch die Gänge und rief zurück: „Kommt jetzt, verdammt nochmal!“
 
Fasziniert beobachtete er die Interaktionen dieser seltsamen Gruppierung, die scheinbar in sich nicht sehr stabil war. Die seltsame Frau, der aggressive junge Mann und sein einziger Verbündeter, von dem er wusste.
Nachdem sie also der Frau hinterherliefen, die sie dazu aufgefordert hatte, hatte Rhydian endlich genügend Zeit, Rowan die Fragen zu beantworten.
„Rhydian reicht als Anrede“, sagte er, als sie den Gang entlang gingen, „Logische Folge, natürlich. Das verstehe ich. Das Konzept der Logik ist mir vertraut.“
Er machte eine Pause, in der er leise auf seinen eigenen Atem hörte. Dann sprach er weiter: „Mich haben weder Roel Salem noch Jaque Gardien geschickt. Ich bin auf Wunsch anderer hier. Doch das spielt im Moment keine Rolle.“ Doch die Zeit würde kommen, dann würde er ihm Bericht erstatten müssen.
Er wollte nachfragen, wer die Frau war und er wollte wissen, wer der andere Mann war, doch er hielt sich zurück und schwieg.
Die Kampfgeräusche wurden immer leiser, man konnte nicht einmal mehr Stimmen hören, nur wenn ein besonders heftiger Fluch gegen Wände prallte und Stein einriss, konnte man ihn dort unten hören.
Rhydian achtete nur auf die Schritte der anderen, um sich an ihnen zu orientieren und sich nicht von irgendwelchen nicht eingeplanten Handlungen erschrecken zu lassen.
„Ich würde es begrüßen“, begann er zu sprechen, als es ganz still war, „wenn ich meinen Zauberstab wieder haben dürfte. Sollten wir angegriffen werden, würde ich mich gern verteidigen können.“
Sollte er ihn nicht wiederbekommen, würde sich so einiges an seinem Plan schwierig gestalten. Wie sollte er nur darauf reagieren, falls sie ihm nicht genug vertrauen sollten?
Würde er sich darüber echauffieren, würde es verdächtig wirken. Seine stoische Ruhe dagegen könnte ebenso verdächtig wirken. Wie reagierte man, wenn einem von Wildfremden nicht vertraut wurde?
Ein anderer Gedanke, der ihn beschäftigte, war, dass er ihr Vertrauen gewinnen musste. Ihnen zu erzählen, dass er nicht dort unten gewesen war, um jemanden zu befreien, würde dazu wohl nicht beitragen.
Ebenfalls hatte er noch nicht durchschaut, wie die beiden anderen gesinnt waren. Rowan war ein Todesser, so wie er. Aber wie konnte es sein, dass er mit zwei … nicht definierbaren Menschen durch die Gegend irrte. Irgendwie wusste er, dass der andere kein Reinblüter war.
Rhydians Hand zuckte wieder.
Nicht Raten war die Devise. Ohne forensische Beweise war nichts festzustellen und sich auf ein Gefühl zu verlassen , war irrational und damit inakzeptabel.
 
Kurz schien sich in Rowans Kopf alles zu drehen. Die Ereignisse überschlugen sich einem Moment, sodass er seine Augen schließen musste.
Das Ministerium. Thicknesse. Yaxley. Jack. Rookwood und nun auch noch Sel. Seine Gedanken drehten sich immer und immer wieder um die letzten Ereignisse, bis sie schließlich anhielten und ein verwirrendes Bild hinterließen, das Rowan erst einmal in Ruhe aussortieren musste.
Als er seine Lider wieder öffnete, schüttelte er so nur kurz seinen Kopf, bevor er dann Sel angrinste, unverschämt, breit und gutgelaunt. Wie fast immer hatte er dafür gesorgt, dass man dem Grinsen selbst nicht ansah, dass es falsch war, nein, allerdings hätte ein aufmerksamer Beobachter vielleicht einen kalten Schimmer in seinen Augen erkennen können, ehe er sich wieder etwas abwandte und nach vorne in den dunklen Gang blickte, der noch vor ihnen lag.
Einen Moment lang fühlte es sich so an wie damals als er und Jack noch fast unbekümmert eine Beziehung geführt hatte, sodass er jenes Lächeln rasch wieder schmälerte. Negative Gedanken hatten hier jetzt keinen Platz. Er hatte eine Maske aufrecht zu erhalten und auch wenn sie bröckelte, er musste an ihr festhalten. Schließlich hing doch noch so viel davon ab.
Schnell öffnete er seinen Mund, holte kurz nachdenklich Luft und antwortete ihr dann schnell, ehe er auf gleicher Höhe neben ihr lief.
„Wir klären die Formalitäten später, in Ordnung?“
Für langatmige Vorstellungsgespräche hatte der Zauberer ohnehin keine Nerven und so verschob sich auch das leidige Problem seines unter Phönixen doch so bekannten Namens. Und er wusste Sel war eine von ihnen.
Er kannte die junge Frau nicht persönlich, allerdings schien sie diejenige zu sein, die er von Erzählungen anderer Todesser kannte.
Selinda Yaxley. Die abtrünnige Tochter einer der höchstrangigen Todesser Voldemorts. Peinlich die ganze Sache, zumindest für ihren Vater, der es allerdings schon immer bevorzugt hatte Stillschweigen über sein zweites Kind zu bewahren und stattdessen lieber mit Amelia hausieren ging.
Einen Moment lief Rowan ein kalter Schauer über den Rücken. Wenn er schon an diese schreckliche Familie dachte wurde ihm übel-
„Mich haben weder Roel Salem noch Jaque Gardien geschickt. Ich bin auf Wunsch anderer hier.“
Die Worte Rhydians zerrten den jungen Zauberer auf einmal aus seinen wirren Gedankengängen. Was hatte dieser Kerl da eben gesagt?
Nicht nur, dass er gerade einfach die Namen zweier Todesser vor zwei Phönixen ausgeplaudert hatte, nein er hatte ihm auch noch offenbart, dass jemand anderer angeordnet hatte ihn zu finden. Ihn? Rowan Salem? Er war nicht so wichtig, dass jemand aus den Reihen der Todesser an ihn denken würde, wer also hatte diesen Befehl gegeben?
Noch bevor der Zauberer seine Schlussfolgerungen beenden konnte, packte ihn eine Hand an seiner Schulter, die sie einen Moment lang kräftig nach unten zog und ihn reflexartig herum wirbeln ließ. Für eine kurze Zeit konnte er nicht erkennen wer da hinter ihm in der Dunkelheit stand, ehe er seinen Zauberstab auf die Person gerichtet hatte und im fahlen bläulichen Licht dessen Spitze ein blasses Mädchengesicht erkannt, dass ihn kurz mit zusammen gepressten Lippen anlächelte.
Es war Roel.
„Ich dachte schon ihr hättet es nicht- Wieso musst du mich so erschrecken?!“, Rowans Stimme schoss kurz in die Höhe wie das eines kleinen Mädchens, ehe er sich wieder beruhigte und seine Schwester umarmte.  
 
Jack ging ebenfalls hinter Sel her und fragte sich, was zur Hölle sie für ein Problem hatte. Klar, sie war meistens recht nervig, aber so dermaßen? Das war fast schon unheimlich. Er lief neben ihr her und fragte sie nach einer Weile leise: „Was zur Hölle ist mit dir los?“ Sie schüttelte nur den Kopf und grinste weiter ihr dämlichstest Grinsen. „Nichts, warum?“
„Haben sie dich gefoltert oder sowas?“, fragte er leise. Er kannte die Auswirkungen des Folterfluchs gut genug und langsam sah es für ihn so aus, als wollte sie einfach alles verdrängen und war deshalb so komisch. Sie kniff die Lippen zusammen und sah ihn dann an um diesmal mit einer ernsten Stimme zu murmeln: „Halt einfach die Klappe, Kleiner, ja?“
Gut, damit war es klar. Aber hier konnte er sich kaum darum kümmern. Vor allem nicht, als der Todesser hinter ihm auf einmal nach seinem Zauberstab verlangte. Gut, nun saßen sie in der Klemme. Würden sie ihm den Zauberstab geben, hätte er wieder eine Waffe. Wenn nicht, war Rowan aufgeflogen. Jack sah kurz hilfesuchend zu seinem Freund. Aber er wusste, dass er wohl kaum eine andere Chance hatte und gab Rhydian seinen Zauberstab zurück. Na super, nun lief also ein magischer Nazi mit einer Waffe hinter ihm her. Das gab ihm nicht gerade ein Gefühl der Sicherheit, wenn er ehrlich war. Immer wieder schielte er hinter sich um den Typen im Auge zu behalten.
Auf einmal hörte er Rowan quietschen und drehte sich um. Vor ihm stand Roel. Sein Blick wurde starr. „Was... was tust du hier?“, fragte er die junge Frau, die gerade dabei war, ihren Bruder zu umarmen. Das letzte Mal als sie sich gesehen hatten, hatte sie versucht ihn zu töten, weil er ihr den Folterfluch auf den Hals gehetzt hatte. Gut, er verstand immer noch nicht, warum Roel ihm nicht Bescheid gesagt hatte, als das mit Sammy passiert war. Aber er hatte sie auch nicht gefragt. Und irgendwie glaubte er, dass sie ihm auch keine Chance mehr geben würde, genau das zu tun.
Er hatte sie die ganze Zeit nur mit großen Augen angesehen um nun den Blick sinken zu lassen und auf seinen Lippen herumzukauen. Was sollte er nun sagen? Dass es ihm Leid tat? Das würde wohl kaum reichen. Wahrscheinlich würde sie ihn auslachen.
Plötzlich hörte er hinter sich ein lautes „Stupor!“ Blitzschnell drehte er sich um und lenkte Sels Fluch gegen eine naheliegende Wand, die nun ein Loch aufwies. „Verdammt nochmal, Sel, was tust du?“, schrie er sie an.
Doch Sel starrte nur mit einem Blick von Hass auf Roel. „Ich kenne sie. Ich habe sie bei meiner Schwester gesehen. Sie ist eine Todesserin.“
Jack wusste nun wirklich nicht mehr, was er tun sollte. Wenn er Sel aufklärte, wusste der andere Todesser, was los war. Wenn er es nicht tat, würde Sel auf Roel losgehen. Er wusste sich nicht anders zu helfen und sagte laut: „Expelliarmus!“ Dann nahm er Sels Zauberstab und packte ihn weg. „Geh einfach weiter, ja?“, murmelte er.
Sie allerdings sah ihn nur enttäuscht an. „Du machst jetzt also mit denen gemeinsame Sache, was?“
 
Wie war es möglich, dass er auf normalerweise im Kerker niemandem über den Weg lief, aber mit dieser Gruppe eine Person nach der anderen aufgabelte?
Erst das komische Weibsstück, dann diese Todesserin, die Rhydian schon oft bei kleineren Treffen gesehen hatte.
War dies hier vielleicht eine Todessergruppe? Diese Frau, Salem und … nein, die Nervtötende war sicherlich keine von ihnen.
Rhydian hatte sie noch nie zuvor gesehen und wie sie auf die Anwesenheit der Anderen reagierte, zeigte, dass sie wohl auch keine Sympathisantin war. Was wollte sie dann hier?
Seine Finger schlossen sich um seinen Zauberstab und sein Blick wanderte zwischen den beiden Parteien hin und her.
Sich zwischen zwei streitlustige Frauen zu stellen, war so ziemlich eine der dümmsten Ideen, den man sich hingeben konnte. Das hatte er aus Erfahrung gelernt. Im schlimmsten Fall traf es den Streitschlichter mit doppelter Wut. Und das sollte sich niemand freiwillig antun.
Nun, noch faszinierender als der Disput der Frauen war der Kontroverse von „Sel“ und dem Rhydian unbekannten Typen.
Es schien, als wollte er sie davon abhalten, die andere Frau anzugreifen, gleichzeitig aber irgendwas sagen zu wollen. Was auch immer es war, sie schien nicht dahinter zu steigen.
Rhydian konnte es ihr nicht verübeln. Wahrscheinlich würde kein normaler Mensch verstehen, was er damit symbolisieren wollte.
Das einzig vernünftige Verhalten für Rhydian war abwarten und auf Aufklärung hoffen.
 
Roel zuckte zusammen, als der rote Blitz des Zauberspruchs sie um Haaresbreite verfehlte.
Ein Keuchen entwich ihrer Kehle, als sie aus Schreck zusammen zuckte und noch reflexartig auswich. Sie schien kurz geschockt, wich einen Schritt zurück in die Dunkelheit, fasste sich dann aber wieder schnell, zückte dann aber schnell ihren Zauberstab und richtete ihn auf Selinda.
Ihre Hand zitterte leicht als sie ihren Stab hob. Der Blick den Jack der jungen Yaxley zugeworfen hatte, hatte sie schon lange nicht mehr gesehen. Diesen Willen, den er hatte, den  Willen zu Beschützen, den hatte sie schon beinah vergessen.
Wenn Jack wohl nicht gewesen wäre, würde sie jetzt wohl auf dem kalten staubigen Boden liegen… Auch wenn ihr dieser Gedanke seltsam vorkam, er hatte sie gerade gerettet.
Einen Moment lang blinzelte sie nur verwirrt ehe sich ihre Miene verfinsterte und sie bemerkte wie Rowan ebenfalls seinen Zauberstab hob. 
Mit ihrem Blick blieb sie nur einen Moment lang an ihrem Bruder hängen, musterte diesen kurz schmunzelnd, ehe sie Rhydian bemerkte, den sie mit einem Nicken begrüßte.
„Rookwood“, murmelte sie daraufhin schließlich anerkennend und wandte sich allerdings danach wieder ab. Um den würden sie sich später kümmern.
„Ja, wir sind Todesser“, fing die junge Frau schließlich erneut an und strich sich kurz eine ihrer blonden Strähnen aus dem Gesicht, ehe sie einen Schritt näher auf Sel zu ging. Kurz musterte sie die andere Frau und runzelte dann fragend die Stirn.
„Aber dass dein Vater und deine Schwester welche sind, scheint dich ja nicht zu stören oder?“, knurrte sie schließlich und warf Jack, der nun wieder direkt neben ihr stand einen kurzen Blick zu. Ob man darin Dankbarkeit oder Verwirrung erkennen konnte, wusste die junge Salem zuerst selbst nicht. Sie quittierte allerdings die Gedanken an Jack schnell und wandte sich wieder Selinda zu.
Rowan hatte sich schließlich ebenfalls gerührt und war kurz nach Roel ebenfalls näher an die junge Frau geschritten, die nun unbewaffnet ihnen quasi ausgeliefert war. Ob es nicht zu unvorsichtig war, einer Phönix so nah zu kommen, schien ihnen beiden im Moment herzlich egal zu sein.
 
Die Geschwister hoben nun beide ihren Zauberstab. Jack sah vom einen zum anderen. Zum einen verwirrte es ihn, woher Sel Roel kannte und was das mit ihrer Familie zu tun hatte, von der sie nie redete und zum anderen fragte er sich, wohin das heute noch führen sollte. Hatte sich etwa die ganze Zauebererschaft hier unten versammelt? Es schien fast so. Er fragte sich, wer als nächstes auftauchen würde.
Er sah Roel an, dass sie wütend war. Als sie sich Sel näherte stellte er sich langsam dazwischen. Dann sagte sie einen Satz, der Jack kurz aus der Bahn warf. Den Blick, den Roel ihm zuwarf nahm er gar nicht mehr richtig war. Er drehte sich einfach um und fragte mit einem Anflug von Wut in der Stimme: „Was sind deine Eltern? Warum hast du mir das nicht erzählt? Wir haben über ein halbes Jahr zusammen gewohnt, mann!“
Sel schien genauso wütend zu sein. Auch wenn man ein wenig Verzweiflung in ihrer Stimme hörte. „Würdest du das jemandem erzählen? Wenn du aus der Familie Yaxley kommen würdest? Wenn deine verdammten Eltern dich verstoßen hätten, nur weil du einen Muggel geheiratet hast? Verdammt nochmal, sie haben ihn umgebracht, verstehst du? Würdest du darüber reden wollen?“
Jack sah sie an, während sich Tränen in ihren Augen sammelten. Man sah nicht, ob von Wut oder Trauer. Doch als sie Roel wieder ansah war sie einfach nur wütend. „Ja, meine Familie besteht aus Abschaum. Genauso wie du!“
Sie spuckte ihr entgegen, doch verfehlte sie knapp. Dann sah sie wieder zu Jack. Ihr Blick wurde fast irre und Jack verstand auf einmal, warum sie heute so komisch war. „Weißt du, wo ich die letzten Wochen verbracht habe, als du es dir bei deinen Todesserfreunden gemütlich gemacht hast? Ich war im Anwesen meiner Eltern. Mein Vater hat... grauenvolle Dinge getan, ok? Und heute wollte er mich aus dem Weg räumen. Ich hatte meinen Nutzen verloren. Verstehst du? Der einzige Grund, warum ich so lange gelebt habe, war, dich auszuhorchen. Und jetzt sei ehrlich, würdest du über solche Eltern reden wollen?“, er sah, dass sie nicht mehr die Sel war, die ihm diese ganze Scheiße beigebracht hatte. Oder war sie immer schon so gewesen und er hatte es nur nicht bemerkt, weil er selbst von Hass zerfressen war? Ihr nächster Satz erinnerte ihn nur zu sehr an sich selbst und diese Erkenntnis lies ihn frieren. „Wenn du diese Monster nicht tötest, töte ich dich. Verstanden, Kleiner? Dann hast du eben auch keinen Nutzen mehr.“ Ihre Stimme war leise und endgültig.
Jack schluckte. Was sollte er dazu sagen? Er ließ den Kopf sinken und biss sich auf der Unterlippe herum, bis er Blut schmeckte. Dann schüttelte er leicht den Kopf. Er wusste, dass sie nicht mehr zu retten war. Sie hatte niemanden wie Rowan, der sie aus der Scheiße ziehen konnte. Sie war allein.
 
Roel umklammerte bei Selindas Worten nur noch heftiger ihren Zauberstab, sodass ihre Haut, die sich um das dunkle Holz klammerte leicht an Farbe verlor und das Blut aus ihr heraus gedrückt wurde. Ihre Hand zittert. Ihr ganzer Körper zitterte immer mehr, je länger sie dieser Frau zuhörte. Wut kroch langsam ihre Kehle hinauf.
Noch ehe Rowan oder einer der anderen sie hätte aufhalten könnten, spuckte schließlich das aus, was ihr schon seit Monaten auf der Zunge lag: „Abschaum, huh? Weißt du eigentlich was wir auf uns genommen haben, damit Mörder wie du und deine kleinen Phönixfreunde überleben? Dass ihr nicht von Todessern überrannt werdet oder gar von Voldemort höchst persönlich?! Ihr habt es zu weit getrieben und jetzt schützt euch nicht einmal mehr das Ministerium! Es ist vorbei, Selinda!“, ihre Stimme wurde lauter, bis sie heiser abbrach und sie nur einen Moment lang Rowans Hand auf ihrer Schulter spürte, der wohl versuchte sie zu beschwichtigen.
Doch sie konnte sich nicht beruhigen. Mit langsamer Hand, fast schon präzise zielte sie auf das Herz der jungen Yaxley und fixierte sie mit zu Schlitzen verengten Augen, die sie wie ein Raubtier musterten.
„Das Ministerium wurde von den Todessern übernommen. Und ihr habt nichts getan, um das aufhalten. Wir haben alles versucht. Wir haben versucht diese ganzen Menschen dort oben zu retten, die jetzt von dieser sinnlosen Schlacht dahingerafft werden-!“
Roel hielt mit einem Moment inne. Sie presste ihre ohnehin schon leichenblassen Lippen aufeinander und starrte Selinda einen Moment lang an, als ob sie ein schreckliches Monster vor sich hätte. Immerhin war sie in ihren Augen nur eine weitere dieser brutalen Mörder, diesen Phönixen, die von Hass und Zorn erfüllt alles niedermähten, was ihnen in den Weg kam.
„Roel“, Rowans Stimme klang sanft in ihren Ohren, dennoch zuckte sie leicht zusammen, sah nur kurz zu ihm nach oben, ehe sie wieder mit ihrem hasserfüllten Blick auf Sel blickte.
Ihr Bruder schien von dem ganzen eher eine neutrale Position einzunehmen. Kein Wunder, immerhin hatte er einige Monate selbst für das Ministerium gearbeitet und verstand vielleicht ein wenig was in deren Köpfen vorging, doch das war ihr in diesem Moment herzlich egal.
„Roel, du musst nicht-„
Bevor Rowan auch nur ein weiteres Wort hatte sagen können, schoss die Todesserin nach vorne, schubste Jack mehr oder weniger grob aus dem Weg und packte Sel an ihren Schultern, nur um sie an eine der kalten Steinwände zu drücken.
„Du hast Freunde umgebracht. Gute Menschen, die nur helfen wollten. Menschen, die den Lord hätten stürzen können, wenn sie nur etwas länger Zeit gehabt hätten. Was sollte mich also daran hindern, jetzt das gleiche mit dir zu tun?“
 
Jack starrte nur mit großen Augen zu seiner früheren Freundin, als diese anfing auf Sel einzureden. Er blieb vorsichtig. Schließlich konnte man bei Roel zur Zeit nicht wissen was sie tat.
Sel grinste sie stattdessen provozierend an. Sie sagte leise: „Natürlich, Todesser haben einem ja schon immer das Leben gerettet und sich so sehr um Muggel und deren magische Verwandte gesorgt. Du hast Recht, wie konnte ich das nur vergessen?“
Sie musterte Roel mit einem Blick, der Blitze verschoss und Jack fragte sich, ob sie es darauf anlegte, dass die vermeintlichen Todesser durchdrehten. Auf einmal wurde er zur Seite geschuckt, stolperte ein paar Schritte nach hinten und fing sich dann wieder. Er hörte was Roel sagte. Er hörte Sels leises Lachen und antwortete an ihrer Stelle: „Weil dich das keinen Deut besser machen würde, als all diejenigen, die du hasst. Lass sie laufen. Ich glaube nicht, dass sie uns noch etwas tut.“
Zu Sel gewandt fügte er hinzu: „Und du tauchst unter. Ich denke, das ist das Beste für dich. Geh einfach weg von hier und versuche, das alles zu vergessen.“
Er drehte sich um. Wollte nicht mehr sehen, was aus ihr geworden war. Er wollte hier raus. Das war alles.
Dann hörte er einen Aufschrei hinter sich und drehte sich Ruckartig um. Sel hatte Roel niedergeschlagen und ihr den Zauberstab aus der Hand gerissen. Sie hatte eine Wut in den Augen die an Wahnsinn grenzte und hob den Zauberstab. „Verräter!“
Jack zuckte zusammen und er wusste, dass er sich geirrt hatte. Sie war nicht harmlos. Das war sie ganz bestimmt nicht. Sie stand mit erhobenem Zauberstab vor ihm und er fragte sich, ob nun sein letztes Stündlein geschlagen hatte.
 
Als Roel mit dem Kopf gegen den dunklen kalten Boden knallte und einen Moment lang nicht mehr wusste, wo sie war, war es fast schon zu spät. Bevor sie sich auch nur aufrappeln konnte, sah sie mit geweiteten Augen, wie Sel mit dem gestohlenen Zauberstab drauf und dran war Jack zu töten.
Alles spielte sich so langsam ab. Fast schon so als ob sie doch noch dazwischen gehen konnte, um alles aufzuhalten, um selbst zu sterben, anstatt ihres ehemalig besten Freundes. Das Bedürfnis sich dazwischen zu stellen und ihn zu retten, war zu groß, doch sie konnte sich nicht bewegen. Wie erstarrt kauerte sie auf dem Boden und sah hilflos zu.
Während sie ihren Mund reflexartig öffnete, um Jacks Namen zu rufen, blitzte vor ihren Augen ein grünes Licht auf, von dem sie sich nicht sicher war aus welcher Richtung es gekommen war. Es vergingen einige quälend langsame Momente für Roel ehe sie begriff wer zu Boden gegangen war.
Sie blickte auf Sels toten Körper hinab.
Mit zitterndem Atem und vor Schock geweiteten Augen starrte sie zu Jack hinüber, dann zu Rowan, der mit erhobenem Zauberstab ein Stück von ihr entfernt stand.
Sein Blick haftete noch immer an der am Boden liegenden Leiche. Er hatte den Kopf leicht geneigt, den Zauberstab immer noch erhoben, während Roel zu ihm hinüber stolperte und ihm um den Hals fiel. Der wütende Blick in seinen Augen verflog nur langsam während sie seinen vor Zorn bebenden Körper beruhigte und ihm etwas zumurmelte.
Ob es beschwichtigende Worte waren oder etwas anderes konnte man nicht genau sagen, doch seine Züge schienen weicher zu werden, ehe er schließlich aufblickte und sein leeres Starren verschwand.
Rowan sah zu Jack hinüber. Er musste ihn hassen. Es konnte nicht anders sein.
„Jack…“, murmelte er schließlich und schluckte hart. „Geht’s dir gut?“
 
In dem Augenblick, als er schon Sel zu ihrem Avada Kedavra ansetzen hörte, sah er aus dem Augenwinkel Roels Blick und er lächelte. Wenigstens hatte sie ihm verziehen. Er schloss die Augen und wartete auf das Unvermeidliche, als er den Aufprall eines Körpers hörte. Sel lag am Boden. Tot. Jack starrte sie nur an. Er hatte seine Freunde für sie verraten. Er hatte alles dafür getan, damit sie überlebte. Und nun lag sie hier. Mitten im Ministerium.
Die Erwähnung seines Namens lies ihn hochschrecken. Er sah zu Rowan, der ihn fast schon schuldbewusst ansah und Roel, die sich so wie es aussah vollkommen mit ihrem Bruder versöhnt hatte.
Er musste kurz über diese Frage nachdenken. Ging es ihm gut? Ja, er fühlte diesen verdammten Stich, wenn er darüber nachdachte, was soeben geschehen war. Es war ihm etwas schlecht und er fühlte sich zittrig auf den Beinen. Aber er war sich nicht wirklich sicher, ob er sich so fühlte, weil sie soeben gestorben war, oder weil sie wohl schon irgendwann in der Zeit, als sie ihm Haus ihrer Familie war eine Veränderung durchgemacht hatte, die nicht mehr aufzuhalten war. Ihr Hass war so grenzenlos gewesen. Und das, obwohl es früher sie war, die ihn zurückgehalten hatte.
Es schmerzte darüber nachzudenken, ja, aber er konnte keinen Hass auf Rowan verspüren. Schließlich hatte er versucht, Roel davon abzuhalten, ihr etwas zu tun. Erst als sie durchgedreht war, hatte er den tödlichen Fluch ausgesprochen. Er sah zu den Salems und ihm wurde klar, dass sie aus irgendwelchen Gründen immer noch zu ihm hielten. Selbst Roel, auch wenn sie es vermutlich noch nicht zugab.
Er antwortete mit etwas kratziger Stimme: „Ja, mir geht es gut. Und danke.“
Dann fiel ihm ein anderes Problem auf.  „Was machen wir mit ihr? Egal was heute war, sie hat es nicht verdient, dass Yaxley sie hier findet.“
Er überlegte. Nicht weit weg von hier war ein Gang, von dem aus man disapparieren konnte. Also murmelte er kurzerhand einen Tragezauber(?) und lies ihren toten Körper neben sich herschweben.
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BeitragThema: Re: Was bisher geschah *drama-button*   Mo Sep 23, 2013 1:49 am

Sie waren irgendwo in einem Wald gelandet. Es roch nach Kiefernnadeln und Moos. Jack hatte Sel unter einer alten Eiche begraben. Er saß noch eine Weile davor und dachte zurück an die alten Zeiten, als sie sich diese winzige Dachwohnung geteilt hatten und sie ihn wie ein kleines Kind behandelt hatte. Sie hatten nie viel geredet. Zumindest nichts außerhalb des Jobs. Und trotzdem hatte er sie gemocht. In der Zeit war sie wohl die Einzige, die er gemocht hatte. Auch wenn er es erst viel zu spät bemerkte.
Nachdem er lange einfach nur starr dagesessen war und auf die umgegrabene Erde gestarrt hatte, stand er auf und ging zurück zu ihrem Lager.
 
Als der letzte Schutzzauber gesprochen war und die Nacht schon langsam über das einsam gelegene Camp herein gebrochen war, setzte sich Roel schließlich hin und tätschelte ihrem Bruder kurz auf den Rücken, der sich gerade daran machte für die drei Abendessen zu kochen, mit dem was sie mehr oder weniger notdürftig mitgenommen hatten.
Kurz vor ihrer Flucht aus ihrem alten Zuhause war es ihnen zum Glück gelungen, ein kleines Packet voller Proviant und einem alten Zelt in ihre Tasche zu stecken, ehe sie durch das Verschwindekabinett in die Knockturngasse entschwunden war.
Dort hatten einige Todesser auf sie gewartet, offziell, weil sie wussten, dass sie vom Ministerium gejagt worden waren und einige inoffiziell, da sie einige der wenigen Verbündeten waren, die von dem doppelten Spiel der Salems wussten. Snape war einer davon gewesen und auch wenn er nicht wirklich mit ihnen zusammen arbeitete hatte er ihr wieder erwarten beim Kampf im Ministerium geholfen.
Mit diesen Gedanken versenkte sie kurz ihr Gesicht in ihre Hände, ehe sie wieder in das offene kleine Feuer starrte, dass vor einigen Minuten vor ihr entfacht worden war.
„Wie geht’s jetzt weiter?“, murmelte sie kurz und strich sich durch die Haare, ehe sie sich weiter gegen den Baum lehnte, an dem sie saß und zu ihrem Bruder hinüber schaute.
„Wir haben Jack dabei. Wir können schlecht wieder zurück nach Malfoy Manor-„
„Du hast ihm also verziehen?“, Rowans Stimme klang heiser und rau, wohl wegen der kaltfeuchten Luft, die den recht kühlen Abend beherrschte. Er hob seinen Kopf und biss sich kurz mit seinen mit einer Zahnlücke versehenen Zähnen auf die Unterlippe und schien nach zu denken, ehe er recht rasch fort fuhr: „Ich meine … nachdem was er alles getan hat? Und ich ihm so schnell verziehen hab?“
Roel blieb einen Moment lang still und sah hinauf in die Baumkronen, die leicht im frischen Wind raschelten und einige Blätter nach unten beförderten. Der Herbst setzte so langsam ein und so erschien es, wohl auch mit Hilfe dieses Gesprächsthemas, immer kälter zu werden, während die Sonne ihre letzten Strahlen über die nahen Berge schickte.
„Nicht ganz. Aber er ist … ich kann es nicht beschreiben, Rowan. Er war damals in dieser Höhle, in diesem erbärmlichen Versteck … er war so anders als jetzt. Jetzt ist er wieder wie früher, aber damals… Es war als ob ich vor dem Lord höchst persönlich stehen würde.“
Kurz herrschte Schweigen ehe Rowan von den Flammen aufsah und die alte rostige Pfanne vom Feuer nahm, um sie neben sich auf die Wiese zu stellen, wo das Gras kurz aufdampfte.
„Der Hass in ihm macht ihn zu so etwas, aber er ist wieder der alte. Das zählt“, murmelte er noch ehe er schon bemerkte wie Jack wieder zwischen den Bäumen hervor trat.
„Hey, Schatz, wir haben gerade über dich geredet … und wie wir jetzt weiter vorgehen“, er grinste kurz mit seinem typisch charismatischen Grinsen und deutete mit einem kleinen Klopfen auf die freie Stelle neben sich. „Hast du Hunger?“
Roel schien ab dem Moment an, als ihr alter Sandkastenfreund wieder sie Szenerie betreten hatte, den Mund zu halten und verschränkte ihre Arme, um ihren zierlichen Oberkörper, der in einen dicken Hoodie eingepackt war und unter dessen Kapuze ihr Gesicht abgesehen von einigen weißblonden Strähnen vollends verschwand.
 
Jack lief langsam auf ihr kleines Lager zu. Rowan war wohl gerade dabei Essen zu machen. Er sah auf und sprach ihn an. Schatz? Sie waren also wieder zusammen? Das Wort lies ein kurzes Grinsen auf sein Gesicht huschen. Er hatte ihm also wirklich verziehen. Trotz allem.
Auf die Frage ob er Hunger hatte zuckte er die Achseln. Er musste wohl etwas essen. Auch wenn ihm der Appetit heute etwas vergangen war.
Als er sich neben seinen Freund setzte sah er zu Roel und bemerkte, dass sie wieder so verschlossen war, wie eh und je. Aber sie war hier, anstatt sich zu irgendwelchen Todessern zu flüchten. Außerdem hatte er ihren Blick im Ministerium gesehen. Es gab wohl sogar Hoffnung, dass sie verzeihen konnte, was er ihr angetan hatte.
Sollte er sie darauf ansprechen? Er hatte keine Ahnung, wie sie reagieren würde oder ob es überhaupt Sinn machte, sie jetzt darauf anzusprechen.
Erst einmal versuchte er es mit einem anderen Thema. „Und, wie geht es weiter? Ich meine mit mir im Schlepptau könnt ihr kaum zu den Todessern zurück. Ich kann auch allein hier bleiben, wenn ihr wollt. Ich hab' kein Problem damit. Und falls ihr mich für irgendetwas brauchen solltet, bin ich natürlich dabei.“ Mit einem Blick zu Roel fügte er hinzu: „Ich glaube, ich hab' genug gutzumachen.“
In dem Moment war das Essen fertig und er würgte ein paar Bissen herunter. Dann stellte er den Teller ab und lehnte sich kaum merklich gegen Rowan. Auch wenn die Anderen es vielleicht nicht verstehen konnten, (ich übrigens auch nicht xD) Sels Tod machte ihn fertig.
Er fragte sich zwar, wie es weitergehen sollte, aber am liebsten wäre es ihm, wenn dieser Abend nicht endete. Wenn sie einfach weiter hier sitzen könnten, als wäre die Welt in Ordnung. Als gäbe es keine Todesser, keinen Du – weißt – schon – wer und keine düstere Vergangenheit.
Aber es wäre feige gewesen, hier zu bleiben. Und er wusste auch, dass er, falls sie darauf bestehen würden, ihn hier zu lassen, eine Möglichkeit finden würde, weiter zu kämpfen. Vielleicht würde der Orden ihn doch nehmen. Auch wenn er es bezweifelte. Vielleicht konnte er ja auch auf eigene Faust etwas bewirken. Und wenn es nur Mundpropaganda war. Voldemort musste besiegt werden und bis dahin würde er nicht nur Däumchen drehend, dasitzen und zusehen, wie seine Freunde ihr leben riskierten.
 
Auf die Frage hin, wie es weiter gehen sollte, wusste Roel auch nicht besser zu antworten, als mit einem kurzen Achselzucken, das mit einem kurzen und kühlen Blick in Jacks Richtung beendet wurde. Sie sah ihn nicht wütend an oder verstört, nachdem was er ihr alles angetan hatte, sondern ernsthaft nachdenklich. Sie musterte ihn aufmerksam, schien dabei allerdings sachlich zu bleiben und blendete jegliche Gefühle in ihren Gedanken und in ihrer Miene aus. Vielleicht als Selbstschutz, vielleicht um mehr Überblick über die Sache zu bekommen, sie selbst wusste das nicht einmal ganz genau.
Rowan bemerkte den Blick seiner Schwester nicht, er schien einen Moment lang selbst tief in Gedanken versunken zu sein, ehe er die leeren Teller mit einem Schwung seines Zauberstabes zurück in das Zelt verfrachtete und dann anfing mehr oder weniger laut zu denken:
„Wir sollten auf jeden Fall die ersten Stunden oder vielleicht ein, zwei Tage hier bleiben. Die werden uns suchen, vor allem die Todesser. Am besten stattet Roel oder ich ihnen einen kurzen Besuch ab, nur dass wir nicht auf der Liste der Toten vermerkt werden und versuchen Jaque bescheid zu geben, wenn er-„ Kurz hielt er inne uns sah hinüber zu Roel, sie immer noch verschwiegen Jack anstarrte.
„Ihm geht’s doch gut oder?“, fragte Rowan schließlich und ließ seine Schwester zusammen zucken, die dann nur kurz nickte.
„Er hat ein paar Schrammen abgekriegt, aber er ist zusammen mit Snape disappariert, als ich euch suchen gegangen bin. Ich schätze mal er darf jetzt zusammen mit den anderen Aufräumarbeiten in der Öffentlichkeit erledigen. Das gemeine Volk beruhigen… man soll ja denken, das Ministerium hätte noch alles unter Kontrolle…“, murmelte sie in sich hinein und sah dann schließlich von Jack weg, hinüber ins Feuer. „Ich denke nicht, dass wir an ihn heran kommen…“
Rowan nickte schließlich und fuhr sich mit seiner rechten Hand kurz übers Gesicht, rieb sich eine seiner Schläfen und murmelte etwas zu sich selbst in seine Handfläche, ehe er sein Gesicht wieder freigab.
„Ok… Wir müssen den Orden auf jeden Fall kontaktieren… und wenn nur über Snape. Wir hatten zwar schon lange keinen Kontakt mehr zu ihnen, aber Snape wird sie sicherlich nicht verraten haben. Der nicht. Vielleicht sollten wir am Morgen-“
Der junge Salem zuckte zusammen und horchte auf. Ein Knacken war am Ende der Lichtung zu hören gewesen, sodass er sich reflexartig mit seinem Zauberstab bewaffnet umdrehte und sich umsah. Durch die vorhandenen Schutzzauber konnte sie sicherlich niemand entdeckt haben, doch wenn hier Greifer patroullieren sollten oder noch schlimmer Todesser ihren Weg durch diesen Wald fanden, mussten sie verdammt vorsichtig sein.
Gerade als er die beiden anderen fragen wollte, ob sie gesehen hatten, wer oder was das Geräusch verursacht hatte, entdeckte er die Quelle einige Meter von ihnen entfernt, kurz vor dem Ende ihres kleinen unsichtbaren Lagers.
Es war ein Mädchen, besser gesagt eine junge Frau, die gerade ebenso wie so vorhin einen Schutzzauber auszuführen schien, während zwei andere Gestalten ein Zelt aufbauten.
Langsam stand Rowan auf, gefolgt von seiner Schwester. „Wer ist das?“
Roel schluckte hart, ehe sie rasch um das Feuer herum ging und ihren eigenen Zauberstab ebenfalls aus ihrer Hosentasche zog. „Ist das Potter?“
 
Jack sah Roels Blick und wich ihm recht schnell aus. Er war kalt und Jack fragte sich, ob es wirklich so einfach werden würde, ihr vertrauen zurück zu gewinnen. Obwohl sie ihm ja auch schon früher hätte sagen können, dass sie bei den Guten war.
Rowan gab ihm da schon eine bessere Antwort. Er nickte. Ja, es war wohl das Beste hier zu bleiben. Er selbst wusste ja sowieso nicht wohin. Zumindest in der Zaubererwelt hatte er außer diesen Beiden niemanden mehr. Und auch bei den Muggeln waren die Stellen, an denen er unterkommen konnte begrenzt.
Er hörte den Beiden zu und zog eine Augenbraue nach oben. Snape? Er hatte immer gedacht der wäre einer von den Bösen. „Snape gehört auch zu euch? Dieses Arschloch?“
Doch dann wurden seine Gedanken sofort abgelenkt. Auch er hörte das Knacken und drehte sich um, während er seinen Zauberstab aus der Tasche zog. Doch da stand nur ein Mädchen, dass er sogar aus der Schule kannte. Sie war ein paar Jahre unter ihm gewesen und ein paar Mal hatte sie ihn ziemlich angefaucht, weil er es nicht lassen konnte, im Gemeinschaftsraum heimlich Zigaretten zu rauchen. Sie war immer mit Harry unterwegs gewesen. Auch jetzt schien sie nicht gerade freundlich zu dem Jungen zu sein, der hinter ihr aufgetaucht war und anscheinend auch der Verursacher, des Knackens. Es schien einer der Weasleys zu sein. Ron hieß er. Ja, er war der jüngere Bruder von Fred, mit dem er damals diese Anti – Umbridge – Allianz aufbauen wollte.
Da machte ihn auch schon ein Satz von Roel auf Harry Aufmerksam, der hinter dem Mädchen, dessen Name ihm ums verrecken nicht einfallen wollte, ein Zelt aufbaute.
Jack ließ den Zauberstab sinken. „Ihr könnt eure Zauberstäbe runter nehmen. Ich kenne sie ein bisschen. Sie waren in meinem Haus und das Mädchen ist Muggelstämmig, soweit ich weiß. Demnach, es geht wirklich keine Gefahr von ihnen aus. Ich weiß nur nicht, was sie hier draußen machen. Soweit ich weiß müssten sie jetzt in der siebten Klasse sein.“
 
Währenddessen saß Ron ohne die geringste Ahnung, dass sie beobachtet wurden auf einem moosigen Felsen und ließ sich von Hermine belehren, dass sie in ihrer Situation nun wirklich keinen Krach brauchen konnten. Er verdrehte die Augen. Konnte ja wohl jedem passieren.
„Ist ja gut, Hermine. Mach besser deine Zauber, sonst hört dich auch jeder reden.“ Dann sah er auf das Medallion, das Hermine vorhin abgenommen und ihm in die Hand gedrückt hatte. Es grauste ihm jetzt schon davor, es wieder zu tragen und sie hatten immernoch keine Ahnung, wie sie es vernichten sollten. Trotzdem legte er es um.
Sie irrten nun schon seit Wochen durch England, von einem Versteck ins nächste und er fragte sich so langsam, was das ganze für einen Sinn hatte.
 
 
„Dass von denen eine Gefahr ausgeht hätte ich auch nicht gedacht“, fing Roel endlich wieder an zu sprechen und sah kurz hinüber zu Jack, zwar immer noch emotionslos, aber wenigstens etwas wohl gesonnener als vorhin. Einen Moment lang musterte sie ihn wieder und wandte sich dann den anderen wieder zu, während sie sich zu Rowan stellte, der bis direkt vor den Rand ihres eigenen Schutzzaubers vorgelaufen war, um die anderen besser zu beobachten.
„Ich frag mich eher, ob wir nicht lieber verschwinden sollten… Wenn die hier sind, werden Greifer und Todesser sicherlich angestrengt nach ihnen suchen…“, fuhr sie fort und runzelte nachdenklich ihre Stirn, während sie sich ähnlich wie ihr Bruder auf die Unterlippe biss.
Dass die beiden manchmal eine unübersehbare Ähnlichkeit aufwiesen, konnte man nicht bestreiten. Gerade jetzt, wie sie da standen mit einer Hand jeweils in ihren Umhangtaschen und mit der anderen gestikulierend, erschien es einem vielleicht sogar etwas lachhaft.
Rowan winkte Jack näher zu sich und deutete dann auf ihre unwissenden Nachbarn, die immer noch friedlich ihr Lager aufschlugen.
„Okay, Jack… Roel?“ Seine Schwester horchte auf. „Ihr zwei bleibt hier. Ich kann mir gut vorstellen, warum die 3 nicht in Hogwarts sind. Jetzt wo das Ministerium gefallen ist, wird die Schule sicherlich auch von Voldemort kontrolliert werden. Sie wären Tod ehe sie nur einen Fuß in die Große Halle gesetzt hätten…“, murmelte er und deutete kurz auf Harry, der hinter Ron mit dem Zelt kämpfte und dabei fast über einige Stangen stolperte, ehe er aufgab und das Zelt mit einem kurzen Schwung seines Zauberstabes magisch aufbaute.
„Auch wenn man es nicht glauben mag… der Kerl da, der Junge, ist die Hoffnung der Zaubererwelt. Ich bezweifle stark, dass er im Alleingang Voldemort besiegen wird, aber er darf nicht sterben. Er ist wie ein Symbol. Und wenn wir ihn verlieren, verlieren noch mehr Leute ihre Hoffnung, also… passt gut auf die drei auf. Tut es wenn nötig im Verborgenen.“
Rowan grinste noch einmal breit, offenbarte noch einmal seine Zahnlücke, während er Jacks Hand nahm und kurz mit seinem Daumen über dessen Handrücken streichelte.
Er hatte diese Kleinigkeiten vermisst. Die kleinen Aufmerksamkeiten, die zeigten, dass sie ein Paar waren- Einen Moment runzelte er die Stirn. Waren sie überhaupt ein Paar?
Natürlich, sie hatten zusammen Yaxley und Thicknesse an der Nase herum geführt, aber das konnte nicht automatisch heißen, dass sie wieder zusammen waren oder dass Rowan ihm wieder vertrauen konnte.
Doch etwas in seinem Inneren fühlte sich genauso an wie damals, als er das erste Mal bemerkt hatte, dass dieser kleine Punk ihm dieses fluffige warme Gefühl gab, dass er sonst zu letzt nur bei ein paar Muggelmädchen gehabt hatte.
Mit einem weiteren breiten Schmunzeln quittierte er den Gedanken und schob ihn ab. Tief in seine hintersten Gedankengänge.
„Ich gehe solange zurück zu den Todessern, berichte ihnen, dass wir unter den Lebenden sind und mache mich auf die Suche nach Jaque und ein paar anderen Ordensmitgliedern“, fuhr er schließlich fort und küsste Jack sanft auf die Wange. „Ich komme bald wieder.“
Mit diesen Worten apparierte er und hinterließ nur seine Schwester, die Jack abermals einen kalkulierenden Blick zu warf.
 
Harrys beide Hände schienen sich indes wieder als nutzlos zu erweisen, als er zum zweiten Mal erfolglos versucht hatte, eine dieser Zeltstangen in das richtige Loch zu stecken und schließlich aufgab. Warum er immer wieder automatisch versuchte etwas auf Muggelweise zu machen, war ihm manchmal ein Rätsel, sodass er nach einem kurzen Zauberspruch vor dem fertig aufgebauten Zelt stand und anfing ihre Habseeligkeiten aufzusammeln, die durch die wieder mal überstürzte Abreise von ihrem letzten Lagerplatz, auf dem Waldboden verstreut worden waren. Gerade hatte er Hermines Tasche aufgehoben und Ron etwas zu rufen wollen, da sah er an Hermine vorbei und blinzelte einen Moment verwirrt.
Für einen kurzen Augenblick hatte er geglaubt etwas gesehen zu haben, ein kurzes Aufblitzen etwas weiter hinter ihrem Campingplatz.
„Habt ihr das gesehen? Hermine?“, murmelte er mit gedämpfter Stimme, zückte seinen Zauberstab und ging langsam hinüber zu Hermine, die mittlerweile schon einige Zauber ausgeführt hatte, allerdings noch nicht fertig zu sein schien.
„Hier war nichts als wir her appariert sind oder?“
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Roel Salem
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BeitragThema: Re: Was bisher geschah *drama-button*   Mo Sep 23, 2013 1:50 am

Roel sprach nun fast wieder normal mit ihm. Vielleicht würde das ganze sich ja mit der Zeit einfach ergeben. Jack beschloss, einfach zu warten und ihr Zeit zu geben.
Auch er lief Rowan hinterher und konnte sich einen kurzen Blick auf dessen Hintern nicht verkneifen. Ja, er hatte den Typen vermisst.
Doch dann wurde er wieder ernst. Roel hatte Recht. Wahrscheinlich waren gerade alle hinter diesen Kindern her. Warum war er nicht sofort darauf gekommen? Natürlich waren sie gemeinsam auf der Suche nach irgendeinem Weg Voldemort zu stürzen. Oder auf der Flucht. Obwohl das wenig zu einem Weasley passen würde, zumindest so wie er sie kennengelernt hatte. Gut, die anderen kannte er nicht wirklich, aber was Harry schon alles geleistet hatte, wusste ja jeder. Vor allem, wenn man die vielen Feiern im Gemeinschaftsraum hautnah miterleben durfte.
Rowan redete sie auf einmal an und sagte sie sollten hier bleiben. Hieß dass, das er ging? Jack sah kurz zu Roel und schluckte. Das würde ja wirklich eine schöne Zeit werden.
Er hörte Rowan nur mit halbem Ohr zu. Dann nahm dieser seine Hand und streichelte kurz mit seinem Daumen darüber. Er schenkte ihm ein leichtes Grinsen.
Dann drückte er ihm noch einen Kuss auf die Wange verabschiedete sich, worauf Jack mit einem kurzen „Bis dann!“ antwortete und disapparierte. Nun waren sie also wirklich allein. Na toll. Roel starrte ihn an und Jack starrte zurück. Nach ein paar Augenblicken, die sich wie die Ewigkeit anfühlten sagte er: „Roel, da wir jetzt alleine sind, könntest du wenigstens wieder mit mir sprechen? Ich weiß, was ich getan habe. Es tut mir auch verdammt nochmal echt Leid, aber wenn wir uns jetzt anschweigen, wird das für uns beide keine sonderlich angenehme Zeit.“
Er sah sie noch kurz an und wechselte dann das Thema.
„Wie denkst du, sollen wir es machen? Ich kenne die drei da drüben. Mit mir werden sie reden.“ Er sah zu den Dreien herüber und bemerkte, dass sie nun alle in ihre Richtung spähten. Na toll, sie mussten Rowan gesehen haben, als er disapparierte.
„Jetzt ist es sowieso zu spät. Ich gehe rüber, wenn du nichts dagegen hast.“ Damit verließ er den Schutzkreis mit erhobenen Armen.
 
Auf einmal tauchte ein Junge auf. Ron und Harry schrien gleichzeitig: „Expelliarmus!“, und durch die geballte Kraft des Zaubers wurde der Junge zurückgeworfen. Sie näherten sich ihm langsam, als er auf einmal recht sauer schrie: „Verdammt nochmal! Ich bins, Jack Donahue. Ich war mal mit Fred befreundet, wisst ihr noch? Braucht mich doch nicht gleich umwerfen.“
Ron erinnerte sich an ihn. Es war dieser dauerrauchende Punk, der eine Weile mit Fred rumhing.
Harry hatte den auf dem Boden liegenden Kerl erreicht und fragte immer noch ziemlich misstrauisch: „Was tust du hier?“
Es war schließlich nicht an der Tagesordnung, alte Schulkollegen mitten in einem schottischen Wald zu finden.
Jack antwortete: „Ich bin Muggelstämmig. Was tue ich wohl hier? Die Frage ist, was ihr hier tut.“
 
 
Nachdem lauten Ploppen mit dem Rowan verschwunden war, starrte Roel kurz durch die Luft hindurch, die jetzt den Platz ihres Bruders eingenommen hatte, ehe sie wieder aufsah und Jack betrachtete.
Ihre Lippen pressten aufeinander, sie sah ihn eindringlich an und öffnete schließlich ihren blassen Mund, um etwas zu sagen. Ehrlicherweise hatte sie bis jetzt zwar immer darüber nach gedacht, ob und wie sie Jack wieder vertrauen konnte, aber was genau sie in so einer Situation sagen konnte, wusste sie gerade jetzt nicht. Immerhin wollte sie sich ja mit ihm versöhnen, das war schon einmal ein kleiner Fortschritt. Aber zwischen wollen und können war dennoch immer noch ein großer Unterschied.
„Ich will dich nicht für immer anschweigen, Jack“, fing sie schließlich an, runzelte kurz nachdenklich ihre Stirn und sah schließlich weg. „Du musst einfach nur wissen, dass ich es versuchen will, in Ordnung?“ Sie hielt inne und holte Luft. „Du bist im Ministerium vor Sel gesprungen und hast mich verteidigt. Das hat mich nachdenklich gemacht, weißt du… genauso wie mein Bruder dich vergöttert... Und was diese drei da angeht-„
Gerade als sie hatte weiter reden wollen, ging Jack aufeinmal zu den anderen hinüber. Dass diese in die Richtung der Beiden gestarrt hatten, hatte sie gar nicht bemerkt, sodass sie sich selbst verfluchte, als im nächsten Augenblick ihr schon wieder ein Jack Donahue um die Ohren flog.
Mit gezücktem Zauberstab blieb sie allerdings noch innerhalb ihrer Tarnung. Immerhin war sie eine Todesserin, wie viel ihre ehemaligen Mitschüler davon wussten, war ihr gar nicht bekannt, sodass sie erst einmal vorsichtig sein wollte und langsam aus dem Schutzschild hervortreten wollte, das sie noch verhüllte.
Roel hörte indes dem kurzen Gespräch der jungen Zauberer vor sich aufmerksam zu. Jack hatte sich mehr oder weniger schnell aus der Affäre gezogen, sodass sie nur noch auf einen passenden Augenblick wartete, um ebenfalls hervor zu treten.
Schließlich verstaute sie ihren Zauberstab tief in ihrer Manteltasche und ging mit leicht erhobenen Händen einige Schritte nach vorne, um direkt neben Jack aufzutauchen und sich ihren neuen Nachbarn vorzustellen.
„Heeey“, fing sie langgezogen an, unsicher was sie als nächstes sagen sollte. Wenn es um das Einschüchtern und Ausquetschen von labilen Zauberern ging war sie einsame Spitze, aber das hier… Worüber redete man schon mit ehemaligen Mitschülern, vor allem wenn man nicht wusste, ob sie einem jedem Moment den Kopf abreißen würden?
„Keine Angst, ich gehöre zu Jack. Wir … naja wir waren hier unterwegs im Wald und hatten unser Lager schon einige Stunden aufgestellt, ehe wir bemerkt haben, dass ihr hier aufgetaucht seid. Ziemlicher Zufall, was?“ Mit einem leichten Grinsen hob sie vorsichtshalber ihre Hände ein Stückchen höher. Man wusste ja nie…
 
Jack musterte sie. „Okay, das ist immerhin ein Anfang.“, sagte er und hoffte einfach, sie hatte den kleinen inneren Freudentaumel bei dem Wort 'vergöttert' nicht mitgeschnitten.
Als sie schließlich hinter ihm auftauchte, musste er grinsen, als er ihre Unbeholfenheit im ganz normalen Smalltalk bemerkte. Sie war nun wirklich schon zu lange der Eisberg.
„Das ist Roel. Vielleicht kennt ihr sie ja, sie war in Slytherin. Aber keine Angst, Da sie mit mir hier ist, könnt ihr euch vorstellen, dass sie kein Problem mit uns hat.“
Da bemerkte er, wie Rons Kinnlade herunterfiel und Harry seinen Zauberstab auf Roel richtete. „Und wie erklärst du dann das Dunkle Mal?“, fragte er leise.
Es war schon verdächtig genug hier einem Menschen zu begegnen. Aber dann auch noch eine mit Dunklem Mal, die sich mit einem Muggelgeborenen herumtrieb.Irgendetwas konnte hier nicht stimmen.
Jack sah auf und bemerkte, dass durch ihre erhobenen Hände ihr Pulli heruntergerutscht war und ihr Dunkles Mal somit gut sichtbar.
Er säufzte. „Das ist okay. Sie ist wie...“ verdammt, wussten diese Kinder, dass Snape einer der Guten war? So oft wie sie Snape explodiert gespielt hatten, wahrscheinlich nicht. „Sie ist Doppelagentin. Quasi. Wisst ihr was ich meine?“ Dann kam ihm noch eine glänzende Idee. „Außerdem, wenn sie vor hätte, euch auszuliefern, denkt ihr wirklich, dass sie nicht im verborgegen geblieben wäre und gewartet hätte, bis ihr schlaft?“
Harry antwortete mit einem Schulterzucken. Doch sein Zauberstab blieb auf die Salem gerichtet. „Das mag sein. Aber trotzdem. Habt ihr keine Beweise? Sie könnte dich auch unter einem Imperius haben und deshalb redest du für sie.“
Jack überlegte. Dann fiel ihm etwas ein. „Das kommt darauf an. Ich war oft mit ihr unterwegs in Hogwarts.“ Dann wandte er sich an Ron. „Ich habe sogar deinem Bruder von ihr erzählt. Vielleicht habt ihr uns ja mal gesehen.“
Es war eine schwache Hoffnung, aber Ron schien trotzdem ein Licht aufzugehen. „Doch, du hast Recht. Fred hat George von dir erzählt. Er sagte du wärst in Ordnung, abgesehen von deiner Slytherin Freundin. Damals hab' ich mich schon gewundert, wie man mit einer Slytherin befreundet sein kann.“ Hermine sah ihn böse an. „Ron, hör auf. Nicht alle Slytherins sind automatisch schlecht.“
Ron antwortete: „Dann nenn mir einen einzigen netten.“ Das brachte Hermine zum Schweigen.
Jack versuchte die Situation zu retten: „Sie hier ist nett!“, und er zeigte auf Roel.
Es war irgendwie eine komische Situation, dass nicht er als 'Schlammblut' sondern Roel als Slytherin ausgegrenzt wurde.
Trotzdem schienen die drei langsam ein wenig vertrauen zu fassen. Harry fragte dennoch: „Aber jetzt wirklich, was tut ihr hier?“
Jack seufzte. „Wie viel Zeit habt ihr?“
 
Etwa eine halbe Stunde später war das meiste erzählt. Zumindest soweit, dass man im Ansatz verstehen konnte, was los war.
Sie saßen in dem Zelt der drei, dass verdächtig nach Katze roch und tranken Tee. Harry sah recht überzeugt aus doch Ron sah immer wieder misstrauisch zu Roel herüber.
 
 
Dass Jack den größten Part der Erklärungen übernahm, war zwar nicht nach Roels Geschmack, aber eindeutig unumgehbar. Mit wachsamen Blick und jeder Zeit bereit ihren Zauberstab doch noch zu ziehen, stand sie da, lauschte und zuckte schließlich zusammen, als das ausgesprochen wurde, was sie komplett vergessen hatte.
Ihr Mal blitzte deutlich unter dem herunter gerutschten Mantelärmel hervor und kräuselte sich leicht auf ihrem Arm, sodass sie mit einem Blick wusste, dass wohl weit ab von diesem Wald die Hölle ausgebrochen war. Voldemorts Wut musste im Moment unermesslich sein und sie hoffte, dass die nicht an ihrem Bruder ausgelassen werden würde.
Rasch riss sie sich allerdings wieder aus ihren Gedanken und sah mit einem scharfen Blick hinüber zu Harry und den anderen. Eigentlich hatte sie nie etwas gegen Potter gehabt, vielleicht höchstes ein wenig, da es ihr vorkam, als ob ihm immer alles in den Schoß fallen würde. Und jetzt wie er da vor ihr stand und sie mit seinem Zauberstab bedrohte, kochte natürlich unweigerlich etwas Säuerliches in ihr hoch, dass sie allerdings zu ihrem eigenen Wohl sofort unterdrückte.
Sie lauschte weiterhin den Worten Jacks, runzelte leicht die Stirn und sah zu ihm hinüber. Wie er sie verteidigte erschien ihr eher surreal. Auch sie hatte ihm genug angetan, als dass er sie jetzt einfach hätte verraten können, aber er tat es nicht, schien nicht einmal darüber nachzudenken.
Ein leichtes Lächeln schlich sich rasch über Roels Lippen, ehe sie selbst ansetzte und versuchte sich zu erklären.
„Man kann mit Slytherins sehr wohl befreundet sein, allerdings ich bin selbst nicht gerade ein Fan meines eigenen Hauses, versteht ihr? Ich bin früher so ziemlich bei jeder Gelegenheit vor eurem Gemeinschaftsraum herumgelungert, wisst ihr das nicht mehr? Granger hier ist schon einige Male über meine Füße gestolpert, während ich mich vor der Fetten Dame breit gemacht hab. Und fragt mich nicht woher ich weiß, wo euer Eingang ist. Wenn man Freunde in Gryffindor hat, weiß man das irgendwann und ich rede nicht von dir Jack“, mit einem kurzen Seitenblick zu ihrem ehemals besten Freund schluckte sie kurz und ließ ihre Hände schließlich etwas sinken.
„Wir erklären euch alles, wenn du aufhörst mich mit deinem kleinen Stab da zu bedrohen, okay?“
 
Als sie schließlich in dem recht geräumigen Zelt des Trios saßen und Roel immer noch wie eine Gefangene behandelt wurde, schien sich allerdings die Spannung, die zwischen ihnen herrschte, etwas zu lösen.
Roel griff vorsichtig und langsam nach ihrem Tee, um niemanden zu beunruhigen und nahm einen kurzen Schluck ehe sie Granger ein kurzes Lächeln zu warf, die augenblicklich zusammen zuckte.
„Bei Merlin, ihr solltet euch wirklich etwas entspannen. Es ist ja nicht so als ob ich euch gleich auffressen würde. Ihr habt doch gehört, was Jack gesagt hat…“, knurrte sie anschließend und stellte die Tasse wieder hin.
Hermine indes schien alles andere als beruhigt zu sein, atmete einmal tief ein und aus und verschränkte ihre Arme vor ihrer Brust, ehe sie abermals zu Roel aufsah und Jack einen kurzen Seitenblick schenkte.
„Ihr müsst uns auch verstehen. Es stellt nicht gerade eine alltägliche Situation dar, wenn wir, die eigentlich auf der Flucht sind, auf einmal von einer Hexe und einem Zauberer überrascht werden, die wie der Zufall es will auch noch Spione des Ordens sind-„
„Ah, einen Moment! Das haben wir nie behauptet. Wir sind Spione. Nicht für den Orden allerdings für die Gegner Voldemorts und ich glaube das solltet ihr berücksichtigen. Auch der Orden ist nicht mehr das was er mal war… Er wurde infiltriert und fällt auseinander.“
Roel Stimmte klang bitter und sie verzog kurz ihr Gesicht, als sie ihre Hände in den Schoß legte und kurz zu Boden sah, nur um dann wieder zu Harry und Ron hinüber zu blicken, die sie ganze Zeit über unter Beobachtung gehalten hatten.
„Also… jetzt sind wir dran? Was sucht ihr hier? Ich kann mir zwar denken, dass ihr Voldemort auf eigene Faust stürzen wollt, aber wie stellt ihr euch das vor? Habt ihr irgendeinen Trick auf Lager?“
Ron keuchte überrascht auf und sah sie verärgert an, runzelte die Stirn und erhob gleich seine Stimme. „Nicht, dass wir euch das erzählen würden! Harry, wir wissen nicht einmal, ob sie die Wahrheit sagen, also sollten wir ihnen auch nichts verraten…“
 
[16:24:36] Kaddi.w: Jack bemerkte, dass Roel sich in dieser Situation nicht wirklich wohl fühlte. Nach den ganzen Todessern in letzter Zeit, bei denen Jack sich nicht wohl gefühlt hatte, war das nun aber auch einmal okay. Sie würde es überleben.
Dann sagte sie etwas, dass ihn aufhorchen ließ. Andere Freunde in Gryffindor. Freunde, für die sie vor dem Gemeinschaftsraum gewartet hatte. Was? Sie hatte doch nicht einmal wirklich Freunde in ihrem eigenen Haus gehabt.
Er sah sie verwirrt an. „Von wem redest du?“ Er wollte es zwar nicht zugeben, aber es erfasste ihn eine kleine Welle der Eifersucht. Er war der Gute in ihrem Leben gewesen. Zumindest in ihrer Hogwarts – Zeit. Nicht irgendein dahergelaufener anderer Mensch. Er war es gewesen, der sich die Nächte um die Ohren gehauen hatte um einen Ausweg für sie zu finden.
Das Gespräch ging weiter und es lief darauf heraus, dass die Drei sagen sollten, was sie hier taten. Jack versuchte sich, darauf zu konzentrieren. Er benahm sich hier wie ein trotziges Kind wegen einer Sache, die Jahre zurücklag. Das hier war wichtiger. Er schenkte Roel noch einen letzten Blick, der zu seiner Schande eher trotzig als fragend rüberkommen musste und konzentrierte sich dann wieder auf das Gespräch.
Er seufzte. „Ron, ich weiß, dass es schwer sein könnte uns zu vertrauen. Aber überleg doch mal, ihr seid drei fast – Erwachsene, die versuchen, den größten schwarzen Magier aller Zeiten aufzuhalten.“ Mit einem Blick zu Harry fügte er hinzu: „Ich weiß, was ihr alles schon hinter euch habt. Ich weiß, dass ihr viel geschafft habt. Aber ich glaube ihr könnt, egal was ihr vorhabt Hilfe gebrauchen. Und wenn es nur ein paar Informationen sind.“
Ron sah ihn immernoch misstrauisch an. Dann wanderte sein Blick zu Roel. „Aber ich vertraue ihr nicht. Nicht nur, dass sie Slytherin ist, sie hat auch noch das Dunkle Mal.“ Etwas lauter fügte er hinzu: „Ich kann doch nicht der Einzige hier sein, der es komisch findet, wenn die Beiden auf einmal aus dem Nichts auftauchen und wenn ich es nicht gerechtfertigt finde, einer Todesserin unsere ganzen Pläne auszubreiten, nur weil ein Gryffindor dabei ist. Außerdem, Jack, was hast du die letzten Jahre gemacht? Warum gehörst du nicht zum Orden, wenn es dir doch so wichtig ist, etwas gegen Voldemort zu un? Und war dein Bruder nicht immer so begeistert von den Dunklen Künsten? Bist du vielleicht übergelaufen?“
Das war wie ein Schlag in die Fresse. Mitten rein. Jacks Blick verlor jegliche Freundlichkeit. „Die Todesser haben meinen Bruder getötet, okay? Glaubst du wirklich, ich laufe zu den Mördern meines kleinen Bruders über? Gerade du müsstest wissen, dass man soetwas nicht tut. Und was ich die letzten Jahre getan habe? Ich habe versucht sie zu finden. Und die meisten habe ich gefunden. Ich bin nicht stolz darauf, was mit ihnen passiert ist. Aber wenn deiner Schwester oder einem deiner Brüder soetwas passieren würde... vielleicht verstehst du, dass man da nicht einfach so zusieht.“ Jack atmete einmal tief ein. Er spürte wie der Hass in ihm hochstieg und das durfte nicht passieren. Er war immernoch nicht ganz der alte. Auch wenn er es die Anderen nicht merken ließ. Wahrscheinlich waren sie selbst schlau genug, nicht zu erwarten, dass nach ein paar Wochen ganze Jahre aus einem Gedächtnis verschwanden.
Ron sah immer noch nicht überzeugt aus. „Was ist denn mit ihnen passiert?“
Jack sprang auf, doch Harry versuchte sofort zu beschwichtigen und sagte: „Ron, hör auf! Immer wenn du dieses Medallion trägst, wirst du so. Gib es mir.“
Doch Ron, der wenigstens sein gemeines Grinsen abgelegt hatte sagte in einem besänftigenden Ton: „Nein, es geht schon.“
Jack setzte sich. Er bekam langsam Kopfweh. Warum war das alles nur so verdammt schwierig? Er wünschte sich, Rowan wäre da. Der wickelte Menschen leichter um den Finger als Eisklotz – Roel und sein leicht angeschlagenes Selbst.
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BeitragThema: Re: Was bisher geschah *drama-button*   Mo Sep 23, 2013 1:50 am

Roel war ebenfalls aufgesprungen als Jack versucht hatte Ron für seine Dreistigkeit naja „zu recht zu weisen“. Sie hielt Jack an seinen Schultern fest und drückte ihn fast schon wie ihren eigenen Bruder an ihre Schulter, versuchte ihn so zu beruhigen.
„Sprecht ihn einfach nicht mehr darauf an“, murmelte sie und strich Jack noch kurz über seine bunten Haare, ehe sie ihn losließ.
Das ganze war gerade eher reflexartig gewesen als geplant. Sie hatte eigentlich nicht vorgehabt wieder diese Gefühle für diesen kleinen Trottel zu entwickeln, doch sie keimten immer wieder in ihr auf, ohne dass sie etwas tun konnte.
Wenn sie nicht immer noch diese Erinnerungen von ihm in ihrem Kopf hätte. Wie er sie gefesselt in dieser Höhle gequält hatte-
Mit einem Mal schreckte sie aus ihren Gedanken auf, als sie bemerkte, dass Hermine ihren Zauberstab auf sie gerichtet hatte, wohl aus Schreck, dass Roel sich so schnell bewegt hatte.
„Hey beruhigt euch okay?“, versuchte sie sie noch einmal sie zu beschwichtigen, ehe sie abermals ihre Hände ein Stück hob. „Wir wollen euch nur helfen, das ist alles. Wenn ihr uns nur vertrauen würdet, könnten wir zusehen, dass wir euch außer Gefahr bringen. Ihr seid sicherlich unter Beobachtung. Irgendjemand verfolgt euch und glaubt uns. Wir sind es nicht.“
Kurz hielt die junge Frau inne und ließ wieder ihre Hände sinken, nickte dabei ruhig und sah in die Runde, in der alle Blicke auf sie und Jack gerichtet waren.
„Gut. Wir könnten damit anfangen, wo ihr als letztes wart. Seid ihr verfolgt worden? Und wenn ja von wem?“
Roel versuchte mit aller Kraft ihre Stimme ruhig zu halten, die Aufregung wegen Jack, der drei anderen und ihrem immer noch verschwundenen Bruder regten sie innerlich so sehr auf, dass ihr Herz bei dem Gedanken daran schon anfing zu rasen.
„Wir waren im Ministerium und haben … etwas besorgt. Als wir fliehen wollten wurden wir entdeckt und Yaxley hat uns verfolgt. Wir mussten mehrmals apparieren, um ihn loszuwerden-„
„Hermine!“
„Lass mich, Harry… Ich glaube ihnen… Auf jeden Fall ist ihre Geschichte wahrscheinlicher als irgendeine Falle von den Todessern oder dem Ministerium. Sie hätten uns nie finden können.“
Roel indes sah hinüber zu Jack und hob leicht ihre Brauen. „Yaxley… er lebt also noch“, murmelte sie und runzelte kurz nachdenklich ihre Stirn. „Und was wolltet ihr da holen? Aber nicht dieses Medallion…“, sie wandte sich leicht um und sah hinüber zu Ron, der das Medallion immer noch um seinen Hals trug und es augenblicklich mit seinen Fingern umklammerte als er den Blick der anderen bemerkte.
„Ich kenne dieses Ding“, knurrte Roel leise und ging einen Schritt auf Ron zu.
 
Jack wusste, dass er einen Fehler gemacht hatte, als er auf an Roels Schulter gedrückt wurde und sie die anderen tatsächlich dazu anhielt, ihn nicht mehr darauf anzusprechen. Sie schien tatsächlich noch etwas für ihn übrig zu haben. Immerhin. Diese Tatsache beruhigte ihn tatsächlich ein bisschen.  Hermine schien ihnen zu vertrauen. Zumindest ein bisschen. Sie erzählte, was sie zuletzt getan hatten. Die Kiddies waren also im Ministerium gewesen. Die Sache mit Yaxley blendete er aus. Er wollte im Moment über nichts nachdenken, dass ihn an Sel erinnerte.
Immer wieder kam die Sprache auf diese Kette zurück. Was war an diesem Medallion so besonders? Gut, es sah alt aus. Aber nicht wirklich spektakulär. Und auch nicht so, als wäre es eine Waffe gegen Du – weißt – schon – wen. Jack betrachtete es eine Weile, konnte aber immer noch nichts komisches daran feststellen.
Dann sagte Roel, sie würde es kennen. Er fragte sich nun langsam wirklich, was alle für ein Geschiss mit diesem Ding hatten.
Ron zuckte zurück und richtete seinen Zauberstab auf die ehemalige Slytherin. „Wehe du kommst mir zu nahe.“
Er schien irgendwie verunsichert und hatte wohl Angst Roel würde ihm das Teil einfach wegnehmen. Aber wenn er komisch wurde, sobald er es trug, warum trug er es dann überhaupt? Und warum wollte er es beschützen?
Harry indes reagierte nur mit einem komischen Blick auf Ron, der irgendwo zwischen Besorgnis und Gereiztheit lag. Dann sah er zu Roel. „Woher kennst du es? Hast du es schon mal gesehen oder weißt du etwas darüber?“ Er schien etwas aufgeregt zu sein, als hätte Roel eine Information, die er dringend brauchte.
Jack hielt sich im Hintergrund. Er war nun auch eher gespannt, zu was das alles hier führen würde. Ron sah immernoch wütend zu Roel und umklammerte mit der einen Hand das Medallion und mit der anderen seinen Zauberstab. „Ich werde es ihr nicht geben, klar? Sicher nicht!“
 
Bevor Roel auch nur dem Drang nachgeben konnte sich das Ding einfach unter den Nagel zu reißen, hielt sie sich zurück und bemerkte wie ihr linker Arm, gerade der mit dem dunklen Mal, leicht zuckte, als sie ihre Hände in ihre Hosentaschen versenkte und tief durchatmete.
Das dunkle Mal brannte auf ihrer Haut, als ob der dunkle Lord höchst persönlich vor ihr stehen würde, der stechende Schmerz strahlte durch ihren ganzen Körper und ließ sie augenblicklich blasser werden.
„Jaah, ich kenne es“, fing sie an, nickte langsam und schmunzelte bitter, während sie noch einmal kurz zu Hermine hinüber sah, die sie genauso beobachtete wie Harry, den sie nun ins Visier nahm. Ron ignorierte sie erst einmal, da er ihr sowieso nicht gerade mental stabil vorkam.
Dunkle Gedanken krochen langsam in ihr hin und her. Sie müsste den Jungen töten. Jetzt und hier. Zurück ins Malfoy Manor apparieren. Ihrem Herrn Bericht erstattet, sie müsste-
Noch einmal holte sie tief Luft und blinzelte einige Male, ehe sie Harry antwortete.
Was war los mit ihr? Hatte dieses Ding etwa eine ähnliche Wirkung auf sie, wie der Lord selbst? Sie wusste was es war, aber dass es solch eine Kraft über sie hatte, ohne dass es sie überhaupt beruhigte, beunruhigte sie sichtlich.
„Es gehört ihm“, krächzte sie schließlich und nickte noch einmal hinüber zu dem Medallion. „Als ich noch ein Kind war, habe ich es ständig gesehen. Es hing immer um Bartys Hals… Barty Crouch Jr. Mein Vater und er … sie haben eine gemeinsame Vorgeschichte, sagen wirs so. Er hat es beschützt, als ob sein Leben davon abhängen würde. Früher dachte ich immer es wäre eine Waffe, aber da bin ich mir nicht einmal mehr so sicher…“
„Seht ihr!“, Rons Stimme brachte Roel dazu mit den Augen zu rollen, drehte sich wieder genervt zu ihm um und reagiert äußerst gereizt. Ihr Arm brachte sie noch bald um und dann noch dieser kleine…
„Was?!“, knurrte sie und ballte ihre Hände zu Fäusten, verschränkte aber dann ihre Arme und schien sich wieder etwas zu beruhigen.
„Wieso vertraut ihr ihr noch – Harry?“ Er sah seinen Freund an und schien ihn fast schon bettelnd anzublicken. „Sie hatte Kontakt zu diesem Kerl von der Meisterschaft oder etwa nicht? Wieso sollten wir ihr also vertrauen?“
„Ron, leg endlich dieses Ding ab“, sagte Hermine schließlich eindringlich, während sie auf ihn zu ging und er allerdings auch vor ihr zurück wich. „Du trägst es schon viel zu lange – Lass mich-„
„Nein!“ Weasley schien bald die Fassung zu verlieren, Roel ließ ihre Hand langsam in ihre Manteltasche gleiten und umgriff dort unauffällig ihren Zauberstab. Sie wollte vorbereitet sein, falls dieser Kerl durchdrehen sollte.
 
 
Jack bemerkte, dass etwas mit Roel nicht stimmte. Sie schien Schmerzen zu haben. Und es kam ihm immer mehr so vor, als würden sie von dem Mal ausgehen. Das konnte nichts gutes bedeuten. Gut, Du – weist – schon – wer war wahrscheinlich nicht hier, aber entweder er war wütend oder er rief sie zu sich. Jack behielt sie durchgehend im Auge, während sie von Crouch erzählte.
Er sagte leise genug, dass nur sie es hören konnte: „Alles in Ordnung mit dir? Was will er?“
Jack hatte bei ein paar seiner bisherigen... Todessererfahrungen mitbekommen, dass das Mal eine Verbindjung zu Voldemort herstellte, die teilweise zu groß war, dass sie spüren konnten, was er von ihnen wollte. Wie er das bewerkstelligte oder wie sich das anfühlte... keine Ahnung. Aber er konnte sich sehr gut vorstellen, dass es das war, was seine frühere Freundin fertig machte.
Auf einmal schien Ron in die Ecke gedrängt. Jack packte seinen Zauberstab, da er sich so gegen seine Freunde wehrte, dass er Angst hatte, der Junge würde ausflippen.
Doch Harry packte ihn und nahm ihm das Medallion einfach weg. „Besser?“, fragte er. Ron starrte ihn noch kurz wütend an und beruhigte sich dann. „Ja. Tut mir Leid. Das Ding...“ Harry nickte. „Ich weiß.“
Jack dachte nach und fragte schließlich gerade heraus: „Was ist es?“ Harry antwortete ausweichend: „Es ist wichtig. Mehr kann ich euch nicht sagen. Aber es ist verdammt wichtig, dass es zerstört wird. Nur, wir wissen nicht, wie.“
Ron hielt sich nun zurück. Anscheinend wollte er nicht wieder negativ auffallen. Oder er erholte sich gerade erst wieder vom Tragen dieses unheimlichen Dinges. Jack runzelte die Stirn. „Es kann doch nicht so schwer sein, eine Kette kaputt zu machen.“
Harry seufzte. „Doch kann es. Wir haben alles versucht. Und wir versuchen es weiter. Aber es scheint nicht zu funktionieren. Wir brauchen das Schwert von Gryffindor.“
Man sah Ron an, dass er es nicht gerade gerne sah, wie viel Harry verriet, aber immernoch hielt er sich zurück.
Jack überlegte. Gryffindors Schwert. Er hatte davon gehört, dass es existierte und dann zu einem kam, wenn man sich als wahrer Gryffindor erwies. „Keine Ahnung, wenn man ein wahrer Gryffindor sein will, sollte man mutig sein. Bringt euch in Gefahr und seht ihr ins Gesicht, oder sowas.“ Dann sah er Harry an. „Hattest du das Schwert nicht irgendwann sogar mal? Dann weißt du doch, wie man es bekommt.“
Harry schüttelte den Kopf. „Wenn du mir sagen kannst, wo ich den nächstbesten Basilisken finde...“ Jack seufzte: „Okay, das ist natürlich blöd... sonst hab' ich auch keine Idee. Du, Roel?“
 
Roel konnte im ersten Moment nicht antworten. Ruckartig umklammerte sie ihr linkes Handgelenk mit ihrer rechten Hand, wimmerte kurz auf und krümmte sich darüber und fiel beinah auf die Knie, ehe sie sich wieder aufrappelte und die Augen aufriss.
„Harry lass das Ding los!“, kreischte sie plötzlich und schlug Potter das Medallion aus der Hand, sah zu wie es auf dem Boden landete und dabei anfing zu zittern, bevor es sich wieder beruhigte.
Schwer atmend und immer noch über ihre schmerzende Hand gekrümmt, sah sie schließlich hinüber zu den anderen. Ron bedrohte sie inzwischen wieder mit seinem Zauberstab, genauso wie Harry, der reflexartig seinen gezückt hatte und sie nun verwirrt und gleichzeitig kampfbereit anstarrte.
„Er weiß es. Er weiß, dass ihr es habt. Es ist ein Hocrux, hab ich Recht?“ Die junge Frau sah unter ihren blonden kurzen Locken zwischen den drei hin und her.
Hermine war inzwischen aus dem Schreck aufgewacht und hob die Kette mithilfe eines Tuches auf, damit sie es nicht direkt berührte.
„Wieso?“, fragte Hermine schließlich und sah sie mit zusammen gezogenen Brauen an, musterte dabei auch kurz Jack. Sie schien berechtigter Weise misstrauisch zu sein, denn wenn Roel so darüber nachdachte, vielleicht würde sie ihr selbst nicht einmal glauben, wenn sie sich sprechen hören würde.
„Er… Der Lord hat eine Verbindung zu jedem seiner Todesser. Normalerweise pulsiert und schmerzt das dunkle Mal nur, aber jetzt- Ich pack’s gleich nicht mehr…„, knurrte sie keuchend und setzte sich zurück auf ihren Platz, drückte mit ihrer rechten Hand noch fester um ihr Handgelenk zu, ehe sie das dunkle Mal von dem Stoff ihres Mantels befreite und ihren Ärmel zurück zog.
Das dunkle Tattoo schien sich auf ihrer Haut zu kräuseln. Die darauf abgebildete Schlange wand sich immer wieder um den Totenschädel, kroch aus einer Augenhöhle heraus und zu der anderen wieder herein, ehe sie sich wieder vermeintlich zischend in den Mund des Kopfes bewegte. Dabei zitterte Roels arm wie Espenlaub.
„Er ist wütend. So verdammt wütend. Ich wusste nicht einmal, dass er so ein Ding hat. Wenn wir es nicht zerstört kriegen, haben wir den Krieg so gut wie verloren“, murmelte sie wieder und hob ihren Kopf an, offenbarte rot unterlaufene Augen, die davon zeugten wie sehr ihr das ganze gerade an Kraft raubte.
„Es liegt an der Verbindung… Die, die er zu mir hat oder zu … Harry. Es gibt Gerüchte, weißt du. Dass ihr irgendwie mental verbunden seid. Ich hab sie nie geglaubt… bis jetzt. Er hat gespürt wie du es angefasst hast und durch meine Anwesenheit wurde es bestimmt nur verstärkt. Vielleicht sollten wir gehen“, sagte sie schließlich noch zu Jack gewandt und wollte gerade aufstehen, bemerkte aber dass Rons Zauberstab das mehr oder weniger nicht zu ließ, also blieb sie sitzen.
Abermals keuchte sie, bis sie sich schließlich etwas beruhigte und spürte wie der Schmerz abebbte.
 
Jack hatte Roel nur angestarrt als sie diesen Anfall hatte, oder was auch immer es war. Er hatte noch nicht oft gesehen, wie Todesser auf das Dunkle Mal reagieren konnten und eindeutig noch nie in solch einem Ausmaß.
Er sah hilfesuchend zu den drei anderen. Doch anscheinend waren sie auch nur überfordert. Jack sah zu Ron. „Kannst du jetzt vielleicht mal deinen Zauberstab weglegen? Das alles würde sie euch doch wohl kaum erzählen, wenn sie ein richtiger Todesser wäre, oder?“
Ron nickte verwirrt und legte das Ding tatsächlich weg. Gut, das erste war geschafft. Er sah noch einmal zu Roel, der es eindeutig nicht gut ging. „Ich glaube es wäre wirklich das Beste, wenn wir verschwinden. Keine Angst, wir gehen nur zu unserem Zelt hundert Meter weiter. Wir hauen euch nicht ab. Aber Roel muss sich hinlegen und reden können wir auch noch morgen.“ Besorgt sah er zu dem Mädchen, dass zitterte wie Espenlaub.
Harry und Hermine nickten. Ron schien zwar etwas misstrauisch, doch nach einer kurzen Pause nickte auch er. Also stand Jack auf und half Roel auch dabei. Sie verließen das Zelt.
Draußen angekommen fragte er leise: „Was zur Hölle war da drin mit dir los und was ist ein Horcrux?“ Das alles hörte sich für ihn nicht gerade toll an. Er hoffte, dass Rowan bald wieder auftauchen würde. Vielleicht wusste der, was zu tun war.
Langsam näherten sie sich ihrem Lagerplatz und Jack biss in Gedanken auf seiner Unterlippe herum. „Roel, ist das öfters so? Ich mache mir Sorgen um dich.“
Er wusste, dass das wahrscheinlich das letzte war, was sie hören wollte, doch es war die pure Wahrheit. Vorhin hatte er Angst gehabt, sie würde einfach zusammenbrechen.
 
Während sich Roel endlich auf das ausgebreitete Leinentuch setzte, das sie vor ihrer Feuerstelle hingelegt hatten, schien sich ihr Zustand zu verbessern. Noch immer zitterte ihr Arm, doch dieser schien sich langsam zu beruhigen, während ihr Blick allerdings noch dem Waldboden und dem Stoff unter ihren Knien galt. Hastig schien sie ihn mit ihrem Blick abzusuchen, doch eigentlich versuchte sie sich nur davon abzulenken, dass was in ihrem Kopf vorging.
Ihre Augen schienen darauf zu haften, als ob der Boden mit ihr sprechen würde, während ihre blonden kurzen Haare über ihr Gesicht fielen und es etwas bedeckten, sodass Jack ihre Augen nicht sehen konnte. Diese waren weit aufgerissen, während sie immer noch heftig atmete und schließlich ihr linkes Handgelenk losließ, um sich dann mit ihren Händen abzustützen.
Gedanken und Erinnerungen rasten durch ihren Kopf. Bilder von Todessern und Aufnahmeritualen. Vom Dunklen Lord. Von Barty.
Einen Moment lang wollte alles aus ihr heraus brechen, was alles passiert war, nachdem sie sich damals von Jack verabschiedet hatte. Damals auf diesem einsamen Spielplatz. Und vor allem, was sie beim Trimagischen Turnier vor 3 Jahren getan hatte.
Ihre Lippen zitterten bei dem Versuch sich selbst zurück zu halten und diese ganzen Dinge für sich zu behalten.
„Jack, ich-„ Sie brach ab und keuchte schließlich ehe sie sich versuchte normal hin zusetzen, sich drehte und im Schneidersitz auf den Boden saß, dabei allerdings immer noch nach unten sah.
„Tut mir Leid. Ich hatte mich nicht unter Kontrolle. Passiert nicht wieder“, murmelte sie schließlich nach einigen Momenten und schien sich wieder gefasst zu haben.
Roel konnte Jack nicht erzählen, was passiert war. Niemals. In ein paar Jahren vielleicht könnte sie ihm von ihrer Kindheit erzählen, doch was die letzten paar Jahre anging. Die mussten für immer unter Verschluss gehalten werden.
Manchmal fragte sie sich, wie lange sie noch diese Geheimnisse mit sich herum schleppen konnte. Vor Jack hatte sie mit Leichtigkeit jahrelang viel verbergen können, doch auch zusätzlich vor ihrem Bruder und Jaque…
„Und das passiert auch nicht oft, keine Sorge“, ein leichtes Lächeln huschte über ihre Lippen, während sie endlich zu ihm aufschaute.
Ihr Blick schien wieder einigermaßen normal zu sein, allerdings wirkten ihre Züge leicht verkrampft und künstlich, sodass sie sich selbst zusammen reißen musste, um ihren Kurs nicht doch noch einmal zu wechseln und ihm alles zu erzählen.
Gerade als sie abermals ihre Lippen auseinander reißen wollte, um Jack einen weiteren kurzen Satz an den Kopf zu werfen, knallte es schon wieder abermals auf der Lichtung und jemand erschien nur wenige Meter neben ihnen.
Es war Rowan und er schien jemanden dabei zu haben…
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Roel Salem
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BeitragThema: Re: Was bisher geschah *drama-button*   Mo Sep 23, 2013 1:51 am

Jack wusste, dass Roel ihm etwas verheimlichte. „Dir geht es ganz und gar nicht gut...“, .murmelte er. Doch er wusste, sie würde ihm nicht sagen was los war. Sie war an dem Punkt, in dem er selbst auch steckte. Nur hatte sie niemanden wie Rowan, dem er wenigstens ein paar Dinge erzählen konnte.
Er sah sie nur weiter traurig an und hoffte, sie würde irgendwann zu jemandem so viel Vertrauen haben, dass sie darüber reden konnte. Dann stand er auf, mit der Absicht ihr ein Glas Wasser zu holen. In dem Moment knallte es und da stand Rowan. Und neben ihm... nein! Nein! Das konnte nicht sein. Das konnte verdammt nochmal nicht sein.
Jack stand wie angewurzelt da und starrte auf seinen kleinen Bruder. Er konnte sich nicht bewegen, nicht denken. „Das kann nicht sein!“, sprach er leise seine Gedanken aus.
Sam kam näher. Er sah schrecklich aus. Seine Kleidung war verdreckt und halb zerfetzt und sein Körper war voller Kratzer und blauer Flecken. „Jack... ich... es tut mir Leid!“
In dem Moment konnte er nicht anders. Er rannte auf den Kleinen zu und nahm ihn in den Arm. Es war real. Er umarmte ihn, bis er ein ersticktes Keuchen hörte: „Ich krieg' keine Luft!“ Jack ließ ihn los. Dann fragte er: „Wie? Du... du warst tot!“
Sam sah ihn entgeistert an. „Was redest du da? Die Todesser hatten mich.“
Nun verstand Jack gar nichts mehr. Er hatte selbst den Unfallort gesehen. Überall Blut, Sams toter zerfetzter Körper auf den Gleisen. „Ich habe dich gesehen. Du hattest dich vor einen Zug geschmissen.“, seine Stimme hörte sich in etwa so verwirrt an, wie er sich fühlte.
Sam schüttelte den Kopf. „Ich wollte zu den Todessern. Das weißt du ja. Aber sie haben mitbekommen, was ich bin. Und sie wollten andauernd etwas über die Salems wissen. Ich konnte es ihnen nicht sagen und...“, Sams Stimme wurde erst zu einem Krächzen und brach dann ganz ab. Jack wusste was das hieß. Aber er würde sich morgen über Crucios und sonstige Dinge Gedanken machen. Im Moment war es egal. Alles war egal. Sam lebte. Sam lebte verdammt nochmal. Er fühlte sich, als hätte jemand sein Gehirn abgeschalten. Vielleicht war das auch gut so, denn schon jetzt machte sich ein leiser, kleiner Gedanke in ihm breit, der noch um einiges lauter werden würde. Alles was du getan hast, war umsonst...
 
Rowan wischte sich noch einmal kurz Blut von seinem Kinn, ehe er kurz ausspuckte und das ekelhaft metallische Zeug aus seinem Mund bekam.
Natürlich hatten sie ihm übel mitgespielt. Kurz nachdem er da angekommen war, war die Hölle über ihm losgebrochen, sodass erst nach einigen Minuten von Jaques Psychospielen die anderen Todesser bereit gewesen waren von ihm abzulassen.
Wenn er jetzt noch an das ekelhaft triumphierende Grinsen dieser Bastarde denken musste, vor allem an das von Yaxley…
Rowans Gedankenstrom brach mit einem Mal ab, als Jack schließlich hinüber zu seinem Bruder stürmte und ihn in den Arm nahm. Jaah, wenn er so nachdachte kannte er das Gefühl, das sich in den Augen des kleineren Punks abzeichnete nur zu gut. Immerhin hatte er Roel oft genug für Tod gehalten…
Kurz räusperte er sich und sah dann zu seiner Schwester hinüber die nur sich nur schweigend aufrichtete und zu ihm hinüber ging. Die Szene schien ihr auch auf den Magen zu schlagen, denn sie sah nicht sonderlich gut aus. Ob da noch etwas anderes war wagte er nicht zu bezweifeln, doch er fragte nicht nach. Noch nicht.
Kurz schluckte sie hart ehe sie kurz Rowans Hand nahm und diese drückte, ehe sie wieder los ließ.
Das hatten sie als Kinder immer getan. Fast schon so, als ob sie nur nachschauen wollten, ob der andere noch da war und noch nicht verschwunden.
„Was ist passiert?“, fragte sie schließlich heiser und er nickte einen Moment langsam, ehe er zu antworten begann.
„Ich hab ihn bei Jaque aufgegabelt. Nachdem ich im Hauptquartier angekommen war haben sie mich gepackt und verhört. Gefoltert natürlich auch, du kennst ja Bellatrix und Yaxley. Hatten mal wieder einen heiden Spaß“, murmelte er und winkte dann aber ab. „Aber ich bin okay… viel wichtiger ist das hier jetzt… Der Rest erzählt er euch am besten selbst. So genau ich hab das ganze nun auch wieder nicht verstanden. Ich war … beschäftigt, kann man sagen.“
Seine Stimme klang in ein heiseres Knurren ab, ehe er sich mit einem Taschentuch aus seiner Umhangtasche die blutenden Schnittverletzungen auf seinem Gesicht abtupfte, bis schließlich Roel diese Aufgabe übernahm und er sich hinsetzte.
Seine jüngere Schwester schien sich allerdings mehr oder weniger aus der Geschichte heraus zu halten, auch wenn sie ihm jetzt half seine Wunden zu versorgen.
Er betrachtete ihre Gedanken verlorene Miene und versuchte sie ernsthaft zu entschlüsseln. Etwas was passiert als er weggewesen war und es schien nicht sonderlich erfreulich gewesen zu sein. Ob sie mit dem Trio vom anderen Camp zusammen gestoßen waren oder etwas weitaus gefährlicheres passiert war, er schob es fürs erste darauf, dass sie sicherlich nicht darüber reden wollte. Er kannte sie und sie kannte ihn. Also ließen sie sich fürs erste in Ruhe und konzentrierten sich beide auf das Jetzt, während sie zu Sam hinüber sahen.
„Also? Wir alle dachten du wärst tot.“ Roels Stimme klang kühl, doch auch überaus verwirrt und neugierig. Sie hatte also keine Ahnung von der ganzen Sache gehabt…
 
Jack, der viel zu beschäftigt war, seinen Bruder anzustarren, hatte nichts von Rowans Zustand bemerkt. Erst als er irgendetwas von 'foltern' aufschnappte drehte er sich zu den Geschwistern um. Rowan sah fast so schlimm aus wie Sammy. Er ging zu seinem Freund, wenn er ehrlich war, ganz froh über diese Ablenkung und fragte: „Sie haben dich gefoltert?“
Er wusste, dass er wohl gerade ein wenig psychopathisch rüberkam, wie er tonlos und mit aufgerissenen Augen so etwas fragte und schüttelte kurz den Kopf, was allerdings auch nicht viel änderte.
Dann sah er wieder zu Sam. Nur um sich zu vergewissern, dass er sich nicht in Luft auflösen würde. Am besten wäre es wahrscheinlich, er würde Sammy irgendwo festtackern, wo er ihn immer im Auge behalten konnte. Er wunderte sich selbst über seine Gedanken. Aber im Moment konnte er einfach nicht klar denken.
Roels Stimme bahnte sich einen Weg durch sein vernebeltes Gehirn und auch er war neugierig auf die Antwort. Zumindest würde er sie wissen wollen, wenn er aus diesem Delirium aufwachte.
Sam sah von einem zum anderen und fing an zu erzählen. „Ich... ich wollte den Todessern beitreten. Ihr wisst alle warum. Und ja, jetzt weiß ich, dass es eine blöde Idee war.“, er seufzte. „Sie haben ziemlich schnell mitbekommen, dass meine Eltern Muggel sind.“, mit einem Blick zu Jack fügte er hinzu: „Waren. Sie wollten mich schon töten. Sagten, ein Schlammblut würde sowieso niemand vermissen. Aber dann trat ein Todesser namens Yaxley auf den Plan. Er sagte, ich müsste etwas wissen. Sie fragten mich, ob ich jemanden der Familie Salem kennen würde, weil wir in der selben Gegend aufgewachsen waren und weil sie dadurch, dass sie euch beschattet haben auch über Jacks Verbindung zu euch erfahren haben. Und naja, ich sagte natürlich ja. Sie steckten mich in irgendeinen Keller im Ministerium, in dem sie mich verhörten. Immer wieder. Bis sie mir glaubten, dass ich nicht wusste, ob ihr vertrauenswürdig seid. Ob ihr gegen den Lord arbeitet. Dann behielten sie mich als Druckmittel für Notfälle. Das zumindest habe ich durch ihre Gespräche mitbekommen. Dann ging ein Kampf im Ministerium los. Ein Mädchen, dass wohl auch in einem dieser Kellerräume war, hat sich freigekämpft und uns restliche Gefangenen frei gelassen. So bin ich entkommen. Ich wusste nicht wo ich hin sollte, aber ich wusste, durch die Verhöre, dass ihr etwas mit einem Jaque Gardien zu tun habt. Also hab' ich ihn gesucht, nachdem ich euch nicht gefunden habe. Ich dachte er weiß vielleicht wo ihr seid.“ Sam sah zu Rowan und Roel. „Ich habe es Jaque schon gesagt, aber nun sage ich es euch auch noch einmal. Passt auf. Sie vertrauen euch nicht. Ich weiß nicht, was ihr tut. Aber ich denke sie haben vielleicht Recht damit, dass ihr nicht gerade die treuesten Diener des Dunklen Lord seid, wenn ihr mit meinem Bruder unterwegs seid.
Sie wissen etwas. Vielleicht noch nicht genug, aber wenn ihr nicht aufpasst, finden sie es heraus.“
Jack hatte dem ganzen mit großen Augen zugehört. Sam war drei Jahre lang in einem Keller eingesperrt gewesen. Drei Jahre lang.
Jetzt war ihm auch klar, warum man ihn glauben hatte lassen, Sam wäre tot. So konnte er nicht nach ihm suchen. Doch er fragte sich, welches arme Schwein damals wirklich auf den Gleisen gestorben war.
 
Roels Hand schnellte wieder zu der ihres Bruders. Sie spürte wie ihr Herz hart gegen ihren Brustkorb schlug und ihre Gedanken wieder anfingen zu rasen.
Sie wussten es. Nicht alles, aber sie wussten es. Wenn die Todesser so viel aufs Spiel setzten und hinter ihren Rücken Leute anfingen zu verhören, stand es alles andere als Gut um sie. Sie suchten wohl nur noch Beweise, die sie ihrem Herrn unterbreiten konnten, denn anders konnte sich Roel die Heimlichtuerei nicht erklären.
Wenn sonst ein Todesser unter Verdacht stand zur anderen Seite übergelaufen zu sein, folterte man ihn so lange bis er gestand. Oder man benutzte Veritaserum. Aber das hier… Sie wussten, dass der Lord sie auf der Stelle töten würde, wenn sie Jaque Gardien und seiner Familie nur ein Haar krümmen würden. Sie standen noch immer hoch in seiner Gunst und das hatte auch so einige Gründe…
Die Blonde ließ abermals ihren Schopf hängen und kniff kurz ihre Augen zusammen, als wieder Erinnerungen durch ihren Kopf blitzen und ihr einen harten Stich versetzten.
Rowan indes hatte sie die ganze Zeit angesehen und erst als ihre Blicke sich wieder trafen, wurde das ihr auch klar. Sie sah wieder auf und starrte ihn eine Weile an, ehe sie seine Hand noch einmal drückte.
„Es hat doch alles nichts genützt. Die ganzen Geheimnisse und Manipulationen… nichts. Alles nichts“, keuchte sie und legte ihre freie Hand über ihre rechte Gesichtshälfte und fing an zu schluchzen.
Es war zu viel. Jetzt war alles zu viel geworden und Roel ließ dann ruckartig Rowan Hand los, der ihr nur schweigend nachsah, nur um dann gegen einen Baum hinter sich zu stoßen und dann langsam an ihm herunter zu rutschen während sie begann leise zu weinen.
„Carol-„
„LASS MICH!“, sie schlug Rowans Hand weg und raufte sich kurz die Haare. „Mein Name ist Roel, du hast kein Recht mich so zu nennen. DU warst schließlich nicht da!“, zischte sie und schlug noch einmal einen Moment um sich, als ihr Bruder abermals versuchte seine Hand auf ihre Schulter zu legen.
Erst als sie sich beruhigt etwas beruhigt hatte und nur noch ein leises Wimmern über ihre Lippen kam, sprach sie langsam aus, was ihr schon lange auf den Lippen brannte.
„Es ist alles meine Schuld… Ich hätte einfach Nein sagen sollen. Von Anfang an… Ich bin Schuld.“
 
Jack hatte erst bemerkt, dass etwas nicht stimmte, als er Roels Stimme hörte. Er drehte sich ruckartig um und sah zu den Geschwistern. Er hörte zu, ohne etwas zu unternehmen. Doch als er diese Worte hörte, die er schon viel zu oft von sich selbst gehört hatte, wurde es ihm zu viel. Konnten sie nicht einfach ein verdammtes Mal glücklich sein? Konnte nicht einmal etwas gut laufen? Er ging auf Roel zu und sagte viel wütender als beabsichtigt: „Du bist an gar nichts Schuld, klar? Hör' damit auf? Hört einfach alle damit auf. Rumheulen bringt uns jetzt auch nichts. Das tun wir schon viel zu lange. Sag' endlich, was mit dir los ist und wir finden eine Lösung.
Nach der ganzen Zeit sind wir endlich alle wieder zusammen. Wenn einer von euch es wagt, hier einen Streit anzufangen, polier ich demjenigen die Fresse.“
Er war selbst überrascht von seinem Ausbruch. Trotzdem nahm er nichts zurück. Er wollte nicht, dass sich hier noch einmal irgendjemand verstritt, anschrie oder sich selbst kaputt machte. Er wollte einfach nur, dass alles wieder besser wurde. Verdammt nochmal, sogar Sammy war wieder da.
Er atmete einmal tief durch und sagte dann: „Versteh mich nicht falsch. Mir ist klar, dass es dir schlecht geht und ich bin wahrscheinlich der letzte hier, der dich davon abhalten darf, rumzuheulen. Aber ganz ehrlich, hat es uns irgendwann einmal was gebracht? Hör auf mit den Schuldzuweisungen dir gegenüber und hör damit auf Rowan Vorwürfe zu machen. Er hat dich nicht mit Absicht alleine gelassen. Können wir nicht einfach ein Mal zusammen arbeiten?“
Sam, der sich komplett im Hintergrund gehalten hatte stellte sich nun neben seinen Bruder. „Er hat Recht. Du solltest uns sagen, was passiert ist. Ich weiß, was sie wissen. Jack weiß, was im Ministerium erzählt wurde. Wir können helfen. Ganz davon abgesehen, können wir es uns im Moment nicht leisten, zusammenzubrechen. Ihr seid gesuchte Verbrecher auf beiden Seiten, ich bin von den Todessern geflohen und Jack... er würde wahrscheinlich auch nicht hier sein, wenn er eine blütenreine Weste hätte.“
Er ist erwachsen geworden, ging es Jack durch den Kopf und er nickte. Sam hatte Recht. Auch wenn sich zwischen ihnen noch genug Hass aufstaute, sie mussten versuchen, das zu ignorieren und wenigstens einmal einander helfen.
 
Lass es. Sag nichts. Sei ruhig. Komm zu mir.
Worte schossen durch Roels Kopf, ohne dass sie etwas dagegen unternehmen konnte. Ihr Arm schmerzte, aber kaum, das was sie eher ablenkte, waren die klaren Worte, die ihren Verstand betäuben zu schienen.
Es war keine gute Idee gewesen hier her zu kommen, es war keine gute Idee gewesen ihren Bruder und Jack aufzusuchen, nachdem sie im Ministerium gewesen war. Sie hatte bei ihm bleiben sollen, an ihrem Platz wo sie hingehörte, seit der Lord vor 3 Jahren wieder auferstanden war…
Roel schien sich zu beruhigen und starrte ins Leere, presste ihre Lippen aufeinander während stumme Tränen ihre Wangen hinunter liefen. Sie ballte ihre Hände zu Fäusten und sah noch zu Jack, ehe sie anfing zu lächeln.
Ein breites Lächeln, das auf eine unnatürliche Art und Weise ihre gesamte Ausstrahlung zu verändern schien. Sie schien wirklich über etwas außerordentlich glücklich zu sein.
Emotionen krochen durch ihren Körper, von denen sie ganz vergessen hatte, dass sie sie überhaupt besaß. Sogar die kleinsten Ecken ihres Herzens erwärmten sich mit einmal mal, sodass sie einfach nicht anders konnte, als Jack anzusehen und zu Lächeln.
„Du würdest mir immer verziehen, nicht wahr?“, fing sie an, leise und hauchend, allerdings war es auf der Lichtung inzwischen so still, dass sie nur den Atem ihres Bruders, Jack und Sams hören konnte und ihre Stimme daher um einiges lauter klang.
Noch einmal vergingen einige Sekunden, Augenblicke verstrichen und so schien Rowan immer ungeduldiger zu werden. Auch er schien kein Wort seiner Schwester verstanden zu haben, sodass er gerade ansetzte etwas zu sagen und sie zu fragen was dieser ganze Mist sollte, als sie mit einem Knall verschwand und disappariert war.
Die ersten Momente nach dem Verschwinden seiner Schwester konnte Rowan erst nicht fassen was gerade passiert war. Der Gedanke, dass Roel jetzt nicht wirklich abgehauen war und alles nur ein böser Witz war, beherrschte seinen leergefegten Schädel dermaßen, dass er erst nach einiger Zeit hinüber zu Jack und Sam sehen konnte und diese nicht fassungslos anstarrte.
„Wo ist sie hin?“, fragte er schließlich Sam und ging auf ihn zu, packte ihn am Kragen, hob ein leicht hoch. Der größere Mann wirkte auf einmal bedrohlich und groß, eben wie jemand der seine Familie gegen alles in der Welt beschützen würde und wollte.
Erst nachdem er bemerkt hatte, das seine Aktionen hier nichts brachten und sinnlos waren, ließ er Sam los und wandte sich zu Jack.
„Was ist passiert? Bevor wir hier her kamen? Was ist passiert?!“
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BeitragThema: Re: Was bisher geschah *drama-button*   Mo Sep 23, 2013 1:51 am

Jack verstand nicht, was mit ihr los war. Irgend etwas stimmte nicht. Er nickte auf ihre Frage nur kurz. Dann war es still und ein paar Augenblicke später verschwand sie.
Er starrte immer noch auf den leeren Fleck, an dem Roel gerade noch gesessen war. Da bemerkte er eine Bewegung aus dem Augenwinkel. Rowan hatte sich Sam gepackt. Jack ballte seine Hände zu Fäusten. Es war ihm egal, wer da vor ihm stand und dass er nur schwerlich eine Chance gegen ihn hatte, aber seinem Bruder würde niemand mehr etwas tun.
Währenddessen zappelte Sammy verängstigt und schrie: „Ich weiß es nicht, klar? Ich weiß es nicht!“ Als Rowan ihn wieder herunterließ sah Sam noch eine Weile misstrauisch zu ihm herüber. Jack indessen stellte sich vor seinen kleinen Bruder. „Lass ihn da raus, klar?“, zischte er.
Doch auch ihm war nicht wohl bei der Sache. Er sagte: „Harry und die anderen Zwei hatten ein Medallion. Als Harry es angefasst hat, ist sie fast durchgedeht. Ihr Mal hat weh getan. Sie sagte es sein ein Horcrux, oder so ähnlich. Ich weiß nicht was das ist, aber Voldemort muss wohl mitbekommen haben, dass Harry es hat, als wir bei ihnen im Zelt waren. Sie war ziemlich fertig und wollte mir nicht sagen, was los ist. Ich wollte es dir eigentlich erzählen... aber ich wurde etwas abgelenkt.“
Jack biss auf seiner Lippe herum. „Wir müssen sie finden. Sie macht bestimmt irgendwas saudummes. Weißt du nicht, wo sie sein könnte? Vielleicht bei Jaque? Oder womöglich Du – weißt – schon – wer?“
Vielleicht hätte er sie nicht so anfahren dürfen. Er hätte nicht so bohren dürfen. Verdammt nochmal!
Er dachte nach. Sie konnten sich beide nirgendwo sehen lassen. Alle drei nicht. Zumindest nirgends, wo Roel sein konnte. Nein. Er hatte wirklich keine Ahnung, wo sie sie aufspüren sollten. Seine Hand wanderte wie automatisch zu Rowans. Er wollte etwas haben, an dem er sich festkrallen konnte und genau das tat er jetzt. So wie Rowan aussah, konnte er auch jede Art der Unterstützung gebrauchen, die er kriegen konnte. Jack war klar, dass sie nach ihr suchen würden. Sie mussten. Auch wenn er nicht wusste, wie hoch die Chancen standen, dass sie wieder heil hierher zurückkamen.
„Jemand muss hier bleiben und warten, ob sie zurück kommt. Sammy, das machst du!“ Sam öffnete schon dem Mund um sich zu beschweren als Jack ihm dazwischen redete: „Es ist mir scheißegal, was du dazu zu sagen hast, klar? Wenn du dich jetzt auch noch irgendwo da draußen rumtreibst, bringe ich irgendwas um. Mir reicht's schon, dass ich dich allein hier lassen muss.“
Dann sah er zu Rowan. „Wo sollen wir suchen?“
 
Rowan starrte ins Leere, während er angestrengt nachdachte. Sie konnte überall sein. In Malfoy Manor, bei Snape, beim Orden, doch der wahrscheinlichste Ort, wo sie zumindest einen Anhaltspunkt finden würden, war bei ihr zuhause.
„Vielleicht ist sie bei Jaque. Sie haben eine kleine Wohnung in London, die von den Todessern genutzt werden, aber die dürfte zurzeit. Er meinte er kehrt dort hin zurück, nachdem sie mich gehen haben lassen und ich Sammy aufgegabelt hatte…“
Er sah kurz hinüber zu dem blonden Jungen, den er noch vor wenigen Minuten davor bewahrt hatte bei seinem Ausbruchsversuch erwischt zu werden. Wenn sie ihn gefunden hätte, wie er versucht hatte zu fliehen hätten sie ihn höchst wahrscheinlich getötet.
Gedankenverloren biss sich Rowan kurz auf die Unterlippe und wuschelte sich dann durch die Haare, während er um sich herum die Gegend taxierte.
„Okay… wir gehen zu Jaque… Sam bleibt hier wie abgemacht und lässt sich nicht von den drei da drüben erwischen, wir hatten schon genug Stress wegen denen…“, murmelte er und nahm Jacks Hand, sah ihn dabei ebenfalls einige Moment lang an, ehe er fortfuhr: „Und dabei finden wir heraus was es mit diesem Hocrux auf sich hat…“
 
Der Wind pfiff durch die enge Gasse, die sie hinein appariert waren. Ferne Stimmen, die von einer nahen Einkaufsstraße zeugten wehten hindurch, ehe Rowan Jacks Hand los ließ und ihm mit einem Nicken andeutete, ihm zu folgen.
Sie liefen durch die dunkle Gasse, die von alten Autos und zahlreichen Fahrrädern gesäumt war und hielten erst an, als sie bei einem engen Hauseingang angekommen waren, der mit lauter Flugbesen voll gestellt war und für Zauberer eindeutig als magischer Wohnort zu erkennen war. Für Muggel musste das ganze einfach wie ein Wohnort eines Messies ausgesehen haben.
Rowan stieg ungelenkt über einige der Besen, stolperte fast, ehe er dann die Haustür öffnete und in ein enges Treppenhaus trat, das dunkel und staub behaftet dalag. Hier befanden sich keine Besen mehr, nur einige Spinnweben und ein altes klappriges Fahrrad, dass halb zerstört in einer Ecke unter dem alten Briefkasten lag, der schief an der Wand hing.
Dieses Mehrfamilienhaus, ein Ablageschrank für Witwen, Rentner am Existenzminimum und abgewrackten Singels, schien schon seine beste Zeit hinter sich zu haben und niemanden mehr zu beherbergen, außer in einer der Wohnungen, aus der leise Musik hallte.
Während sie die Treppen durch den staubigen Gang hinauf klommen und an einigen Haustüren vorbei gingen, wurde die Musik lauter und erst als Rowan vor einer der Türen stehen blieb und kurz durch den unabgedeckten Spion blickte und dann die Türklinke runter drückte, hörten sie wie Janis Joplin ihnen entgegen hallte. Säuselnd und leise, als ob ein alter Schallplattenspieler kurz vor seinem Tod noch ein letztes Lied spielen würde.
Rowan trat hastig ein, winkte Jack zu sich heran und schloss die Tür mit einem Wink seines Zauberstabs hinter sich, ehe er in die Küche trat, wo Jaque Gardien stand und am kleinen Küchenfenster eine Zigarette rauchte und dabei einen Eisbeutel gegen seinen Mund hielt, der erst weglegte, als der junge Zauberer in den Raum trat.
„Jaque-„, fing Rowan atemlos an, doch der Ältere unterbrach ihn.
„Das ist nichts. Noch vom Kampf im Ministerium“, Er klang als ob er gerade über das Wetter reden würde, doch wurde dann schnell erst.
„Du würdest nicht kommen, wenns nichts ernstes wäre. Ich weiß schon… Was ist passiert? Und wieso hast du den Donahuejungen dabei?“
 
 Rowan hatte nichts mehr gesagt, sondern war einfach mit ihm disappariert. Sie durchquerten ein ziemlich verratztes Haus, dass Jack noch nie gesehen hatte. Doch Rowan schien zu wissen, wohin er wollte.
Als er eine der Wohnungstüren öffnete, war ihm auch klar, warum. Jaque war dort. Jack fühlte sich hier nicht wirklich wohl und wäre am liebsten umgedreht und verschwunden. Auch der Satz des älteren Mannes zeigte, dass er ihr letztes Treffen nicht vergessen hatte. Gut, wie konnte er auch. Damals hatte Jack seine Ziehtochter verschleppt und gefoltert.
Auch wenn er die Vergangenheit des Mannes kannte und wusste, dass er einer der Guten war, konnte Jack nicht umhin, einen gewissen aber gegen ihn zu haben. Doch hier ging es nicht um persönliche Abneigungen. Es ging einzig und allein darum, Roel wieder zu finden und schnellstmöglich zu Sam zurück zu kehren.
„Roel ist weg.“, sagte er. „Wissen Sie, wo sie sein könnte?“ Sein Ton war distanziert und ruhig, wie er es gelernt hatte, als er diese ganzen Todesser verhörte.
Dann hielt er sich im Hintergrund. Er wollte nur eine Antwort und dann hier verschwinden. Damit würde er wahrscheinlich ihnen beiden einen Gefallen tun.
 
Jaque sah den jungen Mann vor sich erst einige Sekunden lang an, runzelte seine Stirn und zog nachdenklich an seiner Zigarette, ehe er diese in einem der Blumentöpfe neben ihm auf der Fensterbank ausdrückte und dann seine Arme verschränkte.
Er schien Jack offenbar immer noch nicht zu trauen. Obwohl er natürlich darüber informiert gewesen war, dass er in seinem Haus gelebt hatte und das für mehrere Tage, schien sein Misstrauen ihm gegenüber immer noch nicht verflogen.
„Was genau ist passiert?“ Seine Stimme klang ruhig und überhaupt nicht aufregt, nur ein leichtes Schwanken zitterte darin, sodass man bemerkte, dass ihn diese Information alles andere als kalt ließ, doch vor Jack schien er seine Gefühle nicht zeigen zu wollen, vielleicht um vor ihm keine Schwäche zu zeigen.
„Verdammt, Jaque – hier geht es nicht um Donahue oder sonst irgendwen“, Rowan meldete sich fast schon aggressiv zu Wort, als er das Misstrauen des älteren Mannes bemerkte und trat einen Schritt weiter, hob seine Hände und gestikulierte wild damit herum, während er weiter sprach:
„Sie könnte überall sein! Sie ist regelrecht zusammen gebrochen nachdem sie erfahren hatte, dass wir…“
„Von den anderen Todessern beschattet werden? Das werden wir schon länger, Rowan“, sein ernster und doch so durchaus gelassener Blick traf den jungen Zauberer direkt, als Jaque leicht seinen Kopf wandte und dann abermals eine weiter Zigarette anzündete.
„Sie wusste es nicht. Ich wollte sie davor bewahren, dass genau das hier passiert“, er zündete sich mit einem Schnipsen seines Zauberstabes die Kippe an und nahm einen tiefen Zug, den er in die kleine Küche hinaus pustete, in der immer noch blechern die alte Schallplatte spielte.
„Hier ist sie jedenfalls nicht. Sie hasst diese Wohnung, auch wenn ihre Eltern her lange gewohnt haben…“ Kurz sah er sich um und klemmte seine Zigarette zwischen seine Lippen und kokelte dabei fast seinen kurzen und doch bauschigen Bart an, sodass er sie schließlich wieder heraus nahm und den beiden dann den Rücken zukehrte.
„Damals war sie noch nicht mal auf der Welt“, murmelte er vor sich hin und schien kurz bitter in sich hinein zu lächeln, ehe er seine Hand gegen das schmutzige Fenster legte und hinaus sah.
„Wie hat sie sich verhalten? Hat sie irgendetwas gesagt?“
 
Jack fühlte sich sichtlich unwohl. Er verschränkte die Arme und hielt sich im Hintergrund als Rowan auf einmal Jaque darauf hinwies, was das eigentliche Thema des Besuches war. Auch wenn ihm die Anrede mit seinem Nachnamen kurz einen Schauer über den Rücken laufen ließ. Aber ihm sollte eigentlich klar sein, dass es zwischen ihnen nicht mehr so lief wie früher.
Als Jaque sich eine Zigarette ansteckte fing auf Jack an, sich eine zu drehen und sie schließlich anzuzünden um einmal kräftig Rauch zu inhalieren. Es war mittein in der Nacht. Er war müde. Irgendwie musste er sich ja davon abhalten, einfach einzuschlafen. Heute war einfach viel zu viel passiert.
Er hatte nicht gedacht, Roel hier zu finden. Gut, er hatte die Hoffnung gehabt, ja, aber es wäre einfach zu einfach. Wenn Roel verschwinden wollte, tat sie das. Das konnte sie schon immer.
Jaque fragte, ob sie etwas gesagt oder getan hätte. Langsam wurde es ihm zu blöd. Er wollte zurück zu ihrem Zelt. Er wollte zurück zu Sam. Verdammt nochmal, sein Bruder lebte, das Ministerium war gefallen, es war mitten in der Nacht und Roel fiel nichts besseres ein, als einfach zu verschwinden und jetzt mussten sie hier Kaffeklatsch mit diesem alten Typen halten, der selbst schuld war, dass sie weg war. Er hatte sie in diese Todesser – Geschichte mit hineingezogen. Ein verdammtes Kind.
Jack zog erneut an seiner Zigarette und meldete sich dann zu Wort: „Nein, sie hat nichts gesagt. Wenn sie erwähnt hätte, wohin sie geht, wären wir nicht hier. Weißt du wo sie sein könnte?“, er ging einfach in das gewohnte du über (da die in England sind uns kein Sie gibt xD), da er es nicht einsah einen Typen zu sietzen, der ihn schon bedroht hatte. Er fand, sie kannten sich damit gut genug. „Falls du es nicht weißt, sollten wir von hier verschwinden und sie suchen. Wir finden bestimmt noch wann anders Zeit über diese Wohnung zu diskutieren oder darüber, wie lange euch die Todesser nun schon beschatten. Ich will sie nur noch finden und zurück zu meinem Bruder. Also könnten wir langsam mal zur Sache kommen?“
Er sah Jaque fragend an. Falls er nun ein Fass aufmachen würde, würde Jack einfach disapparieren und auf eigene Faust das Mädchen suchen. Sie konnte in der Zwischenzeit weiß Gott was für eine Scheiße gebaut haben und sie standen hier unproduktiv in der Gegend herum.
 
Jaque hielt ihnen noch einige Momente den Rücken zugedreht, ehe er seine Stimme wieder erhob.
„Natürlich… ich weiß nicht wo sie ist und ich kann euch eigentlich auch nicht weiterhelfen…“
Er war nicht wütend, er klang bitter und kühl, doch etwas Sachliches schwankte in seiner Stimme mit, sodass man sofort merkte, dass er die Ernsthaftigkeit der Situation verstand.
Er nahm seine Hand von der kalten Scheibe und wandte sich schließlich um.
„Der einzige Mensch, dem sie außer mir so großes Vertrauen zeigen würde, ist tot… Allerdings ist vielleicht in ihr altes Versteck zurück geflüchtet, wo sie früher immer ihre Zeit verbrachte. Womöglich versucht sie dort mit der Situation klar zu kommen…“
Jaque schien die letzten Worte eher zu sich selbst zu sagen, als zu den beiden anderen und verschränkte schließlich die Arme, die Kippe immer noch in der einen Hand, deren Rauch leicht hinauf gen Decke schwebte, ehe er doch verpuffte und verschwand.
„Versucht es bei Scabior“, der ältere Mann räusperte sich, bevor er weiter sprach. „Er befindet sich in Dublin, genauer gesagt in der Scarlet Street, sucht einfach nach dem Couldrons Pub… Viel Glück.“
Rowan runzelte die Stirn und sah ihn kurz mit schief gelegtem Kopf an. Was war nur mit dem Kerl los? Seine Tochter war vermisst und es schien ihn einen Dreck zu interessieren.
„Kommst du nicht mit?! Jaque hier geht es um-„
„Mir ist völlig bewusst, um was es hier geht!“, die raue Stimme des Älteren ließ Rowan kurz zusammen zucken und ihn einen Schritt zurück weichen.
Jaque sah ihn wütend an, ballte seine Hände zu Fäusten und räusperte sich dann abermals.
„Aber irgendjemand sollte zum Lord zurück kehren und diese ganze Lüge aufrecht erhalten, um Roel zu schützen. Wenn wir endgültig auffliegen wird man sie suchen und auf der Stelle töten und ihrem jetzigen Gemütszustand wird sie alles andere als vorsichtig sein.“
Mit diesen Worten nickte er nur noch kurz Jack und Rowan zu, ehe er dann die Hand zum Abschied hob.
„Ich werde jetzt gehen und warte auf eure Nachricht, sobald ihr sie gefunden habt. Ich zähle auf euch.“ Mit diesen Worten verschwand er und apparierte, sodass in der kleinen Küche ein lauter Knall aufhallte und die beiden anderen jungen Männer allein da stehen ließ.
„Dieses Arschloch“, knurrte Rowan und nahm daraufhin nur die Hand von Jack und sah ihn mit vor Wut hochrotem Kopf an.
 
Jack konnte diesen Idioten nicht verstehen. Er schüttelte nur langsam den Kopf, als er ihm zuhörte. Gut, dieser Pub oder was es war... vielleicht würden sie sie ja dort finden. Oh mann, er hatte eigentlich gedacht, er könnte jetzt eine Weile lang in diesem Wald wieder zu Sinnen kommen. Heute morgen war er noch in Jaques Wohnung aufgewacht. Es schien ihm Wochen her zu sein. Seine Augen fingen an zu brennen. Er fuhr kurz mit der Hand drüber. Er war so verdammt müde. Trotzdem musste er weiter nach ihr suchen. Auch wenn sie sich, wenn sie sie gefunden hatten erst einmal auf etwas gefasst machen konnte.
In seinem müden Schädel fragte er sich, ob sie einfach nur zu wenig Aufmerksamkeit bekam oder was genau ihr Problem war.
Jaque und Rowan stritten sich und er zog nur erneut an seiner Zigarette, von der kaum noch etwas übrig war. Als Jaque schließlich verschwand, schmiss er sie demonstrativ auf den Boden und trat sie aus.
Rowan drehte sich nach einem kurzen Fluch zu ihm um, nahm seine Hand und seine Wut war quasi greifbar. Jack sagte: „Mach dir keinen Kopf. Wir werden sie schon finden. Wenn Jaque meint, es geht ihn nichts an, ist das nicht unser Problem.“ Ein kurzes Lächeln stahl sich auf sein Gesicht als er Rowan so ansah. Wenn er sich überlegte, wie oft er ihn angeschrien hatte, er solle sich endlich um seine Schwester kümmern... anscheinend zog er es durch.
Dann sagte er: „Wir sollten gehen.“ und ein paar Augenblicke später standen sie in besagter Scarlet Street. Es schien nicht gerade die beste Gegend von Dublin zu sein. Wenn es soetwas überhaupt gab. Ein paar Gestalten waren unterwegs, doch aufgrund der Dunkelheit konnte man sie kaum erkennen. Der einzige Punkt, der ein bisschen beleuchtet war, schien ein Pub zu sein. Gut, sie hatten das Ding wohl schon gefunden. Vielleicht konnten sie dann tatsächlich wieder zurück und er konnte sich um seinen eingesperrten Bruder kümmern und musste nicht diesem postpubertären Mädchen hinterherrennen, dass einen auf Emo machte.
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Roel Salem
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BeitragThema: Re: Was bisher geschah *drama-button*   Mo Sep 23, 2013 1:52 am

Die frische Morgenluft war kühl und feucht als Rowan und Jack wieder in der Straße auftauchten. Kurz schien es ihn zu frösteln, eher vor Aufregung und Angst, als vor Kälte, doch er ließ sich nichts anmerken und wandte sich zu Jack um.
Schnell zog sich der junge Mann seine große Kapuze über den Kopf, zog sie tief ins Gesicht und zog sie ebenfalls bei seinem Freund hinauf.
„Achte darauf, dass dich niemand erkennt… So viel ich weiß treiben sich da drin meistens Todesser um, ich weiß ja nicht wie weit du jemals in Dublin warst wegen deiner naja… vergangenen Aktivitäten“, murmelte er und verfiel dann kurz darauf in Schweigen, als er bemerkt hatte, was für ein sensibles Thema er da angeschnitten hatte.
Einen Moment darauf grinste er nur breit und nickte dann in Richtung Pub. „Lass uns rein gehen…“, sagte er während er die quietschende Tür aufdrückte, die nach einigen Treppenstufen hinunter in den Pub führte.
In der Kneipe selbst war dunkel, verraucht, und obwohl schon die ersten Sonnenstrahlen zwischen den Wolken über der Stadt hervor brachen, immer noch sehr dunkel wie in tiefster Nacht.
Nur wenige Kerzen erleuchteten die größtenteils leeren Tische, ein großer Kerzenleuchter erhellte nur schwach die Tribüne am Kopf der ebenfalls leeren Bar, die nur vom Wirt des Etablissements beherbergt wurde, der schweigend seine Gläser mit Hilfe von Magie putzte.
Er schien die beiden nicht im Geringsten zu beachten und schien eher im Halbschlaf seiner Arbeit nach zu gehen, sodass Rowan rasch an ihm vorbei ging, direkt auf die Tribüne zu, auf der ein schwach erleuchteter Tisch stand, der allerdings aus dem Dunkel hervor stach, da drei Leute daran saßen und rauchten.
Sie schienen sich leise zu unterhalten, während sich die beiden näherten. Doch sobald Rowan am Kopf des Tisches stand und leise darauf klopfte sahen die Gestalten auf und musterten den Fremden mit misstrauisch zusammen gekniffenen Augen.
Direkt neben Rowan saß eine rothaarige junge Frau, die ihrem Aussehen nach leicht zu den Weasleys hätte gehören können, doch ihr teurer Mantel und ihre dunkel geschminkten Augen verrieten etwas anderes. Sie hatte ihre Arme verschränkt und ihr Blick galt allein der Person hinter Rowan, nämlich Jack, den sie wohl unter seiner Kapuze nicht erkennen konnte.
Die meisten von ihnen kannte Rowan nicht. Die junge Frau war ihm fremd genauso wie der junge Mann, der neben ihr saß. Er hatte brauen zerzaustes Haar und schien nicht im geringsten von Bedeutung zu sein, allenfalls ein niederer Greifer, doch derjenige der direkt neben ihm am Kopf des Tisches und somit Rowan gegenüber saß war ihnen beiden bekannt.
Es war Scabior, der seine Beine gemütlich auf den Tisch gelegt hatte und mit dem Stuhl gegen die Wand hinter ihm lehnte. Er sah müde aus, allerdings wohl eher von dem Whiskey der vor ihm stand als von der langen Nacht, die er hinter sich hatte.
Rowan bezweifelte, dass er nach dem Fall des Ministeriums noch viel zu tun gehabt hatte.
„Oh wow, hey…“, Scabior klang minder begeistert und verdrehte kurz seine Augen, ehe er seinen Kopf im Dunkeln hob.
„Scabior, wir brauchen einige Informationen bezüglich-„
„Wen haben wir denn hier? Zieh mal deine Kapuze hab, bevor du was von mir willst.“
Rowan knurrte etwas unverständliches vor sich hin, ehe er seine Kapuze hinunter zog und sein Gesicht offenbarte.
„Heeeey, schaut mal was die Katze herein gebracht hat: Es ist Salem! Klein Roro! Wer hätte das gedacht.“
Scabior schien nur minder begeistert, zu sehen wen er da vor sich hatte, nahm allerdings seine Füße vom Tisch und stand schließlich auf, richtete seinen Zauberstab schnell auf Rowan und seinen Begleiter.
„Was willst du, Verräter?“
 
Als Rowan ihn auf seine Vergangenheit ansprach verhärtete sich sein Gesichtsausdruck sofort. Bilder von schreienden Greifern und ihr betteln nach Gnade stiegen ihm vor Augen. „Ja, du hast Recht. Ich war oft hier.“
Er wusste, dass Rowan bemerkt hatte, was er da angesprochen hatte.  Doch die Bilder, die er verdrängt hatte, waren wieder da. Erneut fragte er sich, wofür er das alles getan hatte, wenn Sammy doch nun am Leben war. Er versuchte den Gedanken los zu werden, doch er wusste, dass er ihn bald nicht mehr würde verschieben können.
Sie betraten die Bar. Er kannte dieses Ding. Auch, wenn er immer am Hintereingang gewartet hatte, dass jemand herauskam. Verdammt! Ein paar der Gesichter kamen ihm viel zu bekannt vor. Er zog sich die Kapuze weiter ins Gesicht und hoffte einfach, sie würden ihn nicht erkennen. Er war ansich schon gespannt, wie Scabiour auf ihn reagieren würde. Es war schwer zu erklären, was sich in den letzten Jahren geändert hatte.
Er hätte nicht mitgehen sollen. Die Müdigkeit hatte ihn wohl wirklich dämlich gemacht. Mit seiner Warnleuchte auf dem Kopf würde ihn sofort jeder erkennen. Und sie hegten mit Sicherheit keine positiven Gefühle für ihn. Wenn er sich nicht schnell etwas einfallen ließ, würden er und Rowan in ernsthafte Schwierigkeiten kommen.
Da kam ihm eine Idee. Ein kurzes Grinsen huschte über sein Gesicht. Natürlich. Es war offensichtlich. Sein Iro war das, was ihnen im Gedächtnis geblieben war. Wenn er sich also normale Haare hexte, ohne dass sie es mitbekamen... Mit etwas Glück würden sie ihn nicht erkennen. Hier kamen ihm seine Haarzauber, mit denen er sich die Haare gefärbt hatte wirklich einmal zugute. Er tat so, als würde er sich an der Stirn kratzen, doch er hatte seinen Zauberstab in der Hand. Leise murmelte er ein paar Sprüche und spürte ein leichtes Kribbeln auf seiner Kopfhaut. Gut, es sollte geklappt haben. Seine Haare müssten ihr natürliches braun angenommen haben und die Frisur sollte normaler Durchschnitt sein.
Das ganze hatte nur ein paar Sekunden in Anspruch genommen und er war Rowan einfach hinterhergelaufen, der sich zielsicher zu einem der Tische aufmachte. Jack blieb dicht hinter ihm. Als sie angekommen waren sah er über die Gesichter. Ja, das war Scabiour und ein Kerl den er nicht kannte. Als er weitersah, wurde ihm kalt. Warum war dieses Mädchen hier? Er hatte gehofft sie nie wieder sehen zu müssen. Seine Müdigkeit war damit verflogen.
Rowan versuchte etwas in Erfahrung zu bringen. Doch natürlich redeten sie mit dieser Kapuze nicht mit ihm. Er war wohl wirklich noch nicht so lange dabei. Als er sie hinabzog wusste Jack, dass sie ihn kannten. Er behielt die Rothaarige weiterhin im Auge. Sie durfte ihn auf keinen Fall erkennen. Gut, vielleicht... Scabiours Stimme riss ihn aus seinen Gedanken. Instinktiv stellte er sich vor Rowan. Was auch immer der Typ vor hatte, er musste erst einmal an ihm vorbei. Und bis vor kurzem war er noch bei den Phönixen gewesen. Somit hatte er wohl um einiges weniger Skrupel wenn es um das retten der eigenen Haut ging, als sein Freund.
 
„Verräter finde ich etwas übertrieben, mein Freund“, knurrte Rowan und umklammerte dabei kräftiger seinen Zauberstab, wagte es aber nicht ihn gegen die drei Todesser zu erheben.
„Ach ja und wie erklärst du dir dann dein plötzliches Verschwinden nachdem dieser kleine … wie hieß der noch mal?“, der Todesser schien kurz wirklich verwirrt zu sein, sah hinüber zu seiner rothaarigen Kollegin, die einen Moment ihre Augen verdrehte und ihn nicht einmal ansah während sie antwortete:
„Donahue. Samuel Donahue.“ Ihre Stimme war angenehm und schien alles andere als kalt zu sein, wie die vieler Todesser, vielmehr hatte sie etwas aufrichtig Normales und Alltägliches an sich. Wie das Mädchen von nebenan.
„Den mein ich!“ Scabior erhob grinsend seinen Zeigefinger und zeigte dabei fast schon triumphierend auf Rowan.
„Wie erklärst du dir dann dein Verschwinden nach dem Ausbruch des kleinen Donahue, huh?“
„Ich hatte Geschäfte zu erledigen, im Gegensatz zu euch Greifern haben ich vielleicht wichtigere Dinge zu tun, als einem kleinen Schlammblut hinterher-„
„Hör auf deine Spielchen zu spielen, Rowan“, knurrte schließlich der Dritte im Bunde und hob leicht seinen Kopf, sah hinüber zu Jack und dann zu dem, den er gerade angesprochen hatte.
„Roel hat uns alles erzählt“, fuhr Scabior fort und sein Blick verfinsterte sich, musterte dabei Jack, der sich instinktiv vor Rowan gestellt hatte, besonders intensiv, sprach aber dabei weiter. „Ihr mit euren Lügen und perversen Psychospielchen – Ihr wisst doch gar nicht was ihr ihr damit angetan habt oder?“
„Was-?“
Rowan wusste daraufhin keine Antwort. Er stand schweigend da und starrte Scabior mit solchen Wut in seinen Augen an, dass man befürchten musste, dass er gleich explodieren würde.
Was redete dieser widerliche Greifer? Sie hatten Roel nicht in dieses psychisch kaputte Wrack verwandelt. Das ganze war so absurd, dass er schließlich seinen Zauberstab auf Scabior richtete und die junge Frau neben ihm aufsprang. Sie richtete ihren Zauberstab ebenfalls auf ihn und auch auf Jack, den sie schließlich immer noch misstrauisch anstarrte.
Rowan war es in diesem Moment egal, ob seine Tarnung aufflog, es war ohnehin sinnlos weiter daran fest zu halten, er wollte diesem elenden Todesser einfach nur noch eine reinwürgen, dafür, dass er den Namen seiner Schwester so in den Dreck zog.
„Wo verdammt noch mal ist Roel?“
 
 
Jack sah diese Idioten nur wütend an. Verstanden die nicht, dass es hier nicht um irgendwelche dummen Todessergeschichten ging, sondern um eine so genannte Freundin von ihnen? Es wurde ihm zu viel. Dann auch noch die Tatsache, dass sie ihn dafür beschuldigten, dass er ihm Sammy zurückgebracht hatte. Was sollte der Mist? Jack umklammerte seinen Zauberstab. Mit leiser Stimme sagte er: „Sagt uns jetzt wo Roel ist, klar?“ Dann schob er sich die Kapuze nach hinten. Mit einem vermummten hatten sie wohl kaum Chancen, dass man ihnen auch nur irgendetwas sagte. Er hoffte einfach darauf, dass ihn keiner erkannte. Doch er hatte sich so weit geändert, dass er es nicht vermutete. Nur bei der Rothaarigen war er sich sicher, dass sie wissen musste wer er war. Mit einem leisen Wink seines Zauberstabes legte er einen Muffliato über die anderen beiden und flüsterte mit einer kaum merklichen Bewegung seiner Lippen: „Du solltest wissen, dass ich bekomme, was ich will. Es war doch dein Freund, den ich damals vor deinen Augen abgeschlachtet habe, oder? Wenn du nicht willst, dass ich ihnen sage, was du mir damals für Informationen gegeben hast, dann spiel mit.“
Wie einfach es war, wieder in diese alte Rolle hinein zu schlüpfen. Zu einfach vielleicht. Der Freund dieses Mädchens war braunhaarig gewesen. Jack erinnerte sich an sämtliche Gesichtszüge von ihm. Schließlich war er der erste gewesen, den er im Namen der Phönixe umgebracht hatte. Er wischte die Erinnerung weg und sah sich um. An den anderen Tischen schienen sich die Leute zu ihnen umzudrehen. Scheiße! Sie konnten es sich nicht leisten jetzt erwischt zu werden. Er hatte so langsam wirklich Lust Roel erst zu retten und dann selbst umzubringen.
 
Scabiors Blick hing an Rowans wütender Grimasse, während er selbst auch seinen Zauberstab erhob und ihn hinüber auf Jack richtete. Seine eigene Miene schien kurz zu erstarren, dann verfiel er in eine tiefe Nachdenklichkeit, die dem Greifer so überhaupt nicht stehen wollte.
Schweigend hob er leicht seine Brauen, während ein leichtes Lächeln auf seinen Lippen erschien, während er Jack musterte.
Nicolas Scabior sah zwar nicht gerade nach einer Intelligenzbestie aus, aber er war nicht dumm. Ganz und gar nicht, denn auch wenn viele ihn zu unterschätzen drohten, wenn er so dämlich wie seine Kollegen wäre, würde er wohl nie so hoch in der Gunst von Bellatrix und den anderen Todessern stehen.
Und ja, irgendwoher schien er diesen Kerl zu kennen, doch gleichzeitig wusste er nicht wirklich, in welche Kategorie seines Gedächtnisses er ihn stecken sollte. Also blieb er erst einmal still und ließ die Situation auf sich zu kommen.
„Wo is Roel, huh? Jaaah, ich muss zugeben das hab ich mich in den letzten Monaten auch schon öfters gefragt und weißt du was?“
Sein Lächeln verschwand und Rowan straffte seine Schultern in anbetracht was jetzt kommen konnte. Er wusste nur zu gut, dass Scabior oft durch seine ordinäre Ausdrucksweise unterschätzt wurde und ein guter Redner sein konnte, er hoffte deswegen auch, dass Jack sich nicht durch seine Provokationen beeinflussen lassen würde.
„Was?“, zischte er schließlich zurück und starrte Scabior mit zusammen gekniffenen Augen an, spürte wie jeder einzelne Muskel in seinem Körper ihm am liebsten an die Kehle gesprungen wäre.
„Ich dachte sie wäre tot. Wir alle dachten das.“ Er macht eine kleine Pause und sah in die Runde. Astrid, die junge rothaarige Frau, die neben ihm stand, sah nur einen kleinen Moment zu ihm hinüber zu warf ihm einen intensiven Blick zu, den er allerdings für jetzt überging und dann wieder zu Rowan blickte.
„Nachdem sie mit diesem Phönix Donahue verschwunden ist, hatten wir sie alle für tot gehalten, nach allem was der schon mit ihr angestellt hatte-„
„Halt deine verdammte Klappe-„
„Roel kam hier an, vor ein paar Stunden und saß draußen auf der Straße im Regen. Wir hätten sie fast nicht gesehen. Jemand… einer von uns war zufälliger Weise draußen und hat sie gefunden. Durchnässt und verstört. Sie hat gezittert wie Espenlaup und war kaum ansprechbar. Ich hatte schon Angst, dass ihr sie in den Wahnsinn gefoltert habt!“
Scabiors Stimme erhob sich und er schrie inzwischen Rowan eher an als dass er so ruhig und gefasst mit ihm sprach wie zuvor.
„Und wisst ihr was – trotz allem… sie wollte uns nicht verraten wo ihr seid.“ Er schien wieder herunter zu kommen, wurde wieder ruhiger und sah Rowan scharf an, ließ seinen Blick noch einmal über Jack streifen.
„Es kam mir fast schon so vor als ob sie an dem Mistsack Donahue-„
Plötzlich hielt der Todesser inne und starrte Jack an. Natürlich. Wieso hatte er ihn nicht gleich erkannt?
Innerhalb nur weniger Momente sah er zu Astrid hinüber, die ihn immer noch vielsagend anstarrte und schließlich ihren Mund öffnete.
„Das ist er.“
Ohne Vorwarnung feuerten beide einen rot leuchtenden Fluch ab, die Rowan nur knapp von Jack abwehren konnte und ihn frontal in der Brust traf, sodass er nachhinten geschleudert wurde.
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BeitragThema: Re: Was bisher geschah *drama-button*   Mo Sep 23, 2013 1:52 am

Seine Finger zuckten. Es schien wieder Leben in ihn zurück zu kehren. Langsam, aber vorsichtig, begann sein Körper zu zittern und zu wackeln, seine Brust hob sich schneller und höher, als er wieder tief einatmete und dann die Augen aufmachte.
Kalter Steinboden lag unter seinem Körper, sein Blick traf eine dunkle ebenfalls steinerne Decke, von der sein Keuchen wieder hallte, was er im nächsten Moment ausstieß.
Er wusste nicht wo er war, nicht genau. Er wusste nur eins, er musste es so schnell wie möglich heraus finden.
Rowan drehte sich herum, rollte hinüber von seinem Rücken auf die Knie, sodass er sich langsam aufrichten konnte und schließlich schon halb stand, ehe er bemerkte wer neben ihm an der Wand gelehnt lag.
Es war Jack.
Sofort kroch er auf ihn zu, kniete sich neben ihn und versuchte ihn wach zu bekommen, schüttelte kurz, ehe er sich noch einmal in dem dunklen Kerker umsah.
Es war still, nur ab und zu schien jemand aus der Nachbarzelle zu wimmern, die er allerdings nicht einsehen konnte.
Hinter den Gitterstäben die vor ihnen lagen, konnte er nur auf einen noch düsteren Gang sehen, der ebenso trist und staubig dalag wie ihre Zelle.
„Jacky“, murmelte er und nahm mit seinen beiden Händen das Gesicht des Bewusstlosen, musterte ihn eindringlich. Er schien nicht schwer verletzt zu sein, also sollte bald wieder aufwachen.
Währenddessen schien das qualvolle Stöhnen von nebenan immer lauter zu werden.
 
Als Jack die Augen öffnete, sah er in das Gesicht eines ziemlich besorgt dreinschauenden Rowans. Er kniff kurz die Augen zusammen, da sein Schädel bestialisch brummte und öffnete sie dann wieder um sich schließlich aufzusetzen. Als er sich umsah fing er an mit den Zähnen zu knirschen. Toll! Wirklich toll! Sein Bruder, den er seit Jahren für tot hielt saß alleine in einem Wald, während er sich von Todessern in irgendeinen SM – Keller sperren ließ. Er drehte sich langsam zu seinem Mitgefangenen um. „Ehrlich 'Klein Roro', wenn wir hier wieder raus kommen und deine Schwester gefunden haben, trete ich ihr erst Mal sowas von in den Arsch!“ Immer noch leicht wütend fügte er hinzu: „Ist mit dir alles in Ordnung? Und hast du vielleicht irgendeine Ahnung wo wir sind?“
Konnte eigentlich an diesem verdammten Tag nicht einfach irgendetwas gut laufen? Aber gut, wenigstens hatte er jetzt endlich Gelegenheit zum Schlafen. Befreien würden sie sich hier drin sowieso nicht so schnell.
Er krabbelte zu der nicht gerade sauber aussehende Mauer und lehnte sich dagegen. Da bemerkte auf einmal ein Geräusch, das nicht gerade Fördernd war um einzuschlafen. Ohne die Augen zu öffnen fragte er: „Was ist das jetzt wieder?“
In seinem mittlerweile doch recht lädierten Zustand brauchte es seine Zeit, bis er bemerkte, dass besagte Geräuschquelle von einem Menschen kam, dem es wohl noch um einiges dreckiger ging als ihm. Er konnte es sich nicht verkneifen zu seufzen. Den Schlaf hätte er doch so langsam verdammt nötig gehabt. Doch er öffnete die Augen und sagte laut: „Hey, wer bist du? Was ist mit dir?“ Er hoffte nun einfach, dass der Mensch, der wohl in der Nebenzelle sein Dasein fristete ihn hören konnte.
Er hoffte schon fast, dass er der anderen Person nicht helfen konnte, auch wenn er sich dafür schämte. Aber er wollte einfach nur noch schlafen.
 
Wieder ein lautes Stöhnen, dann ein Schrei. Lang gezogen und Qualvoll. Aber eindeutig Männlich.
Rowan fuhr ein kalter Schauer über den Rücken. Er schluckte und wandte sich um, horchte den Klängen der Folter von Nebenan und versuchte heraus zu hören wer da gequält wurde und wer da vor allem quälte.
Doch er hörte die ersten Momente nichts heraus, sodass er wieder zu Jack sah und mit leicht gerunzelter Stirn seine Lippen küsste.
Er machte sich Sorgen, mehr als je zuvor, sodass er einfach nur noch so blass und krank aussah wie seine Schwester es sonst immer tat.
Vielleicht hatte sie sich die ganze Zeit über so gefühlt. Ständige Angst, die ihr im Nacken saß, weil sie Jahre lang dieses Versteckspiel mitmachen musste und nicht wie Rowan nur wenige Wochen.
Er fühlte sich schlecht, es fühlte sich an als ob sein Magen sich gleich nach außen stülpen würde, als er nur dem Gedanken nachhing, dass es Roel vielleicht genauso wie diesem Kerl da drüben gehen könnte.
Rowan wollte sich auf keinen Fall ausmalen müssen, was sie nun alles tun musste, wenn sie, so wie er es aus Scabiors kleiner Rede geschlossen hatte, wieder zu den Todesser und vor allem zu Voldemort zurück gekehrt war. Nachdem man sie vielleicht schon enttarnt hatte, nachdem man vielleicht sogar schon Jaque getötet hatte.
Wieder ein Schrei. Ein Wimmern und ein leises Flehen.
Nachdem er eigentlich dachte er hätte mit diesen schrecklichen Gedanken abgeschlossen, durchfuhr es ihn wie ein Blitz, seine Muskeln verkrampften sich und ihm wurde kalt.
„Jack… ist das … Sam?“
Sofort sprang er auf, trat hastig an die Gitter ihres Gefängnisses und rüttelte daran, doch es schien sich nichts zu rühren. Er versuchte seinen Blick etwas weiter nach rechts zu lenken, wo die Schreie herkamen, doch er konnte nichts ausmachen.
 
Gerade eben hatte er sich noch Sorgen um Rowan gemacht, doch seine Worte löschten alle Gedanken aus. Er saß einfach nur da und hörte auf diese Stimme. Warum war er nicht gleich darauf gekommen? Naja, wahrscheinlich, weil er davon überzeugt gewesen war, dass Sammy in irgendeinem Wald saß und sich langweilte. Langsam sickerte die Tatsache in sein Großhirn, dass dem nicht so war. Dass der Kleine in einer Zelle hier unten steckte und aller Wahrscheinlichkeit nach gefoltert wurde.
Jack sprang auf und stützte sich an der Wand neben ihm ab, als sich leichter Schwindel einstellte. Er stolperte zu dem Gitter und schrie: „Sammy? Verdammt nochmal, Sammy bist du das?“ Dann fing er an wie ein verrückter an den Stangen zu rütteln, doch es bewegte sich nichts. „Verdammt nochmal, wir müssen doch irgendwas tun können. Irgendwas!“
 
Dunkelheit. Um ihn her war nur diese endlose Dunkelheit. Ab und zu unterbrochen von Bildern. Der Tag, als sein Vater ihn das erste Mal schlug. Der Tag an dem Jack ihn alleine lies. Der Tag als er das erste Mal einen Crucio zu spüren bekam. Es ging immer weiter. Seine schlimmsten Momente spielten sich vor seinem inneren Auge ab und nichts änderte sich.
Er wusste nicht, wie lange dieser Zustand schon anhielt, er wusste nicht was vorher gewesen war. Er wusste so langsam nicht einmal mehr ob das hier nun ein Traum war oder die Realität darstellte. Da hörte er seinen Namen. Leise. Von ziemlich weit weg. Doch er hörte ihn. Immer wieder und jedes Mal wurde er ein kleines bisschen lauter. Bis er ihn auf einmal fast ohrenbetäubend empfand. Er öffnete die Augen und fragte leise: „Jack?“ Für mehr reichte es im Moment nicht.
Doch er erinnerte sich nun auch schleierhaft wie er hierher gekommen war. Ein Mann hatte ihn abgeholt und dann hierher gebracht. Als er unten im Keller war, war Rockwood aufgetaucht. Der Typ, der ihn damals als Schlammblut überführt hatte. Er hatte fragen gestellt. Fragen über Personen, die er teilweise nicht einmal kannte. Dann hatte er ihm diesen verdammten Trank eingeflöst und die Halluzinationen hatten eingesetzt.
Er hörte aus der Nebenzelle erneut einen Ruf: „Bist du okay? geht’s dir gut?“
Sam hätte nie gedacht, dass es so viel Kraft kosten konnte, einen einfachen Satz hervor zu bringen. Erst nach einigem zögern sagte er: „Mir ging's schon besser.“
Er wollte Jack vor Rockwood warnen, doch da wurde es wieder schwarz um ihn und er fiel zurück in die Dunkelheit und die alten Erinnerungen.
 
Rowans Finger krampften sich um die rostigen Gitterstäbe. Wut durchfloss seinen Körper wie Lava, die immer wieder aufkochte und giftige Dämpfe durch seine Adern pumpen ließ. Er wollte Feuer speien, er wollte diese Zelle zerstören und den Mistkerl töten, der für das alles verantwortlich war.
Doch das einzige was er momentan tun konnte, war sich gegen die Gitter zu werfen und diese zu beben zu bringen.
Er stieß hart mit seiner rechten Schulter zu, hörte das Quietschen der Stäbe und seinen eigenen schnellen Atem. Noch einmal. Und wieder.
Das Metall bewegte sich nicht. Zum wiederholten Mal verfluchte er die Abwesenheit seines Zauberstabs so sehr, dass ihm die heißen Tränen in die Augen stiegen.
„Verdammt!“
Das Ganze schien so surreal. Auch wenn er schon seit Jahren in dieser Welt lebte, dieser magischen, kaputten und von Krieg zerrissenen Welt, kam es ihm jetzt vor, als ob er sie das erste Mal richtig sehen würde.
Es war fast so als ob er die letzten Jahre nur funktioniert hätte und nicht den ganzen gewaltigen Schrecken begriffen hatte, der sein Leben schon so lange beherrschte.
Er fuhr mit seinen Händen langsam über seine Augen und stieß kräftig eine Menge Luft aus, keuchte und wimmerte kurz in seine Handflächen etwas Unverständliches hinein.
Er, Rowan Salem, hatte mal wieder versagt. Er hatte sie in diese Situation doch erst gebracht.
Wenn er nicht auf Jaque gehört hatte und nicht in diesen verfluchten Pub gegangen- Nein.
Wenn er damals Roel nicht allein gelassen hätte, wäre das alles nicht passiert.
Rowan öffnete wieder seine Augen und atmete tief ein. Noch blieb er einen Moment still, schien nach zu denken bis ihm etwas einfiel.
„Es gehört dazu. Das alles. Ich glaube wir werden gerade mitgefoltert, Jack“, er sprach langsam und ruhig zu seinem Freund, ging näher zu ihm und lehnte seinen Kopf gegen die Gitterstäbe, horchte in die Geräusche des Kerkers hinein und schloss abermals kurz die Augen.
„Es tut mir Leid“, fügte er noch murmelnd hinzu und legte seinen Kopf auf die Schulter von Jack.
Noch während er darüber nachdachte was er außer Jammern vielleicht auch noch tun könnte, hörte er wie etwas weiter weg eine Tür aufgemacht wurde und jemand näher zu kommen schien, mehrere Schritte, vielleicht mehrere Leute, bei den hallenden Geräuschen, die immer wieder von den Wänden zurück kamen, konnte es Rowan nicht einschätzen.
„Wir müssen hier raus“, knurrte er schließlich, seine Lebensgeister schienen wieder von der nahenden Gefahr aufgeweckt worden zu sein.
Er tastete hastig seine Jackentaschen ab, den Stauraum in einem Umhang, sogar das innere seines Schals den er trug und hoffte nur etwas kleines Nützliches zu finden, was ihm helfen konnte, aus diesem elenden Loch zu entkommen.
Sie schienen ihm alles genommen zu haben. Seine ganzen magischen Utensilien waren verschwunden, natürlich, doch was war mit dem Rest? Er hatte immer irgendwelchen unnötigen Schnickschnack dabei, also wo war der jetzt?
Gerade hatte er aufgeben wollen, da ertasteten seine Finger etwas Kühles, Metallenes in seiner Umhangtasche und zog einen Schraubenzieher heraus.
„Hilft uns das?“, ohne Jacks Antwort abzuwarten machte er sich am Schloss der Gitter zu schaffen.
 
Rhydian hatte sich auf diesen Tag gefreut. Irgendwie zumindest. Insofern man sich auf die Folterung eines Gefangenen freuen konnte. Er seufzte und machte sich der Situation klar.
Die beiden Trolle waren in einer Zelle in Hörweite und ihr kleiner, dummer Freund lag hier und war besinnungslos. Es war eine gute Methode die Rhydian in der Zeit, in der er hier war, auf ihren Höhepunkt gebracht hatte. Es war keine schöne Art und Weise und auch für ihn war es nicht sonderlich angenehm, aber sie funktionierte und das war das Einzige, das zählte.
Mit einem genervten Seufzen trat Rhydian näher an den Gefangenen heran, diesen Sam Donahue, dem er vor langer Zeit schon einmal gegenübergetreten war. Und zack-zack hatte er dem elendigen Bastard zwei Ohrfeigen verpasst (und einen Moment darüber nachgedacht, ihm ordentlich in die Seite zu treten – was er aber schnell wieder verworfen hatte). Ohnmächtig nutzte ihm das Schlammblut gar nichts. Effektivität stand an höchster Stelle und ein besinnungsloser Gefangener senkte die Effektivität um knappe hundert Prozent. Das war nicht sonderlich viel.
„Wach auf, Donahue“, sagt er gelangweilt und verpasst ihm noch einmal zack-zack ein paar saftige Ohrfeigen. Wenn er nicht bald aufwachen würde, würde er sich einen anderen Zeitvertreib suchen, der sich etwas mehr zur Wehr setzen würde.
„Donahue“, sagte er etwas lauter, aber noch nicht laut genug, um in den benachbarten Zellen gehört zu werden, „Willst du etwa, dass ich mich Jackylein widme? Oder Rowanchen?“ Er lachte leise und wartete noch einen kleinen Moment. Die Backpfeifen würden wirken. Also – zack-zack-zack – drei neue und langsam begannen seine Augenlider zu flattern.
Donahue sah schrecklich aus, ein wenig behindert, wie er versuchte, seine Augen zu öffnen, aber Probleme damit hatte. Um ihm einen neuen Ansporn zu geben, die Augen zu öffnen, wiederholte er seine Worte mit etwas Nachdruck: „Donahue, ich weiß, dass du mich hören kannst. Also hör gut zu: Wenn du dich zusammenreißt und schön laut für mich bist, dann verschon' ihn deine beiden Freunde vielleicht.“ Er zeigte dieses Grinsen, das jeder Gefangene hasste. Das, bei dem sie sich sicher sein konnten, dass es nichts Gutes bedeuten konnte.
Donahue öffnete die Augen. Irgendwie zumindest. Und das reichte schon.
„Crucio.“
Das Schreien hallte durch den ganzen Keller und Rhydian überlegte einen Moment, ob er sich für das nächste Mal nicht mit einem Zauber absichern sollte, dass sein Trommelfell nicht von den gellenden Schreien zerfetzt wurde. Man sollte meinen, dass man sich irgendwann an das schmerzerfüllte und leidende Gebären der Gefangenen gewöhnte, aber dem war nicht so. Jeder einzelne war irgendwie anders – und das störte Rhydian unglaublich. Wie sollte er Vorkehrungen treffen, wenn er doch bei jedem Gefangenen mit unterschiedlichen Reaktionen zu rechnen hatte?
Das war nicht sonderlich fair und es war objektiv gesehen vollkommen schwachsinnig. Und das machte Rhydian wahnsinnig.
Also hetzte er dem Schlammblut einen weiteren Crucio auf den Hals.
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Roel Salem
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BeitragThema: Re: Was bisher geschah *drama-button*   Mo Sep 23, 2013 1:53 am

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